Der Radweg Via Julia: Eine Reise auf historischen Wegen

Der Radweg Via Julia verläuft auf historischen Wegen auf einer der bekanntesten römischen Straßen in Süddeutschland. Die durchgängig ausgewiesene 300 km-Route lässt sich gut in 5-6 Tagesetappen fahren. Die ausgeschilderte Radwanderstrecke quer durch Bayern orientiert sich weitgehend an dieser historischen Originalstraße.

Für das römische Reich war die Via Julia seit Zeiten des Kaisers Septimius Severus von großer Bedeutung. Bis zum dritten Jahrhundert nach Christus ermöglichte sie durch ihre Bauweise und Streckenführung schnelle Truppenbewegungen zur Reichssicherung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fernradwegen in Bayern, die in Nord-Süd-Richtung an Flüssen entlang verlaufen, orientiert sich die Via Julia von West nach Ost von Schwaben bis nach Salzburg.

Streckenverlauf und Sehenswürdigkeiten

Die abwechslungsreiche Strecke führt mitten durch Augsburg, streift München am südlichen Rand und quert weitere bayerische Städte wie Rosenheim und Traunstein. Ansonsten zeigt die 300-Kilometer-Route die ländliche Seite von Schwaben und Oberbayern, die auch viele Reiseradler so lieben. Zu den Highlights zählen die vielen Seen, wie Chiemsee und Eggstätter Seen, sowie das malerische Alpenvorland im Rupertiwinkel.

Wegverlauf: Günzburg-Augsburg -München- Rosenheim - Söchtenau - Bad Endorf - Breitbrunn - Seebruck - Chieming - Traunstein - Teisendorf - Freilassing - Salzburg.

Von Feldkirchen-Westerham bis Rosenheim teilt sich der Weg ein kurzes Stück in eine Nord- und eine Südroute auf. Die Nordroute wird als der Hauptweg bezeichnet, die Südroute ist aber nicht weniger attraktiv. Heute noch sichtbare Zeugnisse aus der Römerzeit begleiten Sie auf der ehemaligen Militärstrasse entlang Städten, kleineren Orten, Seen und zuletzt wunderbarem Alpenpanorama.

Römische Zeugnisse entlang der Strecke

Im Chiemsee-Alpenland entdecken Sie noch folgende römischen Orte, Fundstücke wie Meilensteine, Grabsteine, Siedlungsreste, Altarsteine:

  • Vom römischen Ort Isinisca (heute Gemeinde Aying/ Kleinhelfendorf) führt die Via Julia über kleinere Orte wie Feldkirchen und Ellmosen nach Rosenheim.
  • In Rosenheim sehen Sie: Im Stadtteil Langenpfunzen wurde im 1. Jhd. n. Chr. eine Brücke errichtet (Pons Aeni), ab dem 2. Jhd. entstand eine Siedlung, deren Keramitk-Handwerkskünste heute noch im Städtischen Museum Rosenheim zu sehen sind.
  • In Leonhardspfunzen südlich der Leonhardskapelle ist noch ein umgedrehter und auf der Standfläche ausgehöhlter Sockel eines Grab- oder Weihealtares zu sehen, der seit langem als Auffangbecken der eisenhaltigen Heilquelle dient.
  • Entlang des Inns fahren Sie weiter bis nach Prutting. In der Pruttinger Pfarrkirche Mariae Opferung ist heute noch ein Weihealtar aus den Jahren 311-313 n. Chr. in der Vorhalle der Kirche zu sehen.
  • Weiter geht es nach Söchtenau, wo Sie an der Originalfundstelle Georg-Dietl-Straße einen unbeschrifteten Meilenstein aus geschecktem, ortsunüblichem Kalkstein entdecken können.
  • Durch das Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte mit vielen Bademöglichkeiten geht es weiter zum Römischen Meilenstein von Schalchen/Gstadt.
  • Der nächste Römische Meilenstein zwischen Schmidham und Kraimoos ist als christlicher Bildstock umfunktioniert.
  • Der römische Ort Bedaium (Seebruck) ist heute noch voller Geschichte: Das Römermuseum Bedaium mit Freigelände zeigt römische Architekturteile aus dem 2. und frühen 3. Jhd. n. Chr. und Fundstücke aus der Siedlungsgeschichte.
  • Am Chiemsee entlang können Sie einen Ausflug per Schiff machen: von Seebruck und Chieming verkehren Schiffe zur Herreninsel und zur Fraueninsel.
  • In der Pfarrkirche von Chieming (Eingang Nordseite) sind drei römische Weihesteine in die Kirchenmauer unter der Emporentreppe eingemauert.
  • Südlich des Ortes Erlstätt finden sich Relikte und Grundmauern mehrerer Gebäude eines großen römischen Gutshofes.

15 Meilensäulen (übermannshohe Steinsäulen) belegen den Verlauf und die Bedeutung der Straße seit Zeiten des Kaisers Septimius Severus. Diese sind als Nachbildungen an ausgewählten Punkten wieder aufgestellt. Zahlreiche Bodendenkmäler zeugen von der Vergangenheit.

Der Chiemsee als Highlight

Am Chiemsee badeten schon die Römer. Im letzten Drittel des Fernradwegs, in der ADFC-RadReiseRegion Chiemsee-Chiemgau erwartet den Radwanderer als besonderes Highlight der Chiemsee. Im ehemaligen Badeort der Römer, in Seebruck, bietet sich der Besuch des Römermuseums Bedaium und der Taverna an. Der belebte Hafen, die Seepromenade und das Strandbad mit der wohl besten Aussicht auf das Bayerische Meer und die Alpenkette laden zum pausieren und flanieren ein.

Von Seebruck und Chieming verkehren Schiffe zur Herreninsel und Fraueninsel. Den Abstecher zum berühmten Königsschloss von Ludwig II. und zur ehemaligen Künstlerkolonie auf der Fraueninsel sollten Sie sich unbedingt gönnen! Das Radfahren auf den Inseln ist allerdings verboten und die Chiemsee-Schifffahrt kann nur begrenzt Fahrräder transportieren.

Weitere Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke

  • Kleinhelfendorf: Einen Besuch wert ist die katholische Pfarrkirche St. Emmeran. Einer Legende nach soll der heilige Emmeran dort im Jahr 652 getötet worden sein.
  • Grabenstätt: Ein Großteil der ausgegrabenen Funde, die den hohen Lebensstandard der römischen Bevölkerung erkennen lassen, ist heute neben anderen Exponaten aus der Römerzeit im Chiemgau im Römermuseum Grabenstätt neben dem Rathaus zu besichtigen.
  • Stöttham: St. Gelübdestein des Jupiter Arubianes und des Sanctus Bedaius, gesetzt 225 n. Chr. von Verus, Benefizar der 2. ital.Legion.
  • Ising: Das neugotische Schloß Ising stammt aus dem 19 Jh. und ist ein Zentrum des Reitsports.

Tipps für die Radtour

Die Strecke kann in unserer Radregion mit gängigen Tourenfahrrädern befahren werden. Abgeleitet aus der technischen Schwierigkeit und der Fitnessanforderung.

Überprüfen Sie vor dem Start immer die Lichtanlage, Bremsen, Reifen und Reflektoren Ihres Fahrrades! Tragen Sie bei schlechter Sicht (Dämmerung, Dunkelheit, Nebel, etc.) helle, reflektierende Kleidung. Alternativ: Weste oder Fußbänder mit Reflektorstreifen. Besonders im Herbst und Winter kann am Boden liegendes Laub mögliche Unebenheiten, Wurzeln, Steine oder Löcher im Weg verdecken. Bringen Sie am Fahrrad Ihrer Kinder zusätzlich hohe Fahrradwimpel an, damit auch die kleinsten Fahrer im Straßenverkehr gut wahrgenommen werden.

Sonnenschutz für Haut und Kopf ist der unverzichtbare Begleiter auf längeren Radtouren. Ein Erste-Hilfe-Set, Luftpumpe und Ersatzschlauch sollten nie fehlen. Unterwegs genügend trinken und an einen Notfall-Müsliriegel denken. Kleidung sollte nach dem Zwiebelprinzip gewechselt werden können und atmungsaktiv sein. Wind- und Regenschutz ist wichtig! Fahrradhelm und Sonnenbrille ist zu empfehlen.

Der Weg führt im Chiemsee-Alpenland in der Nähe von zahlreichen Bahnhöfen, die an der Strecke München - Salzburg bzw. Rosenheim - München (BRB Chiemgau-Inntal) liegen vorbei (z.B.

Zusätzliche Informationen

Via Julia ist ein Projekt, das sich am Verlauf der Römerstrasse von Günzburg nach Salzburg orientiert. Der durch das Projekt wiederbelebte Streckenverlauf soll dabei als Synonym für die nachhaltige Entwicklung der Regionen in ihrem Trassenverlauf dienen. Hierzu wurde als erste Maßnahme und in Eigeninitiative der anliegenden Gemeinden der Streckenverlauf beschildert und eine Fernradwanderweg geschaffen. Dies ermöglicht nun interessierten Radausflüglern und Radtouristen auf einer Länge von ca. die Gegend zu erkunden.

Die Via Julia tritt als Gesamtprojekt jedoch nicht nur als Radwanderweg in Erscheinung. Neben Maßnahmen für die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes gibt es auch Angebote für die weitere Förderung des Tourismus, sowie kulturelle und historische Teilprojekte und mehr.

Routendetails

  • Charakter: Die Via Julia verläuft auf asphaltierten und geschotterten Radwegen oder ruhigen Nebenstraßen.
  • Empfohlene Etappen: Die gesamte Strecke empfiehlt sich in 5 bis 6 Tagesetappen.
  • Beschilderung: Die gesamte Strecke ist einheitlich mit der Bezeichnung "Via Julia" beschildert.

Anbindung an andere Radwege

Anbindung an Via Claudia Augusta und Romantische Straße bei Augsburg, Isarradweg südlich von München, Innradweg in Rosenheim, Bodensee-Königssee-Radweg in Traunstein, Tauernradweg und Mozartradweg in Salzburg.

Anreise und Verkehrsmittel

An- und Abreise per Bahn nach Günzburg und von Salzburg, Radfahrer-Hotline der DB unter 0180 6 99 66 33 (20 ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarif bei Mobilfunk max. 60 ct/Anruf). www.bahn.de. Die Route passiert unterwegs viele Bahnhöfe, um ggf. abzukürzen oder Strecken zu überbrücken.

Radfreundliche Unterkünfte

  • Hotel Römer in Günzburg, www.hotel-roemer.de
  • Hotel Ost am Kö in Augsburg, www.ostamkoe.de
  • Alter Wirt in Grünwald bei München, www.alterwirt.de
  • Seehotel Wassermann in Seebruck am Chiemsee, www.seehotel-wassermann.de
  • Hotel Hohenstauffen in Salzburg, www.hotel-hohenstauffen.at

Karten und Literatur

Verlag f.o.r.u.m. "Radwandern auf den Spuren der Römerstraße VIA JULIA", 104 Seiten, 9,95 Euro.

Auskunft (allgemein)

Touristische Informationen zu den Regionen in Bayerisch-Schwaben und Oberbayern unter www.bayerisch-schwaben.de; www.bayern.by; www.chiemsee-alpenland.de und www.chiemgau-tourismus.de; www.viajulia.net

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