Die schwule Community ist vielfältig und engagiert sich in verschiedenen Bereichen. Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sind das Rückgrat des Schwulen Museums, ohne sie läuft dort nichts. Einer von ihnen ist Uli Fischer.
Uli Fischer: Ehrenamtliches Engagement und die Liebe zum Motorrad
Uli Fischer ist 66 Jahre alt, kommt aus Berlin und hat 45 Jahre lang in der Versicherungsbranche gearbeitet. Vor drei Jahren ist er in Rente gegangen. Heute verbringt er seine Zeit am liebsten auf seinem Motorrad oder im Schwulen Museum, wo er seit anderthalb Jahren im Museumsdienst arbeitet.
Er war auf der Ehrenamtsbörse im Roten Rathaus, und da hat er gesehen, dass das Schwule Museum Ehrenamtliche sucht. Es klang interessant. Er hat sich dann einfach vorgestellt und dachte: Das passt. Besonders schätzt er, dass man auf sehr viele unterschiedliche Menschen trifft, nicht nur aus Berlin. Er kommt hier mit Menschen aus der ganzen Welt in Kontakt, das ist schon besonders. Und ihm gefällt der Umgang mit den anderen Ehrenamtlichen im Team, der Zusammenhalt. Er fühlt sich auf jeden Fall immer wohl in seinen Diensten.
Besonders gefällt ihm, ist dass man die Ehrenamtlichen hier auch wertschätzt, dass im Sommer ein Fest oder Ausflüge organisiert werden, dass das nicht für selbstverständlich genommen wird, was wir hier tun. Und auch das Zusammenleben hier wird gefördert, der Zusammenhalt in der Community. Er macht alle ehrenamtlichen Jobs im Museumsdienst - also Aufsicht, Kaffee, Kasse. Was eben so anliegt. Da bin ich flexibel und überall einsetzbar und trage mich dann auch dementsprechend in freie Schichten ein.
Er ist aber auch Vorstand von „Biker ohne Grenzen“, das ist ein schwuler Motorradclub hier in Berlin. Der sich vor einigen Jahren mal vom Berliner Leder und Fetisch-Club abgetrennt hat und ist jetzt eine separate Sektion. Sie machen das einfach weniger aus Fetischgründen, sondern weil sie wirklich gern Motorrad fahren.
Generell wünscht er sich, dass er noch lange gesund bleibt und das noch lange machen kann. Und fürs Museum, dass sich das weiterhin auch so gut entwickelt mit den Ausstellungen, Vernissagen und Veranstaltungen, auch den Workshops mit Jugendlichen. Von ihm aus kann das Museum gerne noch bekannter werden.
Queere Filmkultur: "Vento Seco"
"Vento seco" startet wie Almodovars "Matador" (1986) mit Blicken auf das Wesentliche beim Cruisen. Protagonist Sandro sitzt im Freibad am Schwimmbecken und betrachtet verstohlen die vorbeilaufenden, gut aussehenden Männer. Sein Fokus liegt auf den Beulen in den Badehosen.
Sandro ist ein Mann mittleren Alters, sportlich, mit Bauch und bäriger Körperbehaarung. Erfreulicherweise treffen Sandro und Ricardo in der Betriebskantine wieder aufeinander. Nach Feierabend treffen sich die Männer in einem nahegelegenen Eukalyptuswald. Hier ist in dem dialogarmen Film nun gar kein Text mehr notwendig. Da schleckt man sich vorfreudig über die Lederjacke, riecht an den würzig duftenden Achselhöhlen, küsst hungrig und feucht, bevor ein Rimjob seinen Lauf nimmt. Aktiv mit Leidenschaft ausgeführt und passiv mit Erfüllung genossen.
Das könnte der Ausgangspunkt für eine geheime Liebesgeschichte in der Macho-Gesellschaft Brasiliens sein, erzählt in expliziten Bildern, in denen sich bärtige Männer in abgeschiedenen Wäldern zum Geschlechtsverkehr treffen. Der muskulöse Mann trägt eine körperbetonte Lederkombi, einen Schnurrbart und seine Augen sind hinter einer verspiegelten Sonnenbrille nicht zu erkennen.
Der geheimnisvolle Biker taucht ebenfalls als Mitarbeiter in der Fabrik auf und Sandro jagt diesem fleischgewordenen Fetisch obsessiv hinterher. So sehr, dass er ab nun die liebevollen Zärtlichkeiten von Ricardo zurückweist und den Biker zu stalken beginnt.
Regisseur und Drehbuchautor Daniel Nolasco versteht es, die Geschichte trotz des hochgejazzten Männlichkeitsbilds in Sandros nächtlichen, neonfarbenen Traumsequenzen tagsüber mit nickeligen Eifersuchtsattacken auf den Boden der Realität zurück zu holen. Was gibt es nicht alles an einschlägigen Motiven zu bestaunen! Vom tätowierten Polizisten, dessen Brustmuskeln das Diensthemd knapp nicht sprengen, von dampfigen Duschszenen in Männerumkleiden, über den homophoben Hetero im schwarzen Lack-Trainingsanzug mit drei goldenen Streifen bis zum schwulen Club namens "Al Parker". Rainer Werner Fassbinder, Pedro Almodovar, James Bidgood, alles auf einmal.
Die drei Schauspieler Leandro Faria Lelo (Sandro), Allan Jacinto Santana (Ricardo) und Rafael Theophilo (Biker) gehen mit sichtbarer Einsatzfreude (auch körperlich) durch diese Szenen, die überhaupt kein Kinkshaming aufkommen lassen. In dem Film glänzt auch Renata Carvalho als gewerkschaftsbewegte Paula.
Informationen zum Film "Vento Seco"
- Regie: Daniel Nolasco
- Darsteller*innen: Leandro Faria Lelo, Allan Jacinto Santana, Renata Carvalho, Rafael Theophilo, Del Neto
- Laufzeit: 133 Minuten
- Sprache: portugiesische Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln
- FSK: 18
- Verleih: GMFilms
"Männerglühen": Eine Ausstellung über Körper, Natur und Vergänglichkeit
In der neuen Ausstellung zeigt Robert C. Rore Männer zwischen romantischer Berglandschaft, Sportlichkeit und Selbstinszenierung. Doch anstelle klassischer Landschaftsromantik begegnet dem Betrachtenden ein Downhill-Biker, der den Moment mit einem Selfie festhält. Der Begriff „Männerglühen“ wird dabei zur poetischen Metapher.
Die Werke spielen mit Bildern männlicher Körperlichkeit: erhitzt, trainiert, schwitzend im Licht der untergehenden Sonne. Gleichzeitig stellen sie Fragen nach Reife, Alterung und Vergänglichkeit. Dabei geht es auch um Schönheit - eine Schönheit, die nicht beweisen muss, dass sie existiert.
Queere Veranstaltungen und Initiativen in München
In München gibt es eine lebendige queere Community mit zahlreichen Veranstaltungen und Initiativen.
- Karl Heinrich Ulrichs: Feiert 200. Geburtstag des Pioniers der queeren Bewegung mit einem Reenactment seiner Rede.
- Queer Slam München: Bietet eine Austauschplattform für die queere Community.
- GOC PrideHike: Findet zum 4. Mal statt, mit Touren unterschiedlichen Anspruchs.
- Run for Life: Benefizevent zur Unterstützung der Münchner Aids-Hilfe.
- Trauergruppe: Bietet Raum für Trauer, besonders dort, wo queere Lebensrealitäten oft übersehen werden.
- Queere Stadtführungen: Entdecken die Geschichte der Stadt neu.
- Tanz der Marktfrauen: Die queere Community ist vor Ort.
- Münchner Maikönigin: Die Community trifft sich am späten Nachmittag vor dem Cafe Nil und erwartet den Einzug der Maikönigin-Kanditat*innen.
- IDAHOBIT: Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter*- und Trans*phobie.
- Münchner CSD: Findet immer am vierten Wochenende in Juni statt.
- GaySunday des MLC München e.V.: Auf dem Oktoberfest.
Informationen dazu befinden sich in der Regel auf den Internetseiten der oben genannten Vereine bzw.
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