Warum strecken Motorradfahrer beim Überholen das Bein aus?

Auf den Highways kommunizieren Motorradfahrer mit einer Vielzahl von Zeichen und Gesten. Aber was signalisiert es, wenn Biker beim Überholen das Bein heben? Dieses „Beinzeichen“ ist in der Biker-Community eine etablierte Geste. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Die Bedeutung des ausgestreckten Beins

Das Ausstrecken des Beins ist schlicht und einfach ein Dankeschön. Das Signal ist insbesondere dann zu sehen, wenn vorausfahrende Autofahrer dem Motorrad ausreichend Platz zum Überholen zu geben. Viele Biker schätzen diese Rücksichtnahme und drücken mit der Geste ihre Dankbarkeit aus.

In solchen Momenten, wenn der Biker überholt und beschleunigt, ist es sicherer, beide Hände am Lenker zu behalten. Daher hat sich das ‚Fußheben‘ als Alternative zum Handheben etabliert.

Ob Biker das rechte oder linke Bein ausstrecken, wird je nach Verkehrssituation entschieden. Ungefährlicher ist es meist, das rechte Bein auszustrecken. Abgesehen davon macht es aber keinen Unterschied.

Die Herausforderungen und Missverständnisse

Einen großen Haken hat die Geste allerdings: Unter Autofahrern ist ihre Bedeutung kaum bekannt. Deshalb berichten Biker, dass sie je nach Situation bewusst Handzeichen verwenden, um nicht für Verwirrung zu sorgen. Wer sich nicht mit den Gepflogenheiten der Motorrad-Community auskennt, könnte die Geste auch falsch verstehen. Ein freundliches Handheben oder Winken ist dagegen unmissverständlich.

Weitere Handzeichen und ihre Bedeutung

Untereinander kommunizieren Biker mit vielen weiteren Zeichen und Symbolen. So ist es in der Motorradwelt üblich, einander auf den Landstraßen zu grüßen. Dafür wird der Bikergruß verwendet. Für den klassischen Gruß streckt der Motorradfahrer den linken Zeige- und Mittelfinger kurz nach oben, während die rechte Hand am Gasgriff bleibt.

Das bekannte „Victory“-Zeichen ist eine leichte Abwandlung. Hier zeigen Zeige- und Mittelfinger in einer V-Form nach oben. Es gibt auch eine sportliche Variation des Bikergrußes: Hier wird das V-Zeichen mit nach unten gestrecktem Arm gezeigt. Anfänger wiederum drücken ihre Freude über den frisch erworbenen Führerschein aus, indem sie die linke Hand vollständig nach oben strecken.

Hier ist eine Tabelle mit einigen der gängigsten Handzeichen und ihrer Bedeutung:

Handzeichen Bedeutung
Ausgestrecktes Bein Dankeschön für das Platzmachen
Zeige- und Mittelfinger nach oben Klassischer Bikergruß
V-Zeichen Victory, gute Fahrt
Linke Hand vollständig nach oben Freude über den Führerschein

Die Ursprünge des Motorradgrußes

Die Ursprünge des Motorradgrußes reichen bis in die Steinzeit zurück. Motorradfahrer waren damals außerordentlich rar. Es gab kaum befestigte Straßen, und die Räder waren aus Stein. Nur ganz harte Kerle vertrugen die Strapazen des Motorradfahrens. Begegneten sich zwei dieser Kerle, hielten sie an, stiegen ab und zeigten einander die geöffneten Hände, um zu zeigen, daß sich kein Faustkeil darin verbarg. So wurde der Motorradgruß erfunden.

Winterfahrer und Weicheier

Unter ähnlich harten Bedingungen sind heute nur noch die Winterfahrer unterwegs. Motorradfahrer sind entweder Winterfahrer oder Weicheier. Weicheier trifft man im April im Straßenverkehrsamt, wo sie ihre stillgelegten Maschinen wieder anmelden. Winterfahrer dagegen fahren durch. Ihre Zahl ist klein. Treffen sich zwei Winterfahrer, ist die Freude groß. Von April an grüßen Winterfahrer nicht mehr. Winterfahrer grüßen keine Weicheier.

Weicheier erkennt man daran, daß sie in den ersten Frühlingswochen wie wild und beidhändig alles grüßen, was sich auf 2 Rädern bewegt. Vor lauter Aufregung vergessen sie dann oft, daß da vorne eine Kurve kommt. Sie haben immer frische Unterwäsche an - man könnte ja im Krankenhaus landen.

Der verbotene Gruß

Das Motorradgrüßen ist stark reglementiert und wird von Anfängern zu Recht als sehr kompliziert angesehen. Es ist umlagert von allerlei Ge- und Verboten. Das bekannteste Verbot lautet: Grüße nie ein Einspurfahrzeug, das weniger als 250 ccm Hubraum hat. So etwas ist kein Motorrad! Wer fahrlässig Motorroller, Klein - oder Leichtkrafträder grüßt, verliert sein Gesicht und jegliche Selbstachtung.

Oldtimer werden grundsätzlich freudig und bewundernd gegrüßt, unabhängig vom Hubraum. Oldtimer werden meist von technisch versierten älteren Fahrern gefahren, so genannten "alten Schraubern". Solchen wird Respekt gezollt. Trifft man alte Schrauber, wartet man ob sie grüßen. Von Frühling bis Herbst grüßen viele nicht, weil sie Winterfahrer sind - Winterfahrer grüßen keine Weicheier.

Der Autobahn - Gruß

Ungeregelt und darum praktisch nicht existent ist die Motorradgrußkultur auf der Autobahn. Nicht einmal erfahrene Motorradfahrer können sagen, ob man entgegenkommende Motorräder über sechs Spuren und einen Grünstreifen hinweg grüßen muss. Fahrtechnisch problematisch wird das Grüßen beim Überholen. Die klassische Grußhand, die Linke, wird vom Überholten nicht gesehen. Grüßt man mit der Linken vorn am Körper vorbei nach rechts, tippen Autofahrer auf Heuschreckenschwärme oder Unterarmkrampf.

Der Heizer - Gruß

Der "Heizergruß" in extremer Schräglage (ein Knie berührt den Asphalt) gilt als sehr riskant. Er wird allgemein als Nachweis hoher Fahrkunst angesehen, aber man sollte vorher trotzdem frische Unterwäsche anziehen. Heiz-Grüßer fahren nur auf der äußersten Profilrille und vergleichen, wer die spitzesten Fußrasten vorweisen kann. Wer die Kunst des Heizergrußes nicht beherrscht und dennoch ausübt, riskiert seinen letzten, den so genannten , goldenen Gruß'.

Gründe, warum Harley Fahrer nicht zurückwinken

  1. die Garantie erlischt, wenn er nicht-amerikanischen Produkten zuwinkt.
  2. mit dem dicken Leder und den Nieten kriegt er den Arm nicht hoch.
  3. er grüßt prinzipiell keine Fahrer, die ihr Motorrad schon voll bezahlt haben.
  4. er hat Angst, dass der Lenker abvibriert, wenn er ihn loslässt.
  5. der Fahrtwind könnte die neuen Tätowierungen am Arm wegblasen.
  6. er braucht ne Ewigkeit um nachher wegen der Vibrationen den Griff wieder zu finden.
  7. er kann nicht unterscheiden, ob der andere grüßt oder sich die Ohren zuhält.
  8. er hat wegen der Vibrationen einen Klettverschluss zwischen Lenkergriff und Handschuh.
  9. er hat gerade im Wirtschaftteil der Zeitung entdeckt, dass Honda zu 60 Prozent an Harley beteiligt ist.
  10. seit der Zwangsversteigerung seiner letzten Harley hasst er alle Leute, die Hände heben.
  11. die Rolex könnte nass werden.
  12. die linke Lenkerhälfte könnte geklaut werden.
  13. die linke Lenkerhälfte wurde bereits geklaut und er hält sich am Tacho fest.
  14. der ganze Lenker wurde bereits geklaut und er betet einen Rosenkranz.
  15. er braucht beide Hände um mit den Fingern die nächste Rate abzuzählen.
  16. er poliert gerade den Luftfilterdeckel.

Gründe, warum Goldwing Fahrer nicht grüßen

  1. laut Honda - Fahrer - *Zensiert* darf er den Lenker erst loslassen, wenn das Motorrad steht, der Zündschlüssel abgezogen, der Hauptständer herausgeklappt und das Radio ausgeschaltet ist.
  2. auf dem Armaturenbrett ist kein Knopf für "vollautomatisches Zurückwinken".
  3. er ist gerade eingeschlafen.
  4. er kriegt den Arm wegen Altersschwäche nicht mehr hoch.
  5. er hat übers Handy eine Konferenzschaltung mit seinem Broker und der CityBank.
  6. Mami hat verboten, Fremde zu grüßen.
  7. er ist gerade mit Abzählen der Lämpchen am Christbaum beschäftigt.
  8. er sortiert momentan seine CD-Sammlung.
  9. die Hand vor der Antenne stört den Fernsehempfang.
  10. er räumt gerade das Kaffeegeschirr in den Spüler.
  11. wegen seiner Alzheimer weiß er anschließend nicht mehr, wohin mit der Hand.
  12. er findet nachher zwischen all den Knöpfen, Schaltern und Hebeln den Lenker nicht mehr.
  13. er wechselt gerade die Batterie vom Herzschrittmacher.

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