Fahrradkette Wartung und Pflege: So bleibt Ihre Kette fit

Die Fahrradkette ist das am stärksten beanspruchte Bauteil am Fahrrad. Enorme Kräfte wirken beim Treten auf die filigranen Glieder.

Hören Sie beim Treten von unten Quietschen oder Reiben, ist es höchste Zeit, einen Blick auf die Fahrradkette zu werfen. Umso wichtiger für ihre Instandhaltung ist eine regelmäßige Pflege. Regelmäßige Reinigung und Pflege können definitiv die Lebensdauer einer Fahrradkette verlängern.

Warum Reinigen wichtig ist

Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit.

Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere. Das heißt, man muss mehr Kraft aufwenden, um vorwärtszukommen.

Schmutz wirkt außerdem materialfressend: Der Verschleiß und der Abrieb sind deutlich höher - nicht nur an der Kette selbst, sondern auch an den Ritzeln der Kettenblätter. Deswegen ist es sinnvoll, Zeit in die Reinigung der Kette zu investieren.

Das Säubern dauert maximal 20 Minuten, zumal die Fahrradkette natürlich aufgespannt bleiben darf.

Verschleiß der Fahrradkette

Bevor es an das Reinigen Ihrer Kette geht, sollten Sie prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat.

Diese Längung sehen Sie mit bloßem Auge meist nicht, deshalb ist es sinnvoll, mit einer Verschleißlehre den Abstand der Kettenglieder zu prüfen. Im Allgemeinen schiebt man die Verschleißlehre zwischen die Kettenglieder, um zu messen, ob die Kette über ihre ursprüngliche Länge hinaus gedehnt wurde.

Wenn die Lehre ohne Widerstand in den Spalt zwischen den Gliedern passt, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Kette ausgetauscht werden muss.

Zögern Sie den Tausch der Fahrradkette zu lange hinaus, schmirgelt sich die gelängte Kette die Zähne von Kettenblatt und Kassette zurecht und eine neue Kette springt ab.

Wie viele Kilometer Sie mit einer Kette radeln können, hängt davon ab, wie Sie schalten, bei welcher Witterung Sie unterwegs sind und auf welchem Untergrund, wie hochwertig die Kette ist - und wie gut Sie sie pflegen. Manche müssen nach 1.000 Kilometer runter vom Fahrrad, andere halten gut 3.000 Kilometer und mehr.

Vorbereitung der Reinigung

Ob Mountainbike, Rennrad oder E-Bike: Nach Fahrten im Gelände oder bei Regenwetter lagert sich ein Schmutzfilm auf Ihrem Fahrrad und besonders auf Ihrer Fahrradkette ab. Staub, gestreutes Salz und schmutziges Wasser greifen die Kette ebenso an wie Waldboden.

Die gründliche Reinigung Ihrer Fahrradkette geht einfach und schnell, wenn Sie dabei sorgfältig vorgehen und einige Dinge beachten.

Lassen Sie die Kette auf Kettenblatt und Ritzel liegen, sie zu demontieren wäre unnötiger Aufwand, der es Ihnen nicht leichter macht. Bringe dein Fahrrad oder E-Bike in eine für dich günstige Position. Am einfachsten erreichst du Fahrradkette, Ritzel und Kettenblatt, wenn du das Fahrrad auf Sattel und Lenker, also auf den Kopf, stellst. Falls du einen Montageständer hast, kannst du das Rad auch in ihn spannen.

Beachten Sie aber, dass Sie Carbonbauteile (z. B. Sattelstütze) nicht fest klemmen sollten. Lege zumindest eine Polsterung (Lappen etc.) um das Bauteil und ziehe nicht zu fest zu.

Drei Dinge braucht man unbedingt zum Reinigen der Kette: ein Baumwolltuch, eine Bürste (es geht auch eine alte Zahnbürste) und Kettenöl. Zum Schützen der Hände sind zudem Nitrilhandschuhe geeignet.

Sinnvoll ist auch ein Montageständer für das Fahrrad, der viele Arbeiten am Bike erleichtert, weil man sich weder bücken noch das Rad auf den Kopf stellen muss.

Anleitung zum Fahrradketten-Reinigen in drei Schritten

  1. Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnen Sie am besten, indem Sie den gröbsten Schmutz trocken entfernen. Sie brauchen dafür kein spezielles Equipment. Bürsten Sie einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette.

    Wenn Sie schon freie Sicht auf die Unterseite Ihres Fahrrads oder E-Bikes haben, werfen Sie ebenso einen Blick auf den Umwerfer, das Kettenblatt und das vordere Ritzel. Hier kommt die Bürste zum Einsatz, mit deren Hilfe man auch in die Innenräume der Kettenglieder gelangt.

    Sieht man dort kleine, verkantete Steinchen, die sich nicht lösen wollen, kann man zum Beispiel mit einem Kunststoffschaber nachhelfen.

  2. Mit einem trockenen Lappen können Sie nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwenden Sie einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Stoff haften.

    Mit dem Tuch umfasst man nun die Kette und lässt sie durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Zwei- bis dreimal sollte man die komplette Kette auf diese Weise mindestens abstreifen.

    Hat man den Eindruck, dass dies zu wenig hilft, kann das Tuch angefeuchtet werden. Nur nass sollte es nicht sein, damit der Schmutz nicht tiefer in die Kettenglieder gespült wird.

    Ein paar Tropfen herkömmliches Spülmittel fördern den Reinigungsprozess zusätzlich. Allerdings hat dieses eine entfettende Wirkung - entsprechend gründlich muss später die Schmierung erfolgen.

    Ein zusätzlicher Blick auf die gereinigte Kette zeigt, ob es noch Verunreinigungen in den Kettengliedern gibt, die am Anfang übersehen wurden. Entsprechend werden diese mechanisch entfernt.

  3. Nach der Reinigung geht es an das Schmieren Ihrer Fahrradkette. Die passende Schmiere für Ihr Fahrrad ist im Handel als Spray oder in einem Tropfenapplikator erhältlich.

    Zum Ölen Ihrer Fahrradkette sollten Sie nur spezielle Produkte fürs Fahrrad verwenden, etwa das Kettenöl oder Kettenspray. Hierfür sollte nur ausgewiesenes Kettenöl verwendet werden, denn es bietet auch einen Korrosionsschutz.

    Handelt es sich um ein Gebinde mit Tropfenapplikator, muss jedes Kettenglied punktuell versorgt werden. Sprühdosen scheinen zwar bequemer, sind aber schwerer dosierbar.

    Aufpassen muss man gerade beim Sprühen, dass auf keinen Fall Öl (auch kein ablaufendes) an die Bremsscheiben oder Bremsflanken gelangt. Deren Funktion wäre sonst massiv beeinträchtigt.

    Nach etwa einer Viertelstunde lässt sich mit einem Tuch überschüssiges Öl einfach abstreifen - und fertig ist die Kettenreinigung.

Welches Schmiermittel ist das richtige?

Die erste Wahl zur Kettenpflege ist daher handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.

Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette.

Zu beachten ist allerdings, dass sich das Wachs ohne chemische Entfetter kaum wieder entfernen lässt. Pflanzenöl eignet sich dagegen nicht als Schmiermittel für die Fahrradkette, ebenso wenig wie Sprays für Autos. Diese sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Autos abgestimmt.

Was Sie vermeiden sollten

Im Internet kursieren viele Tipps, die Ihrem Fahrrad schaden können. Vom Schmieren mit Speiseöl bis zum Reinigen mit Hochdruckstrahler finden sich unzählige unsinnige Empfehlungen.

  • Hochdruckreiniger: Mit einem Hochdruckreiniger können die Teile beschädigt und Schmierfette aus den Lagern gespritzt werden. Bei Anwendung an der Kette kann zudem alter Schmutz in die Lager gelangen.
  • Spülmittel: Zwar ist Spülmittel für viele eine beliebte Allzwecklösung beim Bikewashing, allerdings kann es bei der Wirksamkeit nicht mit speziellen Kettenreinigern oder Waschbenzin mithalten. So dringt das Mittel nicht so tief in die Kettenglieder ein und ist deshalb für intensiv genutzte Bikes weniger geeignet. Nutzt du das Mittel dennoch, dann sollte die Kette nach der Reinigung sofort geölt werden.
  • Bremsenreiniger: Seine sehr stark entfettende Wirkung führt dazu, dass die Kette nach einer Behandlung mit Bremsenreiniger sowohl außen, als auch innen komplett ungeschmiert ist und somit auch keinen Rostschutz mehr bietet. Deshalb musst du die Kette nach dem Säubern mit Bremsenreiniger unmittelbar schmieren - oder auf eine alternative Reinigungsmethode ausweichen.
  • Diesel oder Benzin: Generell kannst du eine Fahrradkette auch mit Benzin oder Diesel reinigen. Allerdings raten wir auch von dieser Methode ab, da beide Substanzen hoch entzündlich sind. Solltest du doch Benzin oder Diesel zum Reinigen deiner Fahrradkette nutzen, achte darauf, die Kette danach sofort wieder zu schmieren, da beide Stoffe stark entfettend wirken.

Wie oft sollte man die Kette reinigen und ölen?

Prinzipiell sollten Sie die Fahrradkette nach jeder Reinigung ölen.

Spätestens wenn die Fahrradkette nicht mehr geräuschlos läuft, ist es an der Zeit, sich um sie zu kümmern.

Die Häufigkeit ist stark davon abhängig, wie oft, wo und bei welchem Wetter das Fahrrad bewegt wird. Es gibt Radfahrende, die tatsächlich wöchentlich reinigen, andere nur einmal pro Jahr beim Frühjahrsputz.

Dabei sollte gerade auch vor dem Herbst-Winter-Einsatz die Kette gut in Schuss sein - und erst recht dann, wenn das Fahrrad eingelagert wird. Häufigeres Kettenreinigen hat den großen Vorteil, dass es schneller geht.

Wenn Sie Ihr Fahrrad oder E-Bike jahrelang nicht benutzt haben oder ein altes Schätzchen aus Omas Garage wieder zum Fahren bringen möchten, prüfen Sie die Fahrradkette auf rostige Stellen. Gereinigt bekommen Sie solche Ketten mit Rostlöser, manchmal ist es aber auch besser, die Kette gleich ganz auszutauschen.

Bist du die unsicher, erhältst du in einem Fahrrad-Fachgeschäft eine professionelle Beratung und Inspektion.

Außerdem lohnt es sich, das gesamte Fahrrad auf seine Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, wenn der Antriebsstrang erst einmal korrodiert ist. Denn da sich Rost nicht von einem Tag auf den anderen bildet, steht das Rad vermutlich schon eine Weile herum, und das kann sich auch auf andere (sicherheitsrelevante) Teile wie Schrauben, Züge oder Sattelstütze/Vorbau auswirken.

Spezifische Empfehlungen für verschiedene Fahrradtypen

Was die spezifischen Empfehlungen für die Pflege von Fahrradketten je nach Fahrradtyp betrifft, so variieren die Anforderungen tatsächlich ein wenig. Rennräder, die oft auf sauberen und trockenen Straßen gefahren werden, benötigen möglicherweise weniger intensive Reinigungszyklen als Mountainbikes, die regelmäßig schlammigen und feuchten Bedingungen ausgesetzt sind.

E-Bikes, mit ihrem zusätzlichen Drehmoment, das auf die Kette wirkt, können ebenfalls spezielle Überlegungen hinsichtlich der Schmierung und des Verschleißschutzes erfordern.

Die Vorteile regelmäßiger Wartung

Die regelmäßige Wartung Ihrer Fahrradkette beugt nicht nur Korrosion, sondern auch dem Verschleiß und der Neuanschaffung anderer Bauteile vor.

Durch die Entfernung von Schmutz und Ablagerungen, die die Kette und die Zahnräder abnutzen können, sowie durch die regelmäßige Schmierung zur Verringerung der Reibung, wird verhindert, dass die Kette vorzeitig verschleißt.

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