Die Fahrradkette ist eine der am stärksten beanspruchten Komponenten eines Bikes, egal ob es sich um ein Tourenrad, Mountainbike, Rennrad oder E-Bike handelt. Daher stellt sich die Frage: Wie lange hält eine Fahrradkette durchschnittlich?
Wie kommt es zu Kettenverschleiß?
Alle drei Kurbelumdrehungen ist die Kette einmal komplett im Kreis gelaufen. Wenn man sich überlegt, wie viele Runden das im Jahr sind, kann man besser einschätzen, welche Belastungen, aber auch, welche Bedeutung das mit sich bringt. Bei einer Leistung von 3000 Kilometern pro Jahr und einer Entfaltung von ungefähr vier Metern kommen wir auf eine Viertelmillion Kettenrunden. Eine beeindruckende Zahl, schon bei optimaler Schmierung und Reinigung; mit dem täglichen Sand, Dreck, Regen und Salz im Winter kommen selbst qualitativ gute Ketten und auch Ritzel und Kettenblätter an ihre Grenzen.
Durchschnittliche Lebensdauer einer Fahrradkette
Die Haltbarkeit einer Kette hängt von Einsatz, Pflege und Schaltungsart ab. Bei Kettenschaltungen variiert diese von 1000 km im Offroad-Einsatz auf bis zu 5000 km unter idealen Bedingungen und guter Pflege. Die Fahrradkette hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 2.000 bis 5.000 Kilometern, abhängig von Pflege, Gelände und Fahrbedingungen.
Die Hauptursache des Kettenverschleiß sind mechanische Belastungen durch Reibung und der Schräglauf bei Kettenschaltungen. Die Nutzung von kleinen Ritzeln sowie die Abrasionswirkung von anhaftendem Schmutz fördern den Verschleiß ebenso wie der bei Kettenschaltungen unvermeidliche Schräglauf. Denn bei jedem Abknicken der Kette werden die Verbindungsbolzen ein klein wenig abgeschliffen, was im Laufe der Zeit zu Spiel in den Kettengelenken führt. Dieser dadurch entstehende Verschleiß macht sich durch eine Längung der Kette bemerkbar.
Eine Studie der Mechanical Engineering Society ergab, dass Ketten, die regelmäßig gereinigt und geschmiert wurden, im Schnitt 30 % länger hielten als vernachlässigte Ketten. Besonders bei Offroad-Fahrten oder in nassen Umgebungen leidet die Kette unter erhöhtem Abrieb und sollte häufiger gewartet werden, um die Lebensdauer zu maximieren.
Faktoren, die die Lebensdauer beeinflussen
- Fahrbedingungen und Gelände: Die Art und Weise, wie und wo du dein Fahrrad nutzt, spielt eine entscheidende Rolle. Schmutz, Staub und Feuchtigkeit wirken sich stark auf die Abnutzung aus.
- Pflege und Wartung: Studien zeigen immer wieder, dass regelmäßige Reinigung und Schmierung die Lebensdauer aller Antriebskomponenten verlängern können.
- Belastung und Fahrstil: Ein ruhiger und gleichmäßiger Fahrstil schont die Antriebskomponenten im Vergleich zu starkem und häufigem Antritt.
Wie stellt man Kettenverschleiß fest?
Der Kettenverschleiß sollte regelmäßig mittels eines Messschiebers oder einer geeigneten Kettenlehre überprüft werden. Hierzu stehen Dir die Spezialisten der HARDYS-Crew mit ihrem ganzen Know-how zur Seite.
Es gibt mehrere Möglichkeiten festzustellen, ob man die Verschleißteile des Antriebs - insbesondere die Kette - ersetzen sollte. Durch Abrieb der Kettenoberflächen und minimalste Verformungen zwischen Laschen und Bolzen dehnt sich jedes Glied um einen Hauch. Eine Messlehre wie die CC-4 von Park Tool erfasst die “Längung” von sieben Gliedern und zeigt den Verschleißzustand in vier Stufen: 0% / 0,5% / 0,75% / 1%.
Ein simples aber effektives Werkzeug ist die Verschleißlehre. Die beiden hinteren Dorne werden zum Messen fest in die Kette gesteckt. Fällt der vordere zur Hälfte oder komplett in die Öse, ist die Kette fast oder komplett verschlissen.
Die Folgen von übermäßigem Kettenverschleiß sind Performance-Verluste durch einen schlechteren Wirkungsgrad der Kette sowie langsamere Schaltvorgänge. Zudem werden auch die Ritzel und Kettenblätter schneller Abgenutzt.
Weitere Methoden zur Feststellung von Kettenverschleiß:
- Nach Herstellerangaben: Es gibt eine klare Empfehlung für jedes Kettenmodell, an die man sich halten kann.
- Zupftest (nur für Kettenschaltungen): hinten das kleinste Ritzel auflegen, vorne das größte Kettenblatt, an dessen in Fahrtrichtung vorderstem Ende versuchen, die Kette Richtung Vorderrad wegzuziehen. Entsteht ein Spalt größer als ein Streichholzkopf, sollte die Kette runter.
Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer
- Kettenwechsel rechtzeitig vornehmen: Ein rechtzeitiger Kettenwechsel kann verhindern, dass sich die Kassette und Kettenblätter zu stark abnutzen.
- Reinigung und Schmierung: Durch regelmäßiges Reinigen und Schmieren der Kette wird der Abrieb minimiert und die Lebensdauer aller Antriebskomponenten verlängert.
- Regelmäßige Inspektion und Wartung: Überprüfe die Antriebskomponenten regelmäßig auf Verschleiß.
- Gänge bewusst nutzen: Wechsle regelmäßig die Gänge und vermeide es, beim Anfahren oder bei Anstiegen in hohen Gängen zu starten.
Der richtige Zeitpunkt für den Kettenwechsel
Man könnte meinen, mit dem Tausch der Kette könne man warten, bis die Funktion wirklich spürbar durch den Ketten-Verschleiß leidet. Rechtzeitige Wartung hat aber noch einen großen Vorteil: Bei einer “gelängten” Kette passen die Abstände der Glieder nicht mehr zu denen der Zahnräder. Dadurch reiben oder besser mahlen die Metallteile beim Umlauf hart aneinander. Der Verschleiß der Zahnräder steigt exponentiell.
Die Rechnung ist einfach: Lieber tauscht man doch eine Kette für 20 oder 30 Euro als die Ritzel für das Drei- oder Vierfache. Wem das nicht als Grund reicht: Ein schlecht laufender Antrieb mit dreckiger oder verschlissener Kette kostet rund 20 Watt Tretleistung, für den Normalradler sind das 15 bis 20 Prozent seiner Power!
So funktioniert der Fahrradketten-Tausch
Ab Werk bekommt ein Rad meist eine endlose Kette, es gibt also keine Stelle, die zum Öffnen vorgesehen ist. Um das zu tun, muss man irgendeinen der Bolzen mit dem Kettennieter wie mit einer Schraubzwinge aus der Kette herausdrücken. Achtung: Liegt der neuen Kette kein Verschlussstück oder ein neuer Bolzen bei, den Niet nicht ganz herausdrücken!
Werkzeuge für den Kettenwechsel:
An erster Stelle steht natürlich eine neue Kette. Sie muss sich für den Fahrradtyp eignen. Man unterscheidet zwischen Ketten mit Kettennietstift und Kettenschloss (auch Kettenverbindungsglied genannt). Zum Schließen eines Kettenschlosses wird kein Werkzeug benötigt.
Ketten mit Kettenstift erfordern einen Kettennieter. Mit ihm wird der Nietstift, der bei der neuen Fahrradkette dabei ist, durch die Verbindung gedrückt. Er kostet rund 15 Euro. Viele Fahrrad-Multitools haben standardmäßig einen Nieter integriert. Steht der verbindende Nietstift über das Kettenglied hinaus, sollte er mit einem Seitenschneider gekürzt werden.
Sinnvoll sind zudem Arbeitshandschuhe, der Kettenwechsel ist eine schmutzige Angelegenheit. Wichtig: Am Ende die neue Kette zum Schutz gründlich schmieren.
Der Wechsel in 5 Schritten:
- Durch seitliches Drücken auf das Glied und leichtes Zusammenschieben der Kette springt das Schloss auf. Hat die Kette kein Schloss, ist es korrodiert oder findet man es vor lauter Schmutz nicht, kommt der Nietstift zum Einsatz.
- Davon ausgehend, dass die alte Kette einst die richtige Länge besaß, kann sie als Referenz für die neue Kette dienen. Die Anzahl der Kettenglieder der alten Kette muss auch die neue Kette aufweisen - hier hilft nur sorgfältiges Abzählen.
- Bevor die Kette gekürzt wird, gilt es noch, ein Detail zu beachten: Abwechselnd gibt es breite und schmale Kettenglieder. Soll die Kette später mit einem Kettenschloss zusammengeführt werden, müssen auf beiden Seiten der neuen Kette schmale Glieder übrig bleiben.
- Beginnend mit dem vorderen Zahnkranz wird die Kette nun auf das Ritzel gelegt, auf dem zuletzt auch die alte Kette war. Dann geht es durch den Umwerfer und in das hintere Schaltwerk - auch hier wieder auf das gleiche Ritzel, wo zuvor die alte Kette lag.
- Soll die Kette mit einem Kettenschloss zusammengeführt werden, wird das Verbindungsglied über die beiden freien Innenlaschen der Kette gesteckt und zusammengeklipst. Das geht in jeder beliebigen Position.
Folgeschäden bei zu spätem Wechsel
Eine alte Fahrradkette kann bei Belastung reißen. Wer seine Kette zu spät wechselt, riskiert außerdem kostspielige Folgeschäden. Eine unsauber laufende Kette beansprucht auch die Ritzel. Dann kann es passieren, dass nicht nur die Kette, sondern auch die Zahnräder gewechselt werden müssen.
Lebensdauer anderer Antriebskomponenten
Die Kassette hat eine Lebensdauer, die stark von der Kette abhängt. Wenn die Kette verschlissen ist, nutzt sie die Ritzel der Kassette schneller ab. Im Durchschnitt kann eine Kassette zwischen 10.000 und 15.000 Kilometer halten, solange die Kette rechtzeitig gewechselt wird. Laut einer Untersuchung der Bike Mechanics Association verkürzt sich die Lebensdauer der Kassette um bis zu 50 %, wenn die Kette nicht regelmäßig erneuert wird. Ein regelmäßiger Wechsel der Kette kann also dazu beitragen, die Kassette zu schonen und langfristig Kosten zu sparen.
Die Kurbelgarnitur, bestehend aus den Kettenblättern und der Kurbel, hält bei guter Pflege oft mehrere Ketten- und Kassettenwechsel durch und hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 15.000 bis 20.000 Kilometern. Da die Kurbelgarnitur ein relativ teurer Bestandteil des Fahrrads ist, lohnt sich der zusätzliche Pflegeaufwand besonders.
Die richtige Gangschaltung für Langlebigkeit
Ein oft vernachlässigter Punkt ist die korrekte Nutzung der Gänge, die entscheidend zur Haltbarkeit der Antriebskomponenten beiträgt. Studien zeigen, dass das Anfahren in einem hohen, schweren Gang (ähnlich wie beim Auto) das Material übermäßig belastet und den Verschleiß beschleunigt. Die Bicycle Research Group fand heraus, dass durch das regelmäßige Durchschalten aller Gänge die Belastung gleichmäßiger verteilt wird und der Verschleiß in einzelnen Gängen reduziert werden kann. Häufig ist zu beobachten, dass Kassetten in den leichteren Gängen noch top in Form sind, während das untere Drittel aufgrund hoher Belastung abgenutzt ist.
Um die Lebensdauer von Kassette und Kette zu maximieren, empfiehlt es sich daher, beim Anfahren und Bergauffahrten leichtere Gänge zu nutzen und regelmäßig zwischen den Gängen zu wechseln. So wird die Belastung der einzelnen Ritzel verringert, was sich positiv auf die Haltbarkeit der gesamten Antriebskomponenten auswirkt.
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