Wie viel kostet ein MotoGP-Motorrad? Eine detaillierte Analyse

Wie in jeder Form des Motorsports bildet sich mit der Zeit eine Rennserie mit dem Anspruch, die Königsklasse der Disziplin zu sein. Für Zweiräder finden sich hier die Rennmotorräder und Straßenmaschinen ein. Vom Fahrer über die Technik bis zur Bekleidung wird hier das Beste verlangt.

Egal ob es ein gebrauchtes Renn-Motorrad oder eine brandneue Maschine auf Moto-GP Niveau sein soll, hier können Sie alles rund um’s Thema Superbikes und Co. kaufen und verkaufen. Unser Inserat-System hilft schnell, eine informierte Kaufentscheidung zu treffen oder aber Ihr Motorrad optimal zu bewerben.

Bonhams-Auktion: MotoGP-Bikes zu ersteigern

Im Rahmen der zweitägigen Live-Auktion "Autumn Stafford Sale" versteigert Bonhams fünf MotoGP-Bikes. Bei den fünf Rennmotorrädern handelt es sich um Stücke aus der Phil Morris-Kollektion. Phil begann in den 1970er-Jahren Motorräder zu sammeln.

Die angebotenen Moto GP-Maschinen

Die Motorräder waren beim Team des britischen Geschäftsmanns Paul Bird während der sogenannten Claiming Rule Teams-Ära (CRT) zwischen 2012 und 2014 im Einsatz. Diese kurzlebige, kostengünstigere Kategorie erlaubte es Privatfahrern, neben den Werksteams anzutreten und seriennahe Motoren in Prototyp-Chassis zu verwenden.

  • Ex-Bike von Broc Parkes, Team Paul Bird Motorsport, PBM-ART-Grand-Prix-Rennmotorrad 2014 PBM-ART: Schätzung: 40.000 - 60.000 Pfund Sterling, also umgerechnet rund 46.980 - 70.470 Euro.
  • Ex-Bike von Michael Laverty, Team Paul Bird Motorsport, 2014 PBM-ART 1.000cc Grand Prix: Schätzung: 40.000 - 60.000 Pfund Sterling, also umgerechnet auf rund 46.980 - 70.470 Euro.
  • Ex-Bike von James Ellison und Yonny Hernandez, Team Paul Bird Motorsport, 2012 Aprilia Art 1, 1.000cc Grand Prix: Schätzung: 40.000 bis 60.000 Pfund Sterling.
  • Ex-Bike von James Ellison, Yonny Hernandez, Michael Laverty, Team Paul Bird Motorsport: 2012 Aprilia Art 1.000cc Grand Prix Rennmotorrad: Schätzung: 30.000 bis 50.000 Pfund Sterling, also umgerechnet rund 35.260 - 58.770 Euro.
  • Ex-Bike von Broc Parkes, Team Paul Bird Motorsport: PBM-ART-Grand-Prix-Rennmotorrad 2014 PBM-ART: Schätzung: 30.000 bis 50.000 Pfund Sterling.
  • 2018er-Yamaha EC 03 Elektroroller: Schätzung: 1.000 - 1.500 Pfund Sterling.

Was kostet ein MotoGP-Bike wirklich?

Die MotoGP-Prototypen gibt es nicht zu kaufen - aber geschätzt werden die Dienstfahrzeuge von Marc Márquez & Co auf einen Wert von 2 Millionen Dollar aufwärts. Pro Stück! Immerhin sind es unangefochten die mächtigsten einspurigen Boliden, die derzeit auf Rennstrecken unterwegs sind.

Was macht eigentlich den Unterschied zu jenen Motorrädern aus, die du um ein Hundertstel dieses Preises kaufen kannst und fahren darfst? Ein Vergleich:

Motor

Die 1000 cm³ Hubraum der MotoGP und Vierzylinder-Bauweise sind auch bei den großen Straßen-Maschinen Standard, also wo kommt die Mehrleistung her? Zunächst rauben weder Katalysator, noch Schalldämpfer Kraft. Den Rest besorgen nutzbare Drehzahlen von bis zu 19.000 U/min, ermöglicht durch pneumatische Ventilsteuerung: Druckluft schließt die Motorventile schneller und verlässlicher, als es vergleichsweise träge Metallschraubenfedern könnten. Im Rennsport ist diese Technologie essentiell, für die Straße schlicht unbrauchbar.

Getriebe

Aus der Formel 1 stammt das sogenannte Seamless Getriebe. Diese elektromechanischen Wunderwerke vollziehen den Wechsel der Gangstufen quasi verschliffen, ohne Kupplungseinsatz und Zugkraftunterbrechung. Nur so funktioniert das Hochschalten in Schräglage.

Bremsen und Reifen

Die Lösung lautet Carbon-Keramik-Bremsscheiben für das Vorderrad. Bei Regen wird hingegen Stahl verwendet, denn Carbon käme nicht auf Arbeitstemperatur. Die Reifenmischungen unterscheiden sich je nach Strecke erheblich, am Sachsenring brachte Michelin erstmals einen asymmetrischen Aufbau zum Einsatz. Felgen werden aus ultraleichtem Magnesium angefertigt, ihr Durchmesser beträgt seit 2016 die handelsüblichen 17 Zoll (statt 16,5) - mit ein Grund für das schwierigere Handling der Bikes.

Winglets und Devices

Vor allem Ducati hat bei der Entwicklung der Bikes in den vergangenen drei Jahren Vollgas gegeben und sowohl die Winglets als auch Ride-Height-Devices erfunden. Die neuen Flügel machen die Motorräder zwar stabiler und schneller, sorgen in den Zweikämpfen aber für aerodynamische Turbulenzen und machen Überholmanöver extrem schwer. Die mögliche Absenkung des Fahrwerkes je nach Rennsituation (Ride Height) wiederum benötigt bis zu 12 Knöpfe am Lenker und setzt sogar die besten Fahrer der Welt unter Druck.

Fahrwerk

Deshalb sind die Upside-down-Gabeln mit 48mm deutlich stärker als gewöhnlich. Federrate, Vorspannung und Dämpfung (Zug- und Druckstufe getrennt) ist wie beim Federbeinen im Heck einstellbar. Elektronische Dämpfungssteuerung ist verboten, für die MotoGP aber ohnehin zu langsam.

Karosserie & Packaging

Die Hüllen von MotoGP-Prototypen sind selbstverständlich aus federleichter Kohlefaser gefertigt - unvorstellbar in der Massenfertigung. Bei der Gewichtsverteilung und Aerodynamik kann ein Prototyp ebenfalls aggressivere Wege beschreiten. Ein straßenzugelassenes Bike schleppt eine voluminöse Abgasanlage, sowie Dinge wie Startermotor, Licht, Soziussitz und eine großen Batterie mit. Aktuell bringt ein MotoGP-Bike gerade einmal 158 kg auf die Waage.

Sensorik & Traktionskontrolle

40 bis 50 Sensoren trägt ein MotoGP Motorrad, vom Reifendruck über verschiedene Motorparameter, Chassisbalance, Schräglage, Position bis hin zu den Drehgeschwindigkeiten von Vorder- und Hinterrad. Einige füttern die Elektronik der Motorsteuerung, die 2016 stark vereinheitlicht und vereinfacht wurde und die Teams so vor Herausforderungen gestellt hat. Genauso wie käufliche Traktionskontrollen verhindert sie Wheelies und Highside-Crashes, ist in der Rennsportversion hinsichtlich Präzision und sanfter Arbeitsweise aber weit überlegen.

MotoGP-Bikes für jeden?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und knapp 190.000 Euro im Sparschwein hat, für den haben wir gute Neuigkeiten: Technik, die der MotoGP sehr nahe kommt, ist doch auf dem Markt! Honda (RC213V-S) und KTM (RC16) bieten eine straßentaugliche Replika ihres WM-Motorrads an, so wie es einst Ducati mit der Desmosedici RR getan hat.

KTM bietet RC16-Werksrennmaschinen zum Verkauf an

KTM bietet zwei RC16-Werksrennmaschinen aus der Saison 2019 zum Verkauf an. Als Stückpreis werden 288.000 Euro plus Steuern aufgerufen. Im Packetpreis enthalten sind jeweils noch ein Rennkombi von Pol Espargaro und ein signierter Helm des Spaniers sowie VIP-Tickets für einen MotoGP-Event in der Saison 2021 nach Wahl.

Die Rennbikes stammen aus erster Hand, wurden immer top gepflegt und standen mehr oder weniger fast immer in der Garage. Als technische Eckdaten für die 1.000er-V4 nennt KTM über 265 PS und über 340 km/h Topspeed bei nur 157 Kilogramm Gewicht.

Bereits 2018 hatte KTM schon zwei RC16-Werksrenner für Privatpersonen offeriert. KTM bietet zurzeit zwei MotoGP KTM RC16 Rennmotorräder für den Privatverkauf an. Diese Maschinen wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren gebaut und entwickelt, bis das Wildcard-MotoGP-Debüt 2016 in Valencia stattfand. In den Verkaufspreis von 250.000 Euro für das MotoGP Bike ist eine Reihe weiterer Artikel inklusive: ein komplettes Set von Pol Espargaros Rennbekleidung, ein signierter Pol Espargararo-Helm und die Chance, für ein Rennwochenende Mitglied des Red Bull KTM Factory Teams zu werden.

Stürze in der MotoGP: Ein teures Unterfangen

In der MotoGP passierten 2019 über alle Trainingsessions, Qualifyings und Rennen hinweg insgesamt 220 Stürze. Um einen Eindruck der Dimensionen zu bekommen, hilft es zu wissen, mit wie viel eine solche Werksmaschine im Preis an und für sich zu Buche schlägt.

Christophe Bourguignon beziffert die Kosten für die beiden Motorräder von Crutchlow auf zwei Millionen Euro. Kommt es zu einem Sturz, summieren sich diese mitunter genauso schnell wie die Kosten für Ersatzteile und Ähnliches. Je nach Ausmaß des Schadens können sie enorm schwanken.

"Ein Sturz in der MotoGP kann zwischen 15.000 und 100.000 Euro kosten. Einen 2.000-Euro-Sturz gibt es einfach nicht", sagt Bourguignon. "Wenn wir Glück haben, müssen wir nur ein paar Teile auswechseln, die wir auf Lager haben. Aber ein großer Unfall oder selbst eine Reihe aufeinander folgender kleinerer Stürze kann einem sofort jede Menge Ärger machen. So haben wir zum Beispiel nur fünf Tanks auf Lager. Dasselbe gilt für Auspuff und Kühler."

Er betont, dass es in der MotoGP faktisch keine kleinen Unfälle gibt: "Die Motorräder sind schwer und sehr schnell. Wenn man über das Vorderrad stürzt, nehmen mindestens die Verkleidung, die Lenkerstummel und viele andere Carbonteile Schaden. Die meisten Dinge können repariert und wiederverwendet werden."

"Aber wenn man einen Unfall hat wie wir in Australien 2018, als der Rahmen und die Schwinge zerstört wurden, ist das etwas anderes. Solche Dinge sind praktisch unbezahlbar", fährt Bourguignon fort.

Kosten für einzelne Teile

Genauso gibt es am Motorrad besonders empfindliche Teile. "Ein Satz Carbon-Bremsscheiben kostet um die 10.000 Euro. Und jedes Mal, wenn ein Motorrad im Kies landet, könnte das die Scheiben ruinieren", erklärt der Experte. Weil die Michelin-Reifen eher klein und nicht sehr schützend seien, müssten die Felgen oft selbst bei kleineren Stürzen getauscht werden. Kostenpunkt: 4.000 Euro pro Satz.

"Das hängt stark vom Hersteller und den Spezifikationen ab, aber ein Bauteil wie der Kühler kann rund 10.000 Euro kosten. In der Frontpartie sind Elektronikteile mit 2D-Technik verbaut, die allein 2.500 Euro kostet. Dann gibt es die Kontrolleinheit mit all den Sensoren. Hier liegen wir in etwa zwischen 10.000 bis 15.000 Euro."

Dazu zählt unter anderem der Motor: "Seit die Zahl der Motoren limitiert ist, kann ich mich nicht erinnern, jemals einen Motor aufgrund eines Unfall ersetzt zu haben. Das beweist, dass er gut geschützt ist", hält der LCR-Mechaniker fest.

Fazit

Die Kosten eines MotoGP-Motorrads sind immens und setzen sich aus vielfältigen Faktoren zusammen, von der hochmodernen Technik bis hin zu den potenziellen Reparaturkosten nach Stürzen. Während straßentaugliche Repliken eine erschwinglichere Alternative darstellen, bleibt das wahre MotoGP-Erlebnis ein exklusives und kostspieliges Unterfangen.

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