Tretroller im Bus mitnehmen: Welche Regeln gelten?

Die Mitnahme von Fahrrädern und Tretrollern in Bussen und Bahnen ist ein Thema, das viele Pendler und Reisende beschäftigt. Ob es erlaubt ist, den Tretroller mitzunehmen, ob es etwas kostet und welche Regeln zu beachten sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuelle Situation in Deutschland.

Allgemeine Bestimmungen und Unterschiede

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) ordnet Tretroller nicht der Kategorie Fahrräder zu. Daher dürfen Tretroller auch auf Gehwegen genutzt werden und ihre Nutzer werden wie Fußgänger angesehen. Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird die Mitnahme von Tretrollern und Fahrrädern jedoch nicht zentral geregelt. Hier stellt jeder Verkehrsbetrieb und Verkehrsverbund seine eigenen Regeln auf.

Im Zweifel sollte man sich im Vorfeld eine Information beim jeweiligen Verkehrsbetrieb einholen. In der Praxis machen kleine Cityroller und E-Roller, zumal sie sich zusammenfalten lassen, kaum Probleme. Egal ob auf der Fahrt in den Urlaub oder beim Berufs-Pendeln: Rad oder Roller dabei zu haben ist praktisch, oft günstig oder sogar gratis. Erlaubt ist es aber nicht überall.

Auch Radtourist:innen nutzen gern die Bahn. Doch welches Ticket man lösen muss, ob man eine Reservierung braucht oder ob man das Fahrrad überhaupt in Bahn oder Bus mitnehmen darf, ist nicht pauschal zu beantworten.

Fahrradmitnahme im Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB)

Wer mit dem Fahrrad reisen möchte, plant besser früh: Die Fahrradstellplätze in den Zügen sind begrenzt. Auf bahn.de oder in der App DB Navigator kann man sich Verbindungen mit möglicher Fahrradmitnahme anzeigen lassen.

  • Eine Reservierung ist im Fahrrad-Ticketpreis von 9 Euro je Verbindung enthalten.
  • Diese entfällt allerdings, etwa wenn Reisende ihre Pläne ändern und einen späteren Zug nehmen. Für diesen ist dann eine neue Reservierung für 4,50 Euro nötig.
  • Die Fahrradkarte selbst gilt auch im Nahverkehr (RE, RB und S-Bahnen). Doch gibt es hier grundsätzlich keine Reservierungen für Fahrräder.

Auch Bahnkonkurrent Flixtrain ermöglicht die Fahrradmitnahme, allerdings bislang nur auf der Strecken Aachen - Köln - Berlin - Dresden. Das Angebot soll aber ausgebaut werden. Ein Fahrradplatz kostet hier nach Unternehmensangaben zwischen 8 und 18,99 Euro.

Der größte Unterschied zum Fernverkehr: Man kann nicht reservieren, die Fahrradmitnahme kann nicht garantiert werden.

Fahrradmitnahme im Regionalverkehr

Das Ticket berechtigt bundesweit bis 3 Uhr des Folgetages zur Fahrradmitnahme für beliebig viele Fahrten in allen Zügen des Nahverkehrs (IRE, RE, RB und S-Bahn). Fahrradkarten lassen sich auch innerhalb der regionalen Verkehrsverbünde buchen. Der Vorteil: Vielerorts dürfen Räder mit einem Verbundticket auch im Bus oder in der Tram mit.

Die einzelnen Bestimmungen und Preise variieren jedoch nach Region und Tageszeit.

Tipp: Buche das Fahrradticket möglichst früh, aber spätestens bis einen Tag vor der Reise. Je früher, desto besser, denn in den Sommermonaten sind die Stellplätze häufig ausverkauft und es gibt keine Mitnahmegarantie bei vollen Zügen.

Fahrradmitnahme im Bus

Im Fernverkehr mischt Flixbus mit. „In den meisten unserer Flixbusse kannst Du Dein Fahrrad mitnehmen“, so das Unternehmen. Fügt man im Buchungsvorgang ein Fahrrad hinzu, werden nur Fahrten angezeigt, die für Reisende mit Bike Plätze frei haben. Kosten: 8 bis 18,99 Euro.

Allerdings ist die Fahrradmitnahme nur von März bis Oktober möglich. Die Bikes werden an Fahrradträgern am Heck untergebracht oder fahren in Fahrradhüllen im Gepäckraum mit.

Im öffentlichen Regionalverkehr ist die Mitnahme in Bussen prinzipiell erlaubt, doch wird sie in den Verbünden unterschiedlich gehandhabt - etwa mit Sperrzeiten zur Rushhour. Manche lokale Verkehrsbetriebe schließen die Fahrradmitnahme im Bus auch ganz aus.

Welche Fahrradtypen dürfen mit?

Die Deutsche Bahn schließt den Transport von Lastenrädern aus. Andere, mitunter ebenfalls sperrige Bikes dürfen aber an Bord, falls genügend Platz vorhanden ist, zum Beispiel Tandems oder Liegeräder. Auch Räder mit elektronischer Trittunterstützung (E-Bikes bzw. Pedelecs) dürfen mit. Die Akkus müssen dabei am Rad bleiben.

Ob mit oder ohne Motor: Die Bikes müssen in die Fahrradvorrichtungen an Bord passen. In den regionalen Verkehrsverbünden sind die Regeln wiederum unterschiedlich. Grundsätzlich ausgeschlossen ist aber die Mitnahme von S-Pedelecs, die bis 45 km/h unterstützen.

Falträder werden in aller Regel als Gepäckstück betrachtet. Ein Zusatzticket ist meist nicht notwendig, damit ist die Mitnahme kostenlos. In Flixbussen muss ein Faltrad als Sondergepäck (3,99 bis 18 Euro) gebucht werden.

Mitnahme von E-Tretrollern

In den Fernzügen der Deutschen Bahn dürfen E-Scooter als Handgepäck kostenfrei mit, wenn sie zusammengeklappt und sicher verstaut werden. Die Bahn empfiehlt dazu eine Tasche. Im regionalen öffentlichen Nahverkehr gibt es unterschiedliche Regelungen.

Seit Ende Februar 2024 empfiehlt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dass E-Scooter von der Beförderung in Bussen und Bahnen des ÖPNV ausgeschlossen werden. Der Grund: Niedrige Sicherheitsstandards bei den verbauten Akkus könnten eine Brand- oder Explosionsgefahr bergen.

Internationale Fahrradmitnahme

Für die grenzüberschreitende Fahrradmitnahme im Zug ist eine internationale Fahrradkarte erforderlich. Diese ist bei der Deutschen Bahn oder dem entsprechenden Bahnunternehmen des Reiseziels zu erwerben und ist bis zum Zielbahnhof ohne weiteren Aufpreis gültig.

Auch in allen Nachbarländern Deutschlands, sowie zum Beispiel in Italien, Frankreich und Ungarn, es möglich, das Fahrrad in Zügen mitzunehmen, jedoch sind in einigen Ländern bestimmte Fahrradtypen oder Fahrradanhänger von der Mitnahme ausgeschlossen.

Alternativen zur Mitnahme

Willst du dein Fahrrad mit in den Urlaub nehmen, aber nicht selbst herumschleppen, gibt es eine weitere Option: der Versand per Kurier. Dieser entlastet die Anreise per Bahn oder Bus und ist daher für viele Reisende interessant. Die Deutsche Bahn bietet einen Versand von gängigen Fahrradmodellen ohne Elektromotor innerhalb Deutschlands an.

Auch private Versanddienste haben einen Tür-zu-Tür-Transport von Fahrrädern im Angebot. Dieser dauert zwischen zwei und fünf Tagen.

Besonderheiten in den Verkehrsverbünden

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) gelten beispielsweise folgende Regelungen:

  • Für die VRR-weite Fahrradmitnahme muss in Verbindung mit dem regulären Ticket pro Fahrrad ein FahrradTicket gelöst werden. Das FahrradTicket ist ab der Entwertung 24 Stunden gültig.
  • Für Inhaber eines Ticket2000 ist die Mitnahme eines Fahrrades im gewählten Geltungsbereich kostenlos.
  • Die Mitnahme von eingeklappten Falträdern oder faltbaren Tretrollern ist ohne zusätzlichen Fahrschein möglich.
  • Pedelecs sind erlaubt, E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 45 km/h jedoch nicht.

Aktuelle Verbote von E-Scootern im ÖPNV

Aufgrund von Sicherheitsbedenken bezüglich der Akkus gibt es in immer mehr Städten Deutschlands Verbote für die Mitnahme von E-Scootern im Nahverkehr. Der VDV hat eine entsprechende Empfehlung für die Branche ausgesprochen.

Folgende Städte haben bereits Verbote umgesetzt (Stand: Juni 2024):

  • Frankfurt am Main
  • Darmstadt
  • Kiel, Lübeck, Flensburg (Nahverkehr Schleswig-Holstein)
  • Bremen
  • Leipzig
  • München
  • Augsburg
  • Nürnberg
  • Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Duisburg, Wuppertal (NRW)
  • Bochum
  • Hamburg

Die Umsetzung des Verbots bedeutet in der Praxis, dass private E-Scooter als erste/letzte -Meile-Zubringer des öffentlichen Verkehrs schwierig werden.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Die Mitnahme von Tretrollern und Fahrrädern in Bussen und Bahnen ist ein komplexes Thema mit vielen regionalen Unterschieden. Es ist ratsam, sich vor der Fahrt über die geltenden Bestimmungen zu informieren und gegebenenfalls ein Ticket zu buchen oder eine Reservierung vorzunehmen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken gibt es zunehmend Verbote für die Mitnahme von E-Scootern im ÖPNV.

Übersichtstabelle zur Fahrradmitnahme

Verkehrsmittel Regelungen Kosten Besonderheiten
Deutsche Bahn Fernverkehr Reservierung empfohlen, Fahrradstellplätze begrenzt 9 Euro pro Verbindung Fahrradkarte gilt auch im Nahverkehr
Flixtrain Fahrradmitnahme möglich, Angebot wird ausgebaut 8-18,99 Euro pro Verbindung Keine Reservierung möglich
Deutsche Bahn Regionalverkehr Keine Reservierung möglich, Kapazität abhängig Fahrradtageskarte Deutschlandtarif: 6 Euro Gilt bundesweit in allen Nahverkehrszügen
Flixbus Fahrradmitnahme nur von März bis Oktober möglich 8-18,99 Euro Fahrräder werden am Heck oder im Gepäckraum transportiert
Öffentlicher Regionalverkehr (Bus) Regelungen variieren je nach Verbund Abhängig vom Verbund Oft Sperrzeiten zur Rushhour

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