Je schöner das Wetter ist, desto mehr Radfahrer sind in der Natur, auf Feldwegen, Radwegen und Straßen anzutreffen. Zahlreiche Radfahrer kümmern sich nur „mit halber Aufmerksamkeit“ um ihr geliebtes Bike und setzen sich somit - gerade nach der Winterpause - unnötigen Risiken aus.
Besonders eine mangelhafte Pflege / Wartung der Verschleißteile des Rads ist leider nicht unüblich. „Runtergerittene“ Bremsbeläge verursachen nicht nur unschöne, nervige Geräusche - sie stellen auch ein Sicherheitsrisiko dar. Eine verzögerte oder abgeschwächte Bremsleistung kann schnell zu einem schlimmen Sturz und Verletzungen führen. Deshalb gehört der regelmäßige Blick auf die Bremsbeläge zu den Routinehandlungen, die jeder Biker durchführen sollte. Sind die Bremsen verschlissen, bleibt einem nichts anderes übrig als die Bremsbeläge zu wechseln.
Beim E-Bike wie beim Auto zählen Bremsbeläge zu den Verschleißteilen. Wie lange sie halten, hängt natürlich in erster Linie vom Fahrverhalten, genau genommen vom Bremsverhalten ab. Aber ein paar grobe Orientierungspunkte gibt es doch. Generell kannst du davon ausgehen, dass die Bremsbeläge deines Pedelecs bei falschem Verhalten nach 200 Kilometern völlig verschlissen sind. Achtest du dagegen gut auf deine Bremsen und bremst koordiniert, begleiten dich die Bremsbeläge bis zu 2.000 Kilometer weit. Du hast richtig gelesen: Du kannst das Leben deiner Bremsbeläge um das Zehnfache verlängern.
Unterschiedliche Bremssysteme und Bremsbeläge
Grundsätzlich lassen sich Bremsbeläge je nach System in Felgenbremsbeläge und Scheibenbremsbeläge unterscheiden. Bis vor einigen Jahren waren beinahe ausschließlich Felgenbremssysteme auf dem Fahrrad-Markt verfügbar. Seit dem Aufkommen der (vor allem bei Nässe) deutlich leistungsstärkeren Scheibenbremsen ist die Marktsituation unübersichtlich geworden.
Felgenbremsen
Bei Felgenbremsen entsteht die Bremswirkung durch das mechanische Anpressen von Bremsbelägen an der Felgenflanke. Man findet diese Art von Bremssystem vornehmlich bei Trekking-, City- und Rennrädern. Neben dem niedrigen Preis und dem geringen Gewicht gehören die einfache Wartbarkeit und die solide Bremswirkung bei trockenem Wetter zu den Pluspunkten dieses bewährten Systems.
Scheibenbremsen
Scheibenbremsen gelten bei Mountainbikes, aber auch bei E-Bikes und High-End-Rennrädern mittlerweile als Standard. Es handelt sich dabei in der Regel um Nabenbremsen. Bedeutet: Die Bremswirkung wird durch Anpressen der Bremsbeläge auf eine an der Nabe liegende Bremsscheibe erzielt. Scheibenbremsen sind sehr gut dosierbar und verschleißen deutlich langsamer als Felgenbremsen. Dennoch kommen Radfahrer auch bei Scheibenbremssystemen nicht umhin, nach einigen Tausend Kilometern die Bremsen zu wechseln.
Faktoren, die die Lebensdauer der Bremsbeläge beeinflussen
Bremsbeläge sind typische Verschleißteile. Unabhängig von der Art des Bremssystems lässt die Bremsleistung nach langem Gebrauch zwangsläufig nach. Das Ausmaß der Verschleißerscheinungen hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Raue Witterungsbedingungen
- Ein sportlicher Fahrstil mit vielen plötzlichen Bremsvorgängen
- Vernachlässigung der Pflege des Bremssystems (Reinigung der Felgenflanken bzw. der Bremsscheiben)
beschleunigen den Materialverschleiß. Üblicherweise halten die Bremsbeläge bei einem Fahrrad zwischen 1.000 km (Felgenbremsen) und 5.000 km (Scheibenbremsen). Die meisten Hersteller wissen, wie wichtig es ist, rechtzeitig die Bremsen zu wechseln. An marktüblichen Bremsbelägen ist daher eine Indikatorlinie angebracht, die anzeigt, wann der Verschleiß sichere Bremsmanöver erschwert oder gar unmöglich macht.
Material der Bremsbeläge
Der Bremsbelag selbst besteht aus einer organischen oder einer metallischen Mischung. Beim Bremsen wird die komplette Bremsanlage heiß, und der Bremsbelag wird weich. Die metallischen Teile der Bremsanlage reiben an dem weichen, organischen Material der organischen Bremsbeläge - und damit rupft der Bremsbelag immer weiter herunter.
- Organische Bremsbeläge: Für viel Bremsleistung, ein gutes Bremsverhalten und wenig Geräuschentwicklung.
- Metallische Bremsbeläge (Sinter-Bremsbeläge): Vor allem in Rädern für Downhill und Freeride verbaut und haben eine längere Lebensdauer. Allerdings ist das Bremsverhalten nicht so feinfühlig wie bei organischen Belägen.
Für E-Bikes eignen sich besonders organische Bremsbeläge mit Kevlar als Beimischung. Diese Bremsbeläge sind nicht so laut, verschleissen langsam, bremsen aber trotzdem gut - also sind sie genau das Richtige für schwere, schnelle E-Bikes.
Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer von Bremsbelägen
Damit man nicht alle drei bis vier Monate seine Bremsbeläge wechseln muss, gilt es einige Tipps zu beherzigen:
- Bremsenschonende Fahrweise: Keine überflüssigen oder allzu abrupten Bremsvorgänge.
- Regelmäßige Reinigung: Beläge sowie die dazugehörigen Komponenten (Felge, Nabe) mindestens einmal in der Woche gründlich säubern.
- Vorausschauend fahren: Häufig schalten und nicht immer so heftig beschleunigen.
- Witterungsgeschütztes Parken und Sauberhalten: Fahrräder witterungsgeschützt parken und sauber halten.
Die richtige Bremstechnik
Neben der richtigen Pflege der Scheibenbremsen und dem idealen Fahrverhalten hat auch die Bremstechnik einen großen Einfluss auf die Lebensdauer von Scheibenbremsen bei E-Bikes. So kann sich eine Vollbremsung beispielsweise sehr schlecht auf die Qualität der Bremsen auswirken. Besser ist es, mehrfach kurz zu bremsen, wenn es bergab geht. Auf diese Weise laufen die Bremsen nicht heiß und können zwischendrin sogar noch vom Fahrtwind gekühlt werden.
Denke weiterhin daran, neben der Hinterradbremse immer auch die Vorderradbremse zu betätigen. Wenn es beim Bremsen laut quietscht, ist das ein Zeichen für falsches Bremsen, das die Lebensdauer der Scheibenbremsen eher verkürzt.
Anzeichen für verschlissene Bremsbeläge
Ein rechtzeitiger Austausch der Scheibenbremsen am E-Bike kann überlebenswichtig sein, da nur so die Fahrsicherheit stets gewährt sein kann. Du kannst eine Abnutzung daran erkennen, dass die Bremswirkung vermindert ist und das Bremsen ein kratzendes oder scharrendes Geräusch verursacht. Außerdem kannst du die Dicke der Bremsbeläge messen, um den Verschleiß zu begutachten. Unterschreitet die Belagdicke einen Millimeter, ist es an der Zeit für einen Austausch. An den meisten Bremsbelägen findest du darüber hinaus eine Markierung, die den Grad des Verschleißes anzeigt.
Quietschen der Bremsen
Wenn die E Bike Bremse quietscht, zehrt das an den Nerven, im schlimmsten Fall kann es auch Anzeichen eines Defekts sein. Aufzählungen möglicher Ursachen findet man in Foren, auf einschlägigen Internetseiten, auf der Onlinepräsenz vieler Bike Shops und auf YouTube, wo nicht nur Bremsenhersteller mit Service-Videos vertreten sind.
Manchmal quietschen E Bike Bremsen lediglich während des Bremsvorgangs, manchmal ist ein regelmäßiges kurzes Quietschen zu hören, das sich mit jeder Umdrehung des Laufrads wiederholt. Handelt es sich um hydraulische Felgenbremsen am E-Bike, deutet das regelmäßige Geräusch auf einen Seitenschlag der Felge hin, das Laufrad hat also eine leichte „Acht“, die es zu beheben gilt. Im Zweifelsfall sollte man das dem Fachmann überlassen. Quietscht die Felgenbremse beim Bremsvorgang, lässt sich das Problem in den meisten Fällen durch minimales Schrägstellen der Bremse und damit der Bremsbeläge abstellen.
Einbremsen der Bremsen
Nach dem Bremsklötze Wechseln sollten sicherheitsbewusste Radfahrer einige Punkte „abarbeiten“. Als Erstes muss die Bremse eingefahren werden. Dies gilt insbesondere für Scheibenbremsen. Man sollte hierzu auf einem leeren Parkplatz rund 30 Mal stark abbremsen. Erst danach besitzt die neue Scheibenbremse am Fahrrad ihre volle Bremskraft. Auch Felgenbremsen sollten zunächst vorsichtig getestet werden.
Beim Einbremsen ist es wichtig, die Vorder- und Hinterradbremse abwechselnd zu betätigen, damit die Beläge und die Scheiben nach jedem Bremsvorgang ausreichend belüftet werden. Das Gewicht des Fahrers wird zum richtigen Einbremsen auf dem Fahrrad benötigt. Ziel ist es, eine gleichmäßige Kontaktfläche zwischen der Scheibe und den Belägen herzustellen.
Der Bremsvorgang muss aus zwei Gründen mit zunehmender Intensität erfolgen:
- Es wird so eine gleichmäßige Kontaktfläche zwischen Bremsbelägen und Bremsscheiben geschaffen.
- Die Bremsbeläge und Bremsscheiben werden so allmählich erwärmt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbremsen
- Vorbereitung:
- Sichere Umgebung (gerade Strecke in einer Sackgasse, einem Park, auf einem Parkplatz o. Ä.)
- Die Strecke muss flach und trocken sein, damit keine Wasser- und Schlammspritzer an das Bremssystem gelangen.
- Schritt 1: Fahren mit 15 km/h
- Beschleunige auf eine Geschwindigkeit von 15 km/h.
- Bremse mit einer Bremse schrittweise auf 5 km/h herunter, ohne anzuhalten.
- Löse den Bremshebel und fahre ein paar Meter, um die Scheibe und die Beläge zu belüften.
- Wiederhole diesen Schritt zehn Mal abwechselnd mit der Vorder- und Hinterradbremse.
- Schritt 2: Fahren mit 20 km/h
- Beschleunige auf eine Geschwindigkeit von 20 km/h.
- Bremse mit einer Bremse schrittweise auf 5 km/h herunter, ohne anzuhalten.
- Löse den Bremshebel und fahre ein paar Meter, um die Scheibe und die Beläge zu belüften.
- Wiederhole diesen Schritt zehn Mal abwechselnd mit der Vorder- und Hinterradbremse.
- Schritt 3: Fahren mit 25 km/h
- Beschleunige auf eine Geschwindigkeit von 25 km/h.
- Bremse mit einer Bremse schrittweise auf 5 km/h herunter, ohne anzuhalten.
- Löse den Bremshebel und fahre ein paar Meter, um die Scheibe und die Beläge zu belüften.
- Wiederhole diesen Schritt zehn Mal abwechselnd mit der Vorder- und Hinterradbremse.
Regenbogenfarbene Spuren auf den Scheiben, ein Nachlassen der Bremskraft oder ungewöhnliche Bremsgeräusche weisen darauf hin, dass deine Bremsbeläge verglast sind. Wende dich in diesem Fall gerne an deinen DECATHLON Servicepoint.
E-Bike Bremsen im Vergleich zum normalen Fahrrad
Im direkten Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad ist der Verschleiß der Bremsen bei E-Bikes deutlich höher. Die beschleunigte Abnutzung bedingt einen häufigeren Austausch und führt damit im Endeffekt auch zu erhöhten Kosten für den Verbraucher.
Außerdem ist die Abnutzung der Scheibenbremsen bei E-Bikes höher als bei normalen Fahrrädern. Das liegt vor allem daran, dass E-Bikes vermehrt bei Berg- und Talfahrten eingesetzt werden und hier wesentlich häufiger abgebremst werden muss.
Hydraulische Bremsen am E-Bike
Ein E-Bike mit hydraulischer Bremse ist in allen Kategorien die empfehlenswerteste Lösung, da sie, gut eingestellt und gewartet - einen exakten Druckpunkt hat, wenig Handkraft erfordert und hohe Bremskraft bietet. In den meisten Fällen ist ein E-Bike mit einer hydraulischen Scheibenbremse ausgestattet, wie etwa das Rose Black Lava, ein E-Bike mit Scheibenbremsen von Shimano. Alternativ rüsten Hersteller manche Modelle mit einer hydraulischen Felgenbremse aus.
Deren größter Nachteil ist der mit ihr einhergehende Verschleiß der Felge, der irgendwann deren Austausch erfordert. Ein Beispiel ist das Tauber-Rad Tour, ein E-Bike mit hydraulischer Bremse in Form einer Magura HS11 Felgenbremse.
Kosten für den Wechsel der E-Bike Bremse
Wenn man den Umbau selbst vornimmt, entstehen beim E-Bike Bremsen wechseln lediglich die Kosten für die neue Bremse und für das Entlüftungsset. Das benötigt man zwingend, da in der Regel die Leitungen der neuen Bremse gekürzt und diese danach entlüftet werden müssen. Auch hier gilt: im Zweifel den Händler beauftragen, wodurch sich die Kosten für den Wechsel der E-Bike Bremse um die Arbeitszeit erhöhen.
Online haben wir zum Beispiel einen Pauschalpreis von knapp über 80 Euro für den Austausch einer Bremse mit außen verlegten Leitungen und knapp unter 100 Euro bei innen verlegten Leitungen recherchiert.
Geplante Gesetzesänderung zur Mindestbremsverzögerung
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr plant eine Novellierung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), die unter anderem eine Verschärfung der Anforderungen an Fahrradbremsen vorsieht. Die im August 2024 bekannt gewordene neue Regelung soll eine Mindestbremsverzögerung von 5 m/s² für alle neu in Deutschland in den Verkehr gebrachten Fahrräder festlegen.
Die Initiative für die Gesetzesänderung folgt der Absicht, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Der vom Bundesministerium vorgeschlagene Wert von 5 m/s² soll gewährleisten, dass Fahrräder schneller zum Stehen kommen können.
Der Zentralverband der deutschen Fahrradindustrie (ZIV) hat jedoch Bedenken gegenüber den neuen Vorgaben geäußert. Die Industrie verweist darauf, dass die derzeitigen Normen bereits Mindestbremsverzögerungen von 3,4 m/s² bzw. maximale Bremswege von 7 m bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h für City- und Trekkingräder festlegen.
Die Fahrradindustrie warnt davor, dass eine höhere Bremsverzögerung zu einer unerwartet starken Bremsreaktion führen kann, besonders bei Fahrenden, die nicht an solche Bremskräfte gewöhnt sind.
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