Unfallursachen im Radsport: Eine statistische Analyse

Der Radsport, sowohl im professionellen Bereich als auch im Alltag, ist mit Risiken verbunden. Der tödliche Unfall des Schweizers Gino Mäder bei der Tour de Suisse warf erneut Fragen nach den Ursachen und der Vermeidung von Unfällen auf. Dieser Artikel beleuchtet die Unfallursachen im Radsport anhand von Statistiken und gibt Empfehlungen zur Erhöhung der Sicherheit.

Statistiken zu Fahrradunfällen

Das Statistische Bundesamt erfasste 2015 in Deutschland 78.176 Fahrradunfälle. Es ist wichtig zu beachten, dass in der Statistik nur die polizeilich erfassten Unfälle auftauchen. Die Statistiken sind dabei gegenüber den Vorjahren sehr ähnlich. Die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer ging sogar um 3,3% zurück. Doch absolut betrachtet, waren das noch immer 383 Menschen, die beim Radfahren 2015 allein in Deutschland ums Leben kamen.

Aus der Statistik geht übrigens auch hervor, dass die Schuld für die Unfälle zu fast 50% von den Radfahrern ausgingen. Wer jetzt denkt, dass er auf Radwegen sicherer ist, sieht sich leider getäuscht. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht, denn abseits der Straße werden Unfälle viel seltener erfasst. Klar ist, die schweren Unfälle mit Todesfolge dürften deutlich geringer sein. Auch Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern finden deutlich weniger statt.

Rad-Alleinunfälle

Immer häufiger verunglücken Fahrradfahrer ohne Fremdeinwirkung. Besonders in den Wintermonaten ist die Gefahr dazu laut einer Studie groß. Bei jedem dritten tödlichen Unfall mit dem Fahrrad sind keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt. Die Zahlen bezogen sich auf das Jahr 2023. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich demnach rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich. Kollisionen zwischen Rad und Auto haben aber meist deutlich schwerere Folgen, wie es weiter hieß.

"Rad-Alleinunfälle haben sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt, dabei ist die Dunkelziffer hoch", erklärte UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Die UDV sieht für den Anstieg mehrere Gründe. Außerdem gehe der Polizei zufolge jeder dritte Alleinunfall auf das Konto mangelhafter Infrastruktur, Verunglückte selbst sähen darin sogar die Hauptursache. Vor allem Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen machen es Radfahrenden der Studie zufolge schwer. Vor diesem Hintergrund forderte Zeidler: "Städte müssen Borde an Übergängen beseitigen und zu Straßenbahnschienen ausreichend Abstand schaffen". Die meisten Stürze passierten zwischen Dezember und Februar. Nässe, Eis, Schnee und Laub seien besonders gefährlich. Fast zwei Drittel der betroffenen Radfahrenden hätten außerdem eingeräumt, dass auch ihre Fahrweise zum Unfall führte. Unfälle mit Pedelecs führten häufiger zu schweren Verletzungen als solche mit nichtmotorisierten Rädern. Pedelecs seien schwerer, beschleunigten stärker und seien "daher nicht ganz leicht zu handhaben", so Zeidler.

Ursachen von Unfällen im Profi-Radsport

Auch der Profi-Radsport ist nicht frei von schweren Unfällen. Die Tour de France 2021 war von zahlreichen Stürzen geprägt. Die Zahl der Stürze während der ersten Etappe: vier. Während der zweiten: einer. Während der dritten: fünf. Während der gesamten drei Wochen: mindestens 20. Die Zahl der Radprofis, die sich bei Stürzen mindestens einen Knochen brachen: sechs.

Die Sicherheitsdebatte im Radsport ist wie ein Zombie, ein ewiger Wiedergänger, sie holt den Sport mit Regelmäßigkeit ein. Was es so kompliziert macht: Die Ursachen sind vielgestaltig. Das Material wird immer schneller, die Rennkurse spektakulärer wie in De Panne, dazu kommen zunehmend Extremwetterlagen wie zuletzt bei Paris-Nizza, die die Bedingungen für die Fahrer erschweren.

Erstmals hat der Weltverband Zahlen zu dem Thema veröffentlicht. 2024 gab es im Profiradsport 497 Unfälle und Stürze. 35 Prozent davon bezifferte die UCI auf »unerzwungene Fahrerfehler«, Unaufmerksamkeiten, die zu Stürzen führten. Wie viele Stürze darauf zurückgingen, dass Veranstalter Fehler machen, führt die Statistik allerdings nicht auf.

Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Profi-Radsport

Um die Sicherheit im Profi-Radsport zu erhöhen, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen:

  • Der Weltverband UCI hat vor zwei Jahren die Arbeitsgruppe SafeR gegründet, dort sitzen Fahrerinnen und Fahrer, Teams und Verbände an einem Tisch und überlegen, wie man den Spot sicherer machen kann.
  • Die UCI führt Verwarnungen ein. Wer sich als Profi rücksichtslos oder fahrlässig verhält, bekommt eine Gelbe Karte gezeigt.
  • Ein neues Vorgehens-Protokoll bei dem Verdacht auf Gehirnerschütterungen, das auf den Radsport zugeschnitten ist.
  • Zudem wurde die Position eines „Safety Managers“ innerhalb der UCI geschaffen.
  • Zu den weiteren beschlossenen Maßnahmen zählt auch ein neuer Standard für Barrieren, die zur Streckenabsicherung eingesetzt werden.

Die eine Frage ist, ob bei dem Thema Fahrer-Sicherheit die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Die andere lautet: Gilt bei den Streckenführungen nicht teils das Motto ‚Spektakel vor Sicherheit‘? Wie kann man die Sicherheit erhöhen, ohne den Charakter des Sports zu verändern?

Sicherheitsmaßnahmen für Alltagsradfahrer

Auch im Alltags-Radfahren ist das Sicherheitsthema von großer Bedeutung. So wurden 2020 bundesweit 426 Radfahrer im Straßenverkehr getötet. Eine Steigerung um 16,8 Prozent im Vergleich zu 2010. Mehr als 90.000 Radfahrer wurden verletzt.

Hier sind einige Tipps, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen:

  • Ein gut sitzender Helm schützt dich vor schweren Kopfverletzungen. Alle 6 Jahre solltest du den Helm austauschen und nach einem Sturz natürlich sowieso.
  • Prüfe die Bremsen vor jeder Fahrt!
  • Deine Geschwindigkeit sollte den Gegebenheiten angepasst sein. Viel Verkehr heißt runter vom Gas, ein Radweg ist keine Rennstrecke und wenn es feucht ist, werden deine schmalen Reifen kaum Grip haben.
  • Fahre rücksichtsvoll und vor allem vorausschauend - und poche nicht auf dein Recht.
  • Beherrsche dein Rad - ein paar Übungen und Techniktraining können nicht schaden.
  • Halte dich an die Verkehrsregeln.

Eine Studie der Allianz zeigt, dass sich Radfahrer bei mehr als 40 Prozent der Kollisionen mit einem Auto eine schwere Kopf- oder Hirnverletzung zuziehen. Forscher aus Aalborg, Dänemark, untersuchten mittels einer Studie den Einfluss der Farbe der Kleidung auf die Unfallrate. Eine Untersuchungsgruppe trug normale Straßenkleidung, die andere gelbe Warnwesten. Das Ergebnis: Die Probanden, die Warnwesten trugen, waren in 47 Prozent weniger Unfälle - und 55 Prozent weniger Unfälle mit motorisierten Fahrzeugen - involviert.

Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrern

Möchte ein Autofahrer einen Radfahrer überholen, so sollte ein seitlicher Mindestabstand von 1,5-2m eingehalten mehr. Steht dir als Autofahrer dieser seitliche Abstand nicht zur Verfügung so muss er hinter dem Radfahrer bleiben. Denn es gilt - Radfahrer haben als Verkehrsteilnehmer die gleiche Rechte wie Kraftfahrer. Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden. Wer überholt, muss sich so bald wie möglich wieder nach rechts einordnen. Wer überholt, darf dabei denjenigen, der überholt wird, nicht behindern. Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, Schienenfahrzeuge, Fahrräder mit Hilfsmotor und Fahrräder auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. Ein Schulterblick bei jedem Rechtsabbiegen in der Stadt ist somit zwingend notwendig.

Die Rolle der Infrastruktur

Die Infrastruktur spielt eine entscheidende Rolle bei der Sicherheit von Radfahrern. Eine Studie der Allianz zeigt, dass sich Radfahrer bei mehr als 40 Prozent der Kollisionen mit einem Auto eine schwere Kopf- oder Hirnverletzung zuziehen. Die UDV sieht für den Anstieg der Rad-Alleinunfälle mehrere Gründe. Außerdem gehe der Polizei zufolge jeder dritte Alleinunfall auf das Konto mangelhafter Infrastruktur, Verunglückte selbst sähen darin sogar die Hauptursache. Vor allem Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen machen es Radfahrenden der Studie zufolge schwer. Vor diesem Hintergrund forderte Zeidler: "Städte müssen Borde an Übergängen beseitigen und zu Straßenbahnschienen ausreichend Abstand schaffen".

Positive Entwicklungen

Die Ergebnisse einer anderen großen dänischen Studie machen Hoffnung: Demnach ist die Zahl der Radfahrer in Dänemark in den vergangenen zwanzig Jahren um zehn Prozent gestiegen. Gleichzeitig ging die Zahl der Unfall-Verletzungen zurück: Sie liegt nun um 55 Prozent unter dem Niveau von 1998. Es gibt demnach einen ‚Safety-in-Numbers-Effekt‘: Je mehr Menschen Radfahren, desto sicherer wird es - zumindest, wenn die dafür nötige Infrastruktur vorhanden ist.

Jahr Anzahl der Radfahrer (Dänemark) Unfall-Verletzungen (Index: 1998=100)
1998 100 (Index) 100
2018 110 (Index) 45

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