Das richtige Bremsen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Motorradfahrer beherrschen muss. Im Straßenverkehr kann es jederzeit zu Situationen kommen, in denen eine schnelle und effektive Bremsung erforderlich ist, um einen Unfall zu vermeiden. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung zum richtigen Bremsen mit dem Motorrad, einschließlich Notbremsungen, Bremsen mit ABS und Bremsen in Kurven.
Die Grundlagen des Bremsens
Beim Motorradfahren ist es wichtig zu verstehen, wie die Bremsen funktionieren und wie man sie richtig einsetzt. Ein Motorrad hat in der Regel zwei Bremsen: eine Vorderradbremse und eine Hinterradbremse. Die Vorderradbremse ist in der Regel stärker als die Hinterradbremse, da sich beim Bremsen das Gewicht des Motorrads nach vorne verlagert.
Vorderradbremse: Vorne kannst du mehr bremsen, aber es ist auch gefährlicher. Der Grund dafür ist, dass sich beim Bremsen das Gewicht nach vorne verlagert. Das ist ein wesentlicher Punkt, weil dadurch bestimmt wird, wie viel Bremskraft dein Vorderreifen und dein Hinterreifen übertragen können, man sagt auch auf den Boden bringt also, wie viel du bremsen kannst, ohne dass der Reifen wegrutscht, weil er zum Beispiel blockiert, also stehenbleibt, sich nicht mehr dreht, weil zu viel gebremst wurde. Und er sollte nicht wegrutschen.
Hinterradbremse: Abhängig von Motorrad und Hinterreifen kann man stärker mit dem Hinterrad, beispielsweise bei Chopper mit breitem Hinterreifen stärker hinten abbremsen. Wenn sich beim Bremsen das Hinterrad blockiert, kann das Heck ausbrechen, was meistens aber keine schlimmeren Folgen hat, beim sofortigen Lösen der Bremse sollte das Motorrad wieder in eine stabile Lage zurückkehren.
Die richtige Technik
In deutschen Fahrschulen wird in der Regel dem Fahrschüler beigebracht sowohl die Vorderrad als auch die Hinterradbremse zu nutzen. In einigen Fahrschulen wird sogar zusätzlich empfohlen in Schräglage oder bei schlechten Bedingungen hauptsächlich (oder ausschließlich) hinten zu bremsen.
Eine physikalisch optimale Bremsung wäre also: Bei Bremsbeginn beide Bremsen gleich viel aktivieren, danach sukzessive vorne immer mehr und gleichzeitig hinten immer weniger zu bremsen. Extremsituation wäre der sogenannte Stoppie, also wenn das Hinterrad aufsteigt und gar nicht mehr bremsen kann. Das wäre dann: Achslastverteilung 100% des Anpressrucks vorne und 0% hinten. Zu diesem fahrdynamischen Zustand kann es bei extremen Notbremsungen kommen.
Wichtig: Du darfst auf keinen Fall mehr bremsen, als der Reifen erlaubt! Und wie viel Bremsung ein Reifen erlaubt, ist nicht nur von seiner Dimension, seinem Profil, seiner Gummimischung, seinem Luftdruck und seiner Temperatur sowie von der Beschaffenheit der Straße, auf der gebremst wird, abhängig. Es kommt auch darauf an, wie viel der Reifen auf den Boden gedrückt wird. Je mehr er auf den Boden gepresst wird, desto mehr kann er gebremst werden.
Um den Zusammenhang zwischen Bremshebelbetätigung und Verzögerung als etwas ganz Selbstverständliches zu begreifen, musst du viel üben. Es gibt eben nicht nur Null und Eins, also gar nicht bremsen und voll bremsen. Dazwischen kann man viele Zwischenstufen über den Bremshebel dosieren. Der Leitsatz heißt: beginne weich zu bremsen, besonders vorne!
Die Grundregel dabei: hinten zart mitbremsen, 99% der Konzentration liegen auf der Vorderradbremse und deren progressiver Betätigung.
Sicherheitsabstand und Reaktionszeit
Beachten Sie immer auch Ihre Reaktionszeit, diese beträgt bei einem geübten Motorradfahrer ca.1 Sekunde. Zum Beispiel Sie fahren mit 80km/h, in diesem Fall beträgt ihre Reaktionszeit 1sek. und die Verzögerung 8m/s, dies bedeutet Ihr Reaktionsweg ist 22.22m + Anhalteweg 28.46m + weitere kleinere Faktoren, beträgt der Bremsweg ca. 60m. Also 80km/h sind ca.
Die Notbremsung
Die Notbremsung ist eines der anspruchsvollsten Manöver, das du als Motorradfahrer beherrschen musst. Im Straßenverkehr kann es auch ohne dein Verschulden jederzeit passieren, dass du auf einmal stark abbremsen musst. Oft kannst du nur so einen Unfall vermeiden.
Wichtig: Das Wichtigste bei der Notbremsung ist es, das Blockieren des Vorderrads zu verhindern. Denn wenn sich das Vorderrad schlagartig nicht mehr dreht, fallen alle stabilisierenden Kräfte ebenso plötzlich weg. Die Folgen können katastrophal sein und schwere Stürze und Unfälle verursachen. Deshalb musst du den Bremsdruck sofort senken, wenn du spürst, dass das Rad anfängt zu blockieren.
Bei einer Gefahrenbremsung musst du natürlich auch die Kupplung voll durchziehen, um deinen Motor nicht abzuwürgen.
Ausweichen auf der Bremse
Es gibt ein Manöver, das weniger anspruchsvoll und komplex ist als die Notbremsung. Das sogenannte Ausweichen auf der Bremse erfordert weniger Übung und kann im Notfall das Schlimmste verhindern.
Gemäß dem ifz-Test erhöhst du deine Chancen auf eine erfolgreiche Unfallverhinderung maßgeblich, wenn du die beiden oben erwähnten Manöver miteinander kombinierst. Zuerst bremst du kräftig und leitest damit eine Notbremsung ein. Die Regeln zum sicheren Bremsen mit dem Motorrad darfst du dabei natürlich nicht außer Acht lassen. Als Nächstes gibst du einen starken Lenkimpuls und beginnst so das Ausweichmanöver. Du lässt dabei aber die Bremse nicht los, sondern führst auch das Bremsmanöver parallel weiterhin aus. Dies hat zum Vorteil, dass dein Vorderrad durch die dynamische Radlastverlagerung mehr Bodenhaftung bekommt und die Lenkkräfte besser übertragen kann. Das Bremsmanöver unterstützt dich also beim Ausweichmanöver.
Bremsen mit ABS
Das ABS beim Motorrad funktioniert wie beim Auto: Wenn du die Bremsen betätigst, messen Sensoren an den Rädern mehrmals pro Sekunde, wann diese gesichert sind. Das ABS verhindert, dass deine Räder blockieren und sorgt dafür, dass du dein Motorrad sicher zum Stehen bringen kannst.
Denn im Gegensatz zum Auto sind blockierte Räder beim Motorrad in der Regel verheerend. Ein vierrädriges Fahrzeug kann dadurch ins Schleudern kommen, was gefährlich genug ist. Beim Motorrad führt das Blockieren jedoch fast immer zu einem Gleichgewichtsverlust und in der Folge zu einem schweren Sturz.
Trotzdem solltest du auch als Besitzer eines Motorrads mit ABS die Notbremsung üben. Gerade wenn du früher Motorrad ohne ABS gefahren bist, hast du bestimmt noch einige alte Gewohnheiten beibehalten. Durch bewusste Simulationen kannst du dir angewöhnen, die Bremse wirklich mit aller Kraft zu betätigen und auf das ABS zu vertrauen.
Bei allen mit ABS ausgestatteten Motorrädern kann zumindest bei Vollbremsungen während der Geradeausfahrt der Bremshebel vorn wie hinten voll gezogen bzw. getreten werden. Aber auch hier sollte jeder zuerst vorsichtig beginnen und innerhalb mehrmaliger Versuche die Extreme erfahren.
Achtung: Da nicht alle ABS-Systeme das Abheben des Hinterrads erkennen und entsprechend reagieren, sollten auch Maschinen mit ABS besonders bei guten Gripverhältnissen und hohen Verzögerungen mit dem nötigen Respekt gebremst werden.
Bremsen in Kurven
Grundsätzlich solltest du es vermeiden, deine Bremsen in einer Kurve zu betätigen. Ist das Abbremsen in einer Kurve unvermeidbar, musst du den Bremsdruck besonders gut kontrollieren. Du solltest keinesfalls schlagartig auf die Bremse steigen, sondern diese nur sanft aufbauen.
Sobald du in einer Kurve anfängst zu bremsen, will dein Motorrad sich wieder aufstellen. Dieser Tendenz musst du mit leichten Lenkimpulsen gegensteuern und dabei den Lenker bewusst festhalten. Mit dem gezielten Einsetzen deiner Hinterradbremse kannst du zudem die Schräglage deiner Maschine weiter korrigieren und den Kurvenradius beeinflussen.
Wartung und Einstellung
Dein Motorrad muss gut gewartet und richtig eingestellt sein, ansonsten macht dir die Technik Probleme bei der Notbremsung. Ist beispielsweise die Gabel zu stark gedämpft, hüpft sie auf unebenen Straßen und das Vorderrad verliert den Bodenkontakt. Auch die Profiltiefe deiner Reifen muss stimmen, denn abgefahrene Reifen haften weniger gut am Boden.
Fahrsicherheitstraining
Der Besuch eines Fahrsicherheitstrainings ist der beste und schnellste Weg, um aus dir einen besseren Motorradfahrer zu machen. Du kannst die verschiedenen Manöver zwar auch alleine üben, doch dann besteht die Gefahr, dass du dir aus Versehen schlechte Gewohnheiten aneignest. Beim Fahrsicherheitstraining wirst du von geschulten Experten begleitet, die dein Fahrverhalten genau unter die Lupe nehmen und Fehler korrigieren. Außerdem finden solche Kurse auf speziellen Trainingsgeländen statt, wo du auch gefährliche Manöver in einem sicheren Rahmen trainieren kannst.
Straßenoberflächen, Grip und Bremswege
Der Bremsweg hängt auch ab vom Reibbeiwert der Straßenoberfläche. Ein extrem griffiger Belag mit Reibbeiwert µ=1,2, auf dem sich der Reifen sehr gut verzahnen kann, findet sich fast nur auf Test- oder Rennstrecken. Auf Landstraßen schwankt die Griffigkeit von µ=0,9 bis 0,7.
Je geringer der Reibbeiwert und die mögliche Verzögerung, desto mehr Bremskraft kann prozentual über das Hinterrad übertragen werden. Deshalb gerade bei Nässe oder glattem Belag zusätzlich zu vorn auch hinten mitbremsen.
Bremswege in Abhängigkeit von der Straßenoberfläche
| Straßenoberfläche | Reibbeiwert | Bremsweg aus 100 km/h |
|---|---|---|
| Asphalt rau | 1,2 | 32,8 m |
| Asphalt normal | 0,9 | 43,7 m |
| Asphalt glatt | 0,7 | 56,1 m |
| Kopfsteinpflaster | 0,5 | 78,6 m |
| Nasser Staub | 0,3 | 131,0 m |
| Eis | 0,08 | 491,3 m |
Hinweis: Die angegebenen Werte sind Richtwerte und können je nach Reifen, Motorrad und Fahrbedingungen variieren.
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