Warum Hamster ein Laufrad brauchen: Ein umfassender Ratgeber

Wenige Haustiere wurden lange Zeit so sehr unterschätzt wie der Goldhamster. In winzige Käfige gesperrt, eingerichtet mit bunten Plastikrohren und oft viel zu kleinen Laufrädern, fristeten viele von ihnen ein trauriges Dasein im Kinderzimmer. Aber auch heute herrscht noch viel Unwissenheit. So ist etwa den wenigsten bewusst, wie groß der Bewegungsdrang der Tiere ist.

Der natürliche Bewegungsdrang von Hamstern

Wussten Sie, dass Hamster nachts Strecken von bis zu zehn Kilometern zurücklegen? Der Bewegungsdrang der kleinen Nager ist riesig! Hamster legen in der Natur nachts bis zu zehn Kilometer zurück, um Nahrung zu finden und Vorräte anzulegen. Dieser Bewegungsdrang ist instinktiv und auch bei unseren Haustieren stark ausgeprägt. Für eine artgerechte Haltung sollte man seinem Hamster daher ermöglichen, weite Strecken zu laufen.

Doch dafür müsste das Gehege schon einige Meter groß sein - wenn nicht gar einige hundert Meter. Das kann wohl kein Tierhalter so einfach umsetzen. Doch wird man dem Bewegungsdrang mit einem Laufrad wirklich gerecht? Schaut man sich einen Hamster im Laufrad an, könnte man meinen, es handele sich hier um ein stereotypes Handeln, sprich sich wiederholendes Verhalten, das keinem Zweck dient: Der Hamster läuft und läuft, weil er sonst keine artgerechte Beschäftigung hat. Doch das ist nicht der Fall, wie Studien zeigten. Es ist sogar eher andersherum. So zeigte eine Untersuchung aus der Schweiz sogar, dass Hamster mit einem Laufrad im Käfig weniger zu stereotypen Verhaltensweisen neigen.

Auch Henriette Mackensen, Tierärztin beim Deutschen Tierschutzbund spricht sich klar für das Laufrad für Hamster aus: „Der Hamster will es und braucht es.“

Die Bedeutung des Laufrads für die Gesundheit und das Wohlbefinden

Kein Käfig ist so groß, dass das Laufbedürfnis von Hamstern gestillt werden kann. In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich jedoch, dass Verhaltensstörungen wie nagen am Käfiggitter und nagen an Trinkflaschen deutlich reduziert sind, wenn den Goldhamstern Laufräder zur Verfügung standen. Zudem zeigen die Hamster dann Komfortverhalten (wie sich putzen) über einen längeren Zeitraum.

Die Nachzucht klappt bei Goldhamstern mit Laufrad zudem besser, sie haben größere Würfe und ziehen mehr Jungtiere auf, als Hamster ohne Laufrad. Hamster werden nicht süchtig nach dem Laufrad, wenn Hamstermütter Jungtiere aufziehen, so reduzieren sie ihre Laufradnutzung auf nahezu null um sich den Babys zu widmen. Ein süchtiger Hamster würde das nicht machen.

Wenn man doch das Gefühl hat, dass der eigene Hamster süchtig nach dem Laufrad sein soll, so ist es möglich ihm das Laufrad nur zeitweise zur Verfügung zu stellen. Am Anfang der Nacht (und somit der aktiven Zeit) nutzen Hamster das Laufrad am häufigsten. Man kann das Laufrad also seinem Hamster am Abend zur Verfügung stellen und kurz bevor man selbst zu Bett geht herausnehmen.

Kriterien für das richtige Laufrad

Im Handel finden sich viele verschiedene Laufräder für Hamster. Bei der Auswahl ist neben dem richtigen Material vor allem die Größe entscheidend. Der Durchmesser des Rades sollte an die Größe des Tieres angepasst sein: Ist das Rad zu klein, läuft der Hamster darin in einer unnatürlichen Haltung, die zu Schäden an seiner Wirbelsäule führen kann.

Empfohlene Mindestdurchmesser:

  • Goldhamster: mind. 30 cm
  • Zwerghamster: mind. 25 cm
  • Roborowski: mind. 20 cm

Die Hamsterhilfe Südwest empfiehlt ein Rad mit geschlossener, glatter Lauffläche - etwa aus Kork - das mindestens einen Durchmesser von 30 Zentimetern hat. Auch der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt Räder mit geschlossener Lauffläche, da sich die Tiere zwischen einzelnen Stäben sonst einklemmen und verletzen können. Zudem sollte das Rad entsprechend standfest sein oder an der Käfigwand montiert werden.

Ein Hamster-Laufrad sollte folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Durchmesser für Gold- und Teddyhamster mind. 27 cm und für Zwerghamster mind. 25 cm.
  • Hinterseite sollte aus einer geschlossenen Fläche bestehen
  • Vorderseite sollte vollständig offen sein und keine Streben haben
  • Lauffläche sollte geschlossen sein und nicht aus Streben bestehen

Wichtig ist außerdem eine geschlossene Lauffläche, also kein Gitter auf dem der Hamster laufen soll. Es passiert leider zu schnell, dass er sich seine kleinen Füßchen darin einklemmt. Tut euch selbst einen Gefallen und kauft ein Laufrad mit Kugellager, die sind deutlich leiser.

Empfehlenswerte Laufräder

Geeignet: Die Korklaufräder von Rodipet gibt es in den Größen Ø 21 cm, Ø 27 cm und Ø 31 cm. Die Holzlaufräder der Firma Getzoo gibt es in den Größen Ø 20 cm, Ø 27 cm, Ø 30, Ø 33 cm und Ø 42 cm. (Achtung: Beim 27er Rad ist das Außenmaß angegeben, es hat nur ein Innenmaß von Ø 25 cm und ist daher für Mittelhamster nicht geeignet).

Mittlerweile hat die Firma Karlie auch Holzräder mit Korklauffläche im Sortiment. Da das Kugellager in den Ständer eingeklebt ist, kann sich auf Dauer die Lauftrommel absenken und das Rad fängt an zu eiern und zu schleifen.

Eingeschränkt geeignet: Die Firma Trixie bietet Kunststofflaufräder in der Größe Ø 28 cm an. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sie für Mittelhamster nicht geeignet sind, da sie bei einem wuchtigen Laufstil sehr wackelig sind. Für Zwerghamster sind sie aufgrund des leichteren Gewichts hingegen prima.

Unsere Top Laufrad-Empfehlung:

Getzoo Korklaufrad Ø 30 cm (Ø 28,4 cm Innen)Geeignet für: Teddyhamster, Goldhamster,… Besonderheiten: Standfest, höhenverstellbar, leichtgängig durh doppeltes Qualitätskugellager, leise, Lauffläche aus Kork So leise dass man nur die Schritte des Hamsters hört. Sogar unser gemütlicher Teddy, der sonst keinen Schritt zu viel macht, ist ab und an im Laufrad anzutreffen. Unseren Goldi dreht jeden Abend seine Runden.

Unser Urteil: Hervorragend

Ungeeignete Laufräder und Alternativen

Holzlaufräder der Firma HUGRO sind unserer Meinung nach nicht weiterzuempfehlen, da sich diese nur sehr schwergängig bewegen lassen und der Hamster große Mühen hat das Rad in Bewegung zu setzen.

Einige Firmen bieten auch Holzlaufräder mit Sprossen auf der Laufbahn an, welche jedoch zu Problemen für Hamster führen. Grund: Hamster springen nicht und können die Sprossen nicht zum Sprungabstoß nutzen. Darüber hinaus haben die Sprossen einen zu großen Abstand zueinander und sind für die Hamsterfüße zu hoch, es kam teilweise sogar zu blutigen Hamsterpfoten. Man kann diese Räder mit relativ einfachen Mitteln umbauen, sodass Hamster diese Räder trotzdem sehr gut benutzen können.

Metallaufräder mit offenen Sprossen sind von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz als tierschutzwidrig und gesundheitsschädlich eingestuft. können sie sich zwischen den Haltestreben einquetschen (Schereneffekt) wie auf dem Bild Rechts zu sehen ist.

Die meisten Plastiklaufräder sind zu klein für alle Hamsterarten. Vor allem die in Kaufkäfigen vormontierten Räder sind meist nicht zu empfehlen. Häufig haben diese Plastikräder noch offenen Sprossen, in diesen kann sich der Hamster mit seinen Füßchen verfangen und verletzen.

Laufteller

Ein Laufteller ersetzt ein gutes Laufrad nicht. Er ist aber eine tolle zusätzliche Abwechslung im Gehege oder auch im Auslauf. Er wird von vielen Hamstern gerne genutzt. Erhältlich sind sie aus Kunststoff oder Holz, zum Beispiel bei Ebay oder Amazon.

Wir sind vom Laufteller keinesfalls überzeugt und empfehlen ihn nicht. Auch bei deinem großem Durchmesser biegen sich die Tiere beim Laufen nach innen durch, wenn sie auf laufen. Das führt zu einer dauerhaft einseitigen Belastung der Wirbelsäule. Ungeschickte Tiere können bei einem abruptem Halt durch die entstehenden Fliehkräfte regelrecht durch die Gegend geschleudert werden. Sie landen dann sehr unsanft an den Käfigwänden.

Hamsterkugeln

Eine Alternative zum Laufrad sollen Hamsterkugeln sein. Dabei handelt es sich um ganz oder teilweise transparente Plastikkugeln von verschiedenen Durchmessern. Sie sollen dafür sorgen, dass das Tier nicht in Spalten stecken bleibt oder auf Nimmerwiedersehen unter dem Sofa verschwindet. Doch Vorsicht! „Durch den Aufenthalt eines Hamsters in einer solchen Kugel können dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden“, warnt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) in ihrem Merkblatt „Tierschutzwidriges Zubehör in der Heimtierhaltung“.

Der Hamster könne sich weder selbst aus der Kugel befreien, noch sei er dazu in der Lage, Geschwindigkeit und Richtung der Fortbewegung der Kugel durch seine eigene Aktivitätzu steuern, heißt es weiter. Da die Tiere dabei keinerlei Möglichkeit haben, sich vernünftig zu orientieren oder sich zurückzuziehen, könne man davon ausgehen, dass solch eine Kugel eine Stresssituation darstellt, die zu weiteren, unkontrollierten Bewegungen führt.

Weitere Aspekte der artgerechten Hamsterhaltung

Leider ist es eine traurige Tatsache, dass die meisten Goldhamster in einem viel zu kleinen Käfig untergebracht sind und die kleinen Nager als einzige Beschäftigungsmöglichkeit ein Laufrad bekommen. Diese Tierhaltung ist jedoch keinesfalls artgerecht! Zwar macht es den Goldhamstern tatsächlich Spaß, ab und an auf das Laufrad zu gehen - dennoch wird diese Beschäftigung für einen Hamster recht schnell eintönig.

Der Goldhamster braucht also deutlich mehr Möglichkeiten, sich selbst zu beschäftigen. Es ist also wesentlich sinnvoller, einem Goldhamster einen großen Käfig und kein Laufrad zu kaufen, als einen kleinen Käfig mit einem Hamsterlaufrad. Allerdings spricht nichts dagegen, dem Tier ein solches Laufrad als Ergänzung anzubieten. Entscheidend für die artgerechte Haltung ist jedoch der tägliche Auslauf.

Auslauf im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon ist nach Ansicht von Autorin Saskia Rößner jedoch keine gute Idee: „Das Immunsystem der kleinen Haustiere ist an ein Leben in der freien Natur nicht mehr gewöhnt“. Ein Auslauf im Zimmer sei aus ihrer Sicht nur dann sinnvoll, wenn dieses gut abgesichert ist, keine Steckdosen und Kabel in Bodennähe und keine Schränke hat, unter denen er sich einquetschen könnte.

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