Das Pendeln beim Motorrad ist ein unangenehmes Phänomen, das bei höheren Geschwindigkeiten auftreten kann. Es gibt eine ganze Liste von Ursachen, die man überprüfen muss.
Mögliche Ursachen für Pendeln
- Problematische Reifenkombination: Unterschiedliche Reifenmarken oder -typen können das Fahrverhalten negativ beeinflussen.
- Falscher Luftdruck: Ein zu niedriger oder zu hoher Reifendruck kann die Stabilität beeinträchtigen.
- Reifen stark/ungleichmässig abgenutzt: Abgefahrene oder ungleichmäßig abgenutzte Reifen können Vibrationen verursachen und das Pendeln begünstigen.
- Lenkkopflager falsch eingestellt oder kaputt: Ein defektes oder falsch eingestelltes Lenkkopflager kann zu Instabilität führen.
- Ausgelutschte Schwingenlager: Spiel in den Schwingenlagern kann das Fahrverhalten negativ beeinflussen.
- Speichen locker: Lockere Speichen können zu Unwucht und Vibrationen führen.
- Höhen/Seitenschlag einer Felge, schlecht ausgewuchtet: Eine beschädigte oder schlecht ausgewuchtete Felge kann Vibrationen verursachen.
- Problematische Beladung: Eine falsche Beladung kann das Fahrverhalten negativ beeinflussen.
- Schwere Gegenstände im Tankrucksack oder in Seitenkoffern/Packtaschen transportieren: Dies kann den Schwerpunkt ungünstig beeinflussen.
- Radlager vorn oder hinten nicht in Ordnung (Spiel): Defekte Radlager können zu Instabilität führen.
- Federung zu weich eingestellt, Feder oder Dämpfung ausgelutscht: Eine falsche Fahrwerkseinstellung oder verschlissene Federelemente können das Pendeln begünstigen.
- Flatternde Kleidung, krampfhaftes Festhalten am Lenker: Dies kann das Fahrverhalten negativ beeinflussen.
Normalerweise wird keiner dieser Punkte allein zum Pendeln führen, aber eine Kombination von zwei oder drei dieser Punkte ist häufig dafür verantwortlich.
Detaillierte Ursachenforschung
Lenkkopflager
Abgesehen davon tritt Kurvenpendeln auch gerne in Verbindung mit verschlissenen Lenkkopflagern auf (Rastmarken!). Ein defektes LKL erkennt man doch einfach an Rastpunkten beim Lenken bei entlastetem Vorderrad, oder? Die Warschinlichkeit, dass es am LKL liegt, ist recht hoch und wenn es wirklich schon überm Jordan ist (da kann man bei 50.000km LL schon von ausgehen), macht fester anziehen die Sache nicht besser.
Achtung beim LKL: Ziehe es nur so fest an bis es anliegt. Dann noch ca. 1/8 bis max. 1/4 Drehung der Mutter dazu. Der Lenker muss mit aufgebocktem, freien Vorderrad von selbst nach li oder re in die Arretierung fallen. Aufpassen das ihn die Seilzüge nicht behindern.
Schwingenlager
Check auch mal die Schwingenlager. Federbein lösen und die Schwinge hoch und runter bewegen fällt mir da nur ein.
Schon richtig, aber durch "mangelnde Pflege" setzen die kaum Rost an - wohl eher durch den Einsatz von Dampfreinigern! Die Schwingen haben li und re eine Dichtkappe, die sie recht zuverlässig vor Spritzwasser schützt - aber nicht vor Dampf..... Ich habe ja nicht gesagt das die Schwingenlager ewig halten, sondern nur das die Probleme mit dem Pendeln meist von den anderen Lagern kommen......aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.
Weitere technische Aspekte
Alles prüfen. LKL, Schinge, Umlenkung, Reifen(druck, -kontur), Lenkungsdämpfer vorhanden oder evtl. nachrüsten?
Ein augelutschtes Federbein erkennst du, wenn du über trieben einsinkst und überhaupt keine Dämpfung mehr da ist. Ist aber hier unnötig... wie gesagt.. ich bin mir sehr sicher, dass mein Federbein i.O.
Das Pendeln und die Fahrphysik
Mit dieser einfachen Frage kann man ziemlich jeden Fahrlehrer aus der Ruhe bringen. Wie erkläre ich es dem Fahrschüler und - viel wichtiger - was weiß ich darüber? Zunächst einmal steht und fährt das Motorrad nicht von alleine. Der Fahrer muss korrigierend eingreifen. Bis 20 km/h ist das Motorrad nicht stabil und kippt um, wenn der Fahrer nicht über einen Gleichgewichtssinn verfügt. Von 20 bis 40 km/h halten die Kreiselkräfte das Motorrad stabil. Das Motorrad fährt Schlangenlinie, kippt aber nicht um. Ab 40 km/h fährt das Motorrad quasi-stabil, von Störungen abgesehen. Das heißt, der Fahrer kann die Hände von der Lenkung nehmen. Die harmlosen Störungen nennt man Flattern. Dies betrifft keineswegs nur Motorräder. Jedes gezogene Rad (Auto, Flugzeug, Einkaufswagen) schwingt um die Drehachse - "Lenkerflattern".
Das Pendeln tritt mit einer Frequenz von 2,5...4 Hz um die Längsachse - Bewegungen wie beim Bootfahren, nur schneller - auf, meist erst ab einer Geschwindigkeit über 130 km/h. Prinzipiell pendelt jedes Motorrad. Wenn das Motorrad gut durchkonstruiert wurde, klingen die Pendelbewegungen schnell wieder ab. Nach Schmieder soll ein Motorrad bei einer Pendelfrequenz von 3,5 Hz einen Pendeldämpfungsgrad von D = 0,05 haben, also das Pendeln nach 1 Sekunde abklingen.
Einflussfaktoren auf das Pendeln
- Rahmenbauart: Stabile Konstruktionen sind weniger anfällig für Pendeln.
- Schwerpunktlage: Richtige Beladung ist entscheidend für die Stabilität.
- Kurvenfahrt: Unebenheiten können auch eine pendelstabile Maschine zu "rühren" anfangen.
- Bodenwellen bei Geradeausfahrt: Diese können das Pendeln auslösen.
Entgegen weitläufiger Verbreitung, haben zu niedriger Reifendruck und abgefahrene Reifen bei Geradeausfahrt keinen Einfluss auf das Pendeln!
Fallbeispiele und Erkenntnisse
Richtig öffentlich bekannt wurde das Pendeln erst seit 1978, (BMW R-Fahrer kannten das ja schon länger) durch die Honda Gold Wing GL 1000. Die Angehörigen eines verstorbenen Motorradfahrers klagten mit Erfolg gegen den Hersteller (BGH v. 09.12.1986 Az: VI ZR 65/86). - das Motorrad pendelte in einer abschüssigen Rechtskurve bei einer Geschwindigkeit von 140 - 150 km/h so stark, dass der Fahrer vom Motorrad stürzte und sich tödliche Verletzungen zuzog. Ursache war eine Lenkerverkleidung (Abnahme: Prüfbericht TÜV Bayern vom 20.06.1977 sowie Ergänzungen vom 08.11.1977 und 31.10.1979), die nicht rahmenfest montiert war.
Fahrwerksphänomene unter der Lupe
Auch wenn die Zeiten wild schlingernder Motorräder vorbei sind, kämpfen manche moderne Maschinen mit Fahrwerksschwächen, die schwer zu erklären und noch schwerer zu lösen sind. Mittlerweile gehört es zur Ausnahme, dass die MOTORRAD-Testfahrer auf welligen Autobahnabschnitten von Pendelsymptomen überrascht werden. Auch preisgünstige Maschinen brettern wir an der Schnur gezogen über die Bahn. Stabile Fahrwerke, funktionelle Federelemente und nicht zuletzt sehr gut dämpfende Radialreifen machten dem Spuk der 80er Jahre ein Ende.
Lenkerpendeln/Shimmy
Betreffen die bisher aufgeführten Phänomene meist neue, technisch ausgereifte Maschinen, haben speziell ältere und billigere Motorräder mit Lenkerflattern, sogenanntem Shimmy, zu kämpfen. Bei diesem Effekt, benannt nach einem rhythmischen, körperbetonten Tanz, tritt eine Drehschwingung um die Lenkachse auf. Ausgelöst werden diese Schwingungen vom Reifen, der durch Unwucht oder unrunden Lauf das Lenksystem anregt. Selbst kleine, im Reifen verborgene Unregelmäßigkeiten, zum Beispiel die überlappende Schnittstelle der Karkasslagen, sind in der Lage, das Lenksystem in Schwingung zu versetzen.
Wirklich gefährlich ist Shimmy aber nicht, solange man den Lenker fest im Griff hat. Wenn man jedoch unvorsichtigerweise zum falschen Zeitpunkt die Hände vom Lenker nimmt, kann sich die Lenkung von Anschlag bis Anschlag aufschaukeln. Die Shimmy-Neigung verstärkt sich, je weiter das Reifenprofil abgefahren ist. Die dicke Gummilage und tiefen Profilrillen neuer Reifen dämpfen die Schwingungen.
Pendeln
Diese klassische Fahrwerksschwäche ist heutzutage weitgehend verschwunden. Leichte Gelände-Enduros und Supermoto-Flitzer nerven ihre Reiter bei hohem Tempo manchmal mit mehr oder weniger starkem Pendeln. Auch beladene Maschinen, womöglich mit Topcase, zeigen diese Unart. Dabei spürt der Fahrer eine permanente Drehschwingung, die daraus resultiert, dass sich die Maschine über die Hochachse eine gedachte vertikal durch den Maschinenmittelpunkt verlaufende Linie verdreht. Diverse Ursachen können dieses Pendeln auslösen. Dazu gehören schwach dimensionierte Rahmen, zu viel Spiel in den Schwingenlagern oder torsionsempfindliche Telegabeln. Auch sehr unflexible, steife Diagonalreifen können bewirken, dass die Maschine bei hohem Tempo ins Schlingern gerät. Routinierte Piloten verlagern dann die Sitzposition nach vorn oder hinten und stabilisieren das Ganze mit einem festen Knieschluss am Tank.
Auswirkungen von Windschildern und Gepäcksystemen
Laut Conti kann nämlich die Fahrstabilität auch durch hohe Windschilder oder Gepäcksysteme beeinträchtigt werden. Für die meisten Fahrer von Reisemaschinen ein Schlag ins Kontor, denn Koffer brauchen wir nun mal, und viele von uns LIEBEN Topcases, in die eine Einbauküche passt, oder schrankwandgroße Scheiben. Ursache kann aber auch eine ungleichmäßige Beladung sein, und das habe ich bei meiner Maschine auch schon erlebt.
Zusammenhang von Shimmy und Pendeln
Shimmy (oder auch Lenkerflattern genannt) beschreibt ein schnelles (4-10 Hz) Schwingen des Lenksystems vom Motorrad (Vorderrad, Gabel und Lenker) bei niedrigen Geschwindigkeiten (100-40 km/h) um die Lenkachse. Oft wird Shimmy / Lenkerflattern als Pendeln bezeichnet, aber Shimmy wirkt nur auf das Vorderteil des Motorrades und hört in der Regel beim Beschleunigen auf höhere Geschwindigkeiten auf - im Gegensatz zum sog. Bei dem sogenannten (Hochgeschwindigkeits-) Pendeln schwingen das Lenksystem (mit Gabel, Lenker und Vorderrad) und der Rest vom Motorrad (mit Rahmen, Motor und Hinterrad) phasenverschoben um die Lenkachse. Gleichzeitig kippt die Maschine um die Längs- und Vertikalachse des Fahrzeugs. Dieses Phänomen tritt in der Regel oberhalb 120 km/h auf, abhängig von der Art des Motorrads und den Umgebungsbedingungen (insbesondere Wind kann zu Pendeln führen). Das Pendeln beginnt oft nach einer längeren Fahrzeit bei konstanter Geschwindigkeit und wird mit zunehmender Geschwindigkeit immer stärker.
Was tun gegen das Pendeln?
Es ist daher nahezu unmöglich, ein Patentrezept zu geben, wie ein Motorrad gar nicht erst zu pendeln beginnt. Da müsstest du dich an einen auf Fahrwerkstechnik spezialisierten Fachbetrieb wenden. Vielleicht verhindert schon ein anderer Reifen das Pendeln.
Es läuft darauf hinaus: Frag jemanden, der sich auskennt! Er wird bei einer Probefahrt die Gegenmaßnahmen auf einige wenige Möglichkeiten eingrenzen können.
Checkliste zur Fehlerbehebung
- Reifenfülldruck prüfen und korrigieren
- Reifen auf Beschädigungen und Verschleiß prüfen
- Lenkkopflager auf Spiel und Leichtgängigkeit prüfen
- Schwingenlager auf Spiel prüfen
- Radlager auf Spiel prüfen
- Federungselemente auf Funktion prüfen und gegebenenfalls einstellen oder austauschen
- Beladung überprüfen und gegebenenfalls anpassen
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