Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist eine häufige Erkrankung, die durch die Kompression des Nervus medianus im Handgelenk verursacht wird. Der "Karpaltunnel" beginnt anatomisch am Übergang vom Handgelenk zur Handwurzel. Die Symptome können von leichtem Kribbeln und Taubheitsgefühl bis hin zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen reichen.
Was ist das Karpaltunnelsyndrom?
Das Karpaltunnelsyndrom beruht auf einer Einklemmung bzw. Einengung eines wichtigen Handnerven, des sog. Nervus medianus oder Mittelnervs, in Höhe des Handgelenkes. Im Karpalkanal verlaufen die Beugesehnen aller Finger zusammen mit dem Nervus medianus.
Anatomie des Karpaltunnels
Die acht Handwurzelknochen bilden in Form eines flachen U-Bogens den Boden und die Seiten dieses Kanals, das kräftige Handwurzelband (Retinaculum flexorum) bedeckt den Kanal. Im Karpalkanal verlaufen neun Beugesehnen für Langfinger und Daumen sowie der Mittelnerv. Der Nervus medianus läuft also auf der Beugeseite am Handgelenk vorbei und versorgt die beugeseitigen Handmuskeln und sensorischen Bereiche am Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und manchmal auch am Ringfinger.
Der Nervus medianus ist etwa bleistiftstark und besteht aus Tausenden von Nervenfasern, die das Gefühl für die Beugeseiten und einen Teil der Streckseiten von Daumen, Zeige-, Mittel- und der Hälfte des Ringfingers vermitteln. Dazu führt der Mittelnerv einen Anteil (Thenarast), der einen wichtigen Teil der Daumenmuskulatur versorgt. Der Mittelnerv liegt zwischen dem queren Handwurzelband und den Beugesehnen, beim Strecken und Beugen des Handgelenkes und/oder der Finger kann er hier eingeengt werden.
Ursachen des Karpaltunnelsyndroms
Das KTS wird verursacht durch steigenden Druck im Karpalkanal, woraus dann eine Kompression des Mittelnervs resultiert. Steigender Druck im Karpalkanal führt zur Kompression des Mittelnerven. Wenn die weiche Struktur des Nervens gegen das querverlaufende Handwurzelband gedrückt wird, kommt es zur Verschlechterung der Durchblutung im komprimierten Teil des Nervens und zu den typischen Symptomen.
Verschiedene Ursachen können zur Entwicklung eines KTS führen:
- Entzündliche Schwellung der Beugesehnenscheiden
- Wassereinlagerung (auch hormonellbedingt), Schwangerschaft
- Rheumatische und degenerative Gelenkerkrankungen (Arthritiden)
- Quetschverletzungen mit starker Schwellung
- Brüche mit Verschiebungen oder in Fehlstellung verheilte Brüche im Handgelenk-Handwurzel-Bereich
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Selten: Tumore oder tumorähnliche Veränderungen
Selten kann das KTS ausgelöst werden durch sich ständig wiederholende Belastungen/Verletzungen im Rahmen besonders anstrengender Tätigkeiten.
Symptome des Karpaltunnelsyndroms
Die häufigsten Symptome sind Taubheit, Brennen und Prickeln von einem oder mehreren Fingern, in der Regel unter Ausnahme des Kleinfingers. Diese Symptome können jederzeit auftreten, sehr häufig und typisch jedoch nachts oder am frühen Morgen.
Sie führen zum Aufwachen des Patienten, der dann durch Schütteln, Massage und Hochhalten der betroffenen Hand sowie die Anwendung von kaltem Wasser Besserung erreicht. Die Schmerzen können sich ausdehnen über den Unterarm und den Ellbogen bis in Schultern und Hals. Diagnostisch abgrenzen muss man in diesen Fällen z.B. Bei Vorliegen eines KTS können die täglichen Aktivitäten mit Handgelenksbeugung und Greifbewegungen, wie z.B. Oft geben die Betroffenen auch ein Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Einschlafen bei bestimmten Zwangshaltungen an, wie zum Beispiel beim Fahrradfahren. Bei fortgeschrittenem KTS entwickelt sich in der Regel eine Thenaratrophie, d.h. die Thenarmuskulatur ist verschmächtigt.
Als Folge sind die Beweglichkeit und die Kraft des Daumens eingeschränkt. Abb 3. Als Folge sind die Beweglichkeit und die Kraft des Daumens eingeschränkt. Nicht nur die Kraft in Hand und Fingern, auch die Feinmotorik leidet durch das Karpaltunnelsyndrom.
Diagnose des Karpaltunnelsyndroms
In der Regel sichern die typische Vorgeschichte (Anamnese) und die klinisch-handchirurgische Untersuchung mit Feststellung der beschriebenen Symptome die Diagnose. Zur kompletten Diagnostik gehören unbedingt eine neurologische Untersuchung.
Am sichersten lässt sich das Karpaltunnelsyndrom mit einer sogenannten elektroneurografischen oder elektromyografischen Untersuchung nachweisen. Durch Messungen am Mittelnerv lässt sich die Verdachtsdiagnose Karpaltunnelsyndrom zusätzlich bestätigen. Zudem kann die Prognose der Heilung nach der Operation besser eingeschätzt werden.
Konservative Behandlung
Im Frühstadium eines Karpaltunnelsyndroms, zum Beispiel bei nur gelegentlichem Einschlafen (etwa beim Fahrradfahren oder in der Nacht), reicht oftmals die konservative Therapie aus. Sie besteht in der Vermeidung oder Einschränkung bestimmter Tätigkeiten und dem Tragen einer Nachtschiene in leichter Streckstellung des Handgelenkes, die in Abhängigkeit von den Beschwerden auch tagsüber zu tragen ist.
Die einfachste Form einer konservativen Therapie ist die Schienenbehandlung. Es handelt sich hierbei um eine Schiene, die das Handgelenk in leichter Streckstellung ruhigstellt. Den wirksamsten positiven Effekt erhält man, wenn man die Schiene über 24 Stunden täglich trägt.
Zusätzlich kann eine Vitamin B-Therapie erfolgen (nicht bewiesen). Eine medikamentös ursächliche Therapie existiert nicht, allerdings kann bei entzündlichen Schwellungen, die zu Einengungen am Karpaltunnel führen, eine vorübergehende Cortisontherapie den Rückgang der Schwellung bewirken und damit auch die Beschwerden eines Karpaltunnelsyndroms lindern oder sogar gänzlich aufheben. Im Anfangsstadium kann man das Karpaltunnelsyndrom konservativ durch eine lokale Kortisoninjektion therapieren. Hierbei wird Kortison in den Karpalkanal injiziert. Diese Spritzenbehandlung führt in manchen Fällen zur Linderung der Beschwerden, selten zur Beschwerdefreiheit.
Operative Behandlung
Die operative Therapie des Karpaltunnelsyndroms stellt nach wie vor den Goldstandard dar. Wenn die konservative Therapie nicht zum Erfolg führt, die Beschwerden des Patienten zu stark sind oder klinisch ein schweres und fortgeschrittenes KTS besteht, ist die Indikation zum operativen Vorgehen gegeben. Alle drei OP-Techniken verfolgen das gleiche Ziel: Dekompression (mechanische Entlastung) des Nervus medianus (Mittelnerv) durch Spaltung des Karpaltunnels.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Operation schmerzfrei durchzuführen. Grundsätzlich ist eine lokale Betäubung des Unterarmes ausreichend, da die Operation in der Regel nicht länger als 7-8 Minuten dauert.
Operationsmethoden
Es gibt zwei mögliche Operationsmethoden: die offene und die endoskopische. Die meisten handchirurgischen Operateure bevorzugen wie wir die offene OP über einen recht kleinen, circa 2 cm langen Schnitt in der Hohlhand. Dieser ermöglicht einen guten Einblick in den Karpaltunnel und erlaubt eine sichere Freilegung des Nervs. Unserer Erfahrung nach bietet dies den Vorteil, den Nerv vor Verletzungen zu schützen und ihn gleichzeitig vollständig aus der Verengung heraus zu lösen.
Die endoskopische Methode wurde vor allem in den USA entwickelt und kommt seit einigen Jahren auch in Europa vermehrt zum Einsatz: Über zwei kleine Zugänge (Abb. 5) wird mit einer eingeführten Optik das quer verlaufende Handwurzelband dargestellt und von der anderen Seite des gebildeten Kanals mit einem kleinen Messer gespalten. Diese minimalinvasive Methode hinterlässt kleinere Narben, erlaubt jedoch keine Inspektion des Nervs.
Vor- und Nachteile der Operationsmethoden
| Methode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Offene Operation | Guter Einblick in den Karpaltunnel, sichere Freilegung des Nervs, Schutz des Nervs vor Verletzungen | Größerer Schnitt |
| Endoskopische Operation | Minimalinvasiv, kleinere Narben | Keine Inspektion des Nervs, höhere Verletzungsgefahr wichtiger Strukturen |
Nach der Operation
Der Patient kann nach der Operation nach Hause gehen. Die nicht im Verband fixierten Gelenke sollten bewegt, jedoch nicht belastet werden. Striktes Hochhalten für 24h nach der OP ist unbedingt erforderlich, um Nachblutungen und/oder Schwellungen zu vermeiden (Hand immer über Herzhöhe).
Beginn mit regelmäßigen (3-4 x tgl.) Übungen im kalten Wasser (ggf. unter Zusatz von Eiswürfeln). Kälte reduziert die Schwellung und nimmt den Schmerz. Beginn mit der Narbennachbehandlung: 4-5 x täglich mit Ringelblumensalbe (oder anderen fetthaltigen Salben) dünn einreiben (massieren), die Narbe wird weicher, weniger schmerzhaft und besser belastbar („Abhärtung“ der Narbe). Unterstützen kann man diesen Effekt auch durch Beklopfen der Narbe, z.B.
Bei einigen Patienten mit lange bestehendem oder stark fortgeschrittenem Karpaltunnelsyndrom kann trotz erfolgreicher Operation ein Taubheitsgefühl im Bereich der betroffenen Finger dauerhaft zurückbleiben. In diesen Fällen hat die starke Kompression den Nervus medianus (Mittelnerv) oft über viele Monate und Jahre bleibend geschädigt.
Wieder Fahrrad fahren nach der OP
Nach einer Karpaltunnel-Operation stellen sich viele Betroffene die Frage: Wann kann ich nach einer Karpaltunnel-OP wieder Fahrrad fahren? Die Antwort darauf hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Heilungsdauer, die Belastung der Hand und individuelle Beschwerden. Eine zu frühe Belastung kann zu Schmerzen oder sogar einer verzögerten Heilung führen.
Die Heilungsdauer nach einer Karpaltunnel-Operation variiert je nach Patient und Art der Operation:
- Offene Operation: Hierbei wird ein größerer Schnitt gesetzt, um das Karpalband zu durchtrennen. Die Heilungszeit ist in der Regel länger.
- Endoskopische Operation: Diese Methode ist minimalinvasiv, wodurch die Heilung oft schneller verläuft.
Der Wiedereinstieg ins Fahrradfahren nach einer Karpaltunnel-OP sollte behutsam erfolgen. Nicht jeder ist nach der angegebenen Zeit wieder komplett beschwerdefrei. Die Heilungsdauer ist individuell, aber mit den richtigen Maßnahmen kannst du den Prozess unterstützen.
Empfehlungen für den Wiedereinstieg:
- Fange langsam an
- Achte auf deine Handhaltung
- Trage geeignete Schutzausrüstung, um die Belastung zu minimieren
Prognose und Komplikationen
Grundsätzlich ist die Prognose sehr gut. Voraussetzung ist jedoch, dass der Nerv nicht zu stark geschädigt ist. Grundsätzlich gilt, dass mit Dauer der Beschwerden die Erholungszeit entsprechend verlängert ist.
Seltene, aber gelegentlich auftretende Probleme nach einer Karpaltunneloperation sind Wundheilungsstörungen. Verletzungen der Funktionsstrukturen wie Sehnen oder Nerven sind theoretisch möglich, kommen aber bei ordnungsgemäßer und sorgfältiger Durchführung der offenen Operation so gut wie nie vor.
Vorbeugung beim Fahrradfahren
Das Karpaltunnelsyndrom kann beim Radfahren problematisch sein, da das ständige Aufstützen der Hände auf den Lenker zum Abknicken und somit einer erhöhten Belastung des Handgelenks führt. Hier sind einige Tipps zur Vorbeugung:
- Bikefitting: Ein professionelles Bikefitting sorgt dafür, dass dein Fahrrad optimal auf deine Körperproportionen abgestimmt ist.
- Lenkerhöhe und -neigung: Eine etwas höhere Position des Lenkers kann helfen, den Druck zu verringern.
- Griffe oder Lenkerband: Ergonomische Fahrradgriffe können mit ihrer großen und ergonomisch geformten Auflagefläche hier gute Abhilfe schaffen oder auch vorbeugen.
- Handschuhe mit Polsterung: Spezielle gepolsterte Handschuhe für Radfahrer absorbieren Vibrationen und reduzieren den Druck auf die Handnerven.
- Haltung ändern: Wechsel die Handposition regelmäßig, um die Belastung auf die Hand und die Unterarmmuskulatur zu reduzieren.
- Handgelenke neutral halten: Vermeide es, die Handgelenke zu stark zu beugen, während du den Lenker hältst.
- Regelmäßige Pausen: Mache regelmäßige Pausen, besonders auf langen Fahrten.
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