Die Fahrradkette zählt zu den am stärksten beanspruchten Komponenten eines Bikes. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um ein klassisches Tourenrad handelt, ein sportliches Mountainbike, ein Rennrad oder ein E-Bike. Über kurz oder lang braucht es eine neue Kette.
Grundsätzlich ist die Lebensdauer der Kette abhängig von Fahrradtyp und Nutzung. Eine wenig beanspruchte Fahrradkette kann bis zu 5.000 Kilometer halten. Bei intensiverer Nutzung, etwa bei einem Rennrad, steht der Wechsel in der Regel früher an. Ist man bei Wind und Wetter oder gar im Winter unterwegs, verschleißt die Fahrradkette noch schneller.
Faktoren, die die Lebensdauer beeinflussen
Die Haltbarkeit einer Kette hängt von Einsatz, Pflege und Schaltungsart ab. Die Hauptursache des Kettenverschleiß sind mechanische Belastungen durch Reibung und der Schräglauf bei Kettenschaltungen. Die Nutzung von kleinen Ritzeln sowie die Abrasionswirkung von anhaftendem Schmutz fördern den Verschleiß ebenso wie der bei Kettenschaltungen unvermeidliche Schräglauf.
Denn bei jedem Abknicken der Kette werden die Verbindungsbolzen ein klein wenig abgeschliffen, was im Laufe der Zeit zu Spiel in den Kettengelenken führt. Dieser dadurch entstehende Verschleiß macht sich durch eine Längung der Kette bemerkbar.
Einsatz und Fahrbedingungen
Die Art und Weise, wie und wo du dein Fahrrad nutzt, spielt eine entscheidende Rolle. Schmutz, Staub und Feuchtigkeit wirken sich stark auf die Abnutzung aus. Bei Fahrten im Gelände oder auf nassen Straßen empfiehlt es sich, die Antriebskomponenten häufiger zu reinigen und zu schmieren.
Pflege und Wartung
Studien zeigen immer wieder, dass regelmäßige Reinigung und Schmierung die Lebensdauer aller Antriebskomponenten verlängern können. Ketten, die im Schnitt alle 500 Kilometer gereinigt und neu geölt wurden, zeigten einen deutlich geringeren Verschleiß im Vergleich zu vernachlässigten Ketten.
Belastung und Fahrstil
Ein ruhiger und gleichmäßiger Fahrstil schont die Antriebskomponenten im Vergleich zu starkem und häufigem Antritt. Besonders bei steilen Anstiegen oder hohen Gängen sollte bedacht gefahren werden, um unnötigen Verschleiß zu vermeiden.
Wie man den Verschleiß erkennt
Gibt es also Probleme im Antrieb und beim Schalten der Gänge, ist es möglicherweise Zeit für einen Wechsel. Wer sich nicht sicher ist oder die Dehnung der Kette genau messen möchte, kann auf eine Kettenverschleißlehre zurückgreifen. Das kleine Tool kostet ca. 5 Euro. Die erste setzt man an einer Kettenrolle an. Die zweite Nase wird nach dem vorgegebenen Abstand in den nächsten Zwischenraum abgesenkt. Bleibt die Nase in der Kette hängen, ist noch alles gut. Rutscht sie durch den Zwischenraum, ist die Kette verschlissen und sollte gewechselt werden.
Der Kettenverschleiß sollte regelmäßig mittels eines Messschiebers oder einer geeigneten Kettenlehre überprüft werden. Ein simples aber effektives Werkzeug ist die Verschleißlehre. Die beiden hinteren Dorne werden zum Messen fest in die Kette gesteckt. Fällt der vordere zur Hälfte oder komplett in die Öse, ist die Kette fast oder komplett verschlissen.
Eine Messlehre wie die CC-4 von Park Tool erfasst die “Längung” von sieben Gliedern und zeigt den Verschleißzustand in vier Stufen: 0% / 0,5% / 0,75% / 1%.
Folgen von Verschleiß
Die Folgen von übermäßigem Kettenverschleiß sind Performance-Verluste durch einen schlechteren Wirkungsgrad der Kette sowie langsamere Schaltvorgänge. Zudem werden auch die Ritzel und Kettenblätter schneller abgenutzt.
Eine alte Fahrradkette kann bei Belastung reißen. Wer seine Kette zu spät wechselt, riskiert außerdem kostspielige Folgeschäden. Eine unsauber laufende Kette beansprucht auch die Ritzel. Dann kann es passieren, dass nicht nur die Kette, sondern auch die Zahnräder gewechselt werden müssen.
Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer
- Kettenwechsel rechtzeitig vornehmen: Ein rechtzeitiger Kettenwechsel kann verhindern, dass sich die Kassette und Kettenblätter zu stark abnutzen.
- Reinigung und Schmierung: Durch regelmäßiges Reinigen und Schmieren der Kette wird der Abrieb minimiert und die Lebensdauer aller Antriebskomponenten verlängert. Ein spezielles Kettenöl, das auf die Fahrbedingungen abgestimmt ist, kann hierbei entscheidend sein.
- Regelmäßige Inspektion und Wartung: Überprüfe die Antriebskomponenten regelmäßig auf Verschleiß. Eine verschlissene Kette sollte rechtzeitig ersetzt werden, um Kassette und Kettenblätter zu schonen. Kleine Investitionen in die Pflege und regelmäßige Inspektion zahlen sich langfristig aus.
- Gänge bewusst nutzen: Wechsle regelmäßig die Gänge und vermeide es, beim Anfahren oder bei Anstiegen in hohen Gängen zu starten. Das verteilt die Abnutzung gleichmäßiger auf die Kassettenritzel und schont die Kette.
Durchschnittliche Lebensdauer von Komponenten
Die hier angegebenen Werte sind nur als grobe Orientierung gedacht. Der tatsächliche Verschleiß hängt von verschiedensten Faktoren ab.
| Komponente | Durchschnittliche Lebensdauer |
|---|---|
| Kette | 2.000 - 5.000 km |
| Kassette | 10.000 - 15.000 km (bei rechtzeitigem Kettenwechsel) |
| Kurbelgarnitur | 15.000 - 20.000 km |
Der Kettenwechsel
Glücklicherweise ist ein Wechsel der Kette nicht besonders schwer.
Was braucht es für den Wechsel?
An erster Stelle steht natürlich eine neue Kette. Sie muss sich für den Fahrradtyp eignen. Man unterscheidet zwischen Ketten mit Kettennietstift und Kettenschloss (auch Kettenverbindungsglied genannt). Zum Schließen eines Kettenschlosses wird kein Werkzeug benötigt.
Ketten mit Kettenstift erfordern einen Kettennieter. Mit ihm wird der Nietstift, der bei der neuen Fahrradkette dabei ist, durch die Verbindung gedrückt. Er kostet rund 15 Euro. Viele Fahrrad-Multitools haben standardmäßig einen Nieter integriert. Steht der verbindende Nietstift über das Kettenglied hinaus, sollte er mit einem Seitenschneider gekürzt werden.
Sinnvoll sind zudem Arbeitshandschuhe, der Kettenwechsel ist eine schmutzige Angelegenheit. Wichtig: Am Ende die neue Kette zum Schutz gründlich schmieren.
Die einzelnen Schritte
- Entnahme der alten Kette: Durch seitliches Drücken auf das Glied und leichtes Zusammenschieben der Kette springt das Schloss auf. Hat die Kette kein Schloss, ist es korrodiert oder findet man es vor lauter Schmutz nicht, kommt der Nietstift zum Einsatz. Er wird an einem beliebigen Kettenglied angelegt und mithilfe seiner Stellschraube auf der einen Seite fixiert. Von der anderen Seite wird nun durch Eindrehen eines Gewindes der Nietstift herausgeschoben und die Kette springt auf.
- Ermitteln der richtigen Kettenlänge: Davon ausgehend, dass die alte Kette einst die richtige Länge besaß, kann sie als Referenz für die neue Kette dienen. Es gibt Fahrradketten mit unterschiedlicher Anzahl an Kettengliedern, üblicherweise zwischen 108 und 126 Gliedern. Die Länge der einzelnen Glieder ist bei allen Fahrradketten gleich. Die Anzahl der Kettenglieder der alten Kette muss auch die neue Kette aufweisen - hier hilft nur sorgfältiges Abzählen. Entsprechend muss eine zu lange Kette gekürzt werden. Die tatsächliche Länge der alten Kette spielt dagegen keine Rolle, denn sie wurde im Laufe der Zeit länger. Wer die alte Kette nicht mehr zur Hand hat, fädelt die neue Kette auf das größte Ritzel am Rad ein und führt sie per Hand straff zusammen. Zu dieser Kettenlänge werden dann noch zwei Kettenglieder hinzugezählt.
- Kürzen der Fahrradkette: Bevor die Kette gekürzt wird, gilt es noch, ein Detail zu beachten: Abwechselnd gibt es breite und schmale Kettenglieder. Soll die Kette später mit einem Kettenschloss zusammengeführt werden, müssen auf beiden Seiten der neuen Kette schmale Glieder übrig bleiben. Wird die Kette dagegen mit einer Niete verschlossen, muss das eine Kettenende ein breites (Außenlasche) und das andere ein schmales Glied (Innenglied) aufweisen. Ist der exakte Ort der Kürzung bestimmt, kommt wieder der Kettennieter zum Einsatz. Analog zum Entfernen der alten Kette wird er an der entsprechenden Stelle angesetzt und der Nietstift herausgepresst.
- Einbau der neuen Kette: Beginnend mit dem vorderen Zahnkranz wird die Kette nun auf das Ritzel gelegt, auf dem zuletzt auch die alte Kette war. Dann geht es durch den Umwerfer und in das hintere Schaltwerk - auch hier wieder auf das gleiche Ritzel, wo zuvor die alte Kette lag. Gerade für Anfänger ist es hilfreich, sich vor dem Kettenwechsel viele Detailbilder mit dem Handy zu machen, um im Zweifelsfall zu wissen, wie die Kette geführt werden muss.
- Schließen der Kette: Soll die Kette mit einem Kettenschloss zusammengeführt werden, wird das Verbindungsglied über die beiden freien Innenlaschen der Kette gesteckt und zusammengeklipst. Das geht in jeder beliebigen Position. Um sie ganz zu verschließen, muss die Kette so bewegt werden, dass sich das Schloss auf der Fahrradoberseite befindet. Sobald das Fahrrad dann wieder auf seinen Rädern steht, hilft es, aufzusteigen und einmal kräftig in die Pedale zu treten, damit sich das Kettenschloss mit einem hörbaren Klicken vollständig verschließt. Soll die Kette dagegen mit einem Nietstift zusammengeführt werden, werden händisch die Kettenenden zusammengeführt und der Kettennieter kommt zum Einsatz - diesmal zum Eindrücken des Nietstifts.
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