Mit der Einführung der 12-fach-Eagle Schaltgruppen hat SRAM die technische Vorherrschaft am Markt übernommen. Auch wenn Shimano, als größter Zulieferer der Fahrradindustrie, mit einer 12-fach-Offensive konterte, kommen die Innovationen im Bereich der Mountainbike-Schaltungen derzeit aus Schweinfurt.
SRAM erweitert die Bandbreite seiner Eagle-Gruppen mit einer neuen 10-52er-Kassette. Wir haben die runderneuerte GX Eagle gegen die Shimano-Schaltungen SLX und XT getestet, um herauszufinden, ob das wirklich etwas bringt.
Die Evolution der Mountainbike-Schaltungen
Bei Mountainbike-Schaltungen galten über viele Jahre 36 Zähne am größten Ritzel als Maximum. Doch nachdem Umwerfer und Zweifach-Kurbeln nahezu vom Markt verdrängt wurden, reihen sich mittlerweile bis zu zwölf Ritzel mit 50 Zähnen und mehr auf die Freilaufkörper aktueller Bikes.
Die Eagle-Kassette des Einfach-Vorreiters Sram brachte mit ihrer 10-50er-Abstufung eine Bandbreite von satten 500 Prozent. Nachdem Shimano all seinen Zwölffach-Kassetten einen Zahn mehr verpasste, war es nur eine Frage der Zeit, bis Sram einen drauflegt.
Ab Juni 2020 präsentierten die US-Amerikaner ihre Top-3-Eagle-Gruppen GX, X01 und XX1 mit einem 52er-Ritzel. Also mit einem Zahn mehr als das Shimano-Pendant und 20 Prozent mehr Bandbreite als die bisherige Eagle-Kassette, die es aber weiterhin geben wird. Dafür hat Sram den Schaltwerkskäfig überarbeitet und verbaut eine härtere Feder.
Weil die Abstufung der übrigen Ritzel nicht angepasst wurde, ändert sich in der Praxis nur ein kleines, in machen Situationen aber entscheidendes Detail: Biker haben einen extra leichten Berggang in petto. Das könnte den entscheidenden Vorteil bringen, wenn sich ein Anstieg so gnadenlos aufbäumt, wie die berüchtigten Betonrampen am Gardasee.
Von den bisher bekannten Sram-Schaltungen verarbeiten nur die elektronischen AXS-Schaltwerke das riesige 52er-Ritzel. Mit allen anderen ist bei 50 Zähnen Schluss. Wer sich trotzdem die neue Kassette auf den Freilauf schraubt, muss mit springenden Ketten und unsauberen Schaltvorgängen rechnen.
An der Ergonomie der Schalthebel und der Cage-Lock-Funktion zum Ausbauen des Hinterrads hat sich nichts geändert. Am meisten profitiert die GX vom Bandbreiten-Update. Denn die Einsteiger-Gruppen NX und SX gibt es weiterhin nur mit 50 Zähnen.
Die GX dagegen kostet in der aktualisierten Version weiterhin regulär 555 Euro und wiegt dabei weniger als die Shimano XT als Einfach-Variante. Zudem gibt es erstmals optional eine schicke Carbon-Kurbel, die nur 22 Gramm mehr wiegt als der Kurbelsatz der Shimano XTR.
Bandbreite und Abstufung
Einziger Wermutstropfen der Sram-Kassetten mit 520 Prozent Bandbreite ist der große Sprung vom 42er- auf das 52er-Ritzel. Satte 24,5 Prozent legt man dabei mit einem Daumenklick an Übersetzung zu. Bei Shimano fällt die Abstufung mit sechs Zähnen zwischen den zwei leichtesten Gängen deutlich homogener aus. Selbst Rotor springt bei seiner Dreizehnfach-Schaltung nur von 44 auf 52 Zähne.
Neben den Schaltwerken mit neuem Käfig und stärkerer Feder gehört zu beiden Gruppen je eine Kassette mit 10-52 Zähnen. Die neuen Schaltwerke sind rückwärtskompatibel, kommen also auch mit dem 10-50er-Ritzelpaket zurecht. Ein Nachrüst-Kit für alte Schaltwerke gibt es nicht.
Die X01- und die XX1-Kassette mit 10-52 Zähnen wiegen laut BIKE-Messung beide 379 Gramm. Preis: 391 Euro bzw. 457 Euro.
SRAM GX Eagle Transmission im Detail
Mit der SRAM GX Eagle Transmission sickert die innovative X-Type Technologie in bezahlbare Preisregionen durch. Die Amerikaner von Sram haben nach dem Umwerfer nun auch das Schaltauge beerdigt.
SRAM ersetzt das Schaltauge, also die bisherige Verbindung zwischen Schaltwerk und Rahmen nämlich nicht zum Selbstzweck. Das Ziel dahinter ist klar: Die Ingenieure aus Schweinfurt wollen Schaltungen besser machen. Und um die bereits hervorragend funktionierenden Eagle Antriebe noch besser zu machen, geht es an das Eingemachte, oder besser gesagt an das Schaltauge.
Dieser UDH-Schaltaugenstandard ist letztendlich die Voraussetzung, dass man die neuen SRAM Transmission Schaltungen am eigenen Rad verbauen kann. Es enthält ebenfalls das Gewinde für die Steckachse des Hinterrads.
Bei der neuen Transmission-Schaltung wird es ohne verbindendes Schaltauge direkt an den Rahmen geschraubt. Ein Segen für alle Biker: Die Einstellung ist ab Werk perfekt.
Wenn klar ist, wo das Schaltwerk im Verhältnis zur Kassette steht, können sämtliche Anschläge und Abstände ab Werk perfekt justiert werden. Gleiches gilt für den Abstand vom oberen Schaltröllchen zum Ritzel, der zuletzt bei allen Eagle-Antrieben immer mit einer etwas popeligen Plastikschablone justiert werden musste.
SRAM erhöht die Qualität der Schaltvorgänge durch eine makellose Einstellung ab Werk. Kombiniert mit dem elektronischen Getriebe, welches das Parallelogramm des Schaltwerks genau definiert und von Ritzel zu Ritzel schwenken lässt, gibt es schlichtweg keine verstellte Schaltung mehr.
Die Transmission-Antriebe nehmen für den Endverbraucher die Komplexität aus dem Thema Schaltung. Dafür muss man SRAM danken. Die komplette Montage der Schaltgruppe gelingt selbst nicht talentierten Schraubern in weniger als 30 Minuten.
Einziges Novum, im Vergleich zu den herkömmlichen Eagle-Schaltungen: Die Kette kann nicht mehr live abgelängt werden. Die exakte Kettenlänge muss via App oder Online-Rechner bestimmt werden.
Das herkömmliche, mechanische SRAM GX Eagle Schaltwerk erledigt seinen Job nach wie vor perfekt. Im Vergleich zur neuen GX Eagle Transmission wirkt es aber deutlich anfälliger gegenüber Einflüssen von außen.
Robustheit und Design
Das Design des GX Eagle Transmission Schaltwerks ist so gewählt, dass Äste oder Felsen wenig Angriffsfläche haben, um sich zu verhaken. Der Schaltwerkskäfig mit den beiden Schaltröllchen lässt sich sogar werkzeuglos tauschen.
Im Prinzip wurde das Schaltwerk wie ein partiell ersetzbarer Schutzkäfig um das Getriebe herum konstruiert.
Neu hingegen ist die deutlich bessere Haptik des POD-Controllers (so heißt der T-Type Schalthebel) gegenüber dem alten AXS-Controller oder Rocker Paddle. Dank deutlichem haptischen Feedbacks schaltet man nicht aus Versehen einen Gang zu viel oder zu wenig.
Vor allem für den Einsatz der Schaltung am E-MTB ist das ein zentrales Argument. Natürlich kann man mit der App verschiedenste Vorlieben abdecken: Funktionsbelegung der Tasten, mehrere Gänge schalten mit nur einem Tastendruck.
Die GX-Schaltung ist nicht billig, aber deutlich preiswerter als ihre großen Geschwister (XO und XX Schaltungen). Die komplette Schaltgruppe wird in Kürze für unter 1000 € erhältlich sein. Kein Schnäppchen, aber für eine völlig neue, revolutionäre und langlebige Technologie dennoch OK.
Was auffällt: Die blanken Aluminiumstellen, wie sie z.B. die XO Transmission hat, gibt es bei der GX Transmission nicht. Kratzer oder Abnutzungen am Kurbelarm werden damit deutlich eher ersichtlich.
Auf der Funktionsebene ist nur das fehlende Magic Wheel der GX Transmission gegenüber der XX oder XO Versionen zu erwähnen. Das Schaltröllchen dreht sich hier nicht weiter, wenn man einen Ast in seine Öffnungen steckt.
Shimano's Antwort auf SRAM's Innovationen
Shimanos 12-fach-Schaltgruppe funktioniert gut und ist an vielen Bikes verbaut. Dennoch bleibt die Frage: Wie kontert Shimano auf die neue Transmission-Schaltung von SRAM?
Mittelfristig muss man der Innovation und der Entwicklungsgeschwindigkeit aus Schweinfurt etwas entgegensetzen. Nur was?
Um einen Clou zu setzen, müsste man entweder das 13. Ritzel an der Kassette präsentieren (ist für sportliche Biker aber auch irgendwie überflüssig) oder eine elektronische Schaltung ohne Akkus zeigen.
Wahrscheinlicher ist es, dass Shimano über kurz oder lang ein gut reparierbares Direct-Mount-Schaltauge zu deutlich günstigeren Preisen als SRAM präsentiert.
Alternativen zu den Marktführern
Natürlich gibt es neben den Marktführern für Mountainbike-Schaltungen auch noch Alternativen von kleineren Anbietern.
Bei den E-Bikes fangen immer mehr Hersteller an, Motoren mit Schaltgetrieben zu kombinieren. Pinion hat mit seinem MGU (Motor Gearbox Unit) den klassischen Ansatz der Kettenschaltung für E-Biker komplett hinterfragt. Denn die Schwaben haben ein Getriebe direkt im Motor integriert.
SRAM vs. Shimano: Ein detaillierter Überblick
Trotz der immensen Größe von Shimano hat vor allem SRAM die Entwicklung von Mountainbike-Schaltungen in den letzten Jahren maßgeblich geprägt. Mit der Einführung der 1x12-Schaltung haben die Amerikaner 2016 das Traditionsunternehmen Shimano bei der Technologievorherrschaft abgelöst.
Bereits zwei Jahre später etablierte Sram mit seiner NX-Gruppe die neuen 1x12-Antriebe an Mountainbikes bis in den günstigen Einstiegsbereich.
Seit Sommer 2019 sind zudem die günstigeren SLX- und XT-Gruppen mit Zwölffach-Kassetten ausgestattet. Mittlerweile sind acht Zwölffach-Varianten über sämtliche Preisklassen erhältlich.
Sowohl bei Shimano als auch bei Sram sind die einzelnen Bauteile der unterschiedlichen Antriebe untereinander kompatibel. So kann sich jeder Biker seinem Budget entsprechend seinen Antrieb auch selbst konfigurieren.
Wer seinen alten HG-Freilauf (Shimano) nicht ersetzen will oder kann, hat die Option, eine Sram-Eagle-NX-Kassette zu verbauen.
Daher beruht dieser umfassende Überblick und alle gemachten Angaben und Preise auf unseren Daten aus dem Jahr 2020.
Überblick: Sram vs. Shimano 12fach-MTB-Schaltgruppen
| Sram-Schaltgruppen | Shimano-Schaltgruppen |
|---|---|
| XX1 Eagle AXS | XTR |
| X01 Eagle AXS | Deore XT |
| XX1 Eagle | SLX |
| X01 Eagle | Deore |
| GX Eagle AXS | |
| GX Eagle | |
| NX Eagle | |
| SX Eagle |
Detaillierte Vergleiche der Schaltgruppen
Unser Test zeigt, wer aktuell die beste Schaltungskost bietet! Oder ist das alles nur eine Frage des Geschmacks?
Auf der einen Seite das feine Satinfinish, die sanften und geschmeidigen Gangwechsel sowie die gedeckten Silbertöne der Shimano-Gruppe, auf der anderen Seite das glänzende Chromfinish, die extra knackigen Gangwechsel und die teils poppigen Farben der Sram-Parts.
Mit der Einführung der 11-fach-Schaltungen wagte Sram dann Revolutionäres: ein Kettenblatt statt zwei oder drei, kein Umwerfer, kein zweiter Schalthebel - wow!
Erst als vor fünf Jahren der Adler landete, wendete sich das Blatt: Srams neue Eagle-Gruppen bieten seitdem mit 1 x 12 Gängen* genug Bandbreite für alle Biker. Zudem führte Sram die Eagle-Technik nach und nach auch in attraktiven Preisbereichen ein, sodass in den letzten Jahren fast kein Bike-Hersteller mehr ein Bike ohne Eagle auf den Markt bringen wollte.
Die Einführung der teuren Shimano-XTR-Gruppe mit 1 x 12 und 2 x 12 Gängen im Jahr 2018 unter extremen Startschwierigkeiten. Ein Werk brannte ab, was die Produktion der XTR-Kurbeln brach legte. Bis heute sind die Kurbeln nur in homöopathischen Dosen verfügbar.
Die neuen, erschwinglichen "Volksgruppen" SLX und XT kommen à la Eagle in einer Variante mit 1 x 12-Gängen, bieten dank 10-51er-Kassette aber noch mehr Bandbreite als Sram (10-50 bzw. 11-50 Zähne). Und wem das nicht genug ist, der kann eine 2 x 12-Variante mit dann extremer Gangvielfalt wählen.
Um einen fairen Vergleich zu gewährleisten, wählten wir für diesen Test die 1 x 12- Varianten von SLX* und XT, stellten diesen die bewährten Sram-Gruppen NX Eagle und GX Eagle* gegenüber. Erstaunlich: In Sachen Preis und Gewicht liegen die Kontrahenten eng beieinander.
Tatsächlich setzt die neue Shimano XT den neuen Maßstab in dieser Klasse. Srams GX ist ebenso eine Topgruppe, in Nuancen aber schlechter. Ebenso kann sich die Shimano SLX leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.
Shimano SLX (M7100)
Überraschend: Die Shimano SLX* kam dieses Jahr zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt, normal legt Shimano immer ein Jahr dazwischen. Optisch ist sie ein Hingucker und auch technisch - auf dem Papier - auf dem neusten Stand.
Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Und? Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.
Vergleicht man den SLX-Schalthebel mit dem der XT, fällt auf, dass dieser einfacher gehalten ist. So haben die Japaner auf die Gummibeschichtung sowie auf die "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel verzichtet. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden.
Wie bei der XT praktisch: Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt. Und auch unter dem Strich steht ein verdientes "Sehr gut"!
- Gänge: 1 x 12
- Gänge: 32 Zähne vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63 :1; Größter Gang: 3,20 :1
| Kriterium | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 10% |
Testergebnis: SEHR GUT (76 Punkte)
SRAM NX Eagle
Als Sram 2018 die NX Eagle vorstellte, machte diese die 1 x 12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver: Knapp 400 Euro kostet der Einstieg in die 12-fach-Welt nur noch, online ist sie sogar für rund 270 Euro erhältlich. Komplett!
Im Falle der NX ist es die Verwendung von günstigeren Materialien (Stahl und Kunststoff statt Alu), vor allem aber die Größe des kleinsten Ritzels. Statt 10-50 bietet Sram die NX mit 11-50-Zähne-Kassette an. Dadurch ergibt sich eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent, die alle anderen Eagle-Gruppen so erfolgreich machten.
Ein Vorteil ist wiederum, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann, was die NX Eagle für Nachrüster mit älteren Bikes extrem spannend macht.
Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen mit Abstand die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld.
Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.
- Gänge: 1 x 12
- Gänge: 32 Zähne vorne, 11-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64:1; Größter Gang: 2,91:1
| Kriterium | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 10% |
Testergebnis: GUT (69 Punkte)
Shimano XT (M8100)
Shimano ließ Käufer aufgrund von Fertigungsproblemen im letzten Jahr lange auf die neue XTR warten. Umso größer waren heuer die Erwartungen an die neue XT-Gruppe.
Satte 511 Prozent Bandbreite bietet die neue XT mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen. Genau einen Zahn mehr also als die direkte Konkurrenz der Sram GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht. Und auch in Sachen Ergonomie setzt die Shimano XT ein dickes Ausrufezeichen.
Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten. Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist.
Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn.
Verarbeitung, Gewicht, Bandbreite, Ergonomie - alles top. Testsieg!
- Gänge: 1 x 12
- Gänge: 32 Zähne vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63:1; Größter Gang: 3,20:1
| Kriterium | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 10% |
Testergebnis: ÜBERRAGEND (90 Punkte)
SRAM GX Eagle
Mit der GX Eagle hat Sram 2017 den 1 x 12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Mit Erfolg: 1 x 12 ist seither nicht mehr wegzudenken und die GX Eagle seitdem an unzähligen Bikes von Werk aus verbaut.
Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Nur das Einstellen des Umschlingungswinkels ist etwas umständlich: Eine mitgelieferte Schablone muss bei belastetem Hinterbau (Fully) angehalten werden.
Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in unserem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe.
In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Das Gefühl im Daumen ist dabei auch etwas undefinierter. Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein.
Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier). Generell liegen die Hebel absolut angenehm am Daumen an, bieten sehr gute Schaltergonomie.
Das Finish ist bar jeder Kritik, die Gruppe der Erfahrung nach sehr haltbar und der Preis fair.
- Gänge: 1 x 12
- Gänge: 32 Zähne vorne, 10-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64 :1; Größter Gang: 3,20 :1
| Kriterium | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 10% |
Testergebnis: SEHR GUT (83 Punkte)
Know-how Schaltungen
Mit der Wahl einer neuen Schaltung ist es nicht getan: Speziell der Freilauf muss passen. Was es sonst noch so zu beachten gibt, zeigen wir hier.
Welcher Freilauf?
- Standard: Der klassische Freilauf ist noch immer an vielen Radnaben zu finden. Er nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano. Nicht passen alle Sram-11-fach- und 12-fach-Kassetten - mit Ausnahme der preiswerten NX-Eagle- Kassette.
- XD-Body: Mit Einführung der XX1-Gruppe (1 x 12) brachte Sram auch einen neuen Freilauf, den XD-Body. Er ist seitdem Standard für alle Sram-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Auch einige Fremdanbieter wie E13 oder Hope nutzen den XD-Freilauf.
- Micro spline: Da es Shimano nicht übers Herz brachte, auf einen Sram-Standard zu setzen (dennoch aber ein 10er-Ritzel verbauen wollte), benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf. Der ist jetzt endlich auch bei fast allen Laufradherstellern erhältlich.
Kurbeln von Fremdanbietern
Die Eagle-Gruppen funktionieren tatsächlich am besten mit Sram/Truvativ-Kurbeln zusammen, werden auch nur so an Komplettbikes verbaut.
Alternativ schalten
- Umwerfend: Auch wenn die Bike-Hersteller wohl auf Shimanos neue 1 x 12-Gruppen abfahren werden, es gibt sie: die breitbandige 2 x 12-Variante von SLX, XT und XTR mit Umwerfer und komplett neuem "Mono"-Hebel. Dieser funktioniert extrem intuitiv.
- Elektronisch: Auch Sram war in diesem Jahr nicht untätig und brachte die neuen Eagle X01 AXS und Eagle XX1 AXS heraus. Diese beiden teuren, edlen Highend-Gruppen wechseln die Gänge nicht nur elektronisch mittels kleinem Servomotor am Schaltwerk, sondern auch noch kabellos. Der kleine Controller am Lenker sendet ein verschlüsseltes Funksignal. Des Weiteren lassen sich viele Funktionen der Schaltung per App individualisieren - Wunderwerke der Technik!
- Kompakt: Alle Welt schreit nach 12-fach - und was macht der kleine Schaltungshersteller BOX? Der setzt seine neue "Prime"-Gruppe nun auf 9-fach. Die Bandbreite passt dank 11-50 Zähnen an der Kassette dennoch. Die Vorteile sollen in der enormen Robustheit und Langlebigkeit liegen.
Fazit
SRAM lässt mit der GX Transmission seine neueste Technologie schneller als erwartet in günstigere Bereiche durchsickern. Und das ohne nennenswerte Einbußen auf der funktionalen Ebene.
Individuell zusammengestellte Gruppen Wenn die Komplettgruppen in unserem Shop Deine persönlichen Vorstellungen vom Antrieb für Dein Custom-Bike nicht abdecken, kannst Du Dir natürlich auch eine individuelle Lösung zusammenstellen. Du kannst innerhalb eines Herstellers meist die Gruppen durchmischen, solange die Bauteile für die gleiche Anzahl Gänge ausgelegt sind.
Es ist kein Problem, eine Shimano XTR-Kurbel mit SLX-Schaltwerk und XT-Kassette zu betreiben und dazu Deore Schalthebel zu benutzen. Voraussetzung ist allerdings, dass alle Komponenten gleich viele Schaltstufen haben, also 10, 11 oder 12 Gänge.
Ähnlich bei SRAM: Du kannst eine GX-Kurbel mit XX1 Kette betreiben, dazu einen NX-Schalthebel verwenden und Kassette und Schaltwerk aus der X01 Gruppe daran hängen. Aber auch hier müssen die Schaltstufen gleich sein. Zudem ist zu beachten, dass Komponenten aus dem SRAM Transmission-Ökosystem nur untereinander, nicht mit den älteren SRAM Eagle Komponenten kompatibel sind.
Wenn es um Haltbarkeit und Schaltqualität geht, ergibt es Sinn, eine sehr hochwertige Kette zu montieren. Da die Kette sowohl Kassette als auch Kettenblatt sowie Schalträdchen umschlingt und so für den Verschleiß aller dieser Komponenten verantwortlich ist, kann eine präzise gefertigte Kette den Verschleiß des gesamten Antriebs reduzieren.
So empfehlen wir bei Shimano eine XT- oder XTR-Kette und bei SRAM eine X01- oder XX1-Kette, auch wenn der Rest des Antriebs aus günstigeren Serien stammt. Oft ist es auf Dauer kostengünstiger, auf einem Mittelklasse-Antrieb eine teure Kette zu fahren. Achtung: Mische niemals Shimano- und SRAM-Komponenten.
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