Die Wahl der richtigen Schuhe ist ein entscheidender Faktor für Komfort und Leistung beim Gravelbiken. Brennende Fußsohlen, Druckstellen und taube Zehen können die Freude an der Fahrt erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte bei der Auswahl von Gravel Bike Schuhen, von der Passform über das Pedalsystem bis hin zu den spezifischen Anforderungen verschiedener Einsatzbereiche.
Grundlagen der Passform von Radschuhen
Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Fahrradschuhe eng am Fuß sitzen müssen. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass der Schuh drückt oder einengt, sondern dass er dem Fuß beim Treten festen Halt gibt. Der Halt im Schuh in Verbindung mit einer steifen Sohle trägt letztlich dazu bei, effizient zu treten. Viele Größentabellen fragen lediglich die Länge ab, die Fußbreite bleibt bei der Größenwahl unberücksichtigt. Manchmal gibt es Schuhe in "wide" - also in einer breiteren Version.
Die richtige Passform ermöglicht mehr Effizienz und Komfort, egal wie weit die Strecke ist.
Laut Alexander Mathe vom Trainings- und Bikefitting-Dienstleister HYCYS in München haben rund 60 Prozent der Kunden, die zu HYCYS ins gebioMized Concept Lab zum Bikefitting kommen, zu enge Schuhe. Jörg Schmidt, Vertriebsleiter gebioMized & Lake Cycling im D-A-CH-Raum, ergänzt, dass viele Knieprobleme auf den Fuß zurückzuführen sind, etwa wenn ein zu enger Schuh einfach eine Nummer größer gekauft wird. Oft kann die Pedalplatte nicht mehr richtig eingestellt werden, was zu Knieprobleme verursacht.
Tipps für die richtige Passform:
- Die richtige Größe: Barfuß oder mit Socken den Umriss beider Füße auf ein Blatt Papier malen und jeweils von Ferse bis zur längsten Zehenspitze messen. Fünf Millimeter addieren und dann in der Größentabelle des Herstellers nachschauen.
- Breite: Die Innensohle aus dem Schuh nehmen und draufstellen - passt die Breite?
- Fersensitz: Den Schuh anziehen und verschließen. Sitzt die Ferse gut im Schuh?
In 3 Schritten zum passenden Gravelschuh
1. Pedalsystem und Schuhverschluss
Die meisten wählen für ihr Gravelbike MTB-Pedale mit Klicksystem. Die Cleats, also die Verbindung zwischen Schuh und Pedal, unterscheiden sich je nach Pedalhersteller. Allen gemeinsam ist, dass sie mit zwei Schrauben am Schuh befestigt werden (bei Rennradschuhen sind es drei Schrauben). Wer will, kann übrigens auch Gravel-Schuhe am Rennrad verwenden. Vorteile sind z. B. gleiches Pedalsystem an allen Rädern, bequemeres Gehen, die Cleats halten länger. Nachteilig ist, dass die meisten Offroad-Platten und -Pedale die Kontaktfläche zum Schuh verringern, was die Kraftübertragung verschlechtern und den punktuellen Druck auf die Fußsohle erhöhen kann.
Wer unsicher ist oder kein auf Bikepacking-Touren extra Paar Schuhe transportieren möchte, trifft auch mit Plattformpedalen und Schuhen ohne Klick-System eine gute Wahl.
Drehverschlüsse, Klettverschlüsse und der gute alte Schnürsenkel sind die wichtigsten Verschlusssysteme für Gravelschuhe - oder eine Kombination aus allem. Vorteil von Drehverschlüssen wie Boa: Die Schuhe lassen sich schnell öffnen und schließen und gut anpassen - auch während der Fahrt. Schnürsenkel lassen sich während der Fahrt nicht verstellen. Sind sie zu eng oder zu locker geschnürt, muss angehalten werden. Klettverschlüsse sind ebenfalls schnell zu bedienen und halten bei guter Qualität das Schuhleben lang.
2. Die richtige Passform
Viele Hersteller nutzen Fußscans von zahllosen Menschen und entwickeln einen Allround-Leisten, der dem Großteil der Füße gerecht werden soll. Aber “one size does not fit all” - eine Größe passt eben nicht allen, beschreibt der Hersteller Lake aus den USA seine Passform-Philosophie. Seine Schuhe werden auf 11 unterschiedlichen Leisten gebaut. So entstehen passende Schuhe für verschiedene Einsatzgebiete und unterschiedliche Fußformen. Zur Philosophie von Lake gehört auch, dass es die Schuhe überwiegend direkt bei Bikefittern gibt. Auch der australische Hersteller Bont geht andere Wege und hat bis zu vier unterschiedliche Schuhbreiten je Modell im Programm.
Weil die Ursache von Probleme wie Knieschmerzen auch bei Füßen bzw. den Schuhen und der Einstellung der Cleats liegen kann, schauen Bikefitter hier genau hin - je nach gebuchtem Fitting-Paket. Ein einfaches Messen der Länge reicht nicht, um den passenden Schuh zu finden.
Wie wir gelernt haben, tragen viele Leute zu enge Schuhe zum Radfahren. Statt einfach den Schuh eine oder zwei Nummern größer zu kaufen und damit andere Probleme zu riskieren, sollte auch auf die passende Breite geachtet werden.
3. Einsatzgebiete und Anforderungen
Steif, abriebfest, atmungsaktiv, wasserdicht, griffig... das sind nur einige Adjektive, mit denen sich Fahrradschuhe beschreiben lassen. Je nach Einsatzgebiet muss ein Radschuh bestimmte Anforderungen erfüllen.
Was müssen Schuhe für schnelle Gravel-Rennen leisten? Welche Anforderungen sollten Schuhe für Bikepacking- und Abenteuertouren erfüllen?
Offenliegende Carbonsohlen sind nicht unbedingt die beste Idee für abenteuerliche Touren, bei denen das Rad auch mal geschoben oder getragen werden muss. Steine können der Carbonsohle ganz schön zusetzen - und das Material bietet wenig Halt. Quoc kombiniert beim Grand Tourer XC eine steife Carbonsohle mit einem griffigen TPU-Material. So ist der Schuh einerseits steif, andererseits griffig beim Gehen. Beim Recon ADV macht Specialized es ähnlich und überzieht die Carbonsohle teilweise. Für sogenannte Hike-A-Bike-Passagen, also Streckenabschnitte, die zu steil oder zu unwegsam sind, um zu fahren, ist der Recon ADV zusätzlich etwas flexibel im Zehenbereich - für ein besseres Laufgefühl.
Das ist wichtig für Abenteuer & Bikepacking:
- Griffige Sohle
- Passform angenehm auf dem Rad und beim Gehen
Das ist weniger wichtig:
- Gewicht
- Steifigkeit
Das ist wichtig für Gravelrennen:
- Steife Sohle für gute Kraftübertragung
- Gute Passform
- Kein Druckschmerz im Schuh
Das ist nicht so wichtig:
- Traktion
- Bequem beim Gehen
- Wasserdicht
Schuhe für "Problemfüße"
Menschen mit Hallux valgus oder anderen Fußfehlstellungen haben es oft besonders schwer, überhaupt passende Schuhe zu finden, geschweige denn passende Radschuhe. Das Schaftmaterial von Radschuhen ist meist wenig flexibel und soll es auch nicht sein. Aber es gibt Lösungen. Hier kommt wieder Lake ins Spiel - mit seiner Schaftkonstruktion, die bei allen Modellen mit der Bezeichnung 242 zum Einsatz kommt. Das Obermaterial der 242er Schuhe ist in sechs Segmente unterteilt, um auch schwer anpassbaren Fußtypen gerecht zu werden. Personen mit Ballenzehen, Fehlstellungen, sehr schmalen oder breiten Füßen, sehr niedrigem oder hohem Rist können mit diesem Schuh glücklich werden. Die Laschenkonstruktion ermöglicht eine Feinabstimmung der Passform und entlasten empfindliche oder schmerzende Stellen am Fuß. Zusätzlich kann die Fersenkappe durch Wärme verformt und dem Fuß angepasst werden.
Gravelschuh-Modelle im Überblick
Im Folgenden werden einige aktuelle Gravelschuh-Modelle vorgestellt, die eine breite Palette von Anforderungen abdecken:
Fizik Terra Atlas
Ein vielseitiger Allrounder für jedes Terrain. Dank TPU-Überzug im Zehenbereich ist er an der Front zusätzlich verstärkt, abseits des Sattels sorgen großzügig verteilte Gummistollen für Halt. Simpel, aber effektiv: Das BOA-System verschließt den Schuh perfekt - mit nur einem Drehrad.
UVP: 159,00 Euro
Decathlon MTB/ Gravel Race 900
Mit einem Gewicht von 680 g/ Paar in Größe 42 sind die Schuhe ausreichend leicht. Für optimalen Halt soll das Habu Fit System sorgen. Eine steife Nylon-Sohle ist für eine gute Kraftübertragung gedacht. Die tiefen Stollen sorgen für sicheren Halt, wenn das Bike mal im Gelände geschoben werden muss. Die Schuhe sind sowohl an Ferse als auch an der Spitze verstärkt. Kompatibel ist der Schuh mit allen gängigen Klickpedalen.
UVP: 89,99 Euro
Specialized Recon Lace
Der Schuh kommt mit einem zeitlosen Look, der mit den bewährten Body-Geometry-Features und der Performance und Haltbarkeit, die zu den Markenzeichen der S-Works-Recon-Schuhe geworden sind, kombiniert wird.
UVP: 350,00 Euro
Shimano RX600W
Ein Schuh speziell für Frauen. Er verfügt über eine Carbon-verstärkte Sohle, die Steifigkeit bei langen Tagesfahrten bietet. Ein breites Profil mit TPU-Noppen verspricht Komfort und Leistung im Sattel oder beim Gehen. Und der bewährte BOA-L6K-Drehverschluss ermöglicht eine schnelle und präzise Feineinstellung. Der Schuh ist strategisch auf den Einsatz mit SPD-Pedalen ausgelegt.
UVP: 189,95 Euro
Rose Unpaved Radschuhe
Die Grip bietende Sohle besteht aus recycelten Gummi-Flakes, eine Zwischensohle aus Nylon soll für die nötige Steifigkeit sorgen. Das Obermaterial ist leicht perforiert, was zu einer besseren Atmungsaktivität führen soll. Seitlich besitzt der Gravelschuh eine zusätzliche Beschichtung gegen diverse äußere Einflüsse im Gelände.
UVP: 134,95 Euro
Giro Empire VR90
Mit gerade einmal 325 Gramm bei Schuhgröße 42,5 ist der Giro Empire VR90 ein absolutes Leichtgewicht. Der Oberschuh ist aus einteiligem Teijin-Samo-Material gefertigt, das nicht ausleiert oder schlaff wird - egal, wie sehr man es beansprucht. Für individuelle Anpassbarkeit sorgt das Schnürsystem, während das Super-Natural-Fußbett Support bietet und sowohl Kraftübertragung wie auch Tritteffizienz verbessert.
UVP: 300,00 Euro
Sidi Dust Gravel
Die carbonfaserverstärkte Nylonsohle des Schuhs sorgt für eine gute Kraftübertragung beim Pedalieren, bietet eine Aufnahme für MTB-Cleats und ist dank der profilierten Kunststoffeinsätze auch für Lauf- und Tragepassagen bestens gerüstet. Darüber hinaus ist der Sidi Dust Gravel mit Microfiber-Tech-Pro-Obermaterial und einer eingearbeiteten, gummierten Zehenschutzkappe zum Schutz vor Stößen und Abrieb ausgestattet.
UVP: 259,00 Euro
Shimano RX801R
Strickbündchen verhindern das Eindringen von Schmutz und bieten in allen Rennbedingungen Komfort. Lebendige Tintenstrahl-Grafiken inspirieren mit ihrem außergewöhnlichen Design. Und eine steife, leichte Carbon-Sohle verspricht bei Gravel-Rennen eine gute Kraftübertragung. Gut zu wissen: Die Schuhe sind strategisch auf den Einsatz mit SPD-Pedalen ausgelegt, um deren Pedaliereffizienz und Stabilität zu ergänzen.
UVP: 279,95 Euro
Northwave Rockster
Der Northwave Rockster Schnürschuh verbindet Tradition mit Performance. Das mikroperforierte Obermaterial sorgt für eine gute Belüftung und Thermoregulierung. PU-Verstärkungen an Zehen und Ferse erhöhen die Abriebfestigkeit, um Haltbarkeit und Beständigkeit unter anspruchsvollsten Bedingungen zu gewährleisten. Die Gummisohle bietet Griffigkeit und bietet auch noch guten Halt, wenn man mal vom Rad steigen muss.
UVP: 159,99 Euro
Vaude TVL Pavei Mid Winter STX
Der Schuh kommt mit einer nahtfreien Membran-Sockenkonstruktion. Außerdem ist er wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv und dank Primaloft-Eco-Gold-Isolierung entsprechend warm. Nachhaltig: Der Schuh wird klimaneutral hergestellt und verfügt über einen hohen Anteil an funktionellen Recyclingmaterialien.
UVP: 200,00 Euro
Fizik Terra Artica GTX
Er ist isoliert und ausgestattet mit einer atmungsaktiven und wasserdichten Gore-Text-Membran, sodass auch Fahrten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kein Problem mehr sein sollten.
UVP: 259,00 Euro
Northwave Rebel 3
Die Carbon-XC-12-Sohle mit Vollcarbon-Einlage im Pedalbereich und einem Steifigkeitsindex von 12.0 sorgt für eine direkte Kraftübertragung. TPU-Einsätze an den richtigen Bereichen bieten Traktion und Abriebfestigkeit. Und der Northwave-Double-SLW3-Drehverschluß ist leicht zu bedienen und bietet einen komfortablen Sitz. Durchdacht: Die integrierte Fersenkappe, gefüttert mit speziellem Fasergewebe, schützt vor versehentlichem Herausschlüpfen.
UVP: 209,99 Euro
Café du Cycliste Outlands Shoes
Die neuen Café du Cycliste Outlands Shoes sind dabei ein Kompromiss aus Funktionalität und Style.
Fazit
Die Wahl der richtigen Gravel Bike Schuhe ist ein wichtiger Schritt für ein komfortables und effizientes Fahrerlebnis. Berücksichtigen Sie bei der Auswahl Ihre individuellen Bedürfnisse, die Art der geplanten Touren und die Passform Ihrer Füße. Mit den richtigen Schuhen steht dem nächsten Gravel-Abenteuer nichts mehr im Wege.
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