Carbon- und Aerolaufräder sind der Traum vieler Rennradfahrer, aber was bleibt von den Marketingversprechen übrig? Kaum ein anderes Update verspricht so viel wie ein Satz begehrter Laufräder. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel.
Wir hatten die elf spannendsten und einzigartigsten Modelle im Laufrad-Test und haben die Räder auf Herz und Nieren getestet. Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten: Von Carbon-Pionieren wie Lightweight, absoluten Klassikern wie Mavic und DT Swiss über etablierte Hausmarken der großen Bike-Hersteller zu den neuesten Playern in der Laufradwelt. Treu dem GRAN FONDO Motto haben wir die begehrtesten und vielversprechendsten sowie Mythen-umrankte Laufräder am Start. Das heißt, wir vereinen die begehrtesten und bekanntesten Laufräder mit Performance-Anspruch.
Wir testen Laufräder im „Allround”-Segment, heißt: Räder mit Aero-Anspruch, aber ohne das Gewicht zu vernachlässigen. In diesen Bereich fallen Laufräder, die sowohl auf schnellen, flachen Strecken als auch in den Bergen die richtige Wahl sind. Weil alle getesteten Wheels für moderne Reifen, ob tubeless oder nicht, geeignet sein sollen, achten wir auf modern gewählte Felgenbreiten und Maulweiten. Ebenfalls zur Felge gesellt sich das aktuell heiß diskutierte Hookless-Thema. In unserem Testfeld sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten. Und so ergibt sich ein spannendes und gleichzeitig polarisierendes Testfeld. Wir haben die leichtesten und schnellsten Allrounder und die angesagtesten Modelle im Laufrad-Test.
Laufräder bestimmen das Fahrgefühl und Feeling des Bikes wie kein anderes Bauteil am Rad. Und daher findet unser Test nicht nur im Windkanal statt. Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht.
Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet. Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet.
Testkriterien und -methoden
Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt. Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich. Eine Kombination aus Compliance und Steifigkeit, die aber auch stark von individuellen Präferenzen abhängt. Denn je steifer ein Rad desto präziser, aber eben auch unverzeihender fährt sich das Bike.
Allround soll auch klettern können, daher wurde jedes Laufrad ausgiebig am Berg getestet. Wir waren mit den Laufrädern in Deutschlands neuestem radsport-spezifischen Windkanal. THE AEROW aus Bad Wörishofen und die Spezialisten von HYCYS haben sich ganz dem Sport verschrieben und standen uns für den Test zur Seite. Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern. Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes. Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet. Der Reifendruck im Test lag bei 5 bar.
Testergebnisse und Erkenntnisse
Zugegeben, vor dem Test hätten wir nicht gedacht, so große Unterschiede zwischen den Laufrädern zu finden. Doch schon während der ersten Meter stellte sich heraus, es gibt zwar Ähnlichkeiten, doch kein Laufrad gleicht dem anderen. Und so zeigen sich auch im Fahrtest unterschiedlichste Charaktere.
So kristallisieren sich beispielsweise die sehr leichten Lightweight Obermayer EVO als absolute Kletter-Freunde heraus. Dank der extrem steifen und leichten Bauweise machen die Räder besonders am Berg absolut Spaß. Kein anderes Laufrad kann da mithalten. Oder das DT Swiss ERC 1100, ein unglaublich ausgeglichenes Laufrad ohne Zicken oder unerwartetem Verhalten. In jeder Situation machen die Räder exakt was man will und braucht. Auch Carbonspeichen, wie sie an den Rädern der 50-mm-Gang HUNT und CADEX verbaut sind, ergeben ein einzigartiges Fahrgefühl. Durch die hohe Zugfestigkeit der Speichen lässt sich ein steifes Laufrad bauen.
Windkanal-Daten
Hier zeigt sich, wie schnell die Räder wirklich sind und ob die hochlobenden Marketing-Versprechen der Realität entsprechen. Erstens: Der Wert der aerodynamischen Belastung, hier angegeben mit Cx*A (aus dem Englischen als CdA-Wert bekannt), gibt an, wie viel Luftwiderstand ein Objekt hat. In unserem Fall bezieht sich dieser Wert auf das Gesamtsystem Fahrrad. Da das Canyon Ultimate CFR, in dem die Laufräder verbaut werden, jedes Mal dasselbe ist, vergleichen wir lediglich die Unterschiede zwischen den Laufrädern.
Zweitens: Die im Radsport beliebte Kennzahl Watt. Beide Werte stellen über die gemessenen Gierwinkel gemittelt eine Vergleichbarkeit zwischen den Laufrädern dar. Außerdem ist der Gierwinkel, aus dem Englischen als Yaw Angle bekannter Anströmwinkel, relevant. Dieser bezeichnet den Winkel, aus dem der Luftstrom auf das zu messende Objekt trifft, in unserem Fall das Bike mit den Testlaufrädern. Für unseren Test messen wir zwischen +/- 20°, mit Messpunkten alle 2,5°.
Schon mal vorweg: Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Zum Vergleich hatten wir ein Einsteiger-Alu-Laufrad im Windkanal, und im Schnitt lagen die Performance-Laufräder über 12 Watt weiter vorn. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede. Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab. Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Roval und Reserve setzen an Front und Heck auf verschieden profilierte Felgen mit unterschiedlicher Tiefe. Und der Gedanke scheint aufzugehen, denn trotz flacherem Vorderrad performen sowohl Roval als auch Reserve besser als die 60 mm tiefen Vision Metron SL.
Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR. Denn trotz etwas veraltet wirkender Felgengeometrie funktioniert die Aerodynamik weit besser als bei der Konkurrenz mit gleicher Felgenhöhe.
Testsieger und Empfehlungen
Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen. Als modernstes Laufrad mit One-Piece-Konstruktion, innovativen Aero-Reifen und 60 mm Felgen erfüllt es sämtliche Punkte auf unserer Wunschliste mit Bravour. Dazu kommen das geringe Gewicht und ein perfekt ausbalanciertes Fahrgefühl.
Die Reserve 52|63-Laufräder sind die unangefochtenen Sieger der Herzen. Mit klassischer behakter Felgenkonstruktion, überraschend starker Aero-Performance und einem vielseitigen Fahrgefühl bestechen die Räder durch verlässliche und ausgewogene Leistung in fast jeder Situation. Auch das Gewicht von 1.455 g ist für Räder mit solch hohen Felgentiefen auf einem sehr guten Niveau.
Weitere Erkenntnisse aus dem Test
Nach all dem Sichten von Daten und dem Besprechen von Testeindrücken haben sich einige Erkenntnisse besonders herauskristallisiert.
- Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance.
- Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß.
- Je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind.
- Breitere Reifen bieten dank geringerem Druck mehr Grip und Compliance, das schont auf der großen Fahrt und macht einfach mehr Spaß.
- Im Laufrad-Test hatten wir allerdings keine Probleme, ganz im Gegenteil: Die hakenlosen Räder funktionieren problemlos und teils besser als die behakte Konkurrenz.
- Praktisch alle Hersteller bieten eine Garantieverlängerung sowie ein Crash Replacement über die gesetzlichen Ansprüche hinaus.
Auch kleine Unterschiede in der Effizienz lassen sich im Back-to-back-Test herausfahren. Zwischen den Testkandidaten gab es große Unterschiede, bei einem war sich die Testcrew aber direkt einig: Die Syncros Capital SL Aero sind der verdiente Testsieger.
Weitere getestete Laufradsätze
Neben den oben genannten Siegern wurden auch folgende Laufradsätze getestet:
- Aerycs Aero WT 30
- Fulcrum Wind 42
- Leeze CC 38 Basic R
- Mavic Cosmic SL 32
- Newmen Streem Climbing
- Shimano Ultegra WH-RS8170 C36
- Winspace Lún Grapid
Preis-Leistungs-Tipps und Gewichtsempfehlungen
Einige der getesteten Laufradsätze zeichneten sich durch ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus, während andere speziell für leichtere Fahrer oder den Einsatz im Gelände empfohlen wurden. Die detaillierten Testberichte bieten hierzu weitere Informationen.
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