Welche Arten von Fahrradbremsen gibt es?

Die Bremse ist ohne Frage eine der wichtigsten Komponenten am Fahrrad. Nur so können Sie sicher im Straßenverkehr vorankommen oder vielmehr: zum Stehen kommen. Aug. 20Sie fällt erst auf, wenn sie nicht funktioniert.

Und doch ist sie eines der wichtigsten Fahrradteile: die Bremse. Ob im Straßenverkehr oder auf der Downhill-Strecke: Ohne eine zuverlässige Bremse ist ein sicheres Vorankommen unmöglich. Umso wichtiger also, dass an dieser Stelle alles passt.

Bei modernen Rädern können wir in der Regel zwischen drei Arten unterscheiden: Felgenbremsen, Scheibenbremsen und Trommelbremsen. Denn Bosch hat das erste ABS-System für das Fahrrad entwickelt. Wichtig ist die passende Felge bzw. Nabe - sowohl bei Scheiben- als auch bei Felgenbremsen. Daher gilt es, Inkompatibilitäten zu vermeiden.

Felgenbremsen

Felgenbremsen gehören zu den bekanntesten und den meistverwendeten Bremssystemen. Felgenbremsen sind in der Regel leichter und günstiger als Scheibenbremsen und lassen sich auch einfacher montieren. Dabei lassen sich hydraulische und mechanische Felgenbremsen unterscheiden.

Klassische mechanische Felgenbremsen sind die V-Felgenbremse, auch bekannt als V-Brake, die Cantilever-Bremse und die Seitenzugbremse. Die V-Brake ist die geläufigste Felgenbremse. Die V-Brake hat zwei getrennte Bremsarme, die links und rechts des Laufrades positioniert sind. Der eine trägt den Zuganschlag, der andere die Zugklemmschraube.

Wird der Bremshebel betätigt, ziehen sie sich zusammen und drücken zwei Beläge an die Felge - das Rad kommt zum Stehen. Aufgrund der sehr einfachen Wartung ist es das ideale System für Trekkingräder und Citybikes. Doch hydraulische Bremsen sind stark im Kommen.

Aber wie funktioniert nun die Felgenbremse? Bei der mechanischen Felgenbremse befindet sich auf beiden Seiten des Laufrads eine Bremsart, die mithilfe eines Seilzugs betätigt wird.

Benötigst du etwas mehr Bremskraft, wenn du zum Beispiel gerne schnell oder im Bergland unterwegs bist, setzt du am besten auf hydraulische Felgenbremsen. Diese werden wie eine gewöhnliche V-Brake montiert, packen aber deutlich kräftiger zu.

Einzig der Wartungsaufwand ist etwas höher, da die Bremse mit einem speziellen Werkzeug entlüftet werden muss. Seitenzugbremsen findest du hingegen fast ausschließlich an Rennrädern, da dieses System nur mit dünnen Reifen funktioniert.

Hier zieht der Bremszug nur an einer Seite der Bremse, die Bremszange schließt sich und drückt somit die Beläge an die Felge.

Aufbau: Eine Caliper-Bremse besteht aus einer Bremszange, die du mit je einer Befestigungsschraube an Fahrradrahmen und -gabel anbringst. Von der Bremszange führen zwei Arme zu den Seiten der Felgen. Bei der Seitenzugbremse teilen sich beide Bremsarme einen einzigen Drehpunkt (Single Pivot), der mittig über dem Rad sitzt.

Bei der Mittelzugbremse hat jeder Bremsarm einen separaten Drehpunkt. Die Dual-Pivot-Bremse kombiniert die beiden Systeme: Ein Bremsarm hat seinen Drehpunkt seitlich, der andere in der Mitte. Direct-Mount-Bremsen sind flache Bremsen, die auf einen Grundträger verzichten.

Stattdessen sitzen die Drehpunkte im Rahmen bzw. der Gabel. Aufbau: Cantilever-Bremsen sind eine Art Mittelzugbremse. Sie bestehen aus zwei separaten Bremsarmen, die links und rechts der Felge sitzen. Um Cantilever-Bremsen anbringen zu können, müssen dafür geeignete Bremssockel am Rahmen vorhanden sein, an denen die Klemmschrauben Halt finden.

Dieser Bremsentyp entfaltet seine Wirkung über Kipphebel, die auch „Ausleger" genannt werden. Arten: Die Direktzugbremse ist die Seitenzug-Variante der traditionellen Cantilever-Bremse. Hier kommt das Kabel von der Seite. Die Bremsarme sind länger, wobei ein Arm mit dem Kabelgehäuse und einer mit dem Seilzug verbunden ist. Neben den mechanischen Felgenbremsen, die über Handkraft und Seilzüge, sogenannte Bowdenzüge, arbeiten, gibt es auch hydraulische Felgenbremsen.

Sie arbeiten mit Öldruck und gelten im Vergleich zu mechanischen Felgenbremsen als sehr direkt und leistungsstark. Die Langzeitkosten für den Betrieb und die Wartung von Felgenbremsen können im Vergleich zu Scheibenbremsen geringer sein, insbesondere in Bezug auf die Anschaffungskosten und einfache Reparaturen.

Felgenbremsen sind in der Regel einfacher zu warten, und die Kosten für Ersatzbremsbeläge sind oft niedriger als die spezifischen Bremsbeläge für Scheibenbremsen. Allerdings kann der Verschleiß an der Felge selbst bei intensiver Nutzung ein signifikanter Faktor sein, da die Felgen bei jedem Bremsvorgang direkt abgenutzt werden.

Scheibenbremsen hingegen können höhere Anfangskosten haben und erfordern möglicherweise spezielles Werkzeug für bestimmte Wartungsarbeiten, aber ihre Bremsscheiben und -beläge halten in der Regel länger als die Bremsbeläge und Felgen bei Felgenbremsen.

Im Bereich der Felgenbremsen gibt es stetige Innovationen und Entwicklungen, um ihre Leistung und Zuverlässigkeit unter verschiedenen Bedingungen zu verbessern. Einige Hersteller arbeiten an der Verbesserung der Materialien für Bremsbeläge, um eine bessere Bremskraft und weniger Verschleiß bei Nässe zu gewährleisten.

Einige Innovationen umfassen auch die Einführung von wasserabweisenden Beschichtungen auf Felgen, die helfen, Wasser schneller abzuleiten und so die Bremsleistung bei Nässe zu verbessern. Trotz dieser Bemühungen bleiben die physikalischen Einschränkungen, die durch die direkte Reibung an der Felge bedingt sind, bestehen.

Bist du eher Schönwetterfahrer oder meist auf trockenem, ebenem Untergrund unterwegs, solltest du mit Felgenbremsen für die meisten Situationen gewappnet sein.

Scheibenbremsen

Immer häufiger - vor allem an Mountainbikes, aber auch bei vielen E-Bikes, Trekking- und Rennrädern - sind Scheibenbremsen zu finden. Scheibenbremsen auf der anderen Seite sind leistungsfähig und weniger anfällig für Schmutz und Rost, allerdings auch teurer und schwerer. Zudem werden Speichen und Naben stärker belastet.

Ähnlich wie die mechanische Felgenbremse funktioniert die mechanische Scheibenbremse über einen Bowdenzug. Sie benötigt weniger Wartung, weist aber meist nur einen Kolben auf und ist anfälliger für Schmutz und Rost. Hydraulische Scheibenbremsen auf der anderen Seite haben zwei oder vier Kolben und werden mit Bremsflüssigkeit betrieben.

Kaum ein Mountainbike oder Crossrad ist heute nicht mit Scheibenbremsen ausgestattet. Kein Wunder: Sie gehören zu den sichersten, die es gibt. Und auch in der Rennradwelt treten sie ihren Siegeszug an. Denn die Bremsbeläge erreichen an einer Scheibenbremse bedeutend höhere Reibungswerte.

Dieses Mehr an Bremskraft kann in unerwarteten Situationen ein echter Lebensretter sein. Dafür nehmen selbst Rennradfahrer das etwas höhere Gewicht in Kauf. Auch hier sind die Reibungsverluste bei hydraulischer Betätigung geringer. Das Öl in der Leitung lässt sich nämlich nicht komprimieren, wodurch große Kräfte auf die Bremsbeläge übertragen werden.

Hydraulische Scheibenbremsen sind daher sehr gut dosierbar und auch mit einem Finger zu bedienen. Die Bremsscheiben für das System gibt es in vielen verschiedenen Größen, wobei kleine Scheiben für Cross Country- oder Rennräder gedacht sind.

Große Scheiben finden vor allem an Enduros MTBs und Downhill-Bikes ihren Einsatz. Bevor du eine größere Scheibe an deinem Fahrrad nachrüstest, solltest du aber unbedingt überprüfen, ob der Rahmen bzw. die Federgabel für die gewünschte Scheibenbremse freigegeben wurde.

Zwei oder vier Kolben?

Bleibt noch die Frage: 2- oder 4-Kolbenbremse? Die Kolben sind die Bauteile, die aus der Bremszange gedrückt die Kraft auf den Bremsbelag übertragen. Vier Kolben bringen hier natürlich mehr Kraft auf die Beläge als zwei Kolben.

Gerade an Downhill-, Enduro- und E-Bikes verbaut man daher gerne die leistungsstärkere Version. Crosser und Rennräder kommen hingegen meist mit der 2-Kolben-Variante aus.

Die zahlreichen Vorteile der Scheibenbremse erkaufst du dir leider mit einigen Nachteilen, über die man bei der verbesserten Performance aber gerne hinwegsehen kann. Ein Manko bezieht sich etwa auf den erhöhten Wartungsaufwand, sollte die Bremse einmal Luft oder Wasser ziehen.

Dann muss die Bremse mit einem speziellen Werkzeug entlüftet werden, das sich von Hersteller zu Hersteller unterscheidet. Um auf der anderen Seite eine Scheibenbremse zu montieren, braucht die eingespeichte Nabe eine Aufnahme für die Bremsscheibe - entweder 6-Loch-Nabe oder Centerlock-Nabe. Für die Befestigung der Bremsscheibe benötigen Sie bei einer 6-Loch-Nabe sechs Schrauben.

Für die Montage an der Gabel und am Rahmen benötigen Sie einen geeigneten Sockel, wobei die Bremsen auf zwei Gewindehülsen gesteckt und festgeschraubt werden.

Trommelbremsen

Heute kommen tatsächlich hauptsächlich Felgen- und Scheibenbremsen zum Einsatz. Doch damals war auch die Trommelbremse, auch bekannt als Rücktrittbremse, eine beliebte Variante. Das System ist meist in der Hinterradnabe zu finden.

Dabei überträgt die Drehmomentstütze beim Zurücktreten mit den Pedalen das Drehmoment des Hinterrades auf den Rahmen. Das Rollerbrake Bremssystem ist eine moderne Variante der Trommelbremse und wird gerne in E-Bikes verbaut.

Fast vom Fahrradmarkt verschwunden sind die sogenannten Trommelbremsen - oftmals als Rücktrittbremsen bekannt. Das System befindet sich in der Hinterradnabe. Damit ist es witterungsbeständig und ermöglicht dir zu bremsen, ohne den Griff vom Lenker zu lösen.

Allerdings erreichen Trommelbremsen einfach nicht die Bremskraft moderner Scheiben- oder Felgenbremsen. An Citybikes und Kinderfahrrädern werden sie dennoch verbaut - denn gerade unsicheren Fahrern bietet die zusätzliche Rücktrittfunktion mehr Sicherheit.

Ergänzt durch eine klassische Vorderbremse ist die Bremskraft auch stark genug für den Stadtverkehr oder sogar Trekkingtouren.

ABS-System von Bosch

Das Antiblockiersystem, kurz ABS, kennen wir bereits vom Auto und es gehört auch bei Motorrädern mittlerweile fest dazu. Doch nicht nur das: Auch bei Fahrrädern hält diese Elektronik Einzug.

Wie es funktioniert: Mithilfe eines Drehzahlsensors stellt das ABS fest, ob die Gefahr besteht, dass das Vorderrad blockiert. Für Hightech-Fans gibt es mittlerweile außerdem ein ABS-System von Bosch, das die Fahrt auf E-Bikes sicherer macht. Dabei wird das Fahrrad mit einem ABS-System am Vorderrad und einer Abheberegelung am Hinterrad ausgestattet.

Gerade auf rutschigen und losen Untergründen kann dieses System seine Vorteile ausspielen: Eine kurzzeitige Verringerung der Bremskraft führt im Bedarfsfall wieder zu Traktion zwischen Reifen und Boden. Somit rutschst du in ausgefahrenen Kurven weniger schnell weg und verzögerst kontrollierter.

Allerdings ist das Bosch ABS-System bisher nur bei sehr hochpreisigen Premium-E-Bikes verbaut.

Fazit

Die Leistung beim Fahrradfahren ist für viele mitunter der wichtigste Faktor. Sie lieben die Geschwindigkeit. Doch mindestens genauso wichtig, wie schnell Tempo aufzunehmen, ist die Qualität beim Fahrrad Bremssystem.

Für welches Bremssystem am Fahrrad Sie sich letztendlich entscheiden, hängt von Ihren persönlichen Ansprüchen und Bedürfnissen ab. Ein klares richtig oder falsch gibt es hier nicht.

Wichtig ist die passende Felge bzw. Nabe - sowohl bei Scheiben- als auch bei Felgenbremsen. Daher gilt es, sich vorher seine Laufräder genau anzuschauen. Die Bremse ist eine der wichtigsten Komponenten am Zweirad und sollte daher nicht leichtfertig, sondern ordentlich montiert werden.

Meist bestimmt also bereits der Einsatz das benötigte Bremssystem. Trotzdem ist es ratsam, einen genauen Blick auf die verbauten Komponenten an deinem (Wunsch-)Rad zu werfen.

Gerade wenn du spezifische Ansprüche hast, solltest du über eine maßgeschneiderte Lösung nachdenken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Fahrradwerkstätten in den Fahrrad XXL Filialen stehen dir dafür mit Rat und Tat zur Seite.

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