Die Deutschen lieben ihr Zweirad. Statistisch betrachtet gibt es in Deutschland etwa so viele Räder wie Einwohner. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) geht davon aus, dass es 2021 rund 81 Millionen Räder, E-Bikes eingeschlossen, in Deutschland gab. Betrachtet man die Anzahl der Räder in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren, lässt sich festhalten: Die Pandemie hat der umweltfreundlichen Fortbewegung mit dem Zweirad einen zusätzlichen Schub verpasst. Der Trend, dass die Anzahl der Räder in Deutschland kontinuierlich steigt, war jedoch bereits vor der Pandemie zu beobachten.
Unfallzahlen und -ursachen
Laut Statistischem Bundesamt ereigneten sich im Jahr 2021 rund 85.000 Fahrradunfälle. Auf nichtmotorisierten Fahrrädern verunglückten 68.000 Radfahrer, während es auf Pedelecs bzw. E-Bikes 17.000 waren. Der Trend zu Fahrrädern mit Elektromotor lässt sich auch in den Unfallstatistiken ablesen.
Die Zahl der Radfahrer, die im Straßenverkehr verunglücken, steigt. 2022 starben laut Statistischem Bundesamt 474 Fahrradfahrer auf deutschen Straßen, rund 98.000 erlitten Verletzungen. Damit verunglückten fast 40 Prozent mehr Radfahrer als noch 2013. Dabei wird der Straßenverkehr in Deutschland eigentlich immer sicherer. Ein Teil des Zuwachses lässt sich dadurch erklären, dass mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind - auch dank neuer Formen wie E-Bikes oder Lastenrädern. Die Häufigkeit der Unfälle wächst ein Stück weit mit.
Ein ähnliches Muster wie bei den Unfällen findet sich auch bei den getöteten Radfahrern. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl getöteter Radfahrer auf normalen Zweirädern von 357 auf 241. Auf Pedelecs starben 131 Menschen - ein deutliches Plus gegenüber 2014. "Bezogen auf 1 000 Pedelecunfälle mit Personenschaden kamen im Jahr 2021 7,6 Fahrerinnen und Fahrer ums Leben, bei einem nichtmotorisierten Fahrrad waren es 3,5 Getötete", erläutert das Statistische Bundesamt.
Die größte Gefahr für Fahrradfahrende stellen der Auswertung nach Autos dar: 70,7 Prozent der 92.882 Fahrradunfälle mit Personenschaden waren Kollisionen mit Autos. Radfahrer werden auf Landstraße oft übersehen. Jede Woche gibt es im Schnitt vier tote und 58 schwerverletzte Radfahrer auf deutschen Landstraßen. Dies geht aus einer wissenschaftlichen Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zu schweren Radunfällen auf Landstraßen hervor. Zusammenstöße mit Autos sind die häufigste Unfallursache (41 Prozent) und zum Großteil - mit fast 60 Prozent - werden diese von den Pkw-Fahrern verursacht.
Gefährliche Verkehrssituationen
Die meisten Unfälle mit Radfahrern und Personenschaden ereignen sich an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückseinfahrten - rund 60 Prozent. Besonders gefährlich sind Kreuzungen, bei denen Radfahrer aus Sicht wartender Fahrzeuge von rechts über Geh- oder Radwege auf die Kreuzung fahren. Fünf Prozent der Radunfälle mit Personenschaden entstehen, wenn ein Lkw oder Auto rechts abbiegt und einen Radfahrer übersieht, der rechts von ihm geradeaus fährt.
Immer häufiger verunglücken Fahrradfahrer ohne Fremdeinwirkung. Besonders in den Wintermonaten ist die Gefahr dazu laut einer Studie groß. Bei jedem dritten tödlichen Unfall mit dem Fahrrad sind keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt. Die Zahlen bezogen sich auf das Jahr 2023. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich demnach rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich.
Außerdem gehe der Polizei zufolge jeder dritte Alleinunfall auf das Konto mangelhafter Infrastruktur, Verunglückte selbst sähen darin sogar die Hauptursache. Vor allem Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen machen es Radfahrenden der Studie zufolge schwer. Die meisten Stürze passierten zwischen Dezember und Februar. Nässe, Eis, Schnee und Laub seien besonders gefährlich. Fast zwei Drittel der betroffenen Radfahrenden hätten außerdem eingeräumt, dass auch ihre Fahrweise zum Unfall führte.
E-Bikes als Risikofaktor
43,5 Prozent der Verkehrstoten auf dem Fahrrad waren mit E-Bikes unterwegs. Es kamen 192 Pedelec-Fahrer ums Leben. Auf Fahrrädern mit Elektromotor ist das Risiko für tödliche Unfälle größer.
2024 gab es mehr tödliche Unfälle mit dem E-Bike als mit konventionellen Fahrrädern. Das zeigen neue Zahlen der Unfallstatistik des baden-württembergischen Innenministeriums. Laut Ministerium war allerdings bei rund jedem dritten Fahrradunfall ein E-Bike, auch Pedelec genannt, beteiligt (4.204). Insgesamt verletzten sich 776 Pedelecfahrerinnen und Pedelecfahrer schwer. Von den 57 Todesopfern waren 33 mit einem Elektromotor unterwegs, der bis zu einem Tempo von 25 Kilometer pro Stunde beim Treten unterstützt.
Unfälle mit Pedelecs führten häufiger zu schweren Verletzungen als solche mit nichtmotorisierten Rädern. Pedelecs seien schwerer, beschleunigten stärker und seien "daher nicht ganz leicht zu handhaben", so Zeidler.
Alter der Verunglückten
Verletzte oder getötete E-Bike-Fahrer waren im Schnitt 55 Jahre alt. Die Verunglückten auf nichtmotorisierten Fahrrädern waren mit 41 Jahren wesentlich jünger.
Vor allem Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, sind demnach einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Auch hier stellt das E-Bike einen zusätzlichen Risikofaktor dar. Unter den tödlich verletzten Fahrradfahrerinnen und -fahrern waren 2024 knapp zwei Drittel (63,5 %) 65 Jahre oder älter.
Weitere Unfallursachen
Nicht nur mit Autos gibt es im Straßenverkehr Unfälle. Auch Fahrradfahrer und Fußgänger kollidieren immer wieder miteinander. Außerdem hat die Polizei im vergangenen Jahr 1.465 Verkehrsunfälle mit E-Scootern registriert. Gegenüber 2023 ist das ein Anstieg um 33,4 Prozent. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Zahl fast verdoppelt. Bei beinahe jedem fünften Unfall war mangelnde Verkehrstüchtigkeit die Ursache, etwa durch Alkohol- oder Drogenkonsum.
Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit
Aus Sicht eines Radfahrers ist es wichtig, mit dem Fehlverhalten anderer zu rechnen - schließlich hat das Fahrrad keine Knautschzone. Je höher das Tempo im Straßenverkehr ist, umso schwieriger kann das werden. "Wir brauchen mehr Tempo 30 innerorts, das würde Unfälle vermeiden und die Folgen von Zusammenstößen abmildern", fordert deshalb Roland Huhn, Sicherheitsexperte des Fahrradverbands ADFC. Die Politik könnte außerdem dafür sorgen, dass Radwege im Kreuzungsbereich farblich markiert sind.
Als Radfahrer sollte man sicherstellen, dass man Kreuzungen da überquert, wo es vorgesehen ist, also je nach örtlicher Regelung auf der Fahrbahn, dem Radweg oder dem für Radfahrer freigegebenen Fußgängerüberweg. Falls vorhanden, empfiehlt es sich, sogenannte Aufstellflächen zu nutzen. Alternativ kann es hilfreich sein, sich "wie ein Auto" in wartende Fahrzeuge einzureihen.
Auch die Politik kann Abbiegeunfälle verhindern. Dazu empfehlen Verbände wie der ADFC, neue Kreuzungen nach niederländischem Vorbild zu bauen. Die sind so gestaltet, dass die Sichtachsen zwischen den Verkehrsteilnehmern frei bleiben. Radfahrer haben auf ihnen klar erkennbare Wege, getrennt vom Autoverkehr.
Vor diesem Hintergrund forderte Zeidler: "Städte müssen Borde an Übergängen beseitigen und zu Straßenbahnschienen ausreichend Abstand schaffen".
Ein Fahrrad, das schon länger nicht mehr genutzt wurde, sollte vor der ersten Fahrt auf seine Verkehrssicherheit geprüft werden. Funktionieren die Bremsen, sind Risse im Rahmen oder im Lack vorhanden, sind metallische Teile durchgerostet? Auch kleine Mengen von Alkohol können das Reaktionsvermögen einer Person stark beinträchtigen.
Die Unfallforschung der Versicherer, der ADFC und die deutsche Verkehrswacht werben für das freiwillige Tragen von Fahrradhelmen. Zwar sind Helme nur wenige Zentimeter dick, aber sie verringern die Aufprallkräfte, die bei einem Sturz auf dem Kopf einwirken. Mehr als die Hälfte der getöteten Fahrradfahrer trug keinen Helm.
Die Strahler leuchten nicht nur die Fahrbahn aus, sie machen den Radfahrer im nächtlichen Straßenverkehr auch für andere deutlich sichtbar.
Was sind typische Verletzungen nach einem Fahrradunfall? Experten in der Versicherungswirtschaft beobachten nicht nur einen Anstieg von Fahrrad- und E-Bike-Unfällen. Die Folgen eines Unfalls sind in den letzten Jahren auch schwerer geworden. Demnach sind schwere Verletzungen bei Radfahrern häufig an Schultern, Armen und Beinen zu beobachten.
Bei Unfällen schützt die private Unfallversicherung Trotz aller Vorsichts- und Schutzmaßnahmen kann es dennoch zu Unfällen kommen. In diesen Fällen hilft die private Unfallversicherung. Sie leistet, wenn ein Unfall dauerhafte geistige oder körperliche Beeinträchtigungen nach sich zieht oder sogar zum Tod führt. Aber auch bei Unfallfolgen, die nicht von Dauer sind, leistet die Unfallversicherung.
Anders als in der gesetzlichen Unfallversicherung gilt der Versicherungsschutz der privaten in der Regel rund um die Uhr und weltweit. Die gesetzliche Unfallversicherung hingegen schützt nur bei der Arbeit oder auf dem Weg zum Arbeitsplatz.
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