Ein unvergessliches Rad-Fluss-Erlebnis erwartet Sie auf dem Weser-Radweg, der sich über rund 520 Kilometer von Hann. Münden im Weserbergland bis nach Cuxhaven an der Nordsee erstreckt. Auf ausgewiesenen Radwegen führt die Route durch vielfältige Landschaften, Regionen und Städte wie das Weserbergland, die Mittelweser, die Wesermarsch, das Kulturland Teufelsmoor, das Cuxland sowie die Hansestadt Bremen und die Seestadt Bremerhaven.
Streckenverlauf und Etappen
Der Weser-Radweg erstreckt sich auf rund 530 km von Cuxhaven bis nach Hann. Münden, immer entlang der Weser. Die Route ist in verschiedene Etappen unterteilt, die flexibel gestaltet werden können.
Nördlicher Abschnitt: Cuxhaven nach Berne (ca. 111 km)
Vor dem Tourstart verbrachte ich einige Tage in Cuxhaven und startete somit ganz ohne Reisestress auf dem Weser-Radweg. Von Cuxhaven, wo die großen Ozeanriesen sich zwischen Elbe und Meer hin- und herbewegen, ging es bei blauem Himmel und Rückenwind entlang der Wattenmeerküste gen Süden. Bei Bremerhaven mündet die Weser ins Meer. Um bis dorthin zu kommen, musste ich allerdings erstmal einigermaßen todesmutig das ziemlich belebte Hafengebiet durchqueren. Nach einem ausgiebigen Mittags- und Sightseeing-Stopp in Bremerhaven ging es mit der Weserfähre vom Zentrum von Bremerhaven in circa fünfzehn Minuten auf die andere Seite der Weser.
Hier oben im nördlichen Teil ist die Weser noch ein ziemlich breiter Strom (was sich später ändert). Und auch hier, jenseits der Küste, werden die Orte und Städte an ihrem Ufer noch durch Deiche geschützt. Diese Deiche wiederum werden von zahlreichen Schafen beweidet, die jetzt gerade alle ihren Nachwuchs bekommen.
Der nördliche Abschnitt ist geprägt vom Wattenmeer, von endlosen Deichen (mit jeder Menge Schafen), Hanse- und Hafenstädten inklusive der dazugehörigen Industrie. Von alten Bauernhöfen aus Backstein und weiten, im Frühling gelb leuchtende Rapsfeldern. Grün wohin das Auge reicht, und wenn etwas nicht grün ist, ist es entweder ein Rapsfeld oder eine Stadt bzw. ein Städtchen. Und letztere waren in der Regel wirklich schön anzuschauen!
Mittlerer Abschnitt: Berne nach Hilgermissen (ca. 98 km)
Irgendwo zwischen Industriecharme (und manchmal auch „Charme“) und ländlicher Idylle, zwischen Moderne und Geschichte, bewegte sich meine zweite Etappe auf dem Weser-Radweg. Ein Highlight dieser Etappe war für mich die Weserside Gallery - auch weil ich bis dahin gar nichts von deren Existenz wusste und dort definitiv nicht mit sowas gerechnet habe: Auf einer Hochwasserschutzwand erstreckt sich für circa einen Kilometer Graffiti- und Streetart-Kunst von nationalen und internationalen Künstler*innen.
Ein bisschen weniger cool war das gigantisch große, rostbraune Stahlwerk, auf das mein Blick etwas später fiel. Auch wenn ich zugeben muss, dass solche Anlagen (genauso wie das riesige Hafengelände vom Vortag) auch immer eine gewisse Faszination ausüben. Auf etwa halber Strecke passierte ich Bremen, wo ich ein bisschen durch die Innenstadt geschlendert bin und natürlich die Stadtmusikanten besucht hab. Auf Anhieb hat’s mir dort ziemlich gut gefallen. Ein Stück hinter Bremen übernahm dann endgültig die ländliche Idylle das Zepter.
Südlicher Abschnitt: Hilgermissen nach Erder (ca. 137 km)
Eines der tollsten Dinge an längeren Rad- und Wandertouren ist für mich immer, zu erleben, wie sich die Landschaft, Land und Leute Stück für Stück ändern. In ihrem mittleren Verlauf ist die Weser nicht mehr von solch hohen Deichen umgeben, sodass man sie oft wirklich sieht (und nicht - wie weiter im Norden - nur weiß, dass sie theoretisch irgendwo da ist). Die Landschaft ist nicht mehr ganz so weit und offen, dafür etwas kleinteiliger, vielleicht sogar schon ein kleines bisschen hügeliger.
Und auch das Fahren selbst war nochmal anders als auf den nördlichen Etappen: Flüssiger und auch ruhiger auf kleinen Nebenstraßen und vielen Radwegen, die später auch auf langen Strecken immer direkt am Fluss entlangführten. Die Dichte an Tourenradlern nahm langsam aber stetig zu, der südliche Verlauf des Weser-Radwegs ist definitiv beliebter, so viel ist sicher. Das macht sich nicht zuletzt an der Infrastruktur für Radfahrer am Wegesrand bemerkbar: Pausenhütten, Snack- und Trink-“Tankstellen”, Reparaturmöglichkeiten… und natürlich sind viele Unterkünfte und Campingplätze perfekt auf Radler eingestellt. So gern ich auch eigene Touren plane und fahre: Das hat definitiv was. Und dann, irgendwann, kurz vor Minden tauchen in der Ferne die ersten “richtigen” Hügel auf.
Weserbergland: Erder nach Holzminden (ca. 98 km) und Holzminden nach Hann. Münden (ca. 87 km)
Ziemlich perfekte Radwege, die kaum die Ufer der Weser verlassen - und wenn doch dann ganz bald wieder in ihre Nähe zurückkehren. Malerische Orte mit teils uralten Fachwerkhäusern, Heimat von Sagen und Märchen wie dem Rattenfänger von Hameln oder dem Baron von Münchhausen. Dazu ständig neue Perspektiven auf die Weser und ihr einmal in einen Topf mit grüner Farbe getauchtes Umland. Ihre hügeligen, teils sogar steilen Ufer, die selbst diesem an vielen Stellen durch Staustufen und begradigte Ufer gezähmten Fluss einen wilden Charakter verleihen. So kann man meine letzten beiden Etappen durchs Weserbergland zusammenfassen.
Irgendwann war es trotzdem soweit: Nach einem weiteren, sonnigen Tag inmitten grüner, blühender Landschaft bin ich schlussendlich am Weserstein in Hann. Münden angekommen. Dort, wo Fulda und Werra zusammenfließen und die Weser bilden kam durchaus ein wenig feierliche Stimmung auf (auch wenn das noch gar nicht das Ende meiner Radtour war). Und das abendliche Schlendern durch das schmucke Hann.
Highlights entlang der Strecke
Von stattlichen Hansestädten und idyllischen Fachwerkdörfchen über Leuchttürme und Windmühlen bis hin zu Burgen und Museen: Sehenswürdigkeiten gibt es reichlich entlang des Weser-Radwegs. Es gibt unterwegs wirklich viel Spannendes und Schönes zu sehen. So viele, dass man alles eigentlich gar nicht allen Beachtung schenken kann. Das muss man aber zum Glück auch gar nicht! Sich einfach treiben lassen, hier und da mal etwas besichtigen und dann wieder einfach entspannt vor sich hinrollen - das geht dort besonders gut.
Tipps zur Planung
Die Planung einer Radtour auf dem Weser-Radweg ist unkompliziert. Ich habe meine Übernachtungen spontan gebucht und einfach geschaut, was unterwegs passiert. Zumindest wenn nicht gerade Superhauptsaison ist und man ein Zelt dabeihat, funktioniert das ganz hervorragend.
Infrastruktur für Radfahrer
Es gibt eine sagenhaft gute Infrastruktur für Radfahrer, reichlich Unterkünfte und Versorgungsmöglichkeiten. Die Route beinhaltet so gut wie keine Straßenanschnitte der unangenehmeren Sorte, auch wenn das Radfahrerlebnis im Norden nicht ganz so perfektioniert ist wie weiter unten, wo der Weser-Radwege mehr durchgehender Radweg und weniger zusammengestückelte Route ist. Höhenmeter gibt es abgesehen von ein paar kurzen Anstiegen im südlichsten Abschnitt quasi keine.
Fahrtrichtung
Die allermeisten Radfahrer auf dem Weser-Radweg fahren von Süden nach Norden. Ich hatte auf meiner Tour das Gefühl, dass es jeden Tag noch ein bisschen schöner wurde. Und deswegen finde ich es in Sachen Fahrtrichtung tatsächlich auch eine ziemlich gute Sache, den Weg flussaufwärts - also vom Meer in Richtung “Berge” - zu radeln. Dann hat man rein rechnerisch natürlich ein paar Höhenmeter mehr, das Gefälle der Weser ist aber so gering, dass man das beim Fahren nicht bemerkt. Zumal der Wind dort statistisch gesehen öfter aus nördlicher als aus südlicher Richtung bläst und die Chancen auf Rückenwind somit höher sind.
Routenwahl
Weite Teile des Weser-Radweges verlaufen in Form einer Hauptroute und einer jeweiligen Alternativroute beidseitig des Flusses. Apropos Seite wechseln: Dafür gibt es regelmäßig Möglichkeiten in Form von Brücken und Fähren. Es kann allerdings auch mal längere Abschnitte geben, auf denen das nicht möglich ist, deswegen schadet der ein oder andere Blick auf die Karte oder in die Komoot-App nicht, bevor man sich für eine Seite entscheidet.
Ausrüstung und Verpflegung
Der Weser-Radweg ist (fast) durchgehend asphaltiert und für alle Arten von Fahrrad geeignet. Das nächste Café oder der nächste Biergarten ist auf dem Weser-Radweg nie weit entfernt. Vor allem im südlichen Teil gibt es hier und da auch ein wenig „Trail Magic“, also Privatleute, die Dinge wie Kaffee, kalte Getränke oder Kuchen bereitstellen - bezahlt wird auf Vertrauensbasis. (Tipp: Immer ein paar Münzen dabeihaben!) Verhungern oder verdursten ist auf dem Weser-Radweg jedenfalls unmöglich, natürlich macht es aber trotzdem Sinn, stets ein paar Snacks auf Vorrat dabei zu haben.
Komoot-Collection und App
Zu meiner fünftägigen Radtour auf dem Weser-Radweg hab ich eine Komoot-Collection angelegt. Dort gibt’s alle meine Etappen in der Übersicht und mit (noch) mehr Bildern. Die Originalroute des Weser-Radwegs kann man sich hier abspeichern und anschließend im Komoot-Routenplaner beliebig anpassen. Besonders praktisch dafür ist die Funktion „Mehrtagestour planen“, die in der Premiumversion von Komoot verfügbar ist.
Speziell für den Weser-Radweg ist auch die App des Weser-Radwegs ist ein guter Begleiter für die Planung und Orientierung unterwegs. In der App sind auch alle Informationen aus dem Weser-Radweg Serviceheft zu Touren und interessanten / praktischen / wichtigen Punkten entlang des Weges enthalten.
Übernachtung
Ich hatte mein Zelt dabei und habe bis auf eine Hotel-Nacht auf Campingplätzen übernachtet. Vorgebucht habe ich nichts davon und das hat immer gut funktioniert. Auf den meisten Campingplätzen war ich sogar die einzige Radfahrerin! Durch die recht hohe Dichte an Orten und Städten entlang des Weser-Radwegs ist auch die Zahl an möglichen Unterkünften relativ hoch. Es gibt aber ebenso Abschnitte, an denen es nur vereinzelt Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Genauso wie die Campingplätze sind auch viele Hotels und Pensionen besonders auf Radfahrer eingestellt, haben zum Beispiel sichere Unterstellmöglichkeiten für Räder und Lademöglichkeiten für E-Bikes.
Anreise und Abreise
Grundsätzlich ist wohl gut zu wissen, dass es keine durchgehende Bahnverbindung entlang der Weser gibt. Wer zwischen Cuxhaven und Hann. Münden öffentlich fährt, ist ein paar Stunden unterwegs und muss (mindestens) zweimal umsteigen. Allein schon deswegen ist es oft sinnvoller, einfach direkt mit der Bahn anzureisen und nicht mit dem Auto.
Zusätzliche Informationen
- Weser-Radweg Serviceheft: Kostenfrei erhältlich
- Bikeline Radtourenbuch Weser-Radweg: 16,90 €
- Kompass Fahrradführer Weser-Radweg: 16,95 €
Die Karten können bei der Weser-Radweg Infozentrale unter 05151/930039 telefonisch angefordert werden. Der Versand erfolgt auf Rechnung.
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