Wattmessgerät Rennrad Shimano Test: Ein umfassender Überblick

In der Welt des Radsports hat sich die Leistungsmessung zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Athleten und ambitionierte Hobbyfahrer entwickelt. Wattmessgeräte, auch Powermeter genannt, ermöglichen es, die auf die Pedale ausgeübte Kraft präzise zu erfassen und somit das Training effektiver zu gestalten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Wattmessgeräte für Rennräder, einschließlich Tests verschiedener Modelle und Ratschläge zur Auswahl des richtigen Powermeters.

Was ist ein Wattmessgerät und wie funktioniert es?

Ein Wattmessgerät für das Rennrad misst, wie viel Druck Radler auf die Pedale bringen. Ein Powermeter oder Wattmesser errechnet, wie viel Leistung Radler:innen aufbringen, wenn sie in die Pedale treten. Um die Leistung des Radlers zu bestimmen, misst ein Powermeter die Materialverformung in Pedal, Kurbelarm oder Kurbel und setzt sie ins Verhältnis zur Trittfrequenz. Sie alle funktionieren im Kern gleich und unterscheiden sich schlicht darin, wo genau die Materialverformung gemessen wird.

Powermeter messen also Daten und leiten diese weiter. Das ist natürlich schön und gut, nützt aber nichts, wenn diese Daten nicht ausgewertet werden. Möglichkeiten datenbasiert zu trainieren, gibt es mehrere. Sie können die Durchschnittsgeschwindigkeiten ihrer Trainingseinheiten protokollieren. Oder Sie können Ihre Zeit für die gleiche Strecke stoppen oder Ihren Puls mit einem Herzfrequenzsensor aufzeichnen und daraus Rückschlüsse auf Ihren Trainingsfortschritt ziehen.

Weil die Daten des Powermeters unabhängig von äußeren Faktoren sind. Ihre Geschwindigkeit auf dem Rad ist beispielsweise stark von Rücken- oder Gegenwind abhängig und auch unser Puls wird mindestens zum Teil von wenig beeinflussbaren Parametern wie dem Wetter gedrückt oder in die Höhe getrieben. Zudem reagieren Herzfrequenzmesser immer verzögert auf Belastungsänderungen. In der Regel dauert es nach einer Tempoverschärfung oder dem Einstieg in einen Berg einige Sekunden bis der höhere Puls angezeigt wird.

Einseitige vs. beidseitige Leistungsmessung

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen einseitigen und beidseitigen Leistungsmesssystemen:

  • Einseitige Leistungsmessung: Hier wird die Kraft eines Beins erfasst, meist auf der Nicht-Antriebsseite (links). Diese Messung wird dann verdoppelt, um die Gesamtleistung zu schätzen. Da unsere Beine in der Regel nicht gleich stark sind, kann dies zu Ungenauigkeiten führen.
  • Beidseitige Leistungsmessung: Diese Systeme erfassen die Kraft beider Beine entweder "gemeinsam" oder "individuell". Bei der individuellen Messung werden zwei unabhängige Sensoren verwendet, um die Druck- und Zugphase für jedes Bein zu erfassen. Gemeinsam messende Systeme ordnen einer Hälfte der Kurbelumdrehung dem einen Bein und die andere Hälfte dem anderen Bein zu.

Obwohl beidseitig messende Powermeter genauere Daten liefern, sind sie auch teurer. Für viele Hobby-Radfahrer kann eine einseitige Messung ausreichend sein, insbesondere wenn es um die Kontrolle des Pacings oder den Einstieg in die Welt der Leistungsmessung geht.

Beidseitig messende Systeme sind vor allem dann für Dich interessant, wenn Du weißt, dass Du eine nennenswerte Dysbalance zwischen beiden Beinen hast. Zum Beispiel, wenn Du von einer Verletzung zum Training zurückkehrst, durch die ein Bein stärker geschwächt wurde. Möchtest Du Dich mit dem Bewegungsablauf beim Pedalieren und der Effizienz Deines Tritts genauer auseinandersetzen, ist ein getrennt beidseitig messendes System empfehlenswert.

Verschiedene Arten von Wattmessgeräten

Es gibt verschiedene Arten von Wattmessgeräten, die sich in ihrer Bauart und Messmethode unterscheiden:

Kurbelarm-Powermeter

Beginnen wir mit dem Kurbelarm-Powermeter, weil es mit dem Pedal-Powermeter der einfachste und günstigste Einstieg in die Welt der Wattmesser für das Rennrad ist. Kurbelarmsysteme messen in der Regel nur einseitig, also nur den Druck eines Beins, der dann mit dem Faktor zwei multipliziert wird. Die angesprochenen Schwankungen zwischen rechtem und linkem Bein liegen bei den meisten Menschen zwischen 4 und 6 Prozent. Für Hobbysportler sind die daraus resultierenden Messungenauigkeiten verkraftbar, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kurbelarm-Powermeter in der Regel günstiger sind als Pedalsysteme.

Ein empfehlenswerter Einstieg in die Wattmesser für das Rennrad ist der Shimano 4iii Precision 3. Neben der Wattstärke von Null bis 4.000 Watt misst der Powermeter auch die Trittfrequenz des Radlers und zwar von 30 bis 170 Tritten pro Minute. Per Bluetooth kommuniziert der 4iii Precision mit dem Fahrradcomputer oder dem Handy.

Pedal-Powermeter

Bei Powermetern im Pedal müssen Sie in der Regel die Länge des Kurbelarms einmalig einspeichern, weil ein längerer Kurbelarm in einem längeren Kreisumfang resultiert, den Radler:innen beim Tritt in die Pedale zurücklegen. Geben Sie dort die falsche Länge ein, verfälscht sich das Ergebnis. Außerdem sollten Sie bei Pedalsystemen die Einschraubtiefe der Pedalachse beachten. Logisch: Je kleiner die ist, desto geringer ist die Materialverformung und je länger sie ist, desto größer fällt die Materialverformung aus.

Noch dazu ist die Pedale eines der exponiertesten Bauteile am Fahrrad. Ein unglücklicher Sturz und der teure Powermeter ist hin. Pedal-Powermeter bieten gegenüber dem einseitigen Kurbelarm einen praktischen Vorteil: Die Montage gelingt noch einfacher. Das dürfte vor allem für Besitzer mehrerer Räder interessant sein, die keine Lust haben, mehrere Wattmesser zu kaufen und die ein Interesse daran hegen, die Powermeter schnell zu wechseln.

Was die Messung betrifft, arbeiten auch die meisten Pedalsysteme einseitig. Die einseitigen Pedal-Powermeter bewegen sich preislich auf dem Niveau der Kurbelarmsysteme.

Sieht erst einmal kryptisch aus, ist aber einfach. Die 100 beziehungsweise 200 klären uns darüber auf, ob sich der Powermeter in einem oder in zwei Pedalen befindet. Logisch: 100 steht für einfach und 200 für zweifach. XC, RS und RK geben über das Klicksystem der Pedale Auskunft. Schön: Wer sowohl Mountainbike als auch Rennrad fährt, freut sich darüber, den Powermeter in den verschiedenen Pedalen unterzubekommen, weil sich das Messinstrument in der Pedalachse befindet. Und diese Pedalachse können Sie in die unterschiedlichen Garmin-Pedalen montieren.

Ansonsten versteht sich der Garmin-Powermeter sehr gut mit den hauseigenen Fahrradcomputern. Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Fahrradcomputern ist möglich. Die integrierte Batterie hält laut Hersteller bis zu 120 Stunden durch, ist aber durchaus besonders. Es handelt sich dabei um eine CR1/3N beziehungsweise LR44/SR44.

Kettenblatt-Powermeter

Powermeter, die sich am Kettenblatt befinden, messen in der Regel die Kraft des linken und rechten Beins. Das bedeutet dann auch, einmal die alte Kurbelachse, die Kurbelarme und das Kettenblatt aus- und dann die neuen Gerätschaften mit Powermeter einzubauen. Für Anfänger oder unerfahrene Schrauber kann das ein mühseliges Unterfangen sein.

Marktführer der Kettenblatt-Powermeter sind die Wattmesser von Quarq in Verbindung mit den Kettenblättern von SRAM. Mit einem Preis von 1120 Euro gehört er zu den teuersten Powermetern im Vergleich, was auch daran liegt, dass das Paket eine Kurbelgarnitur enthält.

Testberichte und Erfahrungen

Im Folgenden werden einige Wattmessgeräte verschiedener Hersteller und deren Testergebnisse vorgestellt:

Stages Power LR Dura-Ace R9100

Stages Power liefert mit dem LR Dura-Ace R9100-Powermeter ein zeitgemäßes System zur Wattmessung, das mit seiner blitzschnellen Installation, dem minimalen Mehrgewicht und der benutzerfreundlichen Handhabung punktet. Laut Stages ist der Powermeter wasserresistent nach IPX 7-Zertifizierung und die unzähligen Fahrten durch Regen, Nässe und Kälte konnten dem Gerät bisher weder Schaden zufügen noch für ungewöhnliche Daten sorgen.

SRM Origin

Die neunte Generation von Powermeter-Pionier SRM ist modular aufgebaut: Der Mess-Spider kann mit Tretlagerwellen in 29 mm (SRAM DUB) oder 30 mm kombiniert werden. Verschiedene Blätter stehen auch zur Wahl. So lassen sich (mit Innenlagertausch für Shimano) alle gängigen Schaltgruppen abdecken - auch SRAM-AXS-kompatible Blätter sind erhältlich. Unser Testmuster hat sehr leichte Cybrei-­Carbonkurbeln (160-175 mm) und Alu-Blätter. Damit liegt das Systemgewicht bei sehr guten 652 Gramm.

Im Kreuzvergleich mit Favero-Pedalen zeigt das SRM-Powermeter aufs Watt identische Werte vom lockeren Tritt bis zum Fahren am Anschlag. Erstmals verzichtet SRM auf den Ma­gne­ten zur Erfassung der Trittfrequenz. Damit sind nun auch Eierblätter mit SRM korrekt auswertbar, zudem ist die Montage einfacher geworden. Geladen wird der interne Akku per Magnetstecker.

Sram Red AXS

577 Gramm für die Leistungsmesskurbel der Red-Gruppe sind konkurrenzlos leicht. Der Preis für die Grammfuchserei: Die Messtechnik ist fest im Doppelkettenblatt verbaut. So spart Sram Schrauben und Schnittstellen. Der konsequente Leichtbau kann aber teuer werden. Ist eines der Blätter verschlissen, kommt die ganze Einheit in die Tonne.

Wer sich daran stört, findet in der Force-AXS-Kurbel eine ­Alternative, da lassen sich Spider und Kettenblätter trennen. Der Strom stammt aus einer Knopfzelle. Im Test zeigt das Powermeter rund 4 bis 5 Prozent höhere Werte als zwei zum Abgleich eingesetzte Favero-Pedal-Paare. Wir können daher mit guter Sicherheit sagen, dass das Red-Powermeter dezent übertreibt. Sram gibt +/-1,5 Prozent Genauigkeit an. Davon abgesehen ist die Datenqualität gut.

Shimano Dura-Ace 9200

Shi­mano bietet seine Top-Gruppe Dura-Ace wahlweise mit Kurbelpowermeter an. Im Prinzip gut: Die Kurbeln sind wichtiger Teil der Designsprache und sichern mit den zugehörigen Blättern herausragenden Schaltkomfort. Jedoch: Shimano betreibt zwar viel Aufwand, um die Verformung der Kurbeln mittels 24 nachträglich applizierter Dehnmessstreifen zu ermitteln, trotzdem ist das rohe Messsignal fehlerhaft, besonders das kleine Blatt zeigt zu hohe Werte - um die 13 Watt Offset in unseren Fahrten.

Erst durch Paaren mit der Schaltung, wodurch das Powermeter weiß, wann das kleine Blatt im Einsatz ist, lassen sich die Werte hinbiegen. Nach der Korrektur halbiert sich die Abweichung auf beiden Blättern, die Dura-Ace zeigt nun weniger Leistung als das Referenzgerät. Auch die Signalfilterung ist ausbaufähig. Es kommt vereinzelt zu Aussetzern.

Sram Rival DUB Wide

Eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Powermeter nachzurüsten, ist die Messung nur auf einer Seite. Sram bietet dazu linke Kurbeln mit Welle an, die Leistungsmessung steckt unsichtbar in der Aluminium-Welle. Die Stromversorgung übernimmt eine AAA-Lithium-­Batterie, die 400 Stunden halten soll und vom Nutzer zu tauschen ist. Im Test zeigt sich das Rival-Powermeter tadellos.

Dass es zu Messabweichungen von im Schnitt 13 Watt kommt, liegt an der einseitigen Messung. Im Prinzip misst die Kurbel präzise, was wir mit einbeinigem Treten bestätigen konnten. Die linke Rival-Kurbel zum Nachrüsten ist in Längen von 160 bis 175 Millimeter erhältlich, Marktpreise liegen bei 220 Euro. Für den kompletten Kurbelsatz verlangt Sram 380 Euro. Das einbeinige Upgrade ist auch für die Force-­Gruppe erhältlich (für Einblatt- und Zweifach-Antriebe kompatibel, 367 Euro).

Wie man den FTP-Wert mit einem Powermeter ermittelt

Um den Trainingsfortschritt zu erkennen, nutzen Sportler gern den sogenannten FTP-Wert. Dieser lässt sich mit Powermetern besonders gut ermitteln, weil ihre Daten unabhängig von äußeren Faktoren sind. FTP steht für "Functional Threshhold Power", was wörtlich übersetzt "funktionelle Schwellenleistung" bedeutet. Bei 100 Prozent des FTP-Werts können wir also genau eine Stunde Fahrrad fahren.

Radeln wird 80 Prozent unseres FTP-Werts können wir länger fahren. Und fahren wir über unseren Verhältnissen (bei beispielsweise 150 Prozent), lässt sich die Geschwindigkeit nur kurzzeitig aufrecht erhalten. Beginnen wir unser Training mit dem Powermeter, ergibt es also Sinn, erst einmal den FTP-Wert zu ermitteln, dann zu trainieren und in einem Monat später den gleichen Test noch einmal zu wiederholen.

Den FTP-Wert zu ermitteln, ist in der Theorie relativ leicht. Entweder, Sie fahren 20 Minuten so schnell wie Sie können, berechnen den Durchschnitt des Messwerts des Powermeters und multiplizieren das Ergebnis mit 0,95. Oder Sie radeln einfach 60 Minuten mit Ihrer Höchstleistung und errechnen aus den Daten des Powermeters den Durchschnitt.

Tabelle: Übersicht der getesteten Wattmessgeräte

Modell Bauart Gewicht Preis Besonderheiten
SRM Origin Kurbel-Spider-Powermeter 652 Gramm 2299 Euro Leicht, genau, modular
Sram Red AXS Kurbel-Spider-Powermeter 577 Gramm 1375 Euro Extrem leicht, Genauigkeit außerhalb der Spezifikation
Shimano Dura-Ace 9200 Kurbel-Powermeter, beidseitig 738 Gramm 1449 Euro Unsichtbare Integration, sehr gute Schaltfunktion
Sram Rival DUB Wide Kurbel-Powermeter, einseitig 359 Gramm (linker Kurbelarm mit Welle) 274 Euro Misst linkes Bein präzise, lange Batterielaufzeit

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