Im Radsport spielt der Windschatten eine wichtige Rolle, da im flachen Gelände ab ca. 20 km/h der Luftwiderstand größer als alle anderen Widerstände ist. Hinter dem Windbrecher kann man bis zu 30 Prozent Energie sparen, wenn durch die richtige Position am Hinterrad des Vordermannes der Windschatten voll ausgenutzt wird.
Vorteile des Windschattenfahrens
- Energieersparnis: Im Windschatten kann man bis zu 40 % Energie sparen, besonders wichtig bei langen Etappen oder Rennen.
- Höhere Geschwindigkeit: Durch die Energieersparnis können höhere Geschwindigkeiten erreicht werden.
- Taktische Vorteile: Ermöglicht es, Kräfte für entscheidende Momente zu sparen.
Nachteile und Risiken des Windschattenfahrens
- Erhöhtes Unfallrisiko: Jede Geschwindigkeitsveränderung und jede Bewegung des Vorderradfahrers kann zu einem Unfall führen, wenn man nicht ständig sehr aufmerksam ist und die Hand stets an der Bremse hält.
- Abhängigkeit: Man ist abhängig vom Vordermann und muss auf dessen Fahrweise reagieren.
- Irritation anderer Fahrer: Manche Radler fühlen sich durch die Windschattenfahrerei irritiert.
Formationen beim Windschattenfahren
Doppelreihe
Die Doppelreihe ist die klassische Technik beim Fahren in der Gruppe. Die beiden nebeneinander fahrenden „Spitzenreiter“ spenden den Nachfolgenden so optimal Windschatten. Je nach Windstärke und Geschwindigkeit bedeutet dies eine Energieersparnis von bis zu 40 Prozent. Die Duos fahren hintereinander mit minimalem Abstand, was von allen Beteiligten höchste Konzentration verlangt.
Einen Führungswechsel deuten die beiden im Wind fahrenden Piloten kurz an, indem sie sich umblicken, ein Handzeichen geben beziehungsweise die Ablösung ansagen und kurz beschleunigen. Danach scheren sie aus - nach links sowie rechts - und gleiten an der Gruppe vorbei, um dann ganz hinten wieder die letzte Position einzunehmen.
Der Nachteil der klassischen Zweierreihe ist, dass beim Wechsel kurzfristig vier Fahrer nebeneinander auf der Straße fahren. Gerade auf verkehrsreichen oder schmaleren Straßen ein nicht zu unterschätzendes Risiko!
Als Alternative kann bei der Doppelreihe auch wie folgt gewechselt werden: Der dem Wind abgewandte oder der links fahrende Führende des Duos beschleunigt zwei, drei Tritte und setzt sich nach rechts vor seinen früheren Nebenmann, sein Hintermann schließt auf und fährt neben ihm.
Windstaffel
Wenn eine steife Brise von schräg vorne bläst, staffeln sich die Fahrer seitlich zum Führenden an der dem Wind abgewandten Seite, um sich gegenseitig Windschatten geben können. Dabei sollten sich diese so positionieren, dass sich die Vorderradnabe des nachfolgenden Renners auf Höhe der Hinterradnabe des Führenden befindet.
Beim Wechsel lässt sich der führende Pilot auf der dem Wind zugewandten Seite zurückfallen, um seinen Mitfahrern so noch etwas Windschatten zu spenden. Im Optimalfall schließt er sich direkt hinten wieder an.
Wenn aber zu viele Fahrer um eine gute Position kämpfen, muss er darauf hoffen, dass ihm ein nachfolgender Pilot eine Lücke aufmacht. Diese Formationsfahrt erfordert etwas Übung.
Belgischer Kreisel
Ab fünf Personen macht es erst so richtig Sinn, belgisch zu kreiseln. Aus der Vogelperspektive sieht es aus, als würden zwei unterschiedliche schnelle Einzelreihen nebeneinander fahren. Um zu kreiseln, rotieren die Fahrer dabei um eine gedachte Mitte gegen den Wind.
Der Vorteil im Gegensatz zur Zweierreihe ist, dass der Führende nur so nur sehr kurz im Wind ist und sich dann zurückfallen lässt. Auf der anderen Seite hat er natürlich weniger Zeit, sich wieder zu erholen, eher das nächste Mal wieder seine Nase in den Wind steckt.
Um den belgischen Kreisel richtig gut zu fahren, muss die Leistung hier sehr homogen abgegeben werden. Wenn es funktioniert, sind damit aber hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Am besten mal bei den Frühjahrsklassiker anschauen, wenn Fluchtgruppen unterwegs sind.
Die richtige Position im Peloton
Die eine „richtige“ Position gibt es nicht. Zwei Dinge beeinflussen eine richtige Position jedoch immer und grundlegend: das Sturzrisiko und der Faktor Windschatten.
Je weiter vorne man im Feld fährt, desto geringer ist die Zahl an vorausfahrenden Fahrern, die bei einem Sturz das ganze Feld zu Boden reißen könnten. Jedoch greift hier der Punkt zwei: der Faktor Windschatten.
Im Schutz des Feldes muss ein Fahrer dagegen bei Idealbedingungen laut neuerer wissenschaftlicher Studien nur rund fünf bis zehn Prozent der Leistung aufbringen, die der Fahrer an der Spitze leistet.
Während die Fahrer an der Spitze in normaler bis hoher Geschwindigkeit um die Kurven fahren können, werden jene im hinteren Drittel an Engstellen teilweise bis zum Stillstand aufgehalten.
Effizienz im Peloton
Professor Bert Blocken und sein Forscherteam von der Universität Eindhoven veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zum Windwiderstand an unterschiedlichen Positionen im Peloton.
Die Fahrer in den äußeren Reihen müssen im Wind noch gegen etwa 60 bis 80 Prozent des Windwiderstands ankämpfen. Der Fahrer in der Mitte der dritten Reihe muss lediglich 35 Prozent des Luftwiderstandes überwinden, dem ein isolierter Fahrer bei gleicher Geschwindigkeit ausgesetzt ist.
Nach den Studienergebnissen schlussfolgert Blocken, dass ein Fahrer in den hinteren Reihen bei 54 Stundenkilometern nur etwa dieselbe Kraft aufbringen muss wie ein Einzelfahrer bei ungefähr 14 bis 20 Stundenkilometern.
Aerodynamik-Tipps
Dass der Luftwiderstand der größte Gegner von Rennradfahrerinnen und -fahrern ist, die schnell sein wollen, ist mittlerweile klar. Und es ist auch bekannt, dass zum Beispiel Sitzposition, Fahrrad und Laufräder wichtige Anknüpfungspunkte für bessere Aerodynamik sind.
Hier einige Aerodynamik-Tipps:
- Rasierte Beine: Rasierte Beine bringen einen großen Vorteil.
- Bierbauch vs. Waschbrettbauch: Tatsächlich ist es jedoch so, dass mehr Volumen im Brust- und Bauchbereich aerodynamisch von Vorteil ist.
- Kurze Haare: Kurze Haarschnitte ermöglichen eine deutlich bessere Kühlung des Kopfes.
- Aero-Reifen mit Profil: Aus aerodynamischen Gründen sollte man am Vorderrad keinen Slickreifen fahren, besser ist ein Reifen mit Profil - idealerweise ein explizites Aero-Profil.
Fahrtechnik verbessern
Um sich umringt von anderen Fahrern sicher zu fühlen, ist ein gutes Bikehandling unerlässlich. Einfache Übungen und Fahrweisen helfen hierbei, ein gutes Verhältnis zu seinem Rad aufzubauen.
Eine Möglichkeit sind Geschicklichkeitsübungen wie Slalomfahren, das Aufheben einer Flasche bei langsamer Fahrt oder der Versuch, eine Strecke so langsam wie möglich zurückzulegen.
Gruppentraining
Ein Peloton bedingt die Anwesenheit anderer Radsportler - ebenso wie das Training in einer Gruppe. Im Rahmen der StVZO kann man eine Trainingsgruppe als Simulationsraum für Rennen nutzen.
Die Inhalte: das korrekte enge Fahren am Hinterrad, Ablösungen und anschließendes Wiedereinscheren und eine höhere Grundgeschwindigkeit.
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