Der Wetterbericht hat endlich einen strahlenden Sonntag vorausgesagt. Der Himmel wolkenlos, die Temperaturen mild: In Alexander Möllers Fingerspitzen kribbelt es. Beim Weckerklingeln steht der junge Projektentwickler aus Berlin bereits gestriegelt vor dem Spiegel. Die modische Denimjacke ist bis oben hin geknöpft, lässig sitzt die indigofarbene Jeans.
In seiner Garage wartet die alte Lady auf ihn: eine frisierte Honda CB 750, Baujahr 1974. "Der werde ich mal ordentlich einheizen." Das ist der Plan für heute. Möller gehört zu den Großstädtern, die auf umgebaute alte Motorräder - sogenannte Custombikes - abfahren und damit für Bewegung in der Motorradszene sorgen.
Lange Zeit schien es, Motorradfahren wäre Altherren-Sport geworden, nur gelegentlich durch einen Speed-Fanatiker aus der Landjugend aufgelockert. Die stilvolle und urbane Verjüngung durch die Custombike-Szene tut der Branche nun aber gut, nicht zuletzt, weil sich die Vintage-Racer ihren stimmigen Auftritt etwas kosten lassen.
Ein Limited-Edition-Helm: 500 Dollar. Die Jacke aus der kleinen Manufaktur in Dänemark: 350 Dollar. Das Gefühl, auf eine maßgeschneiderte Vintage Ducati zu steigen: unbezahlbar.
Retro-Bikes: Pures Vergnügen
Lange Zeit sahen viele Motorräder aus wie Insekten auf zwei Rädern. Jetzt feiern klassische Maschinen mit schnörkelloser Optik ein Comeback. Ein Glück! "Nie erlebt man seine Umgebung so unmittelbar wie auf dem Motorrad", sagt Jan Zühlke, der gemeinsam mit Christoph Blumberg 2015 in Berlin Craftrad gründete, ein wohlgestaltetes Independent-Magazin für Motorradkultur.
"Durch die Landschaften zu fahren und die Natur zu spüren hat für mich etwas Meditatives: Man ist hoch konzentriert, denn jeder Fehler kann schnell bestraft werden. Das Schöne am Motorradfahren ist trotzdem die Entschleunigung", findet Zühlke.
Entschleunigung durch Beschleunigung? Klingt paradox, erklärt aber vielleicht gut, warum Motorradfahren gerade beim urban-alternativen Publikum gut ankommt: Stillvoll cruisen erfüllt die Sehnsucht nach Eskapismus, ein bisschen Adrenalin und dem "echten" Leben.
Auf einem Motorrad kann man die Stadt hinter sich lassen und braucht nicht mal Ortskenntnisse. "Es mag abgedroschen klingen, aber es stimmt: Auf einem Motorrad ist der Weg das Ziel", sagt Zühlke. Herkömmliche Hightech-Motorräder mit viel PS und Schnickschnack transportieren diese Sehnsucht nicht. Nein, es muss ehrliche Technik freiliegen, die charmant rumknattern kann, statt nur aggressiv zu beschleunigen.
Indie-Bikern sind auch Mode und Musik wichtig
Irgendwie geht es also wieder um Selbstfindung und Authentizität. Die noch verstärkt wird, wenn man wie Zühlke und andere Anhänger der Custom-Kultur selbst an alten Bikes herumwerkelt, die man vielleicht im Netz ersteigert hat. Mit ein paar Freunden trifft er sich regelmäßig nach Feierabend zum Schrauben.
"Nach zehn Stunden am Computer hat man das Verlangen, wieder mit den Händen zu tüfteln", findet Zühlke. "Ein positiver Effekt ist natürlich, dass am Ende Unikate herauskommen."
Die neuen Custombiker sind also die motorisierte Antwort auf Zeitgeist-Hypes: Retro, DIY und Individualität. Ihnen geht es nicht nur um die Maschinen, Schrauben und Fahren. Mode, Musik und Reisen sind mindestens genauso wichtig. Dabei wird gerade an die Mode ein ähnlicher Anspruch gestellt wie an die Bikes.
Stiefel, die aussehen, als wären sie seit 1960 im Dauereinsatz, verwaschene Holzfällerhemden und Arbeiterjeans, denen durch künstlich abgewetzte Stellen bereits Patina geimpft wurde. Wer einen fürsorglich restaurierten, luftgekühlten Boxer-Zweizylinder aus den Siebzigerjahren unter sich hat, will eben einen ganzheitlichen, sogenannten Heritage-Look.
Den versprechen vor allem Traditionsmarken wie Honda, Ducati und Triumph und auf Bekleidungsseite Barbour International, Red Wing Shoes oder Belstaff - alles Marken, die immer auch von Motorradfahrern gekauft wurden.
Der Custom-Lifestyle sei nämlich Männerdomäne
"Vintage- und handgefertigte Produkte sind heute gefragt. Menschen haben das Bedürfnis nach Qualität und Einzigartigkeit", sagt Delphine Ninous, seit Juli 2016 Belstaffs neue Kreativdirektorin. Ein wichtiger Erzählstrang der 1924 gegründeten britischen Luxus-Marke war stets Abenteuergeist und historische Testimonials wie Steve McQueen, Che Guevara aber auch Flugpionierin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart.
Der Custom-Lifestyle sei nämlich keine Männerdomäne: "Es ist toll, dass der neue Trend Frauen genauso wie Männer anspricht", findet Ninous. Der Trick von Labels wie Belstaff ist es dabei, piefige Funktionskleidung stilvoll zu übersetzen.
Sicherheit ja, aber bitte nicht aussehen wie die Hells Angels oder der Gore-Tex-Fahrer auf dem Alpenpass. Den Erfolg von Heritage-Kollektionen erklärt Ninous außerdem damit, dass Menschen heute Geld für Vertrauen ausgeben: "Das ist eine Reaktion auf die Fast Fashion und den heftigen Konsum der vergangenen Jahre."
Wer als Marke glaubwürdig wirkt, kann sich der Aufmerksamkeit der neuen Indie-Biker erfreuen: Das japanische Denim-Label Edwin etwa; die Custombike-Manufaktur Wrenchmonkee in Kopenhagen mit eigener Apparel-Linie oder der Hersteller Bell, wenn es um Helme geht.
Das Echo, das sie derzeit bei Medien und Mode erfahren, spricht dafür, dass es sich bei den Custombikern um eine wachsende "Trendcommunity" handelt und nicht bloß um eine Handvoll Lonely Rider. Genauso wie vor zehn Jahren in vielen Schaufenstern, Anzeigenkampagnen und Szene-Vierteln handgemachte Fahrräder auftauchten, sind die roh und nackt wirkenden Custombikes heute Stilobjekte, die modebewusste Menschen überall auf der Welt ansprechen.
Berlin-Mitte, London-Shoreditch oder Brooklyn, New York: In vielen angesagten Stadtteilen finden sich mittlerweile hippe Biker-Boutiquen.
"Mit der herrschenden Informationsgeschwindigkeit verbreiten sich Trends eben auch global ziemlich schnell", meint Miguel Lerdo. In Roma Norte, Mexico Citys coolstem Kiez, betreibt der passionierte Custombiker "Concept Racer", einen Laden für Motorradliebhaber und gleichzeitig ein Ort, "um mit Freunden abzuhängen".
"Viele Großstädte wie Mexico City haben ein ernsthaftes Verkehrsproblem", sagt er. "Für nur ein paar Kilometer kann man mit einem Auto locker Stunden brauchen. Ein Bike hingegen macht mobil."
Auf dem Motorrad hat er vor ein paar Jahren die halbe Welt bereist, heute fehlt dem Familienvater dazu die Zeit. Deshalb tummelt er sich gern auf Biker-Events. "Das ist ein Trend, den wir über die letzten Jahre stetig wachsen sehen", sagt auch Delphine Ninous.
Festivals wie das Wheels & Waves im französischen Biarritz waren auch Inspirationsquelle für Belstaffs Frühjahr-Sommerkollektion 2017. Auch das Pure & Crafted in Berlin ist so ein Festival für Custombiker, das Ende August zum dritten Mal stattfinden wird.
Im vergangenen Jahr kamen bereits 8000 Besucher; auf der Bühne spielten Noel Gallagher's High Flying Birds und Mando Diao, im General Store ließen sich Bärtige beim Barbier frisieren. Auch BMW Motorrad war mit Truck, Boutique und einem Miniwerk präsent.
"Wir sind eben nicht bloß der Titelsponsor, sondern freuen uns, selbst aktiv werden zu können", erzählt Michael Trammer, der als Projektmanager bei BMW Motorrad das Pure & Crafted betreute.
"Plötzlich sieht man alte Modelle wieder im Straßenbild"
Noch so eine Marke mit Geschichte: Seit 1923 werden bei BMW Motorräder produziert, allein 2015 waren es 137 000 verkaufte Exemplare. Kein Wunder, dass der Konzern mit der "R nineT" auch eine eigene Maschine im Heritage-Stil entwarf, die auf Individualisierbarkeit angelegt ist.
"Sie erinnert mit ihrem Manufaktur-Charakter an klassische Designs, ist aber dank der Technik auch ein modernes Motorrad", erklärt Trammer.
Dass sich viele junge Biker lieber auf die Jagd nach alten BMW-Maschinen machen, um diese selber zu restaurieren, stört ihn übrigens nicht. Im Gegenteil: "Durch den Custom-Trend wurde BMW ein Stück weit wiederentdeckt. Ältere Maschinen sind gefragter denn je. Und plötzlich sieht man Modelle aus den 70er- und 80er-Jahren wieder im Straßenbild.
Das hat einen positiven Einfluss auf die Marke an sich", sagt er. Der Trend gehe außerdem hin zum Zweit-Zweirad. "Einen großen Vorteil haben die neuen Maschinen natürlich gegenüber den alten", ergänzt Trammer: "Die bleiben nicht liegen."
Wie wahr. An dem sonnigen Sonntag in Berlin dürfte wohl auch Alexander Möller gelegentlich mal an eine neue Maschine statt seiner frisierten Honda gedacht haben. Nach wenigen Kilometern ist die Spritztour jedenfalls beendet, weil sein Custombike den Geist aufgegeben hat.
Möller kennt das bereits und nimmt es gelassen. "So ist das eben mit alten Ladys", sagt er.
Damit kann man direkt zurück in die Zwanziger Jahre fahren. Diese speziellen The Cyclery Versionen der Vintage Caps werden exklusiv von der Traditionsfirma Sterkowski für uns gefertigt und sind in Farbe und Ausführung schon als Neuteil ein Klassiker. Der Hauptteil besteht aus Baumwolle und besitzt ein Viskose-Futter, Schirm und Schweißband sind aus Leder. Charakteristische Belüftungsösen und eine dekorative Doppelkordel runden das Ganze ab. Vorne ist ein gesticktes The Cyclery Logo angebracht.
Der legendäre Namensgeber Erwin "Cannonball" Baker hätte sicher seine helle Freude an diesem Nierengurt gehabt. Nieten und anderer Schmuck sind hier nämlich reichlich vorhanden, genau wie es dem damaligen Geschmack entsprach.
Die prismatischen Blue Dots und die glatten roten und weißen Reflektoren, früher Luchsaugen genannt, bestehen aus Echtglas. Auf der Innenseite befindet sich eine kleine Tasche mit Reißverschluss für Wertsachen. Längenangaben ohne Schnallen und Riemen.
Das 1937 Roamer Hemd hat ein authentisches Arbeitshemd aus den späten 30ern als Vorlage. Der gerade Schnitt und der verwendete Stoff aus gebürstetem Flanell bieten hohen Komfort, auch im Sommer, wenn es heiß ist. Wie das Original besitzt das Hemd eine sog. "Smoker’s Pocket”.
In den Zeiten, als Knuckleheads, Flatheads und Panheads noch Neumaschinen waren, gehörte ein Sweater zum unverzichtbaren Biker-Outfit. Viele der originalen Motorradclub-Sweaters der 1930er bis 1950er Jahre wurden damals schon von Dehen gefertigt, und aktuell ist die Firma der einzige überlebende US-Hersteller.
Wie früher entstehen die Dehen-Pullover von A-Z in Handarbeit aus 100% Kammwolle-Strickware, mit hochwertigem Talon Kragen-Reißverschluss. Die typischen breiten Bünde an den Ärmeln und im Hüftbereich halten Wind und Kälte ab und verhindern ein Hochrutschen.
Ein exklusives Produkt für W&W ist diese spezielle Version von Dehen’s Naval Crew Sweater mit kultigem Streifendesign. Schon seit den Fünfzigern ist dieser Style bei Bikern populär, wie man unschwer im legendären Streifen "The Wild One" sehen kann.
Das verwendete Garn aus 100% Kammwolle ist ein sog. 3-fach Garn, bei dem drei Wollfäden zu einem verbunden werden. Das ergibt eine sehr robuste Strickware, die aber noch gut für Pullover verwendet werden kann, die über den Kopf gezogen werden.
In den Zeiten, als Knuckleheads, Flatheads und Panheads noch Neumaschinen waren, gehörte ein Sweater zum unverzichtbaren Biker-Outfit. Unsere Wrecking Crew Sweater entstehen in Handarbeit aus 100% Kammwolle-Strickware, mit hochwertigem Kragen-Reißverschluss von Talon. Die typischen breiten Bünde an den Ärmeln und im Hüftbereich halten Wind und Kälte ab und verhindern ein Hochrutschen.
Klassische 30er Jahre Workwear Jeans. Klassische 50er Jahre Workwear Jeans.
Die Muir-Mütze: Ein Symbol in der Leder-Community
Die Muir-Mütze , auch bekannt als Sir's Hat oder Master's Hat , ist ein weit verbreitetes Accessoire in der Lederwelt, das als Teil vieler formeller Lederuniformen getragen wird. Eine Person trägt die Kappe, um anderen ihre soziale Position als Sir zu zeigen. Der Erhalt des Caps gilt als Meilenstein in der Community.
Die Muir-Mütze ist nach der Muir Cap Company benannt, die im Zweiten Weltkrieg die Mütze für Militäruniformen deutscher Offiziere herstellte. In den 1950er Jahren trat es über Hollywood in die Populärkultur ein und wurde von Schauspielern wie Marlon Brando in The Wild One (1953) und James Dean in Rebel Without a Cause (1955) getragen.
Sowohl Brando als auch Dean spielten motorradfahrende Protagonisten. In den späten 1950er Jahren tauchte die Muir-Mütze in den Gemälden und Zeichnungen des finnischen Künstlers Touko Valio Laaksonen ( Tom of Finland ) auf, die typischerweise von Personen getragen wurden, die in Motorrad- oder Militäruniformen aus Leder gekleidet waren.
Laaksonens Kunstwerke erlangten in den 1970er Jahren Anklang bei den LGBT-Anhängern und trugen dazu bei, die Kappe in der Leder-Community bekannt zu machen. In der Lederbranche gibt es typischerweise viele Formalitäten rund um den Besitz und das Tragen der Mütze.
Die wichtigste Tradition ist, dass die Kappe von einem Sir zum anderen weitergegeben wird, wodurch das Vermächtnis der Kappe und ihres/ihrer vorherigen Besitzer(s) fortgesetzt wird.
Obwohl es verpönt ist, die Kappe zu kaufen, ist sie in vielen Ledergeschäften und bei Veranstaltungen wie International Mister Leather (IML) und Mid-Atlantic Leather (MAL) erhältlich. mit Sitz in Markham, Ontario, Kanada, hergestellt.
In den Vereinigten Staaten darf die Krempe der Kappe in der Regel niemals berührt werden, um Fingerabdrücke und Flecken auf der Oberfläche der Krempe zu vermeiden. Um die Kappe richtig aufzusetzen oder die Kappe anzupassen, muss der Träger sie an den Seiten anheben und sicherstellen, dass die Krempe genau über dem Augenbrauenkamm sitzt.
Es gilt auch als falsch, die Muir-Mütze einer anderen Person ohne deren Erlaubnis zu berühren, wie es bei anderen Lederartikeln der Fall ist.
Marlon Brando trug die Lederjacke in dem Film "The Wild One", wo er einen rebellischen Motorradfahrer spielte. verstärkte das rebellische Image, das Brando begonnen hatte. unkonventionellen Stil unterstrichen. Rebellion. symbolisieren Lederjacken Stärke und Widerstandsfähigkeit.
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