Das erste MotoGP-Rennen: Ein Blick zurück in die Geschichte

Die MotoGP-Saison 2024 steht ganz im Zeichen von 75 Jahren Motorrad-Weltmeisterschaft. Seit dem Jahr 2002 markiert die MotoGP die Königsklasse des zweirädrigen Motorsports für Straßen-Motorräder, doch die Ursprünge der Motorrad-Weltmeisterschaft gehen viel weiter zurück.

Die Geburtsstunde der Motorrad-WM

Das erste Motorrad mit Benzinmotor, das in Serie produziert wurde, stammt aus dem Jahr 1894 und hört auf den Namen „Hildebrand & Wolfmüller“. 13 Jahre später, im Jahr 1907, fand mit der legendären Isle of Man TT das erste offizielle Motorrad-Rennen der Welt statt.

Es dauerte allerdings bis zum Jahr 1949, bis der Weltverband FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) erstmals eine Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder austragen ließ - die inoffizielle Geburtsstunde der MotoGP.

Nachdem die Europameisterschaft in den 1930er-Jahren das höchste internationale Prädikat war, wurde diese vom Motorrad-Weltverband FIM nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 wiederbelebt und auch 1948 ausgeschrieben.

Als erstes WM-Event für den Motorrad-Straßenrennsport befand man die traditionsreiche und seit 1907 ausgetragene Tourist Trophy auf der zu Großbritannien gehörenden Isle of Man in der Irischen See als den geeignetsten Austragungsort.

Nach den ersten Trainingsfahrten verschiedener Klassen war es am Montag, dem 13. Juni 1949, den Rennfahrern der Klasse bis 350 ccm vorbehalten, den ersten WM-Lauf der Geschichte zu bestreiten.

Auf der Isle of Man wurden die Klassen damals in Lightweight-TT, Junior-TT und Senior-TT unterteilt, was im Continental Circus auf dem europäischen Festland den Klassen bis 250, 350 und 500 ccm entsprach.

Für dieses Auftaktrennen galt der Brite Leslie "Les" Graham auf seiner Zweizylinder-AJS, die wegen der Rippen-förmigen Zylinder auch "Porcupine" (zu Deutsch Stachelschwein) genannt wurde, als der große Favorit.

Nachdem die 100 Probanden bei schönem Rennwetter paarweise auf den Mountain Circuit geschickt wurden, war es tatsächlich Les Graham, der dem Rennen seinen Stempel aufdrückte und die erste Runde als Schnellster mit 19 Sekunden Vorsprung abschloss.

Doch schon in der zweiten von sieben Runden auf dem 37,73 Meilen gleich 60,720 Kilometer langen Kurs musste er sein Motorrad mit Kupplungsdefekt abstellen.

Das eröffnete Freddie Frith mit seiner Velocette die Chance auf den Sieg. Er hatte im finalen Umlauf auf Bill Doran ohnehin mächtig aufgeholt und dabei in 26:35 Minuten und einem Schnitt von 135,55 km/h die schnellste Runde gedreht.

Seine Siegerzeit betrug letztendlich für die Renndistanz von 425,044 Kilometern 3:10:26,0 (133,817 km/h). Die weiteren ersten WM-Rennen gewannen Harold Daniell (500 ccm, Norton) und der Ire Manliff Barrington (250 ccm, Velocette).

Freddie Frith gewann am 13. Juni 1949 den ersten Lauf zu einer Motorrad-WM. Nello Pagani wurde 1949 erster Weltmeister der Klasse bis 125 ccm. Bruno Ruffo gewann den ersten WM-Titel in der Viertelliterklasse. In der 500er-Klasse wurde Les Graham der erste Weltmeister.

Damals traten die Fahrer in verschiedenen Hubraumklassen an. Unterteilt wurden die Meisterschaften in 50 ccm bzw. 80 ccm, 125 ccm, 250 ccm, 350 ccm und 500 ccm für Solo-Maschinen, beziehungsweise in 500 ccm für Motorräder samt Beiwagen. In der Anfangszeit dominierten vor allem englische und italienische Marken mit Viertaktmotoren das Geschehen.

Abgesehen von den Six Days International Enduro, die 1913 im englischen Carlisle erstmals als (inoffizielle) Mannschaftsweltmeisterschaft ausgetragen wurde, war Speedway die erste Motorsportdisziplin, in der ein Motorrad-Einzel-Weltmeister eines Jahres gekürt wurde. 1936 sicherte sich der Australier Lionel von Praag in London diesen Eintrag für die Ewigkeit in den Geschichtsbüchern. Im Motocross schrieb die FIM 1957 die erste Weltmeisterschaft aus, allerdings zunächst nur für die 500-ccm-Klasse. Erster Titelträger wurde der Schwede Billy Nilsson auf einer britischen AJS.

Die Entwicklung der MotoGP

1983 wurde zunächst die 350-ccm-Klasse ersatzlos gestrichen, ein Jahr darauf die 50-ccm-Klasse durch die 80er-Klasse ersetzt. Auch der klassische Rennstart, der seinerzeit noch mit dem Anschieben der Rennmaschinen einherging, wurde Ender der 1980er Jahre durch einen stehenden Start ersetzt. In den 1990er Jahren wurden dann auch noch die 80-ccm-Klasse und die Seitenwagen-Rennen aus dem Programm entfernt, bis zum Jahr 2001 wurde dann ausschließlich in den Hubraum-Klassen 125 ccm, 250 ccm und 500 ccm gefahren.

Zeitgleich etablierte sich ebenfalls unter dem Dach der FIM die sogenannte Superbike-Weltmeisterschaft (SBK), in der Fahrer und Teams mit seriennahen Motorrädern an den Start gingen. Sie wurde ursprünglich von den vier großen japanischen Herstellern Honda, Yamaha, Kawasaki und Suzuki ins Leben gerufen.

Im Lauf der Saison 2001 wurde der Druck der japanischen Hersteller, allen voran Honda, auf den Dachverband so groß, dass es zu einer weitreichenden Umstrukturierung innerhalb der Motorrad-WM kam.

Mit dem neuen Branding folgten auch neue Regularien. So kamen in der Königsklasse des Motorradsports fortan Viertaktmotoren mit maximal 990 cm Leistung zum Einsatz. Im finalen Jahr der ursprünglichen Motorrad-WM mit 500 ccm Hubraum (2001) krönte sich der „Doctor“ Valentino Rossi zum Weltmeister.

Auch die Anfänge der MotoGP sollten an den Italiener gehen, der zwischen 2002 und 2005 ganze vier Titel als Fahrerweltmeister einheimste, zunächst auf einer Honda-Maschine, dann auf Yamaha. Rossi führt gemeinsam mit dem Spanier Marc Márquez die Bestenliste der Fahrerweltmeister an - beide Piloten kommen bislang auf sechs Weltmeistertitel in der MotoGP.

Die kleineren Hubraumklassen (125 ccm und 250 ccm) fanden auch weiterhin unter dem Dach der Motorrad-WM statt. Davon versprach sich die FIM eine erhöhte Sicherheit für die Piloten, da die Geschwindigkeiten geringer ausfallen sollten. In der Praxis war davon allerdings kaum etwas zu merken. Tatsächlich konnte die Geschwindigkeit in den Kurven sogar erhöht werden, sodass es häufiger zu Stürzen kam.

Zur Saison 2012 wurde der Hubraum dann wieder angehoben. Ab dieser Saison waren die Bikes mit 1.000 ccm Hubraum ausgestattet, gleichzeitig wurde die maximale Zylinderzahl auf vier beschränkt. Es begann die Dominanz der spanischen Fahrer: Zwischen 2012 und 2020 wanderte der Titel des Fahrerweltmeisters nach Spanien. Marc Márquez auf Honda krönte sich ganze sechs Mal zum Weltmeister (zuletzt in der Saison 2019), Yamaha-Pilot Jorge Lorenzo sicherte sich zwei weitere Titel, während die Krone in der Saison 2020 an Joan Mir ging.

Seit 2016 gilt innerhalb der technischen Regularien ein Mindestgewicht von 158 kg für ein Bike in der MotoGP-Klasse. Die Leistung eines Motorrades ist hingegen nicht reguliert und wird aus Wettbewerbsgründen lediglich in Untergrenzen bemessen. Schätzungen zufolge leistet ein aktuelles Motorrad in der MotoGP zwischen 260 und 300 PS. Damit sind Geschwindigkeiten von über 360 km/h möglich. Den aktuellen Rekord stellte der Ducati-Pilot Jorge Martín im Jahr 2022 im italienischen Mugello auf. 363,6 km/h schnell war der Spanier. Damit liegt die MotoGP in Sachen Top-Speed fast auf Augenhöhe mit der Formel 1.

Der Sachsenring: Eine traditionsreiche Rennstrecke

Seine wechselvolle Geschichte macht den Sachsenring bis heute attraktiv. Er überlebte alle politischen Epochen und ging aus jeder sogar gestärkt hervor. Der Sachsenring hat zum diesjährigen Jubiläum viel zu erzählen.

Und so fing alles an: 26. Mai 1927 - ein historischer Termin. An diesem Tag wurde hier das erste Motorradrennen gestartet, damals hieß es noch Badberg-Vierecksrennen. Mehr als 140.000 Zuschauer säumten die Strecke. Bei der zweiten Auflage im Folgejahr gab es einige Verletzte und mehrere tödliche Unfälle. Daraufhin wurden die Rennen verboten.

Erst 1934 wagten die Organisatoren einen Neubeginn. Zuerst gab es noch einige Zweifler, als die Zweiräder wieder mit Höchstgeschwindigkeiten rund um Hohenstein-Ernstthal fuhren, aber schon bald war der „Sachsenring“, der seinen Namen 1937 erhielt, nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil. Der Kurs wurde immer bekannter und schnell Bestandteil internationaler Rennkalender.

1936 und 1938 wurde der „Große Preis von Europa“ auf der Strecke ausgetragen, der mit der Bedeutung der heutigen Weltmeisterschaft vergleichbar ist. Die Renndistanz betrug bei den 500ern 40 Runden. Das entsprach circa 350 Kilometern. Dafür drehten die Fahrer zweieinhalb Stunden am Gas. Die Helden aus der Vorkriegszeit hießen Ewald Kluge, Georg Meier, James Guthrie und Bernd Rosemeyer. Sie schrieben auf der 8,7 Kilometer langen Naturrennstrecke Geschichte.

Dann kam der Krieg. Die Region lag am Boden. Doch gleich danach kamen die Motorräder schnell wieder ins Rollen. Schon 1949 strömten die Zuschauer in Scharen an den Ring zurück. Die ständige Anwesenheit auch internationaler Spitzenfahrer blieb nicht ohne Folgen. Von 1961 bis 1972 rollten die ganz Großen der Szene mit dem WM-Tross an und gaben sich die Klinke in die Hand: Giacomo Agostini, Mike Hailwood, Angel Nieto, Dieter Braun. Der Sachsenring hatte es geschafft: Es wurden WM-Rennen in den Soloklassen ausgetragen.

„Ago“ schrieb sich in dieser WM-Ära 1968 mit der schnellsten Rennrunde in die Geschichtsbücher ein. Er brauchte 2:55,4 Minuten. Das entspricht einem Schnitt von 176,798 km/h. Für Dieter Braun waren die Rennen auch immer etwas ganz besonderes. Der zweifache Weltmeister und 14fache Grand Prix-Sieger weiß noch genau, wie es damals war: „1971 bin ich auf dem Ring mein schönstes Rennen gefahren.“ Der Schwabe gewann vor einer überwältigenden Kulisse von 300.000 Zuschauern in der 250er-Klasse und ließ Champions wie Rod Gould und Phil Read weit hinter sich. „Es war gigantisch.

1973 war damit Schluss. Die DDR-Regierung gestattete nur noch Rennen mit der Beteiligung aus den östlichen Staaten. Westliche Fahrer wurden nicht mehr zugelassen. Erst 1990 gab es wieder Rennen für alle. Doch es wurde das vorerst letzte Jahr vor einer Pause. Die Stadtdurchfahrt ließ Wettkämpfe in dieser Form nicht mehr zu. Der Ring führte direkt durch die Ortschaft Hohenstein- Ernstthal.

Aber ein Sachsenring ohne Sachsenring-Rennen? Der kühne Plan vom Bau eines Motodroms scheiterte zunächst. Die Errichtung eines Verkehrssicherheitszentrums am Sachsenring eröffnete 1995 aber dann ganz neue Möglichkeiten. Daraus wird nach einem Umbau von 1996 nämlich bis heute nach Bedarf eine Rennstrecke für Autos und Motorräder gemacht. Der „neue“ Sachsenring besteht zu Teilen aber auch aus dem alten Kurs, wurde aber nach höchsten Sicherheitsstandards ausgebaut und tangiert den öffentlichen Verkehr nicht mehr.

Die heutige Anlage hat eine permanente und zeitgemäße Boxenanlage, einen neuen Start- und Zielturm und eine der modernsten Race Control-Anlagen. Unter diesen Voraussetzungen kehrte 1998 auch der Grand-Prix-Zirkus an die historische Stätte zurück. Für die begleitenden Pressevertreter aus aller Welt wurde ein neues Pressezentrum errichtet. Erst im letzten Jahr wurde auf dem Sachsenring die komplette Asphalt erneuert.

Seit 1961 bis einschließlich 1972 sowie seit 1998 ist der Sachsenring Bestandteil des alljährlichen Kalenders, in diesem Jahr zum nun schon 38. Mal. Insgesamt wird dieses Jahr der 85. Motorrad Grand Prix auf deutschem Boden ausgetragen.

Die MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring haben mittlerweile legendären Ruf erlangt. Der Große Preis von Tschechien kehrt in die Meisterschaft zurück, nachdem er zuletzt 2020 ausgetragen wurde. Wieder mit dabei ist zudem Ungarn - zum ersten Mal seit 1992. Und das auf einer neuen Strecke, dem Balton Park Circuit.

Ausblick auf die Saison 2024

Die Saison 2024 startet am 10.03.2024 mit dem Grand Prix of Qatar in Lusail. Neu dabei ist das Rennen auf dem Sokol International Racetrack in Kasachstan, das am 16. Juni 2024 steigen wird. Kasachstan ist damit das 30. Land in der Geschichte der MotoGP, das einen Grand Prix austragen wird.

Das Eröffnungsrennen findet diesmal in Thailand statt, während der traditionelle Auftakt in Katar zur vierten Runde wird, um Platz für den Ramadan zu machen.

Mit satten 21 Rennen fällt der MotoGP-Kalender so umfangreich aus, wie nie zuvor.

Das zweimalige Weltmeister Pedro Acosta wechselt 2024 in die Königsklasse und startet an der Seite von Augusto Fernandez für GasGas. Gresini setzt für 2024 auf das Duo Márquez: Die Brüder Marc und Alex Márquez starten auf Ducati.

Wichtige Fahrer und Teamwechsel für 2024

  • Marc Márquez: Wechselt zu Gresini auf Ducati.
  • Jorge Martín: Wechselt zu einem Werksteam, fährt zusammen mit Marco Bezzecchi bei Aprilia.
  • Pedro Acosta: Rookie-Saison für Red Bull GASGAS.
  • Jack Miller: Wechselt zu Pramac und Yamaha.
  • Ai Ogura: Erster japanischer Fahrer seit 15 Jahren, der Weltmeister wurde.

Technische Änderungen und ihre Auswirkungen

Es gibt einen Motorenstopp, sodass die führenden Konstrukteure ihre Triebwerke nicht weiterentwickeln können. Das sollte natürlich vor allem den Ducatis entgegenkommen und auch das KTM-Aggregat ist stark. Die großen Nutznießer des Motorenstopps werden Yamaha und Honda sein. Die beiden Giganten haben in den vergangenen Jahren die Meisterschaften angeführt, sind aber von dem Motorenstopp ausgenommen.

Gerüchte sprechen von einer Verringerung der Aerodynamik und der Abschaffung der Höhenverstellung.

Rennkalender 2024 (Auswahl)

Wettbewerb Datum 1. Platz
Großer Preis von Thailand 28.02. - 02.03. M. Márquez
Großer Preis von Argentinien 14.03. - 16.03. M. Márquez
Großer Preis von Deutschland 11.07. - 13.07. M. Márquez
Großer Preis von Tschechien 18.07. - 20.07. M. Márquez

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0