Die Geschichte und Entwicklung der MotoGP Motorräder

Seit dem Jahr 2002 markiert die MotoGP die Königsklasse des zweirädrigen Motorsports für Straßen-Motorräder, doch die Ursprünge der Motorrad-Weltmeisterschaft gehen viel weiter zurück.

Geburtsstunde der Motorrad-WM

Das erste Motorrad mit Benzinmotor, das in Serie produziert wurde, stammt aus dem Jahr 1894 und hört auf den Namen „Hildebrand & Wolfmüller“.

13 Jahre später, im Jahr 1907, fand mit der legendären Isle of Man TT das erste offizielle Motorrad-Rennen der Welt statt.

Es dauerte allerdings bis zum Jahr 1949, bis der Weltverband FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) erstmals eine Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder austragen ließ - die inoffizielle Geburtsstunde der MotoGP.

Damals traten die Fahrer in verschiedenen Hubraumklassen an. Unterteilt wurden die Meisterschaften in 50 ccm bzw. 80 ccm, 125 ccm, 250 ccm, 350 ccm und 500 ccm für Solo-Maschinen, beziehungsweise in 500 ccm für Motorräder samt Beiwagen.

In der Anfangszeit dominierten vor allem englische und italienische Marken mit Viertaktmotoren das Geschehen.

Rekordhalter ist der im Jahr 1942 geborene Italiener Giacomo „Ago“ Agostini, der am 15. September 1963 beim Heimrennen im italienischen Monza erstmals an den Start ging.

1983 wurde zunächst die 350-ccm-Klasse ersatzlos gestrichen, ein Jahr darauf die 50-ccm-Klasse durch die 80er-Klasse ersetzt.

Auch der klassische Rennstart, der seinerzeit noch mit dem Anschieben der Rennmaschinen einherging, wurde Ende der 1980er Jahre durch einen stehenden Start ersetzt.

In den 1990er Jahren wurden dann auch noch die 80-ccm-Klasse und die Seitenwagen-Rennen aus dem Programm entfernt, bis zum Jahr 2001 wurde dann ausschließlich in den Hubraum-Klassen 125 ccm, 250 ccm und 500 ccm gefahren.

Zeitgleich etablierte sich ebenfalls unter dem Dach der FIM die sogenannte Superbike-Weltmeisterschaft (SBK), in der Fahrer und Teams mit seriennahen Motorrädern an den Start gingen.

Sie wurde ursprünglich von den vier großen japanischen Herstellern Honda, Yamaha, Kawasaki und Suzuki ins Leben gerufen.

Im Lauf der Saison 2001 wurde der Druck der japanischen Hersteller, allen voran Honda, auf den Dachverband so groß, dass es zu einer weitreichenden Umstrukturierung innerhalb der Motorrad-WM kam.

Die Anfangsjahre der MotoGP: Die „Rossi“-Jahre

Mit dem neuen Branding folgten auch neue Regularien. So kamen in der Königsklasse des Motorradsports fortan Viertaktmotoren mit maximal 990 cm Leistung zum Einsatz.

Im finalen Jahr der ursprünglichen Motorrad-WM mit 500 ccm Hubraum (2001) krönte sich der „Doctor“ Valentino Rossi zum Weltmeister.

Auch die Anfänge der MotoGP sollten an den Italiener gehen, der zwischen 2002 und 2005 ganze vier Titel als Fahrerweltmeister einheimste, zunächst auf einer Honda-Maschine, dann auf Yamaha.

Rossi führt gemeinsam mit dem Spanier Marc Márquez die Bestenliste der Fahrerweltmeister an - beide Piloten kommen bislang auf sechs Weltmeistertitel in der MotoGP.

Die kleineren Hubraumklassen (125 ccm und 250 ccm) fanden auch weiterhin unter dem Dach der Motorrad-WM statt.

Davon versprach sich die FIM eine erhöhte Sicherheit für die Piloten, da die Geschwindigkeiten geringer ausfallen sollten.

In der Praxis war davon allerdings kaum etwas zu merken. Tatsächlich konnte die Geschwindigkeit in den Kurven sogar erhöht werden, sodass es häufiger zu Stürzen kam.

Zur Saison 2012 wurde der Hubraum dann wieder angehoben. Ab dieser Saison waren die Bikes mit 1.000 ccm Hubraum ausgestattet, gleichzeitig wurde die maximale Zylinderzahl auf vier beschränkt.

Es begann die Dominanz der spanischen Fahrer: Zwischen 2012 und 2020 wanderte der Titel des Fahrerweltmeisters nach Spanien.

Marc Márquez auf Honda krönte sich ganze sechs Mal zum Weltmeister (zuletzt in der Saison 2019), Yamaha-Pilot Jorge Lorenzo sicherte sich zwei weitere Titel, während die Krone in der Saison 2020 an Joan Mir ging.

Seit 2016 gilt innerhalb der technischen Regularien ein Mindestgewicht von 158 kg für ein Bike in der MotoGP-Klasse.

Die Leistung eines Motorrades ist hingegen nicht reguliert und wird aus Wettbewerbsgründen lediglich in Untergrenzen bemessen.

Schätzungen zufolge leistet ein aktuelles Motorrad in der MotoGP zwischen 260 und 300 PS.

Damit sind Geschwindigkeiten von über 360 km/h möglich.

Den aktuellen Rekord stellte der Ducati-Pilot Jorge Martín im Jahr 2022 im italienischen Mugello auf. 363,6 km/h schnell war der Spanier.

Damit liegt die MotoGP in Sachen Top-Speed fast auf Augenhöhe mit der Formel 1.

Das neue MotoGP-Reglement ab 2027

Beim neuen MotoGP-Reglement ab 2027 haben sich die Hersteller auf eine Reduzierung des Hubraums geeinigt.

Von 1.000 Kubikzentimeter wird auf 850 verkleinert. Festgelegt ist außerdem, dass es Viertakter sein müssen.

Die maximale Anzahl der Zylinder bleibt bei vier. Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass es extrem hochdrehende Motoren wie in der 800er-Ära gibt.

Der Aprilia-Rennmanager nennt konkrete Zahlen: "Wir gehen zwischen 25 und 35 PS weniger Leistung aus. Der Topspeed wird auch geringer werden. "

"Man kann die gleiche Show haben, wenn man um 20 km/h langsamer fährt. Es geht um die Sicherheit und war die richtige Entscheidung", findet Bonora.

"850 Kubikzentimeter ist eine gute Änderung", lautet die Einschätzung von KTM-Fahrer Jack Miller.

"Alle diese wunderschönen Rennstrecken werden kontinuierlich zu klein. In der Moto2 kommt ein Dreizylindermotor von Triumph mit 765 Kubikzentimeter Hubraum zum Einsatz. Dieser Motor leistet etwas mehr als 140 PS.

Aber die komplette Leistung der aktuellen 1.000er-Motoren kann nur selten abgerufen werden. "Die Prozentzahl einer Runde, wenn das Gas komplett aufgedreht ist, ist sehr klein."

Das trifft zum Beispiel auf kleinere Strecken wie Jerez zu.

"Die 850er-Motoren müssen weniger eingeschränkt werden. Sie werden also immer noch sehr schnell sein.

Als sie damals zu den 800ern gewechselt sind, wurde die Bohrung nicht limitiert. "Zum Fahren war das nicht sehr schön, aber mit mehr Drehzahl hat man mehr Leistung gefunden", vergleicht der Neuseeländer, der in der alten 500er-Zeitaktklasse gefahren ist.

"Diesmal haben sie die Bohrung auf 75 Millimeter limitiert. Das zwingt die Hersteller dazu, den Arbeitstakt länger zu bauen, um die 850 Kubikzentimeter zu erreichen.

"Der längere Arbeitstakt limitiert die Drehzahl und die ultimative Leistung, die der Motor produzieren kann", erklärt Crafar.

"Wenn man die Kolbengröße um sechs Millimeter verringert, werden die Motoren insgesamt kleiner gebaut werden können. Ein Reihenvierzylinder wird um 24 Millimeter schmäler", rechnet Crafar vor.

Statt wie bisher 22 Liter darf der Tank nur noch 20 Liter umfassen. Für den Sprint gelten ab 2027 elf Liter statt derzeit zwölf.

Das Mindestgewicht eines Motorrads wird von 157 auf 153 Kilogramm reduziert.

"Meiner Schätzung nach", sagt Ducati-Motorsportchef Gigi Dall'Igna bei GPOne.com, "werden wir bis Ende 2032 eine ähnliche Performance wie jetzt erreichen.

"Die Einschränkung beim Kraftstoffverbrauch ist auch sehr wichtig, denn guter Kraftstoffverbrauch und hohe Drehzahlen passen nicht zusammen.

Ab 2027 wird mit Kraftstoffen gefahren, die zu 100 Prozent aus fossilfreien Bestandteilen hergestellt sein müssen. Prinzipielle Leistungseinbußen sind nicht zu erwarten.

Um den Topspeed auf Strecken wie zum Beispiel Mugello zu reduzieren, ist die Verkleinerung des Hubraums aber nicht alleine ausschlaggebend. Denn das Ride-Height-System wird komplett verboten.

"Für mich ist diese Änderung größer als die Hubraumreduktion", findet Crafar.

Lange wurde darüber diskutiert und darauf gewartet. Nun ist es da: Das MotoGP Reglement 2027.

Ab 2027 wird die MotoGP neue Motorräder einführen, um den Sport sicherer, nachhaltiger und spektakulärer zu gestalten.

Die Hubraumgröße wird von 1000 ccm auf 850 ccm reduziert, was nicht nur die Höchstgeschwindigkeit senkt und somit den Sport sicherer machen soll, sondern auch die Reichweite erhöht und die Effizienz steigert.

Ab 2027 wird die MotoGP vollständig auf nachhaltigen Treibstoff umstellen, im Gegensatz zu den bisherigen 40 %.

Die Aerodynamik wird ab 2027 reduziert und strenger kontrolliert, um ihre negativen Auswirkungen zu minimieren.

Der obere Teil der Frontverkleidung wird 50 mm schmaler und die Nase wird 50 mm nach hinten geschoben, um die Auswirkungen der Aerodynamik dort zu reduzieren, wo es darauf ankommt: auf den Geraden und in den Bremszonen.

Alle Fahrhöhen- und Holeshot-Vorrichtungen werden ab 2027 verboten sein, um die Leistung zu kontrollieren und die Sicherheit insbesondere bei Rennstarts zu erhöhen.

Um das Spielfeld noch weiter zu ebnen, werden die GPS-Daten aller Fahrer/innen nach jeder Session allen Teams zur Verfügung gestellt.

Die Bereitstellung von Daten für alle Wettbewerber bietet den leistungsschwächeren Teams und Fahrern bessere Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, und das zu kontrollierten Kosten.

Das aktuelle Zugeständnissystem bleibt erhalten, aber alle Hersteller starten ab 2027 die Saison auf Rang B.

Technische Daten der Ducati Desmosedici (2023)

Merkmal Details
Motor wassergekühlter V4-Motor mit desmodromischer Ventilsteuerung
Hubraum 1.000 ccm
Leistung über 250 PS
Auspuff Akrapovic
Getriebe Ducati-Seamless-Getriebe mit sechs Gängen
Chassis Aluminium-Rahmen
Federelemente vorn Upside-Down-Gabel von Öhlins mit Carbon-Standrohren
Federelemente hinten Federbein von Öhlins
Felgen geschmiedete Magnesium-Felgen von Marchesini
Reifen MotoGP-Einheitsreifen von Michelin
Bremse vorn Brembo, Carbon-Bremsscheiben in 320/340/355 mm, Vier-Kolben-Bremssättel
Bremse hinten Brembo, Stahl-Bremsscheibe, Zwei-Kolben-Bremssattel
Elektronik Einheits-ECU von Magneti Marelli (nach FIM-Reglement)
Gewicht über 157 kg (nach FIM-Reglement)

Die verschiedenen Klassen im Grand Prix

Beim Motorrad Grand Prix gibt es wie in jeder anderen Sportart verschiedene Kategorien und Klassen.

MotoGP

Das ist die Königsklasse der Straßenrennen auf Motorrädern. Amtierender Weltmeister 2018 ist hier Marc Marquez, doch bald wird es einen neuen Weltmeister geben.

In der Königsklasse gibt es verschiedene Regelungen und Regeln. Die Maschinen sind 157 kg schwer und bringen bis zu 360 km/h auf den Tacho.

Die Motorräder haben offiziell 260 PS starke Motoren, mit denen sie den Zuschauern so richtig einheizen können.

Im Gegensatz zu den niedrigeren Klassen gibt es bei MotoGP keine Einschränkungen. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass exotische Materialien verwendet werden, technisch innovative Konstruktionen eingebaut werden und unterschiedliche Konfigurationen für den Antrieb eingesetzt werden.

Das ist natürlich nicht ganz billig. Ein MotoGP Gerät kostet über 2 Millionen Dollar. Wow.

Moto2

Wer es noch nicht bis ganz in die Königsklasse schafft, der fährt wohl in der Moto2 Liga mit.

Die Maschinen bringen hier nur bis zu 290 km/h Geschwindigkeit auf und haben ein Triebwerk von 765 ccm. Das Gewicht der Motorräder ist mit 215 kg deutlich schwerer als bei der MotoGP.

Die Motoren bringen eine Leistung von 140 PS und eine Drehzahl von 18.000 pro Minute. Um für alle Fahrer eine gleiche Ausgangslage zu schaffen, gibt es die Vorgabe, dass alle Motorräder eine Einheitselektronik von Magneti Marelli haben müssen.

Moto3

Nach der Moto2 Liga kommt logischerweise Moto3. Das ist die kleinste Klasse der Motorrad Weltmeisterschaft.

Die Motorräder haben hier die meisten Vorschriften. Dadurch sind aber auch die Kosten der Maschinen im Vergleich zur MotoGP relativ überschaubar.

Die Reifen der Motorräder sind deutlich dünner als bei der Moto2 Klasse und das Mindestgewicht liegt bei schlanken 148 kg.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h und die Maschinen bringen bis zu 55 PS.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0