Wie Frauen beim Radrennen auf die Toilette gehen

Während einer fünfstündigen Etappe müssen auch Radprofis mal Müssen. Doch wann, wo und wie? Dabei ist die Sache kein bisschen trivial und komplexer als man denken könnte. Viele Fahrer halten fürs Pinkeln an, manche erledigen die Sache auch direkt beim Fahren. Was zu nicht wenigen Fragen führt: Wie soll das gehen? Ist das nicht ekelhaft? Und wann, wie und wo sind die besten Gelegenheiten, um nicht den Anschluss zu verlieren?

Pinkelpausen im Profi-Radsport

"Manche pinkeln auch vom Rad aus", sagt Tadej Pogačar und bestätigt damit die Beobachtungen, die man gewinnt, wenn man in einem Begleitfahrzeug dem Feld hinterherfährt. Manche machen das sogar in einer Fluchtgruppe wie im vergangenen Jahr Tom Pidcock, der dafür, zu sehen in einer Netflix-Doku, von seinem sportlichen Leiter als "verdammte Legende" bezeichnet wurde.

Interessant dabei ist, dass das Gelbe Trikot, also der Führende in der Gesamtwertung, das Signal fürs Gruppenpinkeln gibt. Er ist der Boss, so will es das ungeschriebene Gesetz. Aktuell bestimmt also der Däne Jonas Vingegaard nach eigenen Bedürfnissen Ort, Zeitpunkt und Dauer der Pause. Attacken sind während dieser Zeit verpönt.

Die Technik des "Pinkelns im Fahren"

Viele Fahrer warten für diese Gelegenheit auf ein leichtes Gefälle im Etappenprofil, um nicht zu viel Geschwindigkeit zu verlieren. Man bleibt jedoch auf dem Rad sitzen. Hand öffnet unten die Hose ein wenig und dann wird laufen gelassen. Allerdings halten sich nicht alle Fahrer immer an die Etikette. Die sieht auch vor, sich niemals in der Nähe von Zuschauern zu erleichtern. Immer wieder ignorieren Sportler aber diese Vorgabe.

Zuletzt Ben O'Connor und Alberto Bettiol, die jeweils 200 Schweizer Franken Strafe zahlen mussten, weil sie sich vor Zuschauern entleerten. Andere Fahrer berichten, dass im Hauptfeld mehr und mehr laufen gelassen wird. "Jeder pinkelt auf jeden.

Herausforderungen und Lösungen für Frauen

Die Welt ist ja so insgesamt hochgradig ungerecht. So auch bei der Pinkelpause während der Radausfahrt. Die Jungs können im Notfall sogar während der Fahrt auf dem Rad das kleine Geschäft verrichten, bei Frauen ist das ziemlich unmöglich (Also, soweit ich weiß zumindest).

Natürlich könnte man als Frau auch einfach eine Radhose ohne Träger verwenden, viele schwören drauf - aber ich bin ganz ehrlich: Das zwickt, rutscht und oft gibt es unschöne Röllchen unter dem Trikot. Nix für mich. Dafür arten Pinkelpausen bei Frauen mit Trägerhosen zu größeren Aktionen aus: Trikot(s) aus (dabei fällt dann gern mal der Inhalt der Trikottaschen lustig in der Gegend herum), Träger runter, Hose runter, Hose wieder hoch, Träger hinpfriemeln, Trikot(s) wieder an. Damit lange Touren auch für Frauen in Trägerhosen nicht mehr zur logistischen Herausforderung werden sobald die Blase drückt, haben sich bereits viele Hersteller von Radbekleidung innovative Lösungen einfallen lassen. Zwar ist direkt vom Rad pinkeln immer noch ziemlich unmöglich, aber für mal eben hinter dem Baum verschwinden sind diese Lösungen auf jeden Fall tauglich.

Spannend ist: Alle Hersteller haben das gleiche Ziel, der Weg dorthin fällt aber sehr unterschiedlich aus. Schön, endlich etwas Innovation in diesem Bereich! Einige dieser Lösungen habe ich mir genau angeschaut, miteinander verglichen und für Euch bewertet. Natürlich spiegelt das erst einmal mein subjektives Empfinden wider und vielleicht legt Ihr auf andere Parameter wert als ich. Aber so habt Ihr schon einmal einen Überblick, was es auf dem Markt so gibt.

Innovative Lösungen für Radhosen

Hier sind einige der innovativen Lösungen für Radhosen, die speziell für Frauen entwickelt wurden, um die Pinkelpause zu erleichtern:

  • Alé: Neckholder-Lösung mit elastischem Träger, der es ermöglicht, die Hose weit genug herunterzuziehen.
  • Bioracer: Reißverschluss am hinteren Träger, der das Öffnen der Hose ermöglicht, erfordert jedoch etwas Beweglichkeit.
  • Craft: Verstellbarer Träger mit Schiebeclip, der in der Höhe verstellt werden kann und eine einfache Handhabung ermöglicht.
  • Gore: Zwei Reißverschlüsse auf Taillenhöhe, die von hinten nach vorne verlaufen, ermöglichen ein unkompliziertes Öffnen und Schließen der Hose.
  • rh+: Träger, die auf dem Rücken über Kreuz verlaufen und mit Clips am unteren Teil der Hose befestigt werden, erfordern etwas Routine beim Festmachen.

Natürlich gibt es noch andere Lösungen außer die im Test, die so ähnlich oder nochmal ganz anders ausfallen. Damenradhosen mit Lösungen für die Pinkelpause gibt es beispielsweise noch von everve, Assos*, Giro, Pearl Izumi oder Endura. Entscheidend ist natürlich immer auch das eigene Budget und wie man mit den Polstern der unterschiedlichen Hersteller zurecht kommt.

Weitere Aspekte und Diskussionen

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob man während des Wettkampfs anhalten sollte oder nicht. Einige Athleten legen Wert auf jede Sekunde und versuchen, die Pinkelpause während der Fahrt zu erledigen, während andere es bevorzugen, kurz anzuhalten und sich zu entleeren. Die Entscheidung hängt oft von der individuellen Leistungsklasse und den persönlichen Zielen ab.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hygiene und der Respekt gegenüber anderen. Es sollte vermieden werden, andere Athleten oder Zuschauer zu belästigen. Einige Teilnehmer erwähnten, dass Urin zwar steril ist, aber dennoch nicht auf andere Personen gelangen sollte.

Tabelle: Übersicht der Lösungen für Pinkelpausen bei Radrennen

Hersteller Lösung Vorteile Nachteile
Alé Neckholder-Träger Einfache Handhabung, kein Gefummel Meshteil unter der Brust gewöhnungsbedürftig
Bioracer Reißverschluss am hinteren Träger Robuster Reißverschluss, gute Polsterqualität Erfordert Beweglichkeit, um Reißverschluss zu erreichen
Craft Verstellbarer Träger mit Schiebeclip Höhenverstellbarkeit, großer Reflektor-Bereich Clip kann fummelig sein
Gore Zwei Reißverschlüsse auf Taillenhöhe Einfaches Öffnen und Schließen, spart Zeit Polster nicht für jeden geeignet
rh+ Träger mit Clips am Rücken Luftige Mesh-Träger Clips können fummelig sein, Bib sitzt tief

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0