Fahrradträger stehen bei der Wunschausstattung von Campingbussen ganz oben. Sie wollen die Bikes am Campingbus mit auf Tour nehmen? Dann brauchen Sie einen stabilen Fahrradträger. Wir zeigen, welche Systeme es gibt, haben den Markt nach den neuesten Modellen abgescannt und einige ausprobiert. Beliebt sind Fahrradträger für die Anhängerkupplung, aber längst nicht jeder Camper hat eine solche. Welche Systeme zum Fahrradtransport es für Campingbusse sonst noch gibt und welche Vor- und Nachteile diese bringen, haben wir für Sie zusammen gestellt.
Wenn RadsportlerInnen mehr als ein Bike, oder eine vierköpfige Familie ihre Fahrräder mit in den Campingurlaub nehmen wollen, muss ein belastbareres Trägersystem her. Immer mehr Hersteller erkennen den Bedarf an Trägern für mehr als zwei Bikes und natürlich auch den Boom der E-Bikes, der dem "Schwerlast-Radträger"-Segment weiteren kräftigen Anschub verleiht.
Drei Herausforderungen stellen sich dabei allen KonstrukteurInnen: Erstens muss die Last gleichmäßig auf und in die Karosserie übertragen werden, zweitens sollen die Flügeltüren auch mit geschulterten Bikes noch zu öffnen sein und drittens die gesamte Konstruktion nicht allzu sehr an den begrenzten Zuladungsreserven nagen.
Nur einer von drei Kupplungsträgern im Test erlaubt es, die Hecktüren mit aufgeladenen Bikes zu öffnen.
Welche Montagearten gibt es für Fahrradträger am Campingbus?
Drei Montagearten sind dafür prädestiniert für Campingbusse:
- Scharnierträger-Montage: Träger, die sich nicht an die Tür krallen, sondern die Gewinde der Türscharniere als Ankerpunkt nutzen.
- Chassis-Montage: Träger, die in fest am Chassis beziehungsweise Fahrzeugunterboden montierte Aufnahmen geschoben werden.
- Montage auf der Anhängerkupplung: Kupplungsträger setzt man auf eine vorhandene Anhängevorrichtung setzt.
1. Montageart: Scharniermontage
promobil hat fünf verschiedene Modelle von Scharnierträgern getestet. Diese Art von Träger hat vor allem den Vorteil, dass sie relativ hohe Lasten abkönnen, ohne die Hecktüren womöglich zu verziehen. Sie werden an den Türscharnieren befestigt. Sie brauchen auch meist keine zusätzliche Beleuchtungseinheit, und ein zusätzlicher Anhängerbetrieb ist ebenso möglich. Die wichtigsten Informationen dazu im Überblick.
Vor- und Nachteile von Scharnierträgern
- Hohe Belastbarkeit
- Keine Last auf den Türen
- Leicht, da keine Chassisanbindung nötig (Ausnahme: Sawiko Futuro E-Lift)
- Keine Beleuchtungseinheit nötig
- Gleichzeitiger Anhängerbetrieb möglich
- Träger verdeckt Rückfahrkamera-Bild
- Sehr hohe Ladekante in Standardhöhe (ohne Lift bzw. Beleuchtung)
Eurocarry 66401
Urlaub ohne Fahrräder? Kommt für viele nicht in Frage. Das Problem: Der Campingbus hat kaum mehr Zuladung für schwere Tragwerke zur Fahrradbeförderung. Da kam der neue Eurocarry 66401 für vier Fahrräder und mit einem Eigenwicht von nur 20 Kilogramm gerade recht auf den Markt.
- Grundpreis ohne Montage: 1.170 Euro
- Eigengewicht: 20 kg
- max. Fahrräder: 4
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 60 kg
- Extras: Beleuchtungseinheit; E-Lift (max. 3 Bikes, 50 kg)
Bis zu 60 Kilogramm und vier Bikes packt der 20 Kilogramm schwere Eurocarry 66401 von Alu-Line, den wir am Dauertest-Weinsberg Carabus 600 MQH angebaut und ausprobiert haben. Es gibt ihn für alle Eurochassis-Kastenwagen (Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer) und den Mercedes-Benz Sprinter. Ebenfalls lieferbar ist ein elektrischer Bike-Lift, der am Grundträger verschraubt wird und maximal drei Fahrräder mit bis zu 50 Kilogramm Gesamtgewicht auf Transporthöhe hievt.
In der Grundausstattung hat der Träger keine Beleuchtung. Darum muss der Ausleger für die vier Radschienen in der obersten Position oberhalb der Rückleuchten sein. Das Auf- und Abladen der Bikes schafft so nur, wer wirklich groß und kräftig ist oder wer einen breiten Schemel mitnimmt. Die acht Radhalter lassen sich leicht versetzen und fixieren. Und auch die Radschienen selbst sind auf dem Bügel verschiebbar. Wer sich vor der Reise fürs Bike-Tetris Zeit lässt und sich die Positionen von Sätteln, Lenkern und Tretkurbeln merkt, ist später schneller. Größte Herausforderung: die Fahrräder mit genügend Abstand zu verladen, um Scheuerstellen zu vermeiden. Doch dafür sind die serienmäßigen Haltearme für die äußeren Parkpositionen tendenziell zu kurz und unflexibel. Wir haben uns darum unterwegs mit einem Zwischenhalter von Rad zu Rad beholfen. Den roten Sicherungsgurt sollte man ohnehin immer um alle Räder legen.
Empfehlung: die optionalen Arme mit arretierbarem Knickgelenk. Es gibt sie nur in Silber, während der penibel verarbeitete und sauber geschweißte Alu-Träger in edlem und sehr widerstandsfähigem Schwarz pulverbeschichtet ist. Obwohl die Bedienungsanleitung davon abrät, verkraftet der Eurocarry 66401 das zigfache Aufschwenken mit voller Beladung klaglos - alles andere wäre auch Quatsch, da man genau deshalb einen Schwenkträger kauft. Auch die Fahrsicherung mittels zweier von Gummibändern gesicherter Splinte geht fix und problemlos. Falls es mit der Zeit hakt, lassen sich die Augen für Splinte und Bolzen durch Gewindestangen schnell und einfach justieren.
Eine Arretierungsmöglichkeit in geöffnetem Zustand fehlt dem Eurocarry. Steht das Auto eben, genügt aber die Haltekraft der offenen rechten Tür; ein weicher Abstandhalter schützt den Lack. Ansonsten empfiehlt sich ein Helfer, der den Träger hält, solange die Türen geöffnet sind. Ein weiterer Nachteil der oberen Halterposition: Die Rückfahrkamera wird quasi wirkungslos. Davon abgesehen ist der Eurocarry ein top verarbeiteter, leichter, schnell demontierbarer und damit absolut empfehlenswerter Träger.
Fiamma Carry Bike Frame
- Grundpreis ohne Montage: 816 Euro
- Eigengewicht: 21 kg
- max. Fahrräder: 3
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 50 kg
- Extras: 3. Schiene
Mit den Scharnieren der rechten Tür verschraubt und an der Tür nur eingehakt wird der neue Fiamma Frame. So etwa am Fiat Ducato montierbar. Am schwenkbaren Alu-Grundrahmen befestigt, ist der ausklappbare Träger für bis zu drei Bikes vorgesehen. Der Grundrahmen samt Zweierträger kostet 816 Euro (UVP), die Erweiterung für das dritte Fahrrad kommt dazu. Der Frame darf 50 Kilogramm tragen, was auch für zwei Pedelecs genügt. Auch für den VW Crafter/MAN TGE hat Fiamma einen 672 Euro teuren Scharnierträger für bis zu 3 Bikes im Programm.
Linnepe Giro Van
- Grundpreis: ab 2.300 Euro
- Eigengewicht: 47 kg
- max. Fahrräder: 2
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 80 kg
Mit dem Linnepe Giro Van ist ein Öffnen der Hecktür auch in beladenem Zustand möglich. Er ist für den Fiat Ducato (ab Bj. 07/2006) geeignet und lässt sich ohne zusätzliches Werkzeug demontieren. Außerdem bietet der Hersteller eine Kombination mit einer Anhängerkupplung an.
Sawiko Futuro E-Lift
- Grundpreis ohne Montage: 2.524 Euro
- Eigengewicht: 65 kg
- max. Fahrräder: 3
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 60 kg
- Extras: 3. Schiene
An drei Türscharnieren stützt sich der 60 Kilogramm schwere Sawiko Futuro E-Lift ab. An den beiden Scharnieraufnahmen der rechten Tür schwenkt er auch voll beladen auf, am oberen linken wird er während der Fahrt fixiert, und dort wird er auch per Hebel und Schloss verriegelt. Die um 1,10 Meter ferngesteuert absenkbare Fahrradplattform hat Platz für drei Fahrräder, die zusammen stattliche 60 Kilogramm wiegen dürfen. Für drei Fahrräder kostet der Futuro E-Lift ohne Montage an Eurochassis-Kastenwagen 2.524 Euro. Der Anbau nebst Stromversorgung für den Fahrradlift muss addiert werden. Besonderheit: Die Original-Rückfahrkamera kann in den Träger versetzt werden, so hat sie dann weiterhin freie Sicht.
SMV Bike Max. Exkl./Lift
- Grundpreis ohne Montage: 1.260/2.300 Euro
- Eigengewicht: 38-49 kg
- max. Fahrräder: 3
- max. E-Bikes: 3
- max. Traglast: 80/60 kg
- Extras: 3. Schiene
SMV Metall offeriert drei Träger der Bike-Max-Serie: Der schwenkbare Metallrahmen, der alle Türscharniere als Ankerpunkt nutzt, ist bei allen drei Trägern derselbe: Das Modell Lift hat einen E-Heber für bis zu drei Bikes, wiegt 49 Kilo, darf 60 Kilo laden und kostet 2.300 Euro. 80 Kilo packen der Standard-Bike Max mit hoher Plattform (38 Kilo Eigengewicht, 1170 Euro) sowie der "Exklusiv" mit tiefer Plattform und Beleuchtung. Er wiegt 41 Kilo und kostet für zwei Bikes 1.260 Euro. Die dritte Schiene kostet 75 Euro.
2. Montageart: Chassis-Montage
Träger für schwere Motorräder, die per Vierkantprofil in eine am Wagenboden beziehungsweise am Rahmen verschraubte Führung gesteckt werden, sind als tragfähige Plattformen bekannt. Jetzt wird diese belastbare Technik in abgespeckter und damit leichterer Version auch für Fahrradträger angewandt. promobil zeigt fünf verschiedene Modelle von Chassis-Trägern. Die wichtigsten Informationen dazu im Überblick.
Vor- und Nachteile der Chassisträger
- Sehr geringe Ladehöhe
- Krafteinleitung in den stabilen Unterboden
- Träger hängt nicht vor der Kameralinse
- Oft Kombinationen mit Anhängerkupplung möglich
- Hohes Eigengewicht
- Anhängeelektrik am Basisfahrzeug für Beleuchtungseinheit nötig
- Montageaufwand hoch, dadurch noch teuer
Busbiker XM 250
- Grundpreis ohne Montage: 1.499 Euro
- Eigengewicht: 59 kg
- max. Fahrräder: 4
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 80 kg
- Besonderheiten: Anhängerkupplung möglich
Busbiker XM 290
- Grundpreis ohne Montage: 1.899 Euro
- Eigengewicht: 57 kg
- max. Fahrräder: 3
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 80 kg
- Besonderheiten: Anhängerkupplung Serie
Busbiker XM 290 Light
- Grundpreis ohne Montage: 1.599 Euro
- Eigengewicht: 48 kg
- max. Fahrräder: 3
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 80 kg
- Besonderheiten: keine Anhängerkupplung möglich
Busbiker aus den Niederlanden hat drei Träger-Varianten im Angebot: den 59 Kilogramm schweren und 1500 Euro teuren XM250 für bis zu vier Bikes und 80 Kilogramm Zuladung und die neuen, kompakteren Versionen für bis zu drei Bikes namens XM290 Light (48 kg, ab 1.600 Euro) und XM290 (57 kg, inklusive Anhängekupplung ab 1.900 Euro), die aber auch 80 Kilo tragen dürfen. Alle drei Modelle sind für die Eurochassis-Drillinge ab Baujahr 2006 passend. Der Grundträger gleicht in seiner Bauart einer Anhängerkupplung, und tatsächlich ist der XM250 optional, der XM290 serienmäßig mit einem abnehmbaren Kugelkopf zum Anhängerziehen an der Quertraverseausgestattet; gleichzeitig Fahrräder transportieren und Anhänger nutzen funktioniert allerdings nicht.
An der Quertraverse ist per Scharnier der Ausleger angeschlagen, auf dem die Fahrradplattform kippbar befestigt ist. Sie lässt sich für 84 Euro pro Stück mit zwei weiteren Fahrradschienen aufrüsten und bei Nichtgebrauch einfach hochklappen. Die weiterhin funktionstüchtige Beleuchtungseinheit wird dann samt Wiederholungskennzeichen nach unten geschwenkt. Der XM250 bleibt größtenteils dauerhaft am Fahrzeug, die 290er lassen sich mit größerem Aufwand demontieren.
Sawiko Agito Top
- Grundpreis ohne Montage: 1.499 Euro
- Eigengewicht: 50 kg
- max. Fahrräder: 3
- max. E-Bikes: 2
- max. Traglast: 80 kg
- Besonderheiten: Stützrad erforderlich
Auch der Sawiko Agito Top ist eine Konstruktion aus Stahl und Alu, die am Chassis von Fiat, Citroën und Peugeot 50 Kilogramm wiegt und zur Seite schwenkt. Dazu wird einfach der Exzenter-Verschluss gelöst und das Stützrad in Position gebracht. Die Transportplattform ist hochklappbar, damit der Träger platzsparend am Auto verbleiben kann.
3. Montageart: Kupplungsträger
Was die Ladehöhe angeht, sind auch Fahrradträger für die Anhängerkupplung voll konkurrenzfähig. Anhängevorrichtungen vorausgesetzt, kann man den Kupplungsträger auch am Pkw nutzen. Den aktuellen Test zum Thema finden Sie hier.
Träger für drei Fahrräder wiegen zwischen 15 und 25 Kilogramm. Doch die positive Bilanz trügt: Die Anhängevorrichtung für einen Transporter wiegt je nach Modell zwischen 30 und 45 Kilo, die herb ins ohnehin oft schon knappe Zuladungskontor des Kastenwagens schlagen. Kupplungsträger für drei und sogar vier Fahrräder gibt es quasi von allen renommierten Marken. Wir haben von Atera die Modelle Genio Pro mit optionaler dritter Fahrradschiene und Strada DL 3 getestet und von Uebler den federleichten i21 - der Dreier-Träger i31 war leider nicht lieferbar.
Auch Thule war für den Test nicht mehr lieferfähig - der Fahrradboom schlägt voll auf die Hersteller von Fahrradträgern durch. Um trotzdem ein Thule-Modell auszuprobieren, haben wir die Türfreigängigkeit am Fiat Ducato mit einem privaten Thule Velocompact 924 getestet - keine Chance, die Türen zu öffnen. Recherchen haben ergeben, dass die teureren Modelle Thule Velospace XT 3 und Easyfold XT 3, die auf bis zu vier Bikes erweitert werden können, bei Kastenwagen die Flügeltüren blockieren.
Um es kurz zu machen: Unter den genannten Trägern erlaubt es einzig der günstige Atera Strada DL 3, die Hecktüren des Fiat Ducato und des Ford Transit zu öffnen. Denn anders als die meisten Träger klappt er nicht ab, sondern schwenkt bogenförmig nach hinten. Dadurch ragt kein Bauteil in den Schwenkbereich der Türen von Ford Transit und Fiat Ducato. Aber: Bei der starren Anhängevorrichtung sollte der Kugelkopf in der tieferen Position an den Querträger angeschraubt werden.
Vor- und Nachteile von Kupplungsträgern
- Träger kann auch am Pkw genutzt werden
- Recht hohe Belastbarkeit
- Niedrige Ladehöhe
- Nur bei einem Modell im Test lassen sich Türen noch öffnen
- Schwere Anhängekupplung nötig
Atera Strada DL 3
Der Atera Strada DL 3 kostet aktuell rund 500 Euro und wiegt 14,5 Kilogramm. Er ist um eine vierte Radschiene erweiterbar. Der DL 3 klappt nicht ab, sondern gleitet auf einem Rollenauszug bogenförmig nach hinten.
Da der v-förmige Halter und der lange Klemmgriff flach sind, ragt der Atera nicht in den Schwenkbereich der Hecktüren. Lediglich bei Bikes mit sehr langem Radstand kann die Tür mit dem Reifen kollidieren. Machart, Materialien, Klemmung auf den Kugelkopf und Haltearme sind einfacher als beim teureren Genio Pro aus gleichem Haus. Auch lässt sich der DL 3 nicht zum Minipaket zusammenfalten. Funktional gibt es dennoch nichts auszusetzen. Kauftipp!
Atera Genio Pro
Der Atera Genio Pro ist ein faltbarer Zweierträger für aktuell rund 500 Euro, der sich mit einer schnell und einfach einsteckbaren Zusatzschiene (ca. 100 Euro) zum Dreier-Shuttle erweitern lässt. Die Radträger falten wie Schmetterlingsflügel elegant und leichtgängig. Der 17,5 Kilo leichte Genio Pro klappt nach hinten ab. Der Öffnungswinkel lässt sich per Halteseilverlängerungen zwar vergrößern, dennoch reicht es für die Flügeltüren von Ducato und Transit nicht. Material und Mechanik sind sehr hochwertig. Der Genio arretiert sich beim Aufsetzen auf den Kugelkopf selbst, der Klemmbügel zur Fixierung liegt gut in der Hand.
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