Der Vennbahn-Radweg ist ein absolut einzigartiger grenzüberschreitender Radfernweg zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg. Er verläuft auf der Trasse der ehemaligen, beeindruckenden preußischen Vennbahn, die seit 2002 stillgelegt und abgebaut ist. Von Aachen aus geht es über Ostbelgien, durch den Naturpark Hohes Venn-Eifel und die Ardennen bis nach Troisvierges. Auf 125 Kilometern erlebt man faszinierende Landschaften, Grenzflair und jede Menge Geschichten.
Geschichte der Vennbahn
Seit 1873 forderten die Städte und Kreise Malmedy, Monschau, Eupen und Stolberg der Rheinprovinz eine Bahnstrecke, die die Industrieorte miteinander verbinden und bis nach Luxemburg führen sollte. Am 15. Mai 1882 gab Kaiser Wilhelm I. grünes Licht für den Bau der Vennbahn von Prüm über Monschau nach Aachen-Rothe-Erde mitsamt den Abzweigungen nach Malmedy, Eupen und Stolberg. Im Jahr 1885 rollte dann erstmals ein Zug über die Vennbahn zwischen Aachen und der Eifel. Der Bahnbetrieb wurde von der Preußischen Staatsbahn zunächst eingleisig aufgenommen. Ab 1893 begann der zweigleisige Ausbau der Strecke von Stolberg über Hahn (Anschluss von Aachen) bis Walheim.
Doch bis dahin war es ein beschwerlicher Weg. Die Gleise dorthin zu verlegen, stellte die Streckenplaner vor eine Herausforderung: 280 Höhenmeter musste der Zug von Walheim bis Lammersdorf überwinden. Die Folge: Weitausholende Schleifen mussten her. Die Bahnlinie hatte eine ganz besondere Bedeutung für die Region. Sie diente in erster Linie dem Transport von Steinkohle aus dem Wurmrevier und dem Inderevier in Richtung Luxemburg und in der Gegenrichtung von Eisenerz zum Thomasstahlwerk nach Aachen Rothe Erde und zur Konkordia-Hütte in Eschweiler. Die Strecke hat außerdem dazu beigetragen, die strukturschwachen Wirtschaftsräume von Westeifel und Hohem Venn zu erschließen. Sie bot den Menschen dort eine Fahrmöglichkeit zu den Arbeitsplätzen in der Aachener Industrie. Trotz aller Schwierigkeiten brachte die Vennbahn schon bald den erhofften Güterverkehr in die Eifel. Allein in St. Vith wurden jährlich 400.000 Tonnen Güter verladen.
Niedergang und Wiederbelebung
Die Weltkriege führten schließlich zum Niedergang der Vennbahn. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte sie infolge des Versailler Vertrags ab Raeren unter belgische Hoheit. Der Zweite Weltkrieg hatte jedoch einen noch zerstörerischeren Einfluss. Als die Alliierten immer weiter vorrückten, sprengte die deutsche Wehrmacht Streckenabschnitte, die nicht ohnehin zerbombt waren, darunter die Viadukte in Kornelimünster und Breinig. Die Sprengungen sollten die Alliierten aufhalten. Trotzdem eroberten die Amerikaner am 12. September 1944 Aachen.
In den folgenden Jahrzehnten verlor die Vennbahn leider an Bedeutung. Stück für Stück wurde sie stillgelegt, weil die Konkurrenz der Straßen einfach zu groß war. Und heute? Es überzieht rostiger Schimmer die übrig gebliebenen Gleise. Es herrscht Stillstand, seit Jahrzehnten. Doch halt! Nach dem Ersten Weltkrieg sah sich das Deutsche Reich am 10. Januar 1920 aufgrund des Versailler Vertrags gezwungen, die seit 1815 preußischen Kreise Eupen und Malmedy an Belgien abzutreten. Die Strecke wechselte durch die neue Grenzziehung in ihrem Verlauf nun mehrfach zwischen dem deutschen Reichsgebiet und Belgien.
Belgien machte den Vorschlag, die Vennbahn unter belgische Verwaltung zu stellen, da sie für die Städte Malmedy und Eupen von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sei. Dieser Vorschlag wurde von den zuständigen Stellen angenommen. Am 27. März 1920 wurde von einer Grenzfeststellungskommission, der Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens und Japans angehörten, festgelegt, dass der belgische Staat Eigentümer der Eisenbahnstrecke mitsamt ihren Bahnhöfen zwischen Raeren und Kalterherberg (dessen Bahnhof heute im belgischen Ort Leykaul liegt) sein sollte. Ab Raeren wurde die Bahnstrecke belgisches Hoheitsgebiet, den Betrieb auf der Vennbahn übernahm die belgische Staatsbahn NMBS/SNCB.
Ein echtes Kuriosum sind fünf deutsche Exklaven, die entstanden sind, als die Eisenbahntrasse belgisches Hoheitsgebiet wurde. Diese Exklaven bestehen auch heute noch, weil die Trasse der Vennbahn offiziell belgisches Staatsgebiet ist und die westlich davon gelegenen Orte vom deutschen Staatsgebiet abschneidet. Eine weitere Exklave entstand bei Hemmeres, bis der dortige Trassenabschnitt 1958 an Deutschland zurückgegeben wurde. Insgesamt verlief die Vennbahntrasse als belgischer Korridor nun auf 28,5 Kilometern durch deutsches Gebiet. Als deutsche Trasse auf deutschem Staatsgebiet verblieben ihr nur mehr die knapp 18 Kilometer von Aachen-Rothe Erde bis kurz nach Schmidthof.
Die Strecke heute
Der Vennbahn-Radweg, mehrfach international prämiert und einer der längsten Bahntrassen-Radwege Europas, führt durch die Länder Deutschland, Belgien und Luxemburg. Die Vennbahn gehört zum Ravel-Programm der wallonischen Region Belgiens. Ravel steht übersetzt für „Autonomes Netz für langsam fließenden Verkehr“.
Die Vennbahn ist mit 125 Kilometern Länge einer der längsten Bahntrassenradwege Europas und führt durch die 3 Länder Deutschland, Belgien und Luxemburg. Die Vennbahn startet am Bahnhof Aachen-Rothe Erde (Deutschland) und führt einmal quer durch Ostbelgien und entlang des Hohen Venns nach Troisvierges (Luxemburg). Die Vennbahn ist ca. 125 Kilometer lang.
Die Route ist mit blau-gelben Schildern gekennzeichnet, und trotz der hügeligen Landschaft müssen sich RadfahrerInnen keine Sorgen um Höhenunterschiede machen. Der Vennbahnradweg ist leicht zu fahren, hat eine maximale Steigung von 1,7 % und ist vollständig asphaltiert.
Highlights entlang der Strecke
- Aachen: Startpunkt in Aachen mit dem berühmten Dom, der als Kulturdenkmal zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde.
- Monschau: Malerisches Dorf mit schönen Fachwerkhäusern und dem Beinamen „Perle der Eifel“.
- Hohes Venn: Faszinierendes Hochmoorgebiet und gleichzeitig Namensgeber der Vennbahn.
- Viadukte in Kornelimünster: Das denkmalgeschützte Iterbachviadukt und das sanierte Rollefbachtalviadukt.
- Our- und Ulftal: Idyllische Passagen mit Blick auf urige Häuser und die Burgruine von Burg-Reuland.
Weitere Sehenswürdigkeiten
- Ehemaliges Bahnhofsgebäude von Sourbrodt: Mit zahlreichen gut erhaltenen Relikten der Bahngeschichte.
- Walheim: Hier gibt es am Bahnhof noch alte Dieselloks zu bestaunen.
- Kornelimünster: Die ehemalige Abteistadt präsentiert sich mit einer mittelalterlichen Kulisse.
- St. Vith: Tourist-Info in St. Vith ist eine gute Anlaufstelle.
- Burg-Reuland: Wir radeln der Our entgegen und gelangen nach Burg-Reuland mit seinem alten Bahnhof.
Etappen und Routen
Die Vennbahn kann in 6 oder 3 Etappen gefahren werden. Die Strecke kann in beiden Richtungen befahren werden, und mehrere Routen in der Region schließen ebenfalls an den Vennbahnweg an.
Auf dem Vennquerbahn-Radweg starten wir unsere Radtour am See von Bütgenbach und münden bei Waimes in den Vennbahn-Radweg ein. Vorbei am See von Robertville geht es zum alten Bahnhofsgebäude von Sourbrodt mit zahlreichen gut erhaltenen Relikten der Bahngeschichte. Eine einzigartige Heidelandschaft kündigt das Hohe Venn an.
Beschilderung und Navigation
Die Route ist mit blau-gelben Schildern gekennzeichnet. Zwischen Monschau und Aachen durchquert die Vennbahn mehrere Male deutsches und belgisches Territorium, ein erquickendes Grenzland-Hopping.
Steigungen
Die Vennbahn ist mit ihren durchschnittlich 2% Steigung sehr flach und ohne große Anstrengung zu fahren.
Anbindung an andere Radwege
Ab St.Vith zweigt der Eifel-Ardennen-Radweg Richtung Prüm ab. Von St.Vith bis Lommersweiler (bzw. Lommersweiler) auch als Eifel-Ardennen-Radweg ausgeschildert ist. Vennbahn-Radwegs Richtung Burg-Reuland / Troisvierges (Linie 47) ab.
Unterkünfte
Entlang der Strecke gibt es verschiedene Unterkünfte, die mit dem „bed+bike“-Label für Fahrradfreundlichkeit ausgezeichnet sind. Einige Beispiele sind:
- Das Hotel „Le Cyrano“ in Waimes
- Der Gasthof „Zur Buche“ in der deutschen Exklave Mützenich
- Das „Hotel Tychon“ in Eynatten
Zusätzliche Tipps
- Anreise: Die Bahnhöfe der Start- und Zielpunkte Ulflingen/Troisvierges und Aachen sind an das Bahnnetz angebunden.
- Karte: Die Ravel-Karte "Vennbahn" ist ein Muss für Radbegeisterte. Sie enthält alle nützlichen Informationen, die ihr für die Planung und Erkundung der Vennbahn benötigt.
Vennbahn-Radweg: Etappen
1. Tauchen Sie ein in Geschichte und Natur, während Sie von Aachen nach Raeren entlang der Vennbahn radeln.2. Eine malerische Reise von Raeren nach Monschau, durch malerische Wälder und Grenzen.3. Natur, Viadukte und Geschichte auf dieser 4. Etappe erleben.
Die Vennbahn endet am Bahnhof von Troisvierges. Hier besteht die Möglichkeit, mit dem Zug über Lüttich zurück nach Aachen zu fahren. Alternativ bieten verschiedene Taxi-Unternehmen der Region einen Rücktransport an.
Auf der Fahrt über die Vennbahn durchquert man faszinierende Landschaften, erlebt das Flair des Grenzlandes und kann auf zahlreichen Schautafeln lebendig präsentierte Vennbahn-Geschichten sowie historische Einblicke erhalten. Die geringe Steigung und die beinahe vollständig asphaltierte Fahrbahn der Vennbahn sorgen für höchsten Fahrkomfort.
| Region | Besonderheiten |
|---|---|
| Aachen | Dom, Startpunkt der Vennbahn |
| Monschau | Fachwerkhäuser, "Perle der Eifel" |
| Hohes Venn | Hochmoorgebiet, Naturreservat |
| St. Vith | Eifel-Ardennen-Radweg |
| Troisvierges | Endpunkt der Vennbahn |
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