Oberstes Gebot: Bremsflüssigkeiten sind sicherheitsrelevante Bauteile! Die Vorgaben vom jeweiligen Hersteller sind dringend zu beachten und einzuhalten. Im Rahmen der Herstellervorgaben bezüglich der Bremsflüssigkeit ist der Fahrzeugtyp und das Baujahr zu berücksichtigen. Je nach Fahrzeugtyp und Baujahr ist die hierfür erforderliche Bremsflüssigkeit auf den jeweiligen Verschlussdeckeln der Bremsflüssigkeitsbehälter vermerkt.
Vor allem bei Buell Modellen bis Bj. 2002 besteht durchaus die Möglichkeit, dass unterschiedliche Flüssigkeiten für die Vorder- und Hinterradbremse benötigt werden. Wir raten dringend, die auf den Deckeln befindliche Aufschrift zu beachten.
Grundlagen zu Bremsflüssigkeiten
Ursprünglich hat man in den USA damit begonnen, Bremsflüssigkeiten zu normen. Bremsflüssigkeiten basieren auf Polglykolether, Borsäureester und Polglykole in unterschiedlichen Anteilen. Silikon basierende Bremsflüssigkeiten stellen eine Ausnahme dar. In Bremsflüssigkeit sind zudem notwendige, Oberflächen- sowie Produktschützende Additive enthalten.
Leistungsklassen und Spezifikationen
Leistungsklassen und Spezifikationen werden im Wesentlichen von folgenden Norminstituten festgelegt:
- FMVSS = Federal Motor Vehicle Safety Standard
- DOT = Department of Transportation (US Amerikanische Standards)
- ISO 4925 Class X = International Standardization Organisation (Europäische Standards)
- JIS K 2233 Class X = Japanese Industrial Standard (Japanische Standards)
Wichtige Faktoren: Siedepunkt und Nasssiedepunkt
Wichtige Faktoren aller Bremsflüssigkeiten sind der Trockensiedepunkt (oder auch der Siedepunkt, kurz als SP bezeichnet) und der Nasssiedepunkt (NSP). Dabei wird festgelegt, bei welcher Temperatur eine Dampfblasenbildung zustande kommt.
Der Siedepunkt bzw. Trockensiedepunkt (SP) wird bei Bremsflüssigkeiten im absoluten Neuzustand und somit ohne irgendwelche Einträge wie Wasser (oder andere Einflüsse), gemessen.
Der Nasssiedepunkt (NSP) wird mit Wassereintrag gemessen. Je nach Bremsflüssigkeitsklasse beträgt der Wasseranteil zur Ermittlung des NSP zwischen 3,2 bis 4,0% . Die Anforderungen an Technische Daten der jeweiligen Leistungsklasse einer Bremsflüssigkeit sind Mindestanforderungen und können je nach Herstellerqualität auch weit übertroffen werden.
Die verschiedenen DOT-Klassen im Überblick
DOT 3
Diese ist aus europäischer Sicht eher den historischen Fahrzeugen vorbehalten. Denn manch europäischer Oldtimer und vor allem Youngtimer sind zu jung und haben bereits die Vorgabe, eine Bremsflüssigkeit DOT 4 zu verwenden.
DOT 4
Die vom Hersteller mit DOT 4 bezeichnete Bremsflüssigkeit wird überwiegend bei neueren Buell und Harley-Davidson Modellen eingesetzt. Diese verfügt generell über einen höheren Trocken- (SP) und Nass-Siedepunkt (NSP) gegenüber DOT 3. DOT 4 Bremsflüssigkeiten sind nur seitens technischer Daten rückkompatibel zu DOT 3.
DOT 5
Auf Silikon basierend und ursprünglich für militärische Zwecke, unter anderem aufgrund guter Alterungsstabilität, entwickelt. Im zivilen Bereich wird die DOT 5 teils in Harley-Davidson Motorrädern vorgeschrieben. Diese Bremsflüssigkeit bietet einen eher teigigen Druckpunkt und somit kein solides Ansprechverhalten. Daher ist die DOT 5 für Bremsregelsysteme wie ABS usw. nicht besonders gut geeignet.
DOT 5.1
Die niedrige Viskosität ist für schnell arbeitende Bremsregelsysteme wie ABS, ESP, DTC usw. Bremsflüssigkeit DOT 4 Class 6 oder auch als "SL6" bezeichnet, ist basierend auf der DOT 4 "Class 4": Deren niedrige Viskosität ist für besonders schnell arbeitende und sehr moderne Fahrzeug-Bremsregelsysteme wie ABS, ESP, DTC etc.
Zehn Fakten zu Bremsflüssigkeiten für Motorräder
- Ein hoher Siedepunkt für die Sicherheit bei extremen Einsatzbedingungen, damit die Bremsflüssigkeit nicht vorzeitig zu kochen beginnt und durch Dampfblasenbildung die Bremswirkung nachlässt.
- Der sog. Siedepunktabfall ist durch Wasseraufnahme zur Bremsflüssigkeit so gering wie möglich zu halten, die Kerngröße wird als Nasssiedepunkt bezeichnet.
- Die Bremsflüssigkeit soll auch Korrosionsschutz gewährleisten.
- Da Bremsflüssigkeit jedoch auch die Eigenschaft besitzt, Wasser aufzunehmen ("hygroskopische Wirkung"), ist die Betriebssicherheit nur auf bestimmte Dauer begrenzt.
- Ein weiteres Argument dafür, unbedingt die Herstellervorgaben zum Wechsel der Bremsflüssigkeiten einzuhalten.
- Bremsflüssigkeit soll zur optimalen Schmierung des gesamten Bremssystems beitragen und somit auch mechanisch belastete Bauteile im Bremssystem vor Verschleiß schützen.
- Sehr wichtig für Bremsflüssigkeiten ist die vollkommene Verträglichkeit mit allen Systemmaterialien, bspw. mit verschiedenen Metallen sowie auch mit allen verbauten Gummi- und Kunststoffwerkstoffen.
- Ein Lackkontakt von Bremsflüssigkeiten ist aufgrund der Lösewirkung gegenüber Lacken zu vermeiden.
- In Bremsflüssigkeit sind zudem notwendige, Oberflächen- sowie Produktschützende Additive enthalten.
- Bremsflüssigkeiten basieren auf Polglykolether, Borsäureester und Polglykole in unterschiedlichen Anteilen.
Wichtige Hinweise und Warnungen
TechTip: Bremsflüssigkeiten mit den Bezeichnungen DOT 4 und DOT 5 dürfen auf keinen Fall vermischt zum Einsatz kommen. Die für jedes Fahrzeug benötigte Flüssigkeit ist auf dem Deckel der jeweiligen Bremsflüssigkeitsbehälter vermerkt. Bei der Bezeichnung DOT 5 handelt es sich um Bremsflüssigkeit auf Silicon Basis.
Wir warnen ausdrücklich vor der Verwendung von siliconfreien DOT 5 Bremsflüssigkeiten, des Weiteren sollten keine mit DOT 5 bezeichneten Bremssysteme mit DOT 4 Flüssigkeiten befüllt werden. Arbeiten am Bremssystem sollten ausschließlich vom Fachpersonal durchgeführt werden.
Wichtig: DOT5 und DOT4 sind nicht mischbar.
Vorsicht: Bremsflüssigkeit greift Autolacke an; beim Verschütten sofort mit viel Wasser nachspülen.
Hinweis: Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und muss in dicht verschlossenen Behältern gelagert werden.
Verwandte Beiträge:
- Welche Kleidung zum Radfahren? Der ultimative Guide
- Beste Apps für Radtouren: Navigation, Planung & Tracking
- Welche Protektoren für Motorradfahrer? Ratgeber & Kaufempfehlungen
- Welche Muskeln beim Radfahren beansprucht werden
- Motorradreiniger im Test: Die besten Produkte für strahlenden Glanz und Schutz im Vergleich!
- TÜV Motorrad Kosten 2024: Preise & Vergleich
Kommentar schreiben