Shimano EP8 E-Bike Motor im Test: Leistung, Reichweite und Fahreigenschaften

Shimano hat mit dem EP8 ein E-Bike-System vorgestellt, das in Bezug auf Hard- und Software neue Maßstäbe setzen soll. Die Einsatzbereiche erstrecken sich von Wettkampfrennen im Trailriding über Cross Country und Mountainbike bis hin zum Trekking- oder sogar City-Bereich. Im Folgenden werden die Eigenschaften, Testergebnisse und Vergleiche des Shimano EP8 detailliert beleuchtet.

Die wichtigsten Merkmale des Shimano EP8

Viele der Merkmale von Shimano EP8 sind das leistungsstärkere und dennoch leichtere, sanftere Treten sowie die sauber integrierte und geräuscharme Antriebseinheit. Das neue System soll den langjährigen E-Biking-Prinzipien von Shimano folgen: Ein natürliches Fahrgefühl mit kontrollierbarer hoher Leistung, wenn der Fahrer es am dringendsten benötigt.

Technische Verbesserungen

  • Leichter und kleiner: Die neue EP8 Antriebseinheit (DU-EP800) ist mit beeindruckenden 85 Nm am Antriebsstrang ausgerüstet und macht damit auch die steilsten Anstiege bezwingbar. Die Steigerung des Drehmoments im Vergleich zum Vorgängermodell E8000 um satte 21% geht Hand in Hand mit einer Gewichtsreduktion um 300 g auf gerade einmal 2,6 kg (minus 10%), für die vor allem das neue Magnesium-Gehäuse verantwortlich ist.
  • Effizienz: Darüber hinaus geht die Steigerung des Leistungsgewichts aber auch mit einer höheren Effizienz und einem schonenderen Umgang mit den Akku-Reserven einher. Durch diese Widerstandsminimierung wird bei aktiver Motorunterstützung die Effizienz gesteigert, ohne Motorunterstützung äußert sie sich in leichtgängigem Pedalieren fast wie bei einem herkömmlichen Fahrrad.
  • Geräuscharm: Trotz der Steigerung des Drehmoments bleibt der Shimano EP8 leise.
  • Kompaktes Design: Die kleinere Hülle der Magnesium-Antriebseinheit sorgt für verbesserte Wärmeleitungseigenschaften mit neu gestalteten Einbauten (optimierte Getriebestruktur und neue EW-SD300-Kabel).
  • Kompatibilität: Shimano EP8 ist kompatibel mit mechanischen 9-, 10-, 11- und 12-fach-Schaltsystemen, elektronischer Di2-Schaltung (11-fach) und Getriebenaben (11/8/7/5-fach). Eine neue Kettenführung (CD-EM800) ist ebenfalls erhältlich.

Software und Individualisierung

Die zweite, aber nicht minder entscheidende Komponente von Shimanos Rezept für ein natürliches E-MTB-Fahrgefühl und eine intuitive Leistungskontrolle ist die Software.

  • Boost-Modus: In der stärksten Einstellung erzielt der BOOST Modus eine Leistungs-Abgabe von maximalen 85 Nm.
  • Trail-Modus: Der TRAIL Modus erbringt in der Spitze ebenfalls 85 Nm Output. Dieser Anstieg soll dabei deutlich früher erfolgen als beim Vorgängermodell - die 85 Nm können schon bei 60 Nm Fahrerinput bereitstehen.
  • Eco-Modus: Der ECO Modus soll in der Spitze 30 Nm liefern, die in einer gleichermaßen responsiven Art und Weise erreicht werden.
  • Einstellbarkeit: Die Modi BOOST, TRAIL und ECO können mit zehn verschiedenen Stufen angepasst werden. Das Drehmoment kann zwischen 20 und 85 Nm eingestellt werden.
  • E-Tube Project App: Sowohl die E-TUBE PROJECT-App als auch die E-TUBE RIDE-App können ab sofort im iPhone- oder Android-App-Store heruntergeladen werden und sind vollständig mit SHIMANO EP8 kompatibel.

Testberichte und Fahreindrücke

Contoura Li8 im Test

Das Contoura Li 8 spornt an, die Straße zu verlassen und im Gelände zu fahren. Die 120 mm Federgabel lässt sich ans Fahrergewicht anpassen und schluckt richtig eingestellt Wurzeln wie buckelige Steine locker weg. Auch das Heck erweist sich dank der gefederten Vario-Sattelstütze als komfortabel und bügelt grobe Unebenheiten im Trail glatt. Gerade auf dem jahreszeitlich bedingt schwierig zu fahrenden Untergrund beweist das Contoura souveräne Beherrschbarkeit.

Shimanos EP8 MTB-Antrieb fügt sich ideal ins gelungene Konzept des Li8 ein und überzeugt einmal mehr mit bäriger Unterstützung. Das Contoura behält in jeder Situation die Nerven und befördert seinen Pedaleur agil und quirlig quer durch den Stadtdschungel. Beim Ampelstopp hilft die Sattelstütze: linken Hebel drücken, die Stütze fährt runter und erleichtert den festen Stand mit den Beinen am Boden. Mit dem 630 Wh Akku ist das Trekking E-Bike Li8 gut aufgestellt.

Merida eBIG.TOUR 700 EQ im Test

Das MERIDA eBIG.TOUR 700 EQ setzt auf Shimanos EP8-Motor mit 85 Nm. Im Fahrbetrieb überzeugt der EP8-Motor mit einer verhältnismäßig geringen Geräuschkulisse und einem wirklich natürlichen und einsteigerfreundlichen Fahrverhalten. Die Fahrmodi sind im Vergleich zum Bosch-Motor etwas differenzierter abgestimmt, und die Mitglieder des Testteams waren große Fans des sogenannten Trail-Modus, der dynamisch auf die von den Fahrenden erbrachte Kraft reagiert und sowohl in der Ebene als auch bergauf stets die passende Motorunterstützung bereitstellt.

Insgesamt bewegt sich das MERIDA in Sachen Komfort deutlich über dem steifen Haibike Trekking 9 und etwas unterhalb des Komfortwunders Samedi 27 Xroad FS 7 aus dem Hause Moustache. Lenkimpulse setzt das MERIDA im Vergleich zu sportlicheren Bikes wie dem Canyon Commuter:ON 7 ein wenig langsamer um, was aber nicht negativ sein muss, sondern zu dem etwas entspannteren Charakter des Bikes passt.

Reichweitentest der Light E-Bike Motoren

Um die Reichweite der Light E-Bikes fair und realistisch miteinander zu vergleichen, wurde ein aufwändiger Feldtest mit Wattmesstechnik von Garmin durchgeführt. Für perfekte Vergleichbarkeit wurden alle Motoren über die U-Stufen und die App-Feineinstellungen auf eine einheitliche Leistung von rund 250 Watt angeglichen. Die Fahrerleistung wurde konstant bei 175 Watt gehalten und mit hochwertiger Messtechnik von Garmin überwacht und aufgezeichnet. Das Fahrergewicht lag bei 90 Kilo inklusive Ausrüstung.

Ergebnisse des Reichweitentests:

Die erste Erkenntnis ist wenig überraschend: Je größer der Akku, desto mehr Reichweite liefern die E-Bikes. Deutlich interessanter ist, dass zwischen E-MTBs mit vergleichbarer Akku-Größe erstaunliche Reichweitenunterschiede ermittelt wurden.

Ein Blick auf die Klasse um 360 Wattstunden macht das besonders deutlich:

  • Forestal mit 360 Wattstunden
  • TQ HPR 50 in Trek und Simplon mit 360 Wattstunden
  • Shimano EP8 im Rotwild R.X 375 mit 375 Wattstunden

Das Rotwild mit Shimano-Antrieb erkletterte in diesem Test 1285 Höhenmeter, und damit deutlich mehr als die Antriebe von TQ und Forestal. Die Bikes mit TQ HPR 50 kamen nur auf rund 900 Höhenmeter (Simplon 893 und Trek 925) und erkurbelten dann nochmal 133 bzw. 148 Höhenmeter bei deutlich reduzierter Leistung auf den letzten zehn Prozent Akku. Mit 1007 Höhenmetern plus 79 bei reduziertem Schub kommt das Forestal Cyon mit dem F60-S1 etwas weiter.

Mit 430 Wattstunden haben die Fazua-Bikes den nächstgrößeren Akku an Bord. Haibike und Focus erzielten in diesem Test 1423 bzw. 1359 Höhenmeter. Das ist deutlich mehr als die TQ-Konkurrenz.

Das BH Bikes iLynx Trail kommt mit dem größten Akku mit 540 Wh insgesamt am weitesten, der Antrieb schaltet aber früh in einen Notlauf-Modus mit minimaler Unterstützung. Das Storck e.drenalin mit Shimano EP8 und 504 Wattstunden erklettert 1583 Höhenmeter bei vollem Motorschub, was die gute Effizienz des Shimano EP8 unterstreicht.

Zum Vergleich wurde ein klassisches E-MTB mit 720er-Akku in diesem Test mitlaufen lassen. Das Canyon Spectral:On CFR wiegt 22,3 Kilo und ist damit rund zwei bis vier Kilo schwerer als die Light-Kandidaten. Mit dem deutlich größeren Akku erklettert das Canyon bei identischen Bedingungen und gleicher Fahrweise mit Abstand am meisten Höhenmeter. Nämlich satte 2096 Höhenmeter.

Ergebnisse im Überblick

Antrieb Akku Höhenmeter
BH Bikes 2EXMag 540 Wh 1338 + 285 (gedrosselt)
Fazua Ride 60 430 Wh 1423 (Haibike) / 1359 (Focus)
Forestal F60-S1 360 Wh 1007 + 79 (gedrosselt)
Shimano EP8 375 Wh 1285 (Rotwild)
Shimano EP8 504 Wh 1583 (Storck)
Shimano EP8 720 Wh 2096 (Canyon)
TQ HPR 50 360 Wh 893 + 133 (gedrosselt) / 925 + 148 (gedrosselt)

Der Orbea EP8 RS im Detail

Das Orbea Rise ist eines der erfolgreichsten Light-E-MTBs am Markt. Dabei setzt das Bike der Spanier auf ein spezielles Konzept. Denn für Schub sorgt kein eigens entwickelter Leicht-Motor, sondern ein modifizierter Shimano EP8. Hardware-seitig ist der Orbea EP8 RS identisch mit dem klassischen Shimano EP8. Gewichtstechnisch hat er gegen die exklusiv als Light-Antrieb konzipierte Konkurrenz also klar das Nachsehen.

Labormessungen auf dem Rollenprüfstand von PT Labs bescheinigen dem Orbea EP8 RS eine maximale Leistung von 339 Watt und ein Drehmoment von 56 Newtonmetern. Im Light-Vergleich steht der Motor damit gut im Saft. In der Praxis fühlt sich der Antrieb sogar noch etwas kräftiger an. Bei direkten Vergleichsfahrten mit dem klassischen EP8 wurde eine kleinere Leistungsdifferenz vermutet. Seine volle Leistung ruft der EP8 RS schon bei geringen Trittfrequenzen ab und hält sie über ein großes Drehzahlband konstant. Bei sehr hohen Kadenzen über 100 bricht die Leistung allerdings ein.

Vergleich: Bosch Performance Line CX vs. Shimano EP801

Es ist DAS Duell der E-Bike-Giganten: Der deutsche Traditionshersteller Bosch tritt in diesem Vergleich gegen den japanischen Traditionshersteller Shimano an. In der linken Ecke steht also der Kraftmeier CX Performance Line in seiner brandneuen fünften Generation, in der rechten der erst neulich per Firmware-Update aufgefrischte und auf dem Papier ähnlich starke EP801.

Der neue CX ist endlich merklich leiser geworden - und seit Mai 2025 auch noch stärker als zuvor!Wer beim Fahrradhändler nach einem "Bosch-Fahrrad" fragt, will sehr wahrscheinlich ihn hier haben: Bosch Performance Line CX in seiner erst kürzlich vorgestellten fünften Generation. Zunächst mit 85 Newtonmetern Drehmoment und 600 Watt in der Spitze, bekommt er im Sommer 2025 nun endlich per Firmware-Update mehr Saft. Bis zu 100 Nm und 750 Watt in der Spitze soll er dann können, die Unterstützung steigt dann auf bis zu 400 %.

Fazit

Der Shimano EP8 hat sich als vielseitiger und leistungsstarker E-Bike-Motor bewiesen. Er bietet eine gute Balance aus Leistung, Effizienz und Individualisierungsmöglichkeiten. Die Testergebnisse zeigen, dass der EP8 in verschiedenen E-Bike-Kategorien überzeugt und sowohl für sportliche Mountainbiker als auch für komfortorientierte Trekking-Fahrer eine gute Wahl darstellt.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0