Sommerzeit ist Motorradzeit. Bei strahlendem Sonnenschein macht eine Ausfahrt besonders viel Spaß. Mit den ersten Sonnentagen erwachen überall die Motorräder aus ihrem Winterschlaf. Begeisterte Zweiradfans nutzen ihr Gefährt für Ausfahrten am Wochenende oder auch als motorisiertes Alltagsgerät. Motorradfahren ist ein faszinierendes Hobby, das Freiheit und Abenteuer verspricht. Doch die Fahrt auf zwei Rädern bringt auch immer Risiken mit sich.
Um die Sicherheit von Motorradfahrern und -fahrerinnen zu gewährleisten, sind bestimmte Schutzausrüstungen nicht nur empfohlen, sondern teilweise auch gesetzlich vorgeschrieben. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über die gesetzlichen Anforderungen in Deutschland sowie Empfehlungen für die optimale Schutzausrüstung.
Gesetzliche Bestimmungen zur Motorrad Schutzkleidung in Deutschland
Für die einzelnen Bestandteile der Schutzausrüstung gelten in Deutschland unterschiedliche Regelungen.
Helmpflicht
In Deutschland herrscht Helmpflicht für Motorradfahrer und -fahrerinnen. Motorradfahren ohne Schutzhelm ist seit vielen Jahren verboten. Und das hat einen guten Grund. Ein geeigneter Schutzhelm muss den Normen ECE 22-05 oder ECE 22-06 entsprechen und eine entsprechende Kennzeichnung tragen. Der Helm kann im Falle eines Sturzes vor schlimmen Kopfverletzungen schützen.
Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit 2022 geprüft wird. Mittlerweile dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden.
Ein Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro droht, wenn während der Fahrt kein oder kein geeigneter Schutzhelm getragen wird.
Bekleidung
Während in Deutschland keine gesetzliche Pflicht für spezielle Motorradbekleidung besteht, wird das Tragen von geeigneter Schutzkleidung dringend empfohlen. Tatsächlich sind Sie aber nicht verpflichtet, Lederjacke, Nierengurt oder Sicherheitsstiefel zu tragen. Im Verkehrsrecht gibt es tatsächlich nur die Pflicht für Motorradfahrer, einen Helm zu tragen (§ 21 a Abs. 1 StVO). Es gibt kein Gesetz, dass einem Motorradfahrer vorschreibt eine besondere Motorradschutzkleidung zu tragen: Lederstiefel, Nierengurt, Handschuhe und Motorradjacke sind daher kein Muss.
Empfohlene Schutzkleidung
- Motorradjacke und -hose: Jacken und Hosen aus Leder bieten auf dem Motorrad einen hohen Abriebschutz, während Textilbekleidung oft mit wasserabweisenden Eigenschaften punktet.
- Motorradhandschuhe: Die Handschuhe sollten aus robusten Materialien wie Leder gefertigt sein und an Handflächen und Knöcheln verstärkte Bereiche aufweisen.
- Motorradstiefel: Stiefel schützen die Füße und Knöchel vor Verletzungen. Sie sollten aus widerstandsfähigem Material bestehen und über verstärkte Zehen- und Fersenbereiche verfügen.
- Rückenprotektoren: Ein Rückenprotektor schützt die Wirbelsäule bei einem Aufprall. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, von integrierten Protektoren in der Jacke bis hin zu separaten Modellen, die unter der Kleidung getragen werden.
Weitere Empfehlungen
- Sichtbarkeit: Zusätzlich zu reflektierender Kleidung kann auch die Anbringung zusätzlicher Beleuchtungselemente an Helm und Motorrad die Sichtbarkeit erhöhen.
- Gehörschutz: Windgeräusche können nicht nur lästig sein, sondern auch die Konzentration beeinträchtigen.
Mithaftung bei Unfällen ohne Schutzkleidung
Allerdings kann eine Mithaftung für Unfallfolgen im Raume stehen. Wären die Verletzungen mit Schutzkleidung nicht so gravierend ausgefallen, sehen manche Gerichte darin eine Teilschuld. Höchstrichterlich ist diese Frage zwar noch nicht geklärt.
Klar ist: Trägt ein Motorradfahrer keine besonderen Protektoren und Motorradstiefel, ist das Verletzungsrisiko bei einem Unfall erhöht. Deswegen stellt sich die Frage, ob man als Motorradfahrer im Falle eines Unfalls dann nicht eine gewisse Teilschuld an seinen Verletzungen hat, wenn man keine Schutzkleidung trägt.
Eine solche Teilschuld heißt im Verkehrsrecht Mitverschulden (§ 254 BGB): Ein Mitverschulden wird angenommen, wenn man nicht alle möglichen und zumutbaren Maßnahmen trifft, um sich selbst vor Schäden zu schützen.
Die neuere Rechtsprechung verlangt das Tragen von Schutzkleidung allerdings nicht. Nur wenn es ein allgemeines Verkehrsbewusstsein gibt, dass beim Motorradfahren immer vollständige Schutzkleidung zu tragen ist, kann bei fehlender Motorradkleidung ein Mitverschulden an eigenen Verletzungen bei einem Motorradunfall angenommen werden (BGH, Urteil vom 17.06.2014, Az.: VI ZR 281/13).
Das OLG München stellte fest, dass es keine generelle Pflicht gibt, auf einem Motorrad Motorradstiefel zu tragen. Turnschuhe zu tragen führt nicht zu einem Mitverschulden (OLG München, Endurteil v. 19.05.2017, Az.: 10 U 4256/16). Ähnlich entschied das Landgericht Heidelberg bei einem Rollerfahrer (LG Heidelberg, Urteil vom 13. Auch Jeans und Straßenschuhe auf dem Motorrad zu tragen führt bei einem Unfall nicht zu einem Mitverschulden hinsichtlich der Verletzungen. (Urteil vom 15. Mai 2013; Az. 18 O 148/08). Genauso entschied das OLG Nürnberg im Falle einer Arbeitshose statt einer Motorradhose (Beschluss vom 9.
Insgesamt kann man die sommerlichen Motorradfahrer daher beruhigen: Eine rechtliche oder sonst allgemein übliche Pflicht zum Tragen von Schutzkleidung gibt es nicht. Nichtsdestotrotz ist Motorradfahren ohne Protektoren nicht empfehlenswert, da das Verletzungsrisiko höher ist.
Wenn Motorradfahrer keine angemessene Schutzkleidung tragen und in einen Unfall verwickelt werden, können sie ein gewisses Mitverschulden an ihren Verletzungen haben. Dies könnte zu einer Reduzierung von Ansprüchen auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld führen, selbst wenn sie nicht primär für den Unfall verantwortlich sind.
Schutzkleidung in der Fahrschule
Vielleicht kommen Sie aber ohnehin nicht um die Anschaffung geeigneter Schutzkleidung herum. Wollen Sie nämlich einen Motorradführerschein der Klassen A, A1, A2 oder AM machen, müssen Sie bei der Prüfungsfahrt bestimmte Schutzbekleidung tragen. In der Praxis gilt das auch schon während der Ausbildungsfahrten.
Für Ausbildungs- und Prüfungsfahrten brauchen Sie neben dem obligatorischen Helm auch Motorradhandschuhe, eine enganliegende Motorradjacke mit Rückenprotektor oder einen zusätzlichen Rückenprotektor. Außerdem müssen Sie eine Motorradhose und Motorradstiefel mit Knöchelschutz tragen.
Viele Fahrschulen stellen ihren Fahrschülern entsprechende Bekleidung leihweise zur Verfügung. Aufgrund der Corona-Situation müssen Sie aber damit rechnen, dass Sie die notwendigen Gegenstände selbst anschaffen müssen. Achten Sie dabei auf die vorgeschriebenen Prüfzeichen.
In Fahrschulen für Motorradfahrer ist in der Regel eine umfassende Schutzkleidung vorgeschrieben. Dies kann umfassen: einen geeigneten Motorradhelm, eine Motorradjacke, Motorradhose, Motorradhandschuhe und robuste Motorradstiefel. Die genauen Anforderungen können je nach Fahrschule variieren, aber das Ziel ist immer, den Fahrschülern eine angemessene Schutzausrüstung bereitzustellen, um Verletzungen zu minimieren.
Die richtige Wahl der Motorradbekleidung
Beim Motorradfahren ist es empfehlenswert, eine umfassende Schutzausrüstung zu tragen, um Verletzungen zu minimieren. Dazu gehören ein hochwertiger Motorradhelm, eine strapazierfähige Motorradjacke und -hose aus Leder oder einem anderen abriebfesten Material, Motorradhandschuhe und Motorradstiefel. Diese Schutzkleidung bietet Schutz vor Verletzungen bei Stürzen und Unfällen und sollte daher bei jeder Fahrt getragen werden, unabhängig von den Witterungsbedingungen.
Textil oder Leder?
Der Siegeszug der Textilkombis scheint unaufhaltsam: Sie sind leicht, bequem, relativ wetterfest und haben ein hohes Sicherheitsniveau erreicht. Doch selbst hochwertigstes Kunstfaser-Gewebe erreichte bei ADAC Prüfungen nicht die Abriebfestigkeit eines guten Leders.
Ein weiteres Argument spricht für Leder: Bei gut anliegenden Lederkombis sitzen die eingearbeiteten Protektoren zuverlässiger an ihrem Einsatzort als in den meist weiter geschnittenen Textilanzügen.
Und was ist mit dem Hitzestau im Sommer? Perforierungen und "Cool Leather", das dank Spezialbehandlung die Sonnenstrahlung abweist, sollen hier helfen. Weiterer Trend: Hydrophobiertes (wasserabweisendes) Leder in Verbindung mit innen aufgebrachter Funktionsmembran (z.B. GoreTex). Das hält auch längeren Regengüssen stand. Übrigens: Bei strammem Dauerregen ist eine gute Regen-Überziehkombi immer noch die dichteste aller Lösungen.
Schutzpolster und Protektoren
Den Namen "Protektor" dürfen streng genommen nur Schutzpolster tragen, die nach der europäischen Norm 1621-1, -2 und -3 geprüft sind. Beworben werden diese Protektoren als "CE-geprüfte Protektoren". Ihre Aufgabe: Beim Sturz die Aufprallenergie aufnehmen, auf eine größere Fläche verteilen und das Durchschlagen spitzer Gegenstände vermeiden. Ganz einfach: Je dicker ein Protektor ist und je größer die Fläche, die er abdeckt, desto höher die Sicherheit bei einem Unfall.
Gut ausgerüstete Kombis müssen dabei keineswegs unbequem sein. Immer häufiger kommen Hightech-(PU-)Schaumstoffe zum Einsatz, die beim Tragen flexibel sind und sich erst beim Aufprall verhärten.
Vorsicht vor dünnen Rückenprotektoren in zweiteiligen Low-Cost-Kombis: Sie sind nicht selten aus billigem Schaumstoff gefertigt und decken wichtige Bereiche der unteren Wirbelsäule gar nicht ab. Hier hilft nur eines: Diese Pseudo-Schützer entfernen und einen separaten, hochwertigen Rückenprotektor unter der Kombi-Jacke tragen!
Und wo sollte ein sicherer Motorradanzug Protektoren haben? Am besten an Schulter, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Gesäß, Knie, Schienbein und Fußknöchel.
Tipps zur Anprobe
Absolutes Muss: kompetente Beratung und kein Zeitdruck! Ein guter Verkäufer muss erkennen, was der Kunde wirklich benötigt, welcher Fahrertyp er ist, welche Schutzkleidung für ihn sinnvoll ist. Unbedingt mehrere Anzüge - und das stets auch auf dem Motorrad - anprobieren.
Dabei kontrollieren: Drücken Falten in den Kniekehlen oder im Beckenbereich? Dann ein prüfender Blick auf Reißverschlüsse und Nähte: Sind sie stabil? Grundsätzlich gilt: Viele Nähte, viele Schwachstellen!
Bei Textilanzügen lohnt ein Blick auf herausnehmbare Protektoren: Tragen sie das CE-Zeichen? Weiter wichtig: Sitzt die Textilkombi noch gut, wenn das Innenfutter entfernt ist? Und passt unter das Leder-Outfit noch wärmende Funktionskleidung?
Weitere wichtige Ausrüstungsgegenstände
Ja, es gibt einige Gegenstände, die Motorradfahrer mitführen sollten, um auf unerwartete Situationen vorbereitet zu sein. Dazu gehören ein Verbandskasten, ein Warndreieck und gegebenenfalls eine Warnweste. Obwohl für Motorradfahrer keine gesetzliche Pflicht zur Mitführung dieser Gegenstände besteht, ist es ratsam, sie mitzuführen, um im Falle eines Unfalls oder einer Panne schnell reagieren zu können und die Sicherheit zu gewährleisten.
Versicherungsschutz für Motorradbekleidung
Der Schutzhelm ist bei der HDI Motorradversicherung versichert. Das gilt auch für Modelle mit Wechselsprechanlage. Der Helm ist bei einem selbstverschuldeten Unfall nur versichert, wenn eine Vollkasko oder Teilkasko besteht. Zusätzlich ist der Helm gegen Diebstahl versichert. Das gilt allerdings nur, wenn Sie ihn mit dem abgestellten Fahrzeug so fest verbunden haben, dass ein unbefugtes Entfernen ohne Beschädigung nicht möglich ist - der Helm also zum Beispiel mit einem Helmschloss gesichert ist.
Achten Sie unbedingt auf Ihren Helm, wenn Sie ihn gerade nicht tragen. Die Versicherung zahlt nicht, wenn er Ihnen einfach herunterfällt und dabei kaputtgeht.
Die Schutzbekleidung wie Jacke, Hose und Motorradstiefel fallen nicht unter den Versicherungsschutz. Denn dieser bezieht sich ausschließlich auf das Fahrzeug und damit fest verbundene Teile.
Wird Ihre teure Motorradbekleidung bei einem Unfall in Mitleidenschaft gezogen, besteht aber dennoch eine Möglichkeit, dass diese von der Versicherung ersetzt wird. Voraussetzung ist, dass Sie keine Schuld an dem Unfall tragen. Dann ist nämlich Ihr Unfallgegner beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung in der Pflicht und muss für die Ihnen entstandenen Schäden aufkommen. In der Regel erstatten Versicherungen in solchen Fällen die beschädigte Motorradkleidung des Unfallopfers bis zu einer Grenze von 500 Euro.
Fazit
Auch wenn die Regelungen über die richtige Schutzausrüstung in Deutschland überschaubar sind, ist eine effektive Ausstattung für Ihr gesundheitliches Wohl unverzichtbar. Investieren Sie in hochwertige Ausrüstung und achten Sie darauf, dass alles perfekt passt und den höchsten Sicherheitsstandards entspricht.
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