MotoGP Hubraum: Das neue Reglement ab 2027

Die Motorrad-WM steht vor bedeutenden Veränderungen. Das neue MotoGP-Reglement ab 2027 bringt einschneidende Änderungen mit sich, die den Sport sicherer, nachhaltiger und spektakulärer gestalten sollen. Die Hersteller haben sich auf eine Reduzierung des Hubraums geeinigt, um die Sicherheit auf den Rennstrecken zu erhöhen.

Reduzierung des Hubraums

Anstelle der bislang erlaubten 1.000 Kubikzentimeter sind ab 2027 nur noch 850 Kubikzentimeter zulässig. Von 1.000 Kubikzentimeter wird auf 850 verkleinert. Festgelegt ist außerdem, dass es Viertakter sein müssen. Die maximale Anzahl der Zylinder bleibt bei vier. Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass es extrem hochdrehende Motoren wie in der 800er-Ära gibt.

"Wir gehen zwischen 25 und 35 PS weniger Leistung aus. Der Topspeed wird auch geringer werden", so der Aprilia-Rennmanager. "Man kann die gleiche Show haben, wenn man um 20 km/h langsamer fährt. Es geht um die Sicherheit und war die richtige Entscheidung", findet Bonora.

"850 Kubikzentimeter ist eine gute Änderung", lautet die Einschätzung von KTM-Fahrer Jack Miller. "Alle diese wunderschönen Rennstrecken werden kontinuierlich zu klein. Die 850er-Motoren müssen weniger eingeschränkt werden. Sie werden also immer noch sehr schnell sein."

Die Reduzierung des Hubraums dient dazu, die Höchstgeschwindigkeit zu senken und die Laufleistung der Aggregate zu verbessern. Gleichzeitig sind künftig statt sieben nur noch sechs Motoren pro Fahrer und Saison erlaubt.

Statt wie bisher 22 Liter darf der Tank nur noch 20 Liter umfassen. Für den Sprint gelten ab 2027 elf Liter statt derzeit zwölf. Das Mindestgewicht eines Motorrads wird von 157 auf 153 Kilogramm reduziert.

"Meiner Schätzung nach", sagt Ducati-Motorsportchef Gigi Dall'Igna bei GPOne.com, "werden wir bis Ende 2032 eine ähnliche Performance wie jetzt erreichen. Die Einschränkung beim Kraftstoffverbrauch ist auch sehr wichtig, denn guter Kraftstoffverbrauch und hohe Drehzahlen passen nicht zusammen."

Nachhaltigkeit im Fokus

Die MotoGP legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. Ab 2027 wird mit Kraftstoffen gefahren, die zu 100 Prozent aus fossilfreien Bestandteilen hergestellt sein müssen. Derzeit werden nur 40 Prozent Biosprit beigemischt. Prinzipielle Leistungseinbußen sind nicht zu erwarten.

Einschränkungen in der Aerodynamik

Mit der Optimierung der Aerodynamik, äußerlich sichtbar durch die markanten Winglets an der Verkleidung, erfuhr die Performance der MotoGP-Racer ihrer letzte große Steigerung. Durch neue Vorgaben, wie eine Verschlankung der Front und eine Rückverlegung der Fahrzeugnase, soll die Bedeutung der Aerodynamik reduziert werden. Kleinere Teams, die die Kosten für die aufwendigen Windkanalversuche nicht aufbringen können, sollen damit bessere Chancen erhalten.

Um den Topspeed auf Strecken wie zum Beispiel Mugello zu reduzieren, ist die Verkleinerung des Hubraums aber nicht alleine ausschlaggebend. Denn das Ride-Height-System wird komplett verboten. "Für mich ist diese Änderung größer als die Hubraumreduktion", findet Crafar.

Die aerodynamische Entwicklung hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Schlachtfeld in der MotoGP entwickelt, obwohl dieser Vorstoß im Allgemeinen einen negativen Effekt auf das Rennspektakel hatte. Dies wird durch eine Verringerung der zulässigen Größen für den vorderen Teil des Aero-Körpers unter Kontrolle gebracht. Alle Teile, die am Heck des Motorrads hinzugefügt werden, müssen als Teil des gesamten Aero-Körpers homologiert werden. Ein Aero-Update pro Saison ist auch im neuen Reglement erlaubt.

Weitere Regeländerungen

  • Alle Ride Height Devices, einschließlich der Holeshot-Vorrichtungen für den Start, werden verboten.
  • Die Anzahl der pro Saison erlaubten Motoren wird von sieben auf sechs gekürzt.
  • Das Mindestgewicht der Motorräder sinkt von 157 auf 153 Kilogramm.
  • Der Tankinhalt wird von 22 auf 20 Liter im Grand Prix und von 12 auf 11 Liter im Sprint reduziert.

Das für 2024 wieder eingeführte Konzessionssystem wird auch 2027 beibehalten, wobei alle Hersteller, die 2026 antreten, den neuen Regelzyklus als Marke der Kategorie B beginnen. Der Rang eines Herstellers wird zur Mitte der Saison neu bewertet.

Um das Spielfeld noch weiter zu ebnen, werden die GPS-Daten aller Fahrer/innen nach jeder Session allen Teams zur Verfügung gestellt.

Die Auswirkungen auf die Teams

Umfangreiche Neuerungen im Reglement sollen die Chancen kleinerer Teams in der MotoGP verbessern. Kleinere Teams, die die Kosten für die aufwendigen Windkanalversuche nicht aufbringen können, sollen damit bessere Chancen erhalten. Dadurch soll die Serie ab der Saison 2027 deutlich spannender werden.

Technische Details

Die MotoGP-Motorräder sind hochentwickelte Prototypen, die nicht käuflich zu erwerben sind. Ihr Wert wird auf 2 Millionen Dollar aufwärts geschätzt. Sie unterscheiden sich erheblich von straßenzugelassenen Motorrädern.

Hier sind einige wesentliche Unterschiede:

  • Motor: Nutzbaren Drehzahlen von bis zu 19.000 U/min, ermöglicht durch pneumatische Ventilsteuerung.
  • Getriebe: Seamless Getriebe für verschliffene Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung.
  • Bremsen: Carbon-Keramik-Bremsscheiben für das Vorderrad (bei Regen Stahl).
  • Elektronik: Hochentwickelte Motorsteuerung und Traktionskontrolle.
  • Karosserie: Kohlefaser-Karosserie für minimales Gewicht.
  • Sensorik: 40 bis 50 Sensoren zur Überwachung verschiedener Parameter.
Merkmal MotoGP (ab 2027) MotoGP (aktuell)
Hubraum 850 ccm 1000 ccm
Tankinhalt (Grand Prix) 20 Liter 22 Liter
Tankinhalt (Sprint) 11 Liter 12 Liter
Mindestgewicht 153 kg 157 kg
Kraftstoff 100% fossilfrei 40% fossilfrei
Motoren pro Saison 6 7
Ride Height Devices Verboten Erlaubt

Technik, die der MotoGP sehr nahe kommt, ist doch auf dem Markt! Honda (RC213V-S) und KTM (RC16) bieten eine straßentaugliche Replika ihres WM-Motorrads an, so wie es einst Ducati mit der Desmosedici RR getan hat.

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