Trondheim Oslo Rennradstrecke: Eine Herausforderung in Norwegen

Die Trondheim-Oslo-Strecke, auch bekannt als Styrkeprøven (norwegisch: „große Kraftprobe“), ist eine der bekanntesten und anspruchsvollsten Radmarathonstrecken Norwegens. Jedes Jahr nehmen Tausende von Radsportlern an diesem Rennen teil, um die rund 540 Kilometer mit etwa 3.400 Höhenmetern zu bewältigen.

Die Herausforderung

Manche fahren diese Etappe von Oslo nach Trondheim in einem Tag auf direktem Weg ca. 500 Km mit dem Rennrad. Ich habe 8 Fahrtage über Wanderwege und Schotterstraßen vorgesehen. Dafür gilt es ungefähr 700 Km und ca. Möglichst abseits und inmitten der skandinavischen Natur.

Vorbereitung und Training

Seit vielen Wochen beginnt mein Tag meist mit zwei Stunden auf dem Hometrainer. An den Wochenenden geht es in der Bodenseegegend aufs Renntandem, zusammen mit meinem guten Freund, Ingenieur Alex Heim (46), der mich auch in Norwegen begleiten wird. Anfang März trainierten wir eine Woche auf Mallorca. Wir fuhren etwa 100 Kilometer am Tag, ganz locker, so dass wir zwischendurch einen Cappucchino trinken konnten.

Seit Mitte März fahren wir jedoch fast nur noch im Regen bzw. trainieren im Fitnessstudio, wenn das Wetter unerträglich ist und die Straßen zu glitschig sind. Bis zum 22. Juni habe ich noch viel (Büro-)Arbeit, mehrere Vorträge und Wahlkampf für die SPD.

Mein Trainingsplan sah vor, dass ich bis zum Frühlingsanfang ausschließlich Grundlageneinheiten im Umfang von 2-4 Stunden durchführen wollte. Ab März/April sollten dann mehrere längere Einheiten von 150-200km folgen und im Mai wollte ich dann noch ein bis zwei 300km Touren fahren. Den Plan bezüglich der Grundlagen konnte ich einhalten, das schlechte Wetter von März bis Mai hat meine Vorbereitung erheblich durcheinandergebracht.

Die 100-150km Einheiten waren zwar auch bei relativ schlechter Witterung möglich, eine dieser Einheiten jedoch hat mir dann aber auch eine hartnäckige Bronchitis eingebracht. Die 200er Tour an den Bodensee konnte ich deshalb erst am letzten Aprilwochenende bei sehr mäßigem Wetter durchführen; die gepante 300er Runde sogar erst Anfang Juni, also nur zwei Wochen vor dem Rennen.

Das Rennen

Am Start der 3. Etappe auf dem Weg nach Norden stehend, soll es von Oslo nach Trondheim gehen. Im Bauch kribbelt es. 8 Tage Natur liegen vor mir. Nach nur 30 km vom Flughafen Oslo entfernt wird es richtig schön.

Von Trondheim führte die Strecke über die Reichsstraße E6, gesäumt von einem begeistertem Publikum und deren „Heja Heja“ Rufen, hinaus aus der Stadt. Hier kam bei mir zum ersten Mal etwas Euphorie auf, welche aber durch das Hinweisschild „Oslo 533km“ sofort wieder gedämpft wurde. Der Streckenverlauf sah vor, dass die ersten 160 km mit mäßiger Steigung stetig bergauf bis zur Hochebene von Dovrefjell führte.

Der Streckenverlauf sah vor, dass die ersten 160 km mit mäßiger Steigung stetig bergauf bis zur Hochebene von Dovrefjell führte. Zunächst war ich mit den beiden Engernern Fahrern unterwegs, musste mich aber nach ca. 80km von ihnen trennen, da diese für meine Verhältnisse viel zu langsam waren. Mein Puls kam gerade mal über 100 Schläge und ich begann erheblich zu frieren.

Kurz nach der Verpflegungstelle Oppdalsporten (100 km) habe ich dann zu zwei Mitfahrern aus Weil (Fred und Urs Hagemann) aufgeschlossen. Diese beiden fuhren in etwa mein Tempo und wir bildeten eine kleine Gruppe um gemeinsam gegen den anhaltenden Dauerregen zu fluchen. Nach ca. 180 km passierte es dann. Ein seltsames Geräusch beim Schalten und unmittelbar dannach war mir klar: der Schaltzug ist gerissen.

Die beiden Weiler fuhren weiter und ich haderte im Regen stehend mit meinem Schicksal. Was tun? Helmut anrufen! Zunächst hatte ich keine Verbindung aber es gelang mir dann doch irgendwann Kontakt aufzunehmen und ca. 25 min später war er da. Da wir leider keinen Schaltzug dabei hatten und wie sich herausstellt der Schaltgriff auch noch defekt war, bot mir Helmut sein Rennrad an.

Aufgrund meiner Panne habe ich die Verpflegungstation Dombas überfahren bin gleich weiter in Richtung Kvam gefahren. Während diesen 70, schier endlosen Kilometern, befiel mich eine enorme Müdigkeit. Immer wieder musste ich für ein bis zwei Minuten anhalten um nicht einzuschlafen. Während dieser Zeit ist es mir auch immer wieder passiert, dass ich Dinge gesehen habe, die nicht existierten. Ich hatte Halluzinationen. Mitten im Wald sah ich Autos, Häuser oder Menschen und wenn ich ein weiteres mal hinsah, hat es sich als Baum, Busch oder Leitplanke herausgestellt.

Bei der nächsten Tankstelle machte ich dem Spuk ein Ende. Ein RedBull hat diesen bösen Geistern Flügel verliehen auf denen Sie alsbald weggeflogen sind. Auf den folgenden Kilometern bis Kvitfjell habe ich mich einer norwegischen Gruppe angeschlossen, die von einem Filmteam begleitet wurde. Ein Mitglied der Gruppe hatte im letzten Jahr einen Herzanfall und er wollte zeigen, dass bei einem gesunden Training auch eine Strecke von 540km mit dem Rad zu bewältigen ist. Ich stellte mich für ca. 50 Kilometer in seinen Dienst und habe meinen bescheidenen Windschatten gespendet.

Um nicht zu viel Zeit zu verlieren bin ich ab der Verpflegungsstation Kvitfjell (km 320) wieder alleine weitergefahren. In der Zwischenzeit war es mir auch aufgefallen, dass der Regen aufgehört hat. An der Verpflegungsstation Lillehammer war es dann so weit: ich konnte mich tatsächlich der Regenhose entledigen. Unendliche 18 Stunden und 24 Minuten war ich in dieser Plastikhülle unterwegs und war froh endlich „normale“ Radklamotten anzuziehen.

Vor dem kommenden letzten Teilstück bis Eidsvoll hatte ich gehörigen Respekt. Hatte ich doch in unzähligen Erfahrungsberichten gelesen, dass hier das Rennen erst beginnt und man bis Lillehammer das Pulver trocken halten sollte. Trocken? Klingt fast wie ein Witz. Bei dem Wetter war das unmöglich! Jedenfalls befand ich mich in einer ausgesprochen guten Verfassung. Vielleicht lag es an den kurzen Radhosen oder an den lächerlichen 190 km die noch zu fahren waren. Jedenfalls verspürte ich weder Müdigkeit noch schwere Beine.

Keine 10 Minuten nachdem ich wieder unterwegs war, bemerkte ich von hinten ein Team näherkommen. Mindestens 30 Mann stark mit Begleitfahrzeugen und Blaulicht ausgestatten, war die Mannschaft des „Team Jaeren“ - kaum schneller als ich - zu mir aufgefahren. Das war die Gelegenheit für mich wieder etwas Zeit gutzumachen. Ich konnte mich in deren Windschatten sehr gut halten und bin die nächsten 130km mit einem 35er Schnitt im Team mitgefahren.

Vom Teamkapitän habe ich dann erfahren, dass dieses Team mit einer Zielzeit von 17 Stunden unterwegs ist. Dies war die schönste Erfahrung die ich bislang in meinem Rennradleben gemacht habe, denn es war ein enormes Gefühl von Begleitfahrzeugen eskortiert durch die Strassen zu fliegen und vom Publikum frenetisch angefeuert zu werden.

Nachdem ich die kurze Pause bei Eidsvoll genutzt habe, um mich zu verpflegen und Kleidung aufzurüsten (es war inzwischen nach 23:00 Uhr), habe ich mich auf das letzte Teilstück bis Oslo begeben. Nur noch 60km, das war überschaubar, dachte ich! Allerdings habe ich die Rechnung ohne das Wetter und das Streckenprofil gemacht. Wie hätte es auch anders sein können, setzte nun wieder Regen ein.

Inzwischen ist auch mein Garmin ausgefallen und ich hatte absolut keine Ahnung wie weit ich noch von Oslo entfernt bin. Eigentlich wähnte ich mich bereits kurz vor dem Ziel, als mir ein Streckenposten eröffnete, dass es noch 16 Kilometer sind. Eigentlich ein Witz aber wenn man denkt es sind höchstens noch 500 Meter kann das ganz schön deprimieren. Diese letzten Kilometer führen dann ständig auf und ab, teilweise auf der Autobahn und durch ein Industriegebiet. Der Schluss ist diesem Rennen absolut unwürdig.

Letztendlich habe ich das Ziel doch noch erreicht. Trotz Panne und Dauerregen von mehr als 16 Stunden, bin ich nach 26:35 h (Netto 22:45h) über die Ziellinie gefahren. Kein großes Aufheben im Zielbereich, ein paar Bilder, ein Offizieller schüttelt mir die Hand und hängt mir die obligatorische Medallie um. Das wars. Nach zwei Stunden Wartezeit in der Eishalle und der Roten-Kreuz Baracke, trafen endlich meine beiden Begleiter Helmut und Bernd ein.

Der Styrkeproven war für mich ein riesiges Abenteuer und eine echte Herausforderung. Es ist zwar ein hartes Rennen, aber unter "normalen" Wetterbedingungen ist das für jeden halbwegs gut trainierten Rennradfahrer machbar. Entscheidend für das Ankommen ist vor allem die Technik (hab ich leidvoll erfahren) und die Kleidung.

Da ich noch keinen Erfahrungsbericht gelesen habe, in dem es nicht geregnet hat, sind Schutzbleche und Regenhose ein Muss denn nur so lässt sich die Nässe von unten wirkungsvoll abwehren. Wer sich den Luxus eines Begleitfahrzeuges leisten kann dem würde ich das unbedingt empfehlen. So ist auch einmal eine Pause abseits der Verpflegungsstellen möglich.

Das gefürchtete Teilstück ab Lillehammer habe ich mir schlimmer vorgestellt. Es kommen zwar unzählige Anstiege, diese sind aber nicht besonders steil (max. 5-6%) und auch nicht besonders lange (2-3km).

Alternativen und Fatbike-Erlebnisse

Es fiel mir schwerer als gedacht eine gute Streckenführung abseits von Straßen zu finden. Norwegen ist in dieser Region entweder besiedelt oder recht schwer zugängig.

Wer gerne Rennrad fährt und eine gewisse Affinität für lange Strecken hat, für den ist „Trondheim-Oslo“ quasi Pflicht. Für diese Tour änderten wir schlicht die Vorzeichen aller Merkmale des Rennradklassikers: Statt Mittsommernacht im Juni wählten wir den Januar. Statt dem Rennrad das Fatbike. Statt Rennorganisation mit Vollservice packten wir Trockenfutter und Biwak-Ausrüstung aufs Rad. Selbst Start- und Zielpunkt vertauschten wir und während der Marathon 540 Kilometer über blitzeblanken Asphalt führt, wählten wir Schneepisten im Wald.

Nach den gestrigen Irrungen und Wirrungen auf der E6 starten wir am nächsten Morgen so, wie wir uns diese Tour gedacht hatten: Auf einer Naturpiste folgen wir der Beschilderung des Pilgerwegs über kleine Straßen, Wald- und Wanderwege. Seichte Hügel, gedrungene Bäume, viele große Eiszeitsteine, hutzelkrumme Büsche, bunte Flechten, häufig von einer Puderzuckerschicht Schnee überzogen.

Statistiken und Fakten

Fakten: ca. 687 km | 10474 Höhenmeter | ca.

Disziplin Distanz Höhenmeter
Rennrad Marathon ca. 540 km ca. 3.400 m
Alternative Strecke ca. 687 km ca. 10.474 m

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