Wassergekühlte Harley-Davidson Modelle: Ein Blick auf Innovation und Tradition

Eine Harley-Davidson mit Wasserkühlung war etwas, das sich die Fans der US-Bikes beim besten Willen nicht vorstellen konnten. Doch Harley-Davidson beschritt neue Wege und präsentierte Modelle mit flüssigkeitsgekühlten Motoren, was sowohl für Aufsehen als auch für Diskussionen sorgte.

Die Revolution Max Motoren

Ende 2020 brachte die Marke aus Milwaukee die Reiseenduro Pan America 1250 auf den Markt, die von einem komplett neu konstruierten Motor namens "Revolution Max 1250" angetrieben wurde. Es blieb zwar beim traditionellen V2, aber er wies einen Zylinderwinkel von 60 statt 45 Grad auf, besaß Flüssigkeitskühlung, vier Ventile pro Zylinder, je zwei obenliegende Nockenwellen und variable Ventilsteuerung.

Zudem hatte der Motor zwar üppige 105 mm Bohrung, aber nur 72,3 mm Hub, was gestandene Harley-Fans völlig verwirrte, waren sie doch Hübe von deutlich über 100 mm gewohnt. Der Revolution Max Motor löst damit nach fast 20 Jahren den Twin Cam Motor ab, von dem er sich durch seine Vierventiltechnik und besseres Ansprechverhalten aus dem Drehzahlkeller merklich unterscheidet.

Die Vierventil-Zylinderköpfe pro Zylinder ermöglichen einen erhöhten Gasdurchsatz von 50% mehr als die vorherigen Zweiventil-Köpfe. Mit nur einer kettengetriebenen Nockenwelle fällt der Ventilantrieb des Milwaukee-Eight leichter, leiser und einfacher aus als bei dem Twin Cam Motor.

All dies zusammen bringt eine hervorragende Beschleunigung aus dem Stand und ordentlich Power bei hohen Drehzahlen. Der Motor dient als mittragendes Fahrwerkselement, das einen herkömmlichen Rahmen überflüssig macht. Dadurch wird das Gesamtgewicht der Maschine erheblich reduziert, der Schwerpunkt liegt niedrig und das wird Handling optimiert.

Sportster S: Eine neue Ära

Ebenfalls 2020 verkündete die Chefetage in Milwaukee die Einstellung der altehrwürdigen Sportster, die seit 1957 mit luftgekühlten V2 gebaut wurde, worauf sich ein großes Wehklagen unter den Anhängern erhob. Doch nur ein Jahr später präsentierte Harley-Davidson eine komplett neu konstruierte Sportster S, die einen modifizierten Revolution-Max-Motor mit der Bezeichnung 1250T besaß. Das "T" stand für "Torque", also Drehmoment.

Der Revolution-Max 1250T-Motor ist entsprechend auf mehr Drehmomentfülle bei niedrigen Drehzahlen ausgelegt und erreicht 125 Nm bei 6000/min, während die Pan America zwar 128 Nm erreicht, aber dazu muss die Kurbelwelle 6750-Mal rotieren. Dafür waren tiefgreifende Maßnahmen im Motor nötig, der Revolution Max 1250T erhielt eine angepasste Software, modifizierte Kolben, kleinere Ventile, andere Nockenwellen und verengte Ansaugquerschnitte im Luftfilterkasten.

Die Designer gingen bei der neuen Sportster S in Richtung Muscle-Bike, eine Stilrichtung, die ihre Kraft unverhohlen zur Schau stellt und hauptsächlich dazu dient, auf dem Boulevard von Ampel zu Ampel zu sprinten. Sie zeigt sich sehr flach und mit breiter (Kühler)-Brust versehen. Tanks waren an Sportstern schon immer klein, da macht die Neue keine Ausnahme.

Der Einzelsitz und das knappe, rundliche Heck sowie der hochgelegte Doppelrohrauspuff aus Edelstahl sollen eine Reminiszenz an die ruhmreichen Flat-Tracker von Harley-Davidson sein. Serienmäßig ist die Sportster S als Solomotorrad ausgelegt, wer jemanden mitnehmen will, muss mindestens 219 Euro für einen Soziussitz und 186 Euro für Soziusfußrasten aus dem hauseigenen Zubehör blechen.

Vorne hält ein Hilfsrahmen die Upside-down-Gabel, ein Heckrahmen und noch ein kleiner Hilfsrahmen hinten nehmen den Motor als tragendes Element auf. Beim Rahmen schlugen die Entwickler neue Wege ein. Die Sportster S wird, wie alle Harley-Davidsons für den europäischen Markt, nicht in den USA, sondern in Thailand gefertigt. Für einige hartgesottene Harley-Davidson-Fahrer ist das eine Abkehr vom Glaubensbekenntnis.

Das Motorrad wirkt sehr hochwertig und die Verarbeitungsqualität ist tadellos. Die Sportster S ist die moderne Fortsetzung einer altehrwürdigen Linie im Hause Harley-Davidson. Die Sportster S bringt 228 kg auf die Waage, für eine Harley-Davidson ist sie ein echtes Fliegengewicht.

Technische Details und Fahreigenschaften der Sportster S

Die Sportster S verfügt über ein Keyless-Entry-System. Einen Zündschlüssel gibt es nicht, wohl aber einen Schlüssel für das Lenkerschloss und den Tankdeckel. Rechts am Lenker muss ein Schalter nach unten bewegt werden, damit das runde TFT-Cockpit aufleuchtet. Es dauert etliche Sekunden, bevor der Bordcomputer alle Daten gesammelt hat und Abfahrbereitschaft signalisiert.

Das TFT-Cockpit zeigt sich auf Höhe der Zeit, es lassen sich die üblichen Informationen abrufen und zudem per Bluetooth-Verbindung und der entsprechenden App auf dem Smartphone Musik abspielen, Telefonieren und Navigieren mittels angezeigter Pfeile. Am linken Lenkerende befindet sich eine unübersichtliche Fülle von Bedientasten.

Harley-Davidson stellt drei Fahrmodi (Rain, Road und Sport) sowie einen frei konfigurierbaren Modus bereit, in dem der Fahrer Motorbremse, Kurven-ABS und Schlupfregelung in mehreren Stufen einstellen kann. Der Revolution Max 1250T-Motor ist beeindruckend, er hat ab Standgas viel Leistung und Drehmoment, reißt bis 7000/min linear an, darüber wirkt er allerdings etwas zäh bis zum roten Bereich bei 9000/min.

Die Kupplung funktioniert erfreulich leichtgängig, das Sortieren der Gänge ebenfalls. Auf der Autobahn erreicht die Sportster S 220 km/h. Das ist zwar ohne jeglichen Windschutz nicht angenehm für den Fahrer, aber beeindruckend. Die voll einstellbare Upside-down-Gabel und das hintere Federbein von Showa verfügen nur über minimalistische Federwege von 92 mm vorne und 51 mm hinten. Das Problem der Sportster S liegt im knüppelharten Fahrwerk.

Harley-Davidson Nightster (2022)

Mit der neuen Nightster soll an alte Erfolge angeknüpft werden. Ersatzmodelle für die beliebten 883 Sportster fehlten Harley-Davidson bislang. Mit dem Wegfall der luftgekühlten Sporties fehlt am unteren Ende der Preisskala eine interessante Offerte.

Im März 2021 ließ Harley-Davidson sich erneut den Modellnamen "Nightster" als Marke schützen. Von 2007 bis 2012 gab es die 1200er-Sporty als sehr reduzierte Variante mit diesem Namen. Schlussendlich wurde sie von der Iron-Reihe ersetzt. Die neue Harley-Davidson Nightster kostet trotz kleinerem Motor knapp 15.000 Euro und damit nur etwas weniger als das sportliche Top-Modell Sportster S.

Motor und Chassis der Nightster

Angetrieben wird die neue Harley-Davidson Nightster von einer kleineren Version der 1250T-Motors der Sportster S: 975 Kubik ergeben 66 Millimeter Hub und 97 Millimeter Bohrung. Sprich: Dieser Motor, wie auch der 1250er, ist seit Jahren fertig und nur aus strategischen Gründen unter dem Schweigemantel geblieben.

Das Chassis übernimmt die Harley-Davidson Nightster in weiten Zügen von der Sportster S. Der Motor hängt in einem Rohrrahmen aus Stahl, jedoch führt eine einfache Stahlschwinge das Hinterrad der Nightster, wo eine schicke Rohrschwinge in der S arbeitet. Ein wenig erinnert die Nightster mit ihren Stereofederbeinen hinten an die seligen Dyna-Modelle und unterscheidet sich erneut zur zentralgefederten Sportster S.

Die Nightster rollt vorn auf einem 100/90-19-Reifen und hinten auf einem 150/80 B 16, während die Sportster S hinten einen 180er in 16 Zoll fährt und vorn breite 160 in 17 Zoll. Auf dem Papier ist die Nightster mit 137 Millimetern Nachlauf eine bewegliche Harley, was vom 19-Zoll-Rad vorn bekräftigt wird.

Selbst beim Schwachpunkt klassischer Harley, zeigt die Nightster die neue Richtung auf. Das Gewicht liegt mit fahrbereiten 221 Kilo angenehm niedrig und auf Niveau der S. Übrigens: Die alten Iron 1200 brachten 35 Kilo mehr auf die Waage und hatte nichtmal schräglagenabhängige System für Bremse und Traktionskontrolle oder drei Fahrmodi an Bord.

Mal eben beim Tanken lässig sitzen bleiben geht bei der Nightster nicht, da ihr Tankstutzen für die 11,7 Liter Benzin unter der Sitzbank versteckt ist. Für diesen Preis kommt die Nightster in einfachem Vivid Black. Für 280 Euro Aufpreis stehen die Farben Gunship Gray und Redline Red zur Wahl.

Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited: Wasserkühlung für den Klassiker

Nach über 100 Jahren soll nun erstmals Wasser im Stoßstangen-V2-Motor helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. US-typisch stolz-patriotisch und amerikanisch locker präsentiert Harley-Davidson seine 2014er-Modelle: ABS für alle Sportster und erstmals seit 1909 kombinierte Luft-/Wasserkühlung im Kern der Company, dem 45-Grad-V2-Motor. Wow!

Zunächst einmal erhalten alle Touring-Modelle leicht erstarkte Motoren, den High Output Twin Cam 103 mit neuen Nockenwellen und strömungsoptimiertem Luftfilter. Auf diesen V2 pflanzt Harley nur bei den zwei opulenten Electra Glides, nämlich der Ultra Classic und der Ultra Limited, wassergekühlte neue Zylinderköpfe. Und zwar fast unsichtbar: Diese Ikone von einem Motor sieht aus wie bisher. Operation gelungen.

Der kühlende Wassermantel umspült bloß die besonders heißen Auslassventile. „Twin Cooled“ nennt Harley sein Kühlsystem. Die zugehörigen Wasserkühler sind in den klassischen Beinschilden der zwei E-Glides versteckt. Daher verzichten die untenherum nackte Street Glide als aktuell meistgebaute Harley und die Road King Classic auf kühlere Köpfe.

E-Glide-Fahrer wünschten sich sehr, bei sommerlichen Paraden weniger „gegrillt“ zu werden. Harley hat an den Tourern insgesamt 100 Bauteile zwischen Front- und Heckfender überarbeitet. Alles, ohne den Stil zu ändern. Sound, Look und Feeling blieben erhalten.

Die neue Lampe ist mit den LED-Zusatzleuchten links und rechts ein sicheres Erkennungszeichen der 2014er-Electra Glide Ultra Limited. Puh, volle 414 Kilogramm vereint die schwerste Harley, ein Kilo mehr als bislang. Fünf Kilogramm wiegen die Komponenten der Wasserkühlung, kompensiert durch leichtere „Impeller“-Räder und Kotflügel.

Verdammt wertig und edel wirkt die fast 28500 Euro teure E-Glide Ultra Limited. Beide Lenkerarmaturen tragen neue Schalter - inklusive Joysticks zur Navigation durchs Bordmenü. Kawumm! Der neue alte V2 erwacht, stampft in seinen elas­tischen Aufhängungen, hebt das mächtige Motorrad auf und ab, massiert die Magengrube. Beben und Leben. So war, ist und wird das bleiben bei einer Harley.

Fahrgefühl und Technik der Electra Glide Ultra Limited

Zum gedämpft bassigen Blubber-Sound gesellt sich Schnorcheln aus der neuen Airbox und guter Klang aus vier Bordlautsprechern. Harman Kardon liefert die Audio-Anlage samt 6,5-Zoll-Touchscreen-Farbbildschirm. Er zeigt haufenweise Infos an, Musiktitel oder Album-Cover inklusive. GPS weist uns den Weg nach Westen.

Unspektakulär schiebt der in Fahrt sanft pulsierende Zweiventil-V2 an, völlig smooth. Drei PS und vier Nm mehr soll der 2014er-Motor abdrücken, egal ob luft- oder teilwassergekühlt. Doch zu spüren ist das nicht. In den unteren Gängen dreht der extreme Langhuber nur zäh über die 5000er-Marke. Vorher hört man, wenn bei rund 3000 die Klappe im rechten Auspuff öffnet.

In lang gezogenen Hihgway-Kurven rührt es bei 100 Meilen pro Stunde, 160 km/h, spürbar im Gebälk. Stattdessen begeistert der ultralässige Touren-Cruiser mit hohem Unterhaltungswert. Die 2014 stabilere Gabel mit 49er-Standrohren federt und dämpft einiges weg. Auf komfortabel macht auch das Federbein, kommt aber mit kurzem Federweg bei rasch folgenden Hubbeln nicht mehr ganz mit dem Verarbeiten nach. Volle Entschleunigung, darum geht es eben.

Elektronisch gekoppelt, verzögern Vorder- und Hinterrad ab Tempo 40 stets im Verbund. Wie viel genau, hängt von Tempo und angelegtem Druck im Primärbremskreis ab. Noch spürbar mehr Bremskraft baut der Handhebel auf, indem er auch hinten mit zukneift. Doch nur Fuß und Hand gemeinsam holen die volle, beachtliche Bremspower raus. Immer ABS-geregelt, versteht sich. Gut so!

Technische Daten der Electra Glide Ultra Limited (2014)

Merkmal Daten
Motor Luft-/wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor
Hubraum 1690 cm³
Nennleistung 64,0 kW (87 PS) bei 5010/min
Max. Drehmoment 138 Nm bei 3750/min
Gewicht vollgetankt 414 kg
Tankinhalt/Reserve 22,7/3,8 Liter

Milwaukee-Eight Motor

Bei einem Plus an Leistung und einem in jeder Hinsicht begeisternden Motorrad-Erlebnis für Fahrer und Beifahrer ist es Harley-Davidson mit dem neuen Milwaukee-Eight gelungen, den charakteristischen Look, den markanten Sound und die typische Leistungsentfaltung seiner legendären Vorgänger in vollem Umfang zu bewahren.

Der neu konstruierte Motor zeigt sich aber drehfreudiger sowie elastischer und weist einen noch angenehmeren Klang auf. Der neue Milwaukee-Eight Motor kommt 2017 in allen Harley-Davidson Touring Modellen und in den Trikes zum Einsatz. Er wird in zwei Hubraumkategorien und in drei Varianten hergestellt. Bei allen Varianten sind die Auslassventile flüssigkeitsgekühlt.

Der Milwaukee-Eight Motor setzt je nach Modell bis zu elf Prozent mehr Drehmoment frei als sein jeweiliger Vorgänger. Über den erhöhten Hubraum hinaus weist der Milwaukee-Eight ein höheres Verdichtungsverhältnis sowie Vierventil-Zylinderköpfe mit einem um 50 Prozent höheren Gasdurchsatz auf.

Der Milwaukee-Eight bietet Fahrer und Beifahrer dank verringerter Wärmeabstrahlung, verbesserter Wärme-Abweisung und eines neu konstruierten Abgassystems ein Plus an thermischem Komfort. Die unterschiedlichen Ausführungen des Milwaukee-Eight setzten dabei auf die optimale Kühlstrategie für die jeweiligen Modelle: Die Zylinderköpfe werden entweder durch Öl oder Kühlflüssigkeit gekühlt.

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