Laufräder tragen Fahrer und Gepäck und übertragen die Kraft des Fahrers und der Bremsen auf die Fahrbahn. Als Laufrad bezeichnet man die Felge mit den Speichen und der Nabe. Letztere dreht sich in der Radachse. Die Laufräder müssen stabil sein, sollen andererseits aber nicht zu schwer sein. Denn zu schwere Laufräder beeinträchtigen die Beschleunigungsmöglichkeit eines Fahrrads.
Die Laufräder tragen Fahrer und Gepäck und übertragen die Kraft des Fahrers und der Bremsen auf die Fahrbahn. Als Laufrad bezeichnet man die Felge mit den Speichen und der Nabe. Letztere dreht sich in der Radachse. Die Laufräder müssen stabil sein, sollen andererseits aber nicht zu schwer sein. Denn zu schwere Laufräder beeinträchtigen die Beschleunigungsmöglichkeit eines Fahrrads.
Druckspeichenrad vs. Zugspeichenrad
Wir kennen am Fahrrad zwei grundlegend unterschiedlich funktionierende Laufradkonstruktionstypen. Das Druckspeichenrad folgt dem Prinzip hölzerner Kutschenräder aus dem Mittelalter: Die einwirkenden Kräfte stützen sich von der Nabe in wenigen dicken Speichen nach unten zur Felge ab. Diesem Prinzip folgen auch noch modernste Drei-, Vier- oder Fünfspeichenlaufräder aus Carbon, wie sie am häufigsten im Triathlon- oder Aero-Bereich Verwendung finden.
Die überwältigende Mehrzahl der Laufräder am Fahrrad ist jedoch als Zugspeichenrad mit deutlich mehr Speichen konstruiert. Die Systemmasse und alle fahrdynamischen Einwirkungen hängen förmlich mit der Nabe an (dem oberen Teil) der Felge. So bietet das Rad das optimale Gewichts-Stabilitäts-Verhältnis.
Die Stärke des Speichengeflechts
Speichen aus dünnem Draht sind deutlich stärker auf Zug als auf Druck belastbar. Die Felge ist hingegen recht druckstabil. Die auf Zug belasteten Speichen erfahren im Betrieb eine elastische Längenänderung. Darum müssen die Speichen soweit vorgespannt sein, dass das System die kurzzeitige Dehnung kompensieren kann.
Die am unteren Teil entlasteten Speichen dürfen sich nicht vom Felgenboden abheben. Solches Lösen und wieder Anspannen würde eine Kerbwirkung zwischen Speichenbogen und Nabenflansch verursachen - und die Speiche an dieser Stelle schwächen. Aus diesem Grund muss die Vorspannung möglichst hoch und möglichst gleichmäßig sein. Bei ausreichender Vorspannung aller Speichen verteilen sich so die Belastungsspitzen beim Sprinten, Springen und Vollbremsen gleichmäßig auf alle Last-tragenden Speichen.
Trotzdem solltest Du es mit der Speichenspannung nicht übertreiben. Gerade Carbonfelgen sind in dieser Hinsicht beim Aufbau etwas empfindlich und brechen eher, als dass sie sich verbiegen. Beachte also unbedingt die Herstellerangaben von Nabe, Nippeln, Speichen und Felge und verwende im Zweifel, aber besonders wenn Du Carbonfelgen einspeichst, ein Tensiometer.
Der Zusammenhang aus Speiche und Felge macht das theoretische, lotrechte Laufrad in sich stabil, sodass es vertikale Kräfte aufnehmen kann. In der Realität muss das Rad aber auch extremen torsionalen und seitlichen Einwirkungen standhalten. Die Aufnahme dieser Kräfte wird durch mindestens zwei Nabenflansche möglich.
Die beidseitige Abstützung ergibt den Winkel der Speichenscheiben und kann hohe Kräfte aufnehmen - vergleichbar etwa mit dem Mast eines Segelboots, der seitlich von den vorgespannten Wanten an Ort und Stelle gehalten wird. Sollte eine Speiche brechen, sind die anderen Speichen zunächst in der Lage, die auftretenden Kräfte zu kompensieren. Dies kann aber auf Dauer zu einer Überlastung der benachbarten Speichen führen, weshalb die beschädigte Speiche alsbald ersetzte werden sollte.
Der Nabenflansch stützt die Speichen seitlich ab, so dass sie auch Verwindungen in horizontaler Richtung standhalten können. Vertikale Kräfte wirken etwa auf das Laufrad, wenn Du auf Dein Fahrrad aufsteigst: Über die Ausfallenden im Rahmen wird diese Kraft in die Nabe geleitet und hängt so im Speichengeflecht am oberen Felgenbogen. Nach unten zeigende Speichen werden dabei leicht entlastet.
Am stärksten wirkt die vertikale Kraft, wenn Du auf einen Bordstein auffährst oder einen Sprung landest. Seitliche Kräfte treten beim Kurvenfahren oder im Wiegetritt stark auf, aber auch schon bei der Sinus-Pendelbewegung, mit der Du geradeaus fährst. Deine Laufräder nehmen diese Kräfte mit der seitlichen Abstützung der Speichen auf.
Hinterräder generell und Vorderräder mit Scheibenbremsen sind asymmetrisch, das heißt, die Winkel der Speichen sind nicht auf beiden Seiten gleich, weil der Nabenflansch eingerückt wird, um der Bremsscheibe bzw. der Kassette Platz zu machen. Da die Felge mittig über der Nabe sitzen muss, ist automatisch die Spannung der Speichen auf der Seite mit dem stumpferen Winkel höher als auf der Seite mit dem spitzeren Winkel.
Je breiter Deine Nabe und je spitzer der Speichenwinkel, desto stabiler ist Dein Laufrad. Zur Stabilität trägt auch die Ähnlichkeit der Speichenwinkel und der Vorspannung bei - symmetrische Laufräder sind hier also klar im Vorteil. Asymmetrische Felgen helfen, eine höhere Stabilität herzustellen, indem ihr Mittelpunkt in Richtung der spitzeren Speichenwinkel verschoben ist (beim Hinterrad also nach links, beim Disc-Vorderrad nach rechts). So werden die Speichenwinkel etwas angeglichen und oftmals benötigt man nur eine Speichenlänge.
Torsionale oder Rotationskräfte leitest Du in Dein Rad ein, wenn Du be- oder entschleunigst. Die Kraft, die Deine Beine über die Kurbel in die Kette einleiten, kommt über das Ritzel und den Freilauf in den Nabenkörper und versucht, die Nabe gegen die Felge zu verdrehen. Bei Scheibenbremsen (aber auch Rücktritt oder Trommelbremsen) gilt das gleiche, nur in die umgekehrte Richtung.
Standardanzahl der Speichen
Die Zahl der Speichen an einem Laufrad hängt von der Art des Fahrrads ab. An Alltagsrädern sind 36 Speichen üblich, bei leichteren Fitnessbikes können es auch nur 32 sein. Rennräder haben teilweise nur 16 bis 18 Speichen am Vorderrad und 24 am Hinterrad. Weit verbreitet sind 24, 28, 32 und 36 Stück. Heutzutage sind, abgesehen von Systemlaufrädern, 32 Speichen am üblichsten. Die Menge muss dabei nicht zwangsläufig etwas über Stabilität und Gewicht aussagen, kann aber ein Indiz sein. Die Anzahl ist immer durch vier teilbar, denn es gibt auf beiden Seiten der Nabe innen und außen liegende Speichen - macht vier Arten.
Radial vs. tangential (Kreuzungsmuster, Antriebs- und Bremsseite)
Bei radialer Einspeichung stellt die Speiche die kürzeste und direkte Verbindung zwischen Nabe und Felge dar - ihre gedachte Verlängerung fluchtet durch den Mittelpunkt der Radachse. Radiale Laufräder sind darum seitenstabil und leicht. Bei der Aufnahme der tordierenden Drehmomente durch Beschleunigen oder Bremsen (Scheibenbremse, Rücktritt) hilft die radiale Speichung nur wenig, da sie nur geringe torsionale Kräfte übertragen kann.
Darum eignen sich radiale Räder am besten als ungebremste Räder (z. B. am Anhänger) oder als felgengebremste Vorderräder. Die Antriebsseite des Hinterrads und die Scheibenbremsseite vorn und hinten sollten deshalb nicht radial eingespeicht werden.
Um Rotationskräfte besser aufzunehmen, müssen die Speichen flacher in der Nabe ankommen. Ideal wäre ein rechter Winkel zu einer Linie, die die Achsmitte schneidet. Dabei fungiert der Nabenflansch als Hebel: Je größer der Flanschdurchmesser, desto stabiler ist das Laufrad. Das ideale Verhältnis aus Gewicht und Stabilität bietet die Dreifachkreuzung, weshalb diese bei Fahrrädern am weitesten verbreitet ist.
Die Zahl der Kreuzungen besagt, wie viele Speichen eine Speiche zwischen Nabe und Felge kreuzt. Bei der klassischen Dreifachkreuzung kreuzt jede Speiche ihre erste, dritte und fünfte Nachbarspeiche. Sie liegt dabei über den ersten beiden kreuzenden Speichen, aber unter der dritten.
Gekreuzt bedeutet: Die Speichen laufen überkreuz von der Nabe zur Felge. Radial bedeutet, dass die Speichen ohne Kreuzung mit einer anderen direkt zur Felge verlaufen. Wie Sonnenstrahlen streben sie von der Nabe zur Felge. Häufig werden Vorderräder radial und das Hinterrad gekreuzt eingespeicht. Laufräder können zweifach bis fünffach gekreuzt werden. Da das Hinterrad rund zwei Drittel des Gewichts tragen muss, muss das hintere Laufrad entsprechend stabil sein. Deshalb werden hier die Speichen gekreuzt. Generell gilt: Je mehr Speichen ein Laufrad braucht, desto größer muss die Kreuzungsanzahl sein.
Am Mountainbike sind Speichen fast immer dreifach gekreuzt, das heißt, jede Speiche kreuzt drei entgegenlaufende Speichen zwischen Nabe und Felge. Das ergibt die beste Balance aus Stabilität und Elastizität. Andere Muster wie Zweifachkreuzungen sind möglich.
Vor- und Nachteile von gekreuzten und radial verlaufenden Speichen
Gekreuzte Speichen
Vorteile:- Stabile Laufräder, die weniger zu Verformungen neigen.
- Die gekreuzten Speichen stützen sich am Kreuzungspunkt gegenseitig ab.
- Spannungsunterschiede und damit Verschleiß und Bruchrisiko werden geringer.
- Längere Speichen, was in der Regel das Gewicht der Laufräder erhöht.
Radial verlaufende Speichen
Vorteile:- Seitenstabiler als gekreuzt gespeichte Räder.
- Höhere Festigkeit gegenüber Gewichtsbelastungen.
- Größere Gefahr, dass sich die Nippel lösen, da die Speichen mit einem kleineren Winkel in der Felge sitzen.
- Leichtere Gefahr des Ausreißens der Speichen an der Nabe.
- Geringere Stabilität in der Laufrichtung.
Der Einfluss des Luftdrucks
Früher wurden beim Rennrad sehr weiche, dünne Felgen verwendet. Der extrem hohe Luftdruck (10-12 bar), den die damals üblichen, sehr schmalen Reifen (18-21 mm) benötigten, komprimierte die Felge - und verringerte so die Speichenvorspannung. Als die Reifenbreiten langsam wuchsen, wurde das Problem weniger relevant, modernere Felgenformen und bessere Materialien taten das eine, breitere Reifen (23-25 mm) mit entsprechend geringerem Luftdruck (6-9 bar) das andere.
Beim Mountainbike spielte das Phänomen früher quasi keine Rolle. Seitdem die Tubeless-Technologie sich aber durchgesetzt hat, sitzen die Reifen deutlich straffer auf der Felge. Die höhere Formschlüssigkeit beider Bauteile durch geringere Fertigungstoleranzen verbessert das luftdichte Abschließen des Systems.
Sobald aber der Reifen vollständig im Felgenhorn sitzt, komprimiert er die Felge. In Folge dessen verringert sich die Vorspannung der Speiche, weshalb Tubeless-Laufräder höher vorgespannt werden müssen. Die Herstellerangaben zum Systemgewicht des Rads und dem entsprechenden Luftdruckbereich solltest Du deshalb bei der Auswahl von Felgen und Reifen beachten.
Steifer = besser? Überlegungen zu gezieltem Flex
Wenn Du Custom-Laufräder für Dein Mountainbike baust, kannst Du mit verschiedenen Faktoren beeinflussen, ob das Rad lieber maximale Steifigkeit oder eine gewisse Elastizität aufweisen soll. Es gibt hier unterschiedliche Philosophien, die sich zum Beispiel auch in Systemlaufrädern wiederfinden:
Der vom Motocross-Motorrad z. B. auf moderne E-Mountainbikes übertragene Ansatz besagt, dass das Hinterrad möglichst steif und breit sein soll und auch kleiner sein darf, weil es die Antriebskraft überträgt, in Kurven den höheren seitlichen Kräften ausgesetzt ist und agiler sein soll. Das Vorderrad darf hingegen gern etwas mehr „compliant“ sein, um ein Maximum an Traktion bereitzustellen. Darum ist es etwas schmaler und größer.
Viele Mullet-Laufradsätze, also vorn 29 und hinten 27,5 Zoll, tragen dieser Überlegung genauso Rechnung wie etwa die Systemlaufradsätze der Crankbrothers-Synthesis-Familie. Der gegenteilige Standpunkt argumentiert für steifere Vorderräder im Sinne maximaler Lenkpräzision und etwas flexibler konstruierte Hinterräder, die dem Untergrund besser folgen.
Ein Extrembeispiel dieser Philosophie war etwa der gemeinsam mit Fabien Barel entwickelte erste Mavic-Crossmax-Enduro-Laufradsatz mit 24 Speichen vorn und nur 20 hinten. Voll auf Compliance und gezielten Flex zur Traktionsmaximierung setzt Zipp mit der 3Zero-Moto-Linie, die statt der üblichen Hohlkammer- sogenannte Einwandfelgen aufweist, die es dem Laufrad ermöglichen, sich um den Nippelsitz gezielt zu verwinden und so die Auflagefläche des Reifens auf dem Untergrund vergrößern. Zipp nennt das in Anlehnung an das biomechanische Vorbild des menschlichen Knöchels ankle compliance.
Welcher Ansatz für Dich und Deinen Fahrstil am besten taugt, kannst nur Du selbst entscheiden. Und das ist auch das Schöne an einem individuell zusammengestellten Laufrad: Du entscheidest im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten, welche Kriterien Dir wie wichtig sind, und kannst so das beste Laufrad für Dich bauen.
Materialien - woraus bestehen Laufräder?
Bei Naben und Speichen ist sich die Fahrradindustrie nahezu einig: Nabenkörper werden aus Aluminium und Speichen aus Stahl hergestellt. Es gibt vereinzelt auch Speichen aus Aluminium, Titan, Carbon oder Textilfasern, oder Naben mit Carbonteilen; aber am großen Markt spielen sie kaum ein Rolle. Felgen hingegen waren früher oft aus Stahl, werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt.
Alu-Felgen sind dabei günstiger und Carbonfelgen präzise nach der gewünschten Steifigkeit oder Flexibilität konstruierbar. Aluminium lässt sich zudem farbig eloxieren und macht so individuellen Gestaltungsspielraum bei Laufrädern möglich. Felgen waren früher oft aus Stahl, werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt.
Viel individueller Gestaltungsspielraum: Felgen aus Aluminium können farbig eloxiert werden und verleihen Deinem Bike einen individuellen Charakter.
Speichen und ihre Bauweisen
Die Speiche ist ein Draht aus Stahl; ihre Anzahl und Vorspannung ergeben die Stabilität des Laufrads. Herkömmliche Speichen sind J-förmig, haben also ein gebogenes Ende mit flachem Speichenkopf, das durch ein Loch im Flansch der Nabe gefädelt wird. Das andere Ende der Speiche ist mit einem Gewinde versehen, auf das der Nippel aufgeschraubt wird. Die Speiche ist quasi eine Schraube und der Nippel eine Mutter.
Naben ohne klassischen Flansch benötigen sogenannte Straightpull-Speichen, die einer Schraube noch ähnlicher sind, weil sie keinen Bogen aufweisen und gerade in den Speichensitz der Nabe eingefädelt werden. Das Zentrieren von Straightpull-Speichen ist schwieriger, da man sie vor dem Mitdrehen schützen muss.
Die Qualitäts-, Preis- und Gewichtsunterschiede von Speichen finden sich in ihrer Form und Stärke. Üblicherweise sind Fahrradspeichen am Kopf und am Gewinde 2 Millimeter stark. Man spricht von Glattspeichen, wenn sie durchgängig von derselben Stärke sind (z. B. DT Swiss Champion oder Sapim Leader.
Bei sogenannten Eindickendspeichen (z. B. DT Swiss Alpine III) wird der Speichenbogen verstärkt. Bei Sportlaufrädern werden meist sogenannte Doppeldickendspeichen verwendet, die im langen, graden Teil schlanker werden, wie etwa bei der DT Swiss Competition und der Sapim Race (beide 2,0-1,8-2,0 mm) oder der DT Swiss Revolution (2,0-1,5-2,0 mm).
Während die bisher genannten Speichen einen runden Querschnitt haben, gibt es auch sogenannte Messerspeichen mit ovalem Querschnitt (z. B. Sapim CX-Ray). Sie weisen ab 35/40 km/h bessere Aerodynamik auf und sind durch die Bearbeitung ein wenig dauerhaltbarer.
Speichennippel
Der Nippel hat innen ein Gewinde und wird auf die Speiche geschraubt. Dafür wird er von außen durch die Felge auf die Speiche gesteckt und mit dem Kopf gegen den Felgenboden verschraubt. Zur leichteren Montage haben die meisten Nippel einen Schlitz im Kopf, manche Nippelköpfe sind auch mit einem Sechskant versehen oder haben die Form eines Innensechsrund-Schlüssels, auch Torx genannt. Der Vierkant, an dem man den Speichenschlüssel ansetzt, hat standardmäßig das Maß 3,23 Millimeter - alte Laufräder können andere Maße aufweisen. Ein passender Nippelspanner, auch Speichenschlüssel genannt, verhindert unnötigen Verschleiß am Nippel.
Nippel gibt es aus Messing und aus Aluminium. Während Alu-Nippel zwei Drittel leichter sind als Messingnippel, sind letztere korrosionsresistenter, empfehlen sich also für Ganzjahres-Stadträder oder Wintertrainingsmaschinen. Es gibt Nippel außerdem in verschiedenen Längen. Am häufigsten werden 12-Millimeter-Nippel verwendet.
Längere Nippel (14, 16 mm) bieten theoretisch mehr Gewindegänge zum Halt oder Ausgleich bei kürzeren Speichen. Manche Felgen haben einen sehr starken Felgenboden, andere benötigen Unterlegscheiben, wie etwa die Felgen von Newmen. Auch dann sind längere Nippel ratsam.
Naben: mittig und doch meist asymmetrisch
Die Nabe sitzt im Zentrum des Rads, nimmt die Speichenköpfe auf und leistet die eigentliche Dreharbeit. Bei herkömmlichen Naben sitzen die Speichen in den Flanschen der Nabe, das sind die beiden tellerförmigen höchsten Stellen. Bei Straightpull-Systemen bildet der Flansch keinen Teller und hat einen deutlich kleineren Durchmesser. Die beiden Flansche einer Nabe können den gleichen oder unterschiedliche Durchmesser haben.
Der Abstand der Flansche zueinander bestimmt (neben dem Felgendurchmesser ERD, siehe unten) den Speichenwinkel. Je flacher der Speichenwinkel, desto stabiler wird das Laufrad, weshalb Naben in den letzten Jahren breiter wurden (vergleiche auch unseren Artikel zum Boost-Standard). Vorderradnaben für Felgenbremsen sind symmetrisch; bei Scheibenbremsnaben braucht die Bremsscheibe linksseitig Platz, weshalb der linke Flansch eingerückt wird.
Hinterradnaben sind viel öfter asymmetrisch, da sie antriebsseitig der Kassette Platz machen müssen. Symmetrische Hinterradnaben finden sich an Singlespeed- oder Bahnrädern. Als Folge all dessen brauchst Du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am Hinterrad rechts und links unterschiedlich lange Speichen, damit die Felge am Ende mittig im Rahmen sitzt. Der Unterschied kann allerdings von asymmetrischen Felgen oder ungleichen Nabenflanschen verringert oder ausgeglichen werden.
Am Vorderrad kann die Abweichung so geringfügig sein, dass beidseits die gleichen Speichen passen. Beim Selbstausmessen der Naben ermittelst Du diese Werte: Einbaubreite, Flanschabstand, Flanschmitte zur Außenkante links und rechts (bzw. zur Mitte, je nach Rechner), Flanschdurchmesser und Speichenlochdurchmesser.
Felgen und ihre Bauformen
Die Felge nimmt innen die Speichennippel und außen den Reifen auf. Felgen für Felgenbremsen weisen eine Bremsflanke auf und verschleißen mit der Zeit, Felgen für Scheibenbremsen können ohne diese Funktion konstruiert werden, sind daher leichter und leben theoretisch länger. Keinesfalls darfst Du Scheibenbremsfelgen mit Felgenbremsen kombinieren!
Früher waren Felgen U-förmig, bestanden also aus nur einer Wand, man sagte auch Kastenfelge dazu. Um mehr Stabilität in den Felgen zu erreichen, besonders als Aluminium sich als Material durchsetzte, konstruierte man sogenannte Hohlkammerfelgen, die einen zweiten Felgenboden bekamen. Das ist das heute noch vorherrschende Konstruktionsprinzip, auch bei Carbonfelgen. Eine interessante aktuelle Ausnahme ist die 3Zero Moto von Zipp, die aus Carbon, aber in alter Kastenform konstruiert ist und so gezielt nachgeben kann, ohne zu brechen.
Die meisten Felgen sind symmetrisch, es gibt aber auch solche mit asymmetrischem Profil, die die Asymmetrie von Naben ausgleichen helfen sollen. Die Speichenlöcher haben in vielen Felgen eine Ausrichtung nach rechts oder links.
ERD - das wichtigste Maß ist schwer zu messen
Der ERD (effective rim diameter) gibt den effektiven Felgendurchmesser auf den Millimeter genau an. Das ist wichtig, wenn man die passenden Speichenlängen für ein Rad ermitteln möchte. 26 oder 28 Zoll wären da viel zu ungenau. Genau genommen ist der ERD der maximale Abstand des Felgenbodens, also der beiden Punkte, wo zwei genau gegenüber sitzende Speichen mit den Nippeln auf der Felge aufliegen.
Der ERD wird allerdings unterschiedlich gemessen. Die Hersteller NoTubes und Mavic etwa messen den Felgenboden. DT Swiss und andere schlagen beim ERD ihrer Felgen bereits 3 Millimeter drauf, damit die Speichen das Nippelgewinde möglichst ausnutzen. Speichen mit der perfekten Länge reichen beim fertig gebauten Laufrad bis an den Schlitz des Nippels.
Um den ERD einer Felge selbst zu messen, nutzt Du am besten zwei alte Speichen mit aufgedrehten Nippeln, abgeknipsten Köpfen und Markierungen, die Dir die Messung erleichtern. Miss immer mehrere Stellen, um Ungleichheiten auszumitteln!
Kalkulatoren - der Weg zur richtigen Speichenlänge
Um die richtige Speichenlänge herauszufinden, nutzt Du am besten einen der vielen Speichenrechner (spoke calculators) im Netz. Der Vorteil der Rechner großer Hersteller ist, dass ihnen recht zuverlässige Datenbanken zugrunde liegen, in denen häufig genutzte Felgen und Naben schon hinterlegt sind.
Es schadet jedoch nicht, wenn Du Deine Bauteile selbst nachmisst und die Angaben in der Datenbank prüfst. Du brauchst den ERD der Felge, die Maße der Nabe (siehe oben) und die Anzahl der Speichenkreuzungen.
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