Das Gewicht eines guten Mountainbikes: Ein umfassender Leitfaden

Das Gewicht spielt eine entscheidende Rolle für die Leistung und das Fahrgefühl eines Mountainbikes. Leichtere Bikes sind agiler, beschleunigen schneller und sind einfacher bergauf zu fahren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Mountainbike-Gewichts und gibt Empfehlungen für die Wahl des optimalen Gewichts je nach Fahrstil und Einsatzzweck.

Gewicht von Mountainbike-Hardtails: 8 bis 14 Kilo

Das geringe Gewicht spricht für diese Bike-Gattung. Keine Kategorie kann den Hardtails im Antritt folgen. Da keine Energie im Hinterbau verpufft, münzen sie jedes Watt Beinarbeit in Vortrieb um. Racer lieben diese Spritzigkeit, Touren-Biker könnten dagegen etwas Komfort vermissen.

Vollwertige Mountainbike-Hardtails gibt es schon ab 1300 Euro. Hardtails versüßen vor allem mit erschwinglichen Preisen den Einstieg ins Mountainbiken - der Verzicht auf komplizierte Hinterbausysteme und zusätzliche Dämpfung am Heck machen es möglich. Das kommt besonders Einsteigern zu Gute, die noch nicht sicher sind, ob sie beim Sport bleiben. Denn wer will sich schon in Unkosten stürzen, ohne zu wissen, ob einen die neue Sportart auch langfristig begeistert.

In technischem Gelände verlangen die Bikes mit starrem Heck und meist nur 100 Millimetern Federweg Fingerspitzengefühl und verzeihen kaum Fehler. Doch was tun, wenn man sich dennoch in anspruchsvolles Terrain wagen möchte, ein Fully aber den preislichen Rahmen sprengt? Dann sind die sogenannten Trailhardtails mit mehr Federweg, versenkbaren Sattelstützen und dicken Reifen die perfekte Alternative.

Beispiele für Mountainbike-Hardtails und ihr Gewicht

Hier sind einige Beispiele für Mountainbike-Hardtails und ihr Gewicht:

  • Mondraker Podium Carbon RR SL: 8 Kilo (Preis: 8499 Euro)
  • Cannondale Scalpel HT: 9,62 Kilo (Preis: 6999 Euro)
  • Specialized Chisel Comp: 12,1 Kilo (Preis: 2000 Euro)
  • Radon Jealous AL 8.0 HD: 12,72 Kilo (Preis: 1499 Euro)

Mondraker Podium Carbon RR SL

Es ist nahezu unmöglich, das Mondraker Podium RR SL anzuheben, ohne dass einem ein Wow über die Lippen geht. Und auch auf dem Trail bleibt das Beschleunigungsverhalten des 8-Kilo-Hardtails unangefochten. Doch nicht nur das minimale Gewicht sticht bei der spanischen Race-Feile heraus: Mit seiner clever gewählten Geometrie meistert das Mondraker auch bergab anspruchsvolle Kurse. Nebenbei begeistert die außergewöhnliche Optik mit dem abgeflachten Oberrohr. Die spezielle Carbon-Sattelstütze erzeugt viel Sitzkomfort. So schafft es das Bike zum Klassenbesten der Saison.

Cannondale Scalpel HT

Das Cannondale Scalpel HT ist ein außergewöhnliches Racebike. 66,9 Grad misst der Lenkwinkel - so flach war ein Racehardtail noch nie! Mit diesem extremen Wert liegen seine Stärken besonders in der Abfahrt. Zusammen mit der flexenden Sattelstütze liefert der jüngste Wurf der US-Amerikaner auch in Sachen Komfort eine ordentliche Performance ab. Die Geometrie ist perfekt: draufsitzen und wohlfühlen. So entpuppt sich das Cannondale als exklusiver Tipp für Marathons, Alltag und Trail-Touren, muss traditionelleren und leichteren Mountainbike-Hardtails im Sprint aber den Vortritt lassen.

Specialized Chisel Comp

Den 1575 Gramm leichten Alu-Rahmen des Specialized Chisel kann man getrost als beeindruckendes Stück Handwerkskunst bezeichnen. Bei der Ausstattung des Bikes reicht es dafür nur für Basic-Komponenten. Auf den ersten Blick hemmt das die Begeisterung für Specializeds Einsteiger-Hardtail. Im Gelände konnte uns das Bike dennoch auf ganzer Linie überzeugen. Von der Alpenüberquerung bis hin zum Marathon ist alles möglich. Auch gut: Bei diesem Top-Rahmen lohnt sich die Investition in das ein oder andere Tuning-Teil, was das Bike auch auf lange Sicht zum treuen Begleiter macht.

Radon Jealous AL 8.0 HD

Radon beweist mit dem Jealous-Hardtail Augenmaß: Weder Geometrie noch Ausstattung oder Gewicht fallen extrem aus. Damit schafft es das Jealous zum besten Allrounder des Jahres. Die Vario-Stütze eröffnet dem Piloten bergab neue Möglichkeiten. Dazu spendiert der Versender noch kräftige Bremsen und griffige Reifen. Somit kann es das Alu-Bike fast schon mit ausgewiesenen Trailhardtails aufnehmen. Der Spaßfaktor im Gelände explodiert förmlich im Vergleich zu klassischen MTB-Hardtails. Lobenswert: Trotz des Trail-Tunings lässt Radon das Gewicht nicht komplett außer Acht.

Das Fully MTB

Das Full-Suspension-Bike (englisch) vollgefedertes Fahrrad oder auch Fully genannt, ist wie der Name verrät, vollkommen gefedert bzw. Gedämpft. Mit diesem Bike bist du in jedem Gelände zuhause und überwindest auch die größten Hindernisse. Der Rahmen ist je nach Preisklasse meist aus Carbon oder Aluminium gefertigt.

Einsatzgebiet

Das Fully MTB macht die Natur zu deinem Spielplatz, es gibt fast kein Gelände, in dem du dich nicht vorankommst. Von der Straße über den Waldweg, durch den Matsch und dann den Berg runter.

Kategorien

Es gibt verschiedene Kategorien von Fully MTBs:

  • All-Mountain-Fullys
  • Enduro-Fullys
  • Downhill-Fullys
  • Freeride-Fullys

All-Mountain-Fullys sind etwas schwerer als ein Fully-Trailbike, hat allerdings auch ein paar Besonderheiten. Eine absenkbare Sattelstütze sorgt auf dem Trail oder Downhill für mehr Bewegungsfreiheit. Außerdem ist eine sperrbare Federgabel verbaut, um dir das Bergauffahren zu erleichtern. Der Federweg liegt meist bei ca. 120mm - 140mm.

Enduro-Fullys sind vor allem für die Bergabfahrt entwickelt und darum mit einem eher flachen Lenkwinkel und einem tiefen Schwerpunkt konzipiert. Die absenkbare Sattelstütze sorgt auch hier für mehr Bewegungsfreiheit beim Downhill. Der Federweg beträgt bei diesen Bikes meist 160mm bis 180mm. Mit dieser Federung überwindest du auch große Hindernisse und Schläge werden sehr gut gedämpft. Die Federung kann in der Regel gesperrt oder verhärtet werden, womit auch längere Fahrten auf der Straße zum vollen Erfolg werden ohne unnötig Kraft einzusetzen.

Downhill-Fullys sind ausschließlich für Downhillfahrten entwickelt worden. Durch die starke Federung mit einem Federweg von 180mm bis 200mm nimmst du sämtliche Drops und Sprünge mit, aber das hat seinen Preis. Durch das zusätzliche Gewicht der Federung wird Bergauffahren beinahe unmöglich bzw. sehr Kraftaufwendig. Ein Lift oder Shuttleservice ist darum empfehlenswert.

Freeride-Fullys sind stabil und schwer, dieser MTB-Typ ist sehr gut für die Fahrt abseits von Wegen oder Trails geeignet. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die direkte Lenkung mit minimalem Gewicht bietet dir volle Kontrolle. Diese Fullys sind für Sprünge und das Überwinden technisch anspruchsvoller Hindernisse konzipiert.

Günstige All Mountain Bikes wiegen heute 1,5 Kilo mehr als 2017

In unserem Vergleichstest von All Mountain Bikes für Einsteiger in BIKE 2/2017 wogen günstige Mountainbike-Fullys mit einem breiten Einsatzgebiet im Schnitt noch fahrfertige 14,33 Kilo. In der Vergleichsgruppe kosteten alle Bikes unter 3000 Euro.

Die große Überraschung folgt an der Waage im BIKE-Testlabor: im Schnitt wiegen die günstigen MTB-Fullys nun beachtliche 15,81 Kilogramm inklusive Pedale. Im Jahrgang 2023 sind günstige All Mountain Bikes im Schnitt 1,5 Kilo schwerer als noch 2017. Sie haben damit jährlich im Durchschnitt 250 Gramm zugelegt.

Ist ein schweres Mountainbike-Fully automatisch schlecht?

Wer ein Bike nicht nur für Shuttle-Abfahrten und Bikepark-Besuche sucht, sondern aus eigener Kraft zum Trail-Einstieg hochtritt, der profitiert von einem leichten Mountainbike. Gerade auf steilen Rampen und auf ausgedehnten MTB-Touren kostet das Übergewicht eines schweren Mountainbikes so richtig Körner. Auch in eher flachem oder kupiertem Gelände stört ein hohes Bike-Gewicht den Fahrfluss, denn schon ab circa 14,5 Kilo kann ein vollgefedertes Fahrrad in der Ebene schnell träge werden. Die zusätzlichen Pfunde gehen zu Lasten von Beschleunigung sowie Agilität und nicht zuletzt des Fahrspaßes.

Natürlich hängt die Bedeutung des Mountainbike-Gewichts von dessen Einsatzgebiet ab. Ein schweres Race-Fully ist ein No-Go und wird auch im Punktesystem der BIKE-Tests entsprechend abgestraft. Bei Enduro-MTBs und Downhill-Bikes ist das Gewicht für die meisten Fahrer zweitrangig. Unterstützt durch die Schwerkraft, zählt vor allem die Abfahrtsperformance.

Warum sind aktuelle Mountainbikes so schwer?

Kritisch betrachtet ist die Gewichtszunahme im All Mountain Bereich vergleichbar mit einem ehemals 80 Kilo schweren Mann, welcher sechs Jahre später 88,4 Kilo wiegt. Ähnlich verhält es sich mit günstigen Mountainbike-Fullys. Es lohnt sich genauer zu prüfen, wo die zusätzlichen 1,5 Kilo investiert wurden.

Mehrgewicht an günstigen All Mountain Bikes:

  • Der Aluminium-Rahmen
  • Anbauteile
  • Federgabel und Dämpfer
  • Reifen, Bremsen und Schaltung

Während der wuchtige Metallrahmen des Focus Jam nur etwa 450 Gramm schwerer ist als das Pendant aus Carbon, wiegt der Rahmen des Canyon Spectral 29 aus Alu rund 900 Gramm mehr als aus Kohlefaser. Bei YT beträgt das Mehrgewicht des Aluminiumrahmens circa 700 Gramm. Zwischen der Alu- und der Carbonversion des Specialized Stumpjumper liegen am Rahmen sogar etwa 1,2 Kilo aber auch mindestens 1100 Euro für das Komplettbike.

Auch Anbauteile wurden von den Herstellern angepasst, um den Downhill-Eigenschaften der aktuellen Tourenfully-Generation zu entsprechen. So sind zum Beispiel breite Lenker um 780 Millimeter inzwischen Standard an Mountainbikes mit 150 Millimeter Federweg. Auf längere Rahmen und größere, beziehungsweise stabilere, Anbauteile entfällt im Vergleich von 2023 zu 2017 ein Mehrgewicht von circa 400 Gramm.

Inzwischen setzen fast alle Hersteller an All Mountains auf Federgabeln mit 35 oder 36 Millimeter Durchmesser an den Standrohren. Das sorgt für mehr Steifigkeit an der Front und eine verbesserte Lenkpräzession auch bei hohem Tempo. An abfahrtsorientierten Bikes, wie dem Canyon Spectral oder dem YT Jeffsy finden sich Dämpfer mit externem Ausgleichsbehälter. Durch ihr größeres Ölvolumen sorgen diese “Piggybacks” für eine langsamere Erwärmung des Dämpfers und eine konstantere Dämpfungsleistung auf langen Abfahrten.

Aktuelle All Mountains rollen fast ausnahmslos auf großen 29 Zoll Laufrädern. Diese versprechen verbesserte Überrolleigenschaften bei dank moderner Geometrien trotzdem unkompliziertem Handling. Heute sind All Mountain Reifen, wie die im Bike-Test in BIKE 3/2023 weit verbreiteten Maxxis Minion DHF und Maxxis Minion DHR, mindestens 2,3 Zoll breit. Viele Hersteller setzen gar auf 2,4 oder 2,5 Zoll breite Reifen. Die aktuellen All Mountain Reifen haben mehr Grip und vor allem einen besseren Pannenschutz als das 2017 noch der Fall war.

Gerade bei den MTB-Schaltungen der günstigen Preisklassen, wie bei Shimano SLX oder Sram NX Eagle, sind diese deutlich schwerer, als die kleineren Kassetten der alten Elffach- oder Zehnfach-Antriebe mit Umwerfer vorne. Mehr Geschwindigkeit bergab verlangt nach kräftigen, aber schweren Vierkolbenbremsen und großen Bremsscheiben mit 180 oder 200 Millimeter Durchmesser.

Das Gewicht von Fahrrädern im Allgemeinen

Das Eigengewicht deines Fahrrads hat nicht nur Einfluss auf die Handhabung im Alltag, zum Beispiel beim Tragen in den heimischen Keller oder der Mitnahme in Bus und Bahn. Auch während der Fahrt spielt es eine Rolle. Welches Gewicht ein Fahrrad hat, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wir nähern uns der Sache genauer an, indem wir uns die durchschnittlichen Gewichte der beliebtesten Fahrradtypen ansehen.

Durchschnittliche Gewichte verschiedener Fahrradtypen

Hier ist eine Übersicht über die durchschnittlichen Gewichte verschiedener Fahrradtypen:

  • Citybikes (ohne Elektroantrieb): 11-13 kg
  • Trekkingräder (mit Vollausstattung): 16-19 kg
  • Rennräder: ab 6 kg
  • E-Bikes: selten unter 20 kg, oft deutlich mehr (bis zu 25 kg und mehr)

Faktoren, die das Gewicht beeinflussen

Für das Gewicht eines Fahrrads hauptsächlich verantwortlich ist neben der Größe vor allem das Material, aus dem der Rahmen besteht. Eine einfache, aber mitunter kostspielige Möglichkeit, Gewicht an deinem Fahrrad zu sparen, ist deshalb der Austausch von Komponenten. Das fängt bei Schaltung und Bremssystem an und geht mit Sattelstütze, Sattel, Vorbau und Lenkerbügel weiter. Ein Wechsel der Laufräder auf höherwertige Modelle ist ebenfalls ein guter Hebel. Hierdurch kannst du je nach Ausgangssituation bis zu einem halben Kilo an Gewicht einsparen.

Auch Wasser, das während einer Regenfahrt oder bei der letzten Reinigung in den Rahmen gelaufen ist, kann dein Rad schwerer machen als nötig. Nicht zuletzt ist zu bedenken, dass auch du selbst mit deiner Kleidung, der Trinkflasche und vor allem deinem Körpergewicht in die Rechnung eingehst.

Die Bedeutung des Fahrergewichts

Neben dem Eigengewicht des Fahrrads ist es mindestens ebenso entscheidend, wie viel Gewicht die Person auf die Waage bringt, die mit dem Rad unterwegs ist. Normale Fahrräder sind in der Regel auf ein Körpergewicht von 100 bis 140 Kilogramm ausgelegt. Wer mehr auf die Waage bringt, der muss sich etwas genauer nach speziellen Fahrradmodellen für höhere Gewichtsklassen umschauen.

Fazit

Wie viel ein Fahrrad optimalerweise wiegen sollte, ist individuell und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Für mehr Fahrspaß kann es sich trotzdem lohnen, dein Fahrrad auf leichtere Bauteile umzurüsten oder beim nächsten Neukauf auf ein leichteres Modell umzusteigen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0