Welche Arten von Mountainbikes gibt es: Ein umfassender Überblick

Wer auf der Suche nach einem neuen Mountainbike ist und noch keinen genauen Plan hat, in welche Richtung es gehen soll, steht vor einer langwierigen Suche. Soll es ein Fully sein oder ein Hardtail? Welche Laufradgröße sollte ich wählen? Welches Rahmenmaterial ist für mein Geld das Beste? Oder soll es doch ein Fatbike werden? Doch keine Sorge, dein Traumbike ist da draußen, und wir helfen dir, es zu finden. Mit unserer Mountainbike-Kaufberatung geben wir dir hilfreiche Tipps und Erklärungen, damit du bei den ganzen Kategorien und Fachbegriffen nicht den Überblick verlierst und am Ende genau weißt, welche Mountainbike-Typen für dich in Frage kommen und welches Modell sich am besten für dein Budget eignet.

Typenfrage: Hardtail, Fully, Fatbike, Rigid?

Mountainbike ist nicht gleich Mountainbike. Zwar gehören das Fatbike und das Fullsuspension MTB (Fully) beide zur Mountainbike-Kategorie, doch der Einsatzzweck, die Ausstattung und das Fahrgefühl sind teilweise grundverschieden. Moderne Mountainbikes werden speziell auf ein bestimmtes Geländeprofil und den Riding Style des Fahrers zugeschnitten, also wo und vor allem wie man mit dem Bike fahren möchte. Manche MTBs verfügen über einen großzügigen Federweg vorne und hinten, um auch im schweren Gelände keine Probleme zu haben, während andere über keine Dämpfung verfügen, um die Steifigkeit und das Gewicht des Rahmens zu verbessern und somit noch schneller auf dem Trail zu sein. Andere wiederum verfügen über weniger Federweg oder nur eine Federgabel vorne, um die richtige Balance aus Geschwindigkeit und Federungskomfort zu bieten. Und dann gibt es noch die Fatbikes, die speziell für den Einsatz in besonders schwierigem Gelände wie Sand und Schnee konzipiert wurden.

Mit dem Einsatzzweck ändert sich auch die Geometrie des Rahmens. Der Lenkwinkel ändert sich beispielsweise je nachdem, ob der Fokus auf agilem Handling oder hoher Stabilität liegt. Für letzteres ist ein flacher Lenkwinkel unter 68° Voraussetzung, wogegen ein steiler Winkel zwischen 69 und 71° ein direkteres, aggressiveres Fahrgefühl vermittelt.

Die Grundtypologie der Mountainbikes richtet sich nach der Bauart des Rahmens und gibt die Richtung vor, welcher Einsatzzweck mit diesem Fahrrad möglich ist. Wir erklären dir die grundlegenden Unterscheide der vier Typen.

Fullsuspension / Fully Mountainbike

Wie der Name schon vermuten lässt, verwenden Fullys eine Federung sowohl am Vorderrad als auch am Hinterrad. Der Federweg beschreibt dabei, welcher Weg durch die Dämpfung zurückgelegt werden kann, um Unebenheiten auszugleichen und Stöße auf das Fahrwerk zu absorbieren und somit die Traktion und Kontrolle zu verbessern. Hierbei gilt die Faustregel: Je unwegsamer das Gelände, desto mehr Federweg, um die Räder für optimalen Grip auf dem Boden zu halten. Typischerweise reicht der Federweg bei Mountainbikes von 80mm bis hin zu 210mm (vorne und hinten).

Ein praktisches Beispiel: Downhill Bikes wurden entwickelt, um steile, technische anspruchsvolle Strecken so schnell wie möglich zu fahren, und wurden deshalb mit maximalem Federweg jenseits der 200mm ausgestattet, um die nötige Traktion zu gewähren. Am anderen Ende des Spektrums finden sich die Cross-Country-Bikes wieder, deren Rahmen so leicht und effizient wie möglich sein müssen und deswegen auf einen Federweg um die 100mm ausgelegt werden. Ein nützliches Feature ist hier das Lock-out-System, mit dessen Hilfe die Dämpfung deaktiviert werden kann, um bei Anstiegen oder ebenen, geraden Strecken maximalen Vorschub zu erhalten und keine Kraft durch die Federung zu verlieren.

Kurz erklärt: Dämpfungssysteme

Die vordere Federung bzw. Dämpfung ist bei MTBs in der Gabel (Federgabel) untergebracht. Sie funktioniert über eine „Feder“, die sich ausdehnt, nachdem sie durch einen Schlag auf dem Weg zusammengedrückt wurde. Diese Feder kann entweder aus Luft, Stahl oder einer Kombination aus beidem bestehen. Die Luftfederung ist leicht und lässt sich über eine Dämpferpumpe exakt einstellen und justieren, während Stahlfedern eher bei günstigeren Mountainbikes oder Downhill Bikes mit hohem Federweg zum Einsatz kommen. Außerdem sind sie äußerst langlebig und robust und überzeugen durch ein feineres Ansprechverhalten als Luftfedern.

Die Federung hinten wird je nach Hersteller und Technologie in verschiedenen Formen realisiert. Ziel ist es dabei stets, neben der Absorption von Stößen auch die Antriebsneutralität zu gewährleisten, sprich die Krafteinflüsse von der Bremse und dem Tretlager von dem hinteren Dämpfer zu isolieren bzw. zu minimieren. Wir stellen euch die verschiedenen Bauarten kurz vor:

  • Eingelenker: Hier wird der hintere Teil des Mountainbikes, der Hinterbau, mit einem Gelenk mit dem Hauptrahmen verbunden und rotiert beim Einfedern um ein zentrales Lager, etwa in Höhe des mittleren Kettenblatts. Vorteile: Sensibles Ansprechverhalten, Nachteil: Antriebseinflüsse, geringe Steifigkeit
  • Mehrgelenker: Beim Mehrgelenker wird der Hinterbau mit vier Lagerpunkten mit dem Hauptrahmen verbunden, die Funktionsweise ist trotzdem ähnlich des Eingelenkers. Die Gelenke oberhalb der Kettenstrebe dienen der Stabilisierung und Ansteuerung des Dämpfers. Vorteil: Höhere Steifigkeit und Antriebsneutralität, Nachteil: Wartungsintensiv
  • Viergelenker: Der Viergelenker ist auf den ersten Blick ähnlich des Mehrgelenkers, ermöglicht aber durch einen zusätzlichen Drehpunkt in der Kettenstrebe, dass das Hinterrad beinahe senkrecht nach oben Einfedern kann. Vorteil: Das zusätzliche Lager macht das System steifer und antriebsneutraler, Nachteil: ebenfalls wartungsintensiv und teuer
  • Virtual Pivot Point System: Das VPP-System setzt auf einen virtuellen Drehpunkt, um den der Hinterbau rotiert. Dies wird durch zwei Gelenke hinter der Tretlagerachse ermöglicht. Zwei weitere Gelenke steuern den Dämpfer an. Vorteil: kein Pedalwippen, hohe Antriebsneutralität, Nachteile: Pedalrückschlag

Hardtail Mountainbike

Auch beim Hardtail ist der Name Programm. Hier gibt es die Federung nur vorne, der Hinterbau bleibt ungefedert („hard tail“). Da ein Hardtail aufgrund des fehlenden Dämpfers weniger bewegliche Komponenten benötigt, ist es in der Regel leichter, wartungsärmer und günstiger als ein Fully. Wie auch beim Fullsupsension MTB lässt sich bei modernen Hardtails der Dämpfer in der Federgabel über ein Lockout-System sperren, sodass das Bike an keiner Stelle mehr federt.

Dank des geringen Gewichts und der hohen Steifigkeit sind Hardtails wie gemacht für Cross-Country-Fahrer, die ihren Fokus auf Geschwindigkeit und Agilität legen. Auf schwierigen Trails tun sich die nur vorne gefederten Mountainbikes dagegen schwer. Trotzdem ermöglicht die Federgabel vorne je nach Federweg (meist zwischen 80mm und 140mm) ausreichend Komfort und Traktion, um sich im Gelände ordentlich austoben.

Rigid Mountainbike (Starrgabel-Mountainbike)

Mountainbikes ohne Federungselemente werden als Rigid oder Starrgabel-MTBs bezeichnet. Aufgrund der fehlenden Dämpfer ist das Rigid Bike nur für leichte, wenig anspruchsvolle Trails geeignet, da Traktion und Fahrkomfort hauptsächlich von den Reifen abhängen. Dagegen ist ein Rigid Bike leichter und preisgünstiger als ein Hardtail oder Fully. Außerdem fällt die Wartung der beweglichen Dämpferteile weg. Puristen schwören noch heute auf das unvergleichliche Fahrgefühl eines Rigid Mountainbikes, doch im modernen Mountainbike-Sektor spielt das Starrgabel-MTB nur noch eine untergeordnete Rolle.

Fatbike

Fatbikes stellen eine Weiterentwicklung der Hardtails bzw. Rigid-Mountainbikes (bei starrer Gabel) dar und sind für Untergründe wie Schnee und Sand ausgelegt, machen aber auch im normalen Gelände dank ihrer überbreiten 4“ bis 4,8“ Reifen eine gute Figur. Die Räder erreichen so öfter einen Durchmesser von ca 30“, weswegen auch überbreite Felgen bis 100mm nötig sind. Der Rahmen orientiert sich aufgrund der großen Räder an 29er MTBs und wird mit besonders belastbaren Gabeln, Kurbeln und Naben ausgestattet.

Riding Styles: Finde den für dich passenden Fahrstil

Wie eingangs schon beschrieben ist Mountainbike nicht gleich Mountainbike, vor allem wenn es um die verschiedenen Offroad-Disziplinen geht. Für das Cross-Country-Racing sind schnelle, extrem leichte MTBs unerlässlich, während für den Enduro Sport ein hoher Federweg und eine absenkbare Sattelstütze zum guten Ton gehört.

Damit du einen besseren Einblick in die Typologie der Mountainbikes erhältst und herausfinden kannst, welches MTB für welche Disziplin entwickelt wurde, präsentieren wir dir eine Übersicht über die populärsten Riding Styles.

Cross-Country

Cross-Country ist die ursprüngliche Form des Mountainbiken und beschreibt das Biken auf natürlich geformten oder künstlich angelegten Trails. Bevorzugtes Terrain gibt es nicht; Waldwege, Schotterpisten oder Wurzelteppiche sind alle willkommen. Hindernisse auf dem Trail sind entweder von der Natur geprägt oder wurden künstlich angelegt, um die Strecke noch spaßiger und anspruchsvoller zu machen.

Die Abkürzung XC, die sich bei vielen speziellen Cross-Country-Bikes finden lässt (zum Beispiel als XC-Geometry), bezieht sich auch auf die verschiedenen Renntypen des Sports: XCM steht für Cross-Country-Marathon, bei dem Strecken von 50 bis über 150 Kilometer Länge gefahren werden. XCO beschreibt Cross-Country-Olympic Rennen, bei denen in einer festen Zeit von in der Regel 1-2 Stunden sehr technische Rundkurse absolviert werden müssen.

Für Cross-Country-Fahrten eignet sich grundsätzlich jeder Typ des Mountainbikes. Während Hardtails eher für schnelle, flowige Trails mit wenig Hindernissen geeignet sind, ist bei technisch anspruchsvollen Strecken schon eher ein Fully sinnvoll, dass mit 100mm-120mm Federweg vorne und hinten eine verbesserte Traktion und Kontrolle auf vertrackten Trails mitbringt. Da Cross-Country-Strecken in der Regel recht eben verlaufen, muss stets ordentlich in die Pedale getreten werden, weswegen ein leichter, effizienter Antriebsstrang von Vorteil ist. Einer der wichtigsten Faktoren bei der Geometrie des Mountainbikes ist beim Cross-Country der Lenkwinkel. Pure Cross-Country-Racebikes haben einen steileren Lenkwinkel für aggressiveres, schnelleres Handling.

Trail

Auch um das pure Trailvergnügen, aber weniger um Bestzeiten geht es beim Trail-Riding. Trail ist quasi wie Cross-Country der Inbegriff des Mountainbiken, richtet sich aber an erfahrenere Fahrer und anspruchsvollere Strecken.

Das typische Trail-Bike ist deswegen auch mit mehr Federweg ausgestattet als das Cross-Country-Bike und sollte die perfekte Balance für hohe Krafteffizienz bergauf und agilem Fahrverhalten bergab finden. Trail Bikes können deswegen auch ohne Problem bei Cross-Country-Rennen an den Start gehen, obwohl sie aufgrund ihres höheren Gewichts Defizite bei der Geschwindigkeit, vor allem bergauf, in Kauf nehmen müssen.

Der Federweg bei Trail Bikes liegt in der Regel zwischen 120mm und 140mm vorne und hinten. Einige Hersteller haben auch Trail-Hardtails im Programm, die dank einer kräftigeren Federgabel ebenfalls für härteres Terrain geeignet sind und die fehlende Dämpfung hinten mit breiteren Reifen kompensieren. Als Laufradgröße wird bei den meisten Herstellern in dieser Kategorie auf die 27,5“ und 29“-Räder gesetzt, immer häufiger auch in Plus-Ausführung. Der Lenkwinkel ist im Vergleich zu leichten Cross-Country-Racern flacher und liegt hier in der Regel zwischen 67 und 69°, um bergab eine höhere Stabilität und Kontrolle zu erreichen.

Enduro / All Mountain

Enduro ist eine recht junge, einzigartige Form des Mountainbikens, bei der die Abfahrten bei einem Rennen gestoppt werden, die Uphill-Sektoren jedoch nicht. Für diese gibt es häufig nur ein maximales Zeitlimit, das man einhalten muss. Ein Rennen gewinnt derjenige, der bei allen Abfahrt-Sektionen die insgesamt beste Zeit herausfahren kann. Der neue MTB-Trendsport richtet sich eher an erfahrene Biker, die mit anspruchsvollen Sprüngen, tiefen Drops und technischen Trails keine Probleme haben.

Enduro Bikes sind noch mehr auf den Downhill-Bereich fokussiert als Trail Bikes, bringen aber im Vergleich zu reinen Downhill-Bikes auch am Berg noch eine gute Leistung. Der Federweg sollte für Enduro-Rennen zwischen 140mm und 170mm liegen, ein Fully ist Pflicht. Eine absenkbare Sattelstütze für bessere Kontrolle bergab ist genauso empfehlenswert wie breitere Reifen mit ungefähr 2,3 Zoll.

Downhill / Gravity

Für die Adrenalinjunkies unter den MTB-Fans gibt es die Downhill- und Gravity-Fraktion. Hier geht es einzig und allein um die Fahrt bergab. Den Berg hoch kommen die Fahrer entweder über einen Lift oder gar zu Fuß. Das Ziel: So schnell wie möglich den Berg wieder runter, hinweg über Drops und Sprünge, Steingärten, Rampen und andere Hindernisse.

Ein Downhill-MTB sollte nur auf die Bergab-Performance getrimmt sein und mit einem Federweg von mindestens 170mm bis hin zu 210mm ausgestattet sein. Ein längerer Radstand und breitere Reifen (bis 2,5“) sorgen für Stabilität, während große, zugkräftige Scheibenbremsen das Bike schnell zum Stehen bringen. Die Ganganzahl beschränkt sich meist auf 7, da nicht mehr benötigt werden. Die Laufradgröße ist entweder 26“ oder vermehrt bei modernen Downhillern 27,5“. Der Lenkwinkel liegt jetzt bei ca. 62-65°, um für maximale Stabilität und Kontrolle zu sorgen.

Laufradgrößen: Groß, größer, breiter

Es gibt drei Laufradgrößen bei modernen Mountainbikes, die je nach Einsatzzweck auch in Plus-Größen verfügbar sind: 26“, 27,5“ und 29“. Die Größe in Zoll gibt dabei den Durchmesser der Räder an.

  • 26“ war ursprünglich die Standardgröße für Mountainbike-Laufräder, wird heute aber kaum noch bei modernen Mountainbikes angewandt. Die Vorteile liegen in der hohen Agilität und dem geringen Gewicht, doch Traktion und Fahrkomfort sind bei den größeren Rädern spürbar besser.
  • 27,5“, öfter auch als 650B bezeichnet, ist quasi der Nachfolger der 26 Zoller und bietet ein besseres Überrollverhalten, mehr Traktion und höheres Luftvolumen als der kleinere Vorgänger.
  • Noch größer, noch besseren Fahrkomfort und noch mehr Grip bietet die 29“-Größe. Allerdings sind die Räder auch schwerer, nicht so steif und nicht so wendig wie die 27,5“-Räder. Außerdem sind hohe Federwege aufgrund des hohen Raddurchmessers häufig nicht umsetzbar. Die 29er Größe ist deshalb vor allem bei Cross-Country-MTBs und Trailbikes beliebt, Enduro-Bikes werden auch zunehmend mit den größeren Rädern ausgestattet. Die 27,5er Größe ist dagegen in allen Disziplinen vertreten und punktet durch das geringe Gewicht und die hohe Agilität.
  • Dann gibt es da noch die Plus-Größen. Auch erst seit wenigen Jahren so richtig am Markt eingeschlagen, sollen die vergrößerten Radgrößen noch mehr Traktion und Fahrkomfort bringen. Die Breite der Räder liegt zwischen 2,8“ und 3“ für jeweils alle Laufradgrößen (26, 27,5 und 29“).

Preisfrage: Finde das passende MTB für dein Budget

Egal ob Einsteiger oder angehender Profi - das Geld ist bei vielen knapp, und nicht jeder kann sechs oder sieben Scheine für ein MTB hinlegen.

Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die verschiedenen Mountainbike-Typen und ihre typischen Eigenschaften:

Typ Federweg (vorne/hinten) Gewicht Einsatzbereich Besonderheiten
Cross-Country 100mm - 120mm Leicht Schnelle, flowige Trails Effizient bergauf, agil
Trail 120mm - 140mm Mittel Allround-Einsatz Balance zwischen Effizienz und Fahrspaß
Enduro 140mm - 170mm Höher Anspruchsvolle Trails, Sprünge Abfahrtsorientiert, robust
Downhill 170mm - 210mm Sehr hoch Extreme Abfahrten Maximale Stabilität und Kontrolle
Fatbike - Variabel Schnee, Sand, schwieriges Gelände Überbreite Reifen für maximalen Grip

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