Windschatten Rennrad: Vorteile und Techniken für mehr Effizienz

Stell dir vor, du sitzt auf deinem Rad und fährst mit weniger Anstrengung schneller und weiter. Klingt das nicht super? Windschattenfahren ist eine einfache, aber effektive Technik, die sowohl Profis als auch Neulingen enorme Vorteile bietet. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen des Windschattenfahrens, von den Grundlagen bis hin zu Sicherheitstipps, die dir dabei helfen, deine nächste Radtour effizienter und angenehmer zu gestalten.

Grundlagen des Windschattenfahrens

Kennst du das Gefühl, hinter einem Bus herzufahren und plötzlich weniger Gegenwind zu spüren? Dieser Effekt lässt sich beim Radfahren nutzen. Wenn du dicht hinter einem anderen Radler fährst, blockiert dieser einen Teil des Windes, der dir entgegenkommt. Das Ergebnis? Eine Kraftersparnis von 20 % bis 30 % im Vergleich zur selben Geschwindigkeit ohne Windschatten. Je größer die Gruppe, desto höher die Kraftersparnis.

Fahre nahe hinter dem Fahrer vor dir. Dadurch profitierst du am besten vom Windschatten und verlängerst ihn sogar noch. Große Fahrer mit breitem Oberkörper geben natürlich einen besseren Windschatten als kompakte Bergfexe.

Vorteile des Windschattenfahrens

Fahren in der Gruppe und im Windschatten spart 20 % bis 30 % der Kraft im Vergleich zur selben Geschwindigkeit ohne Windschatten. Je größer die Gruppe, desto höher die Kraftersparnis. Sehr effizient: bei Gegenwind die Arbeit aufteilen. Umso mehr sich daran beteiligen, desto entspannter ist es.

Die Kraftersparnis ist gewaltig und man kann je nach Stärke des Windes von einer Ersparnis von 30 Prozent ausgehen. Das hängt natürlich auch von den Wetterverhältnissen ab.

Beim Thema „Kraftaufwand“ ist dabei unter anderem die Position der Fahrer entscheidend. Für die Fahrer im Windschatten spart eine solche aerodynamische Position rund ein Viertel an aufzubringender Leistung.

Mehr als 22 Prozent: So deutlich kann sich der Luftwiderstand im Windschatten reduzieren - und zwar an steilen Bergauf-Passagen. Gegenüber einem allein fahrenden Sportler profitierten alle. Je höher die Geschwindigkeit desto größer war die Widerstandsreduzierung.

Im Schutz des Feldes muss ein Fahrer dagegen bei Idealbedingungen laut neuerer wissenschaftlicher Studien nur rund fünf bis zehn Prozent der Leistung aufbringen, die der Fahrer an der Spitze leistet. Diese modellhafte Rechnung veranschaulicht den großen Einfluss des Windschattenfahrens auf das Rennen.

Die ideale Positionsfolge der einzelnen Fahrer schafft eine Reduzierung der nötigen Leistung um rund fünf Prozent pro Fahrer.

Sicherheitstipps für das Windschattenfahren

Beim Windschattenfahren in der Gruppe ist Sicherheit das oberste Gebot. Da du eng hinter anderen Radfahrern fährst, kann jeder unerwartete Zwischenfall schnell zu einem Unfall führen. Ich spreche da aus Erfahrung, weil ich selbst schon mal das Hinterrad meines Vordermannes geküsst habe. Deshalb müssen alle Fahrer gut kommunizieren und sich an die Sicherheitsregeln halten.

  • Handsignale nutzen: Handsignale sind eine einfache und effektive Methode, um deine Absichten klar zu kommunizieren. Es ist wichtig, dass du frühzeitig und deutlich signalisierst, ob du abbiegen, bremsen oder ein Hindernis auf der Straße anzeigen möchtest.
  • Verbal kommunizieren: Allerdings handeln Handsignale nicht immer aus. In einer chaotischen Situation oder bei schlechten Sichtverhältnissen ist es wichtig, auch verbal zu kommunizieren.
  • Blickkontakt halten: Bevor du deine Position änderst oder eine wichtige Aktion durchführst, suche Blickkontakt zu den Radfahrern um dich herum.
  • Nicht zu nah auffahren: Vermeide es, direkt hinter dem Rad des Vordermannes zu fahren.
  • Gleichmäßiges Tempo halten: Halte ein gleichmäßiges Tempo, um das Risiko von Kollisionen zu minimieren.
  • Vorausschauend fahren: Konzentriere dich nicht ausschließlich auf das Hinterrad des Vordermannes. Schau stattdessen durch die Gruppe hindurch, um Hindernisse frühzeitig zu erkennen.
  • Überholmanöver: Wenn du überholen musst, tue dies immer auf der linken Seite und signalisiere dein Manöver deutlich.
  • Achte auf den Abstand: Halte einen sicheren Abstand - nicht zu nah, um Auffahrunfälle zu vermeiden, aber auch nicht zu weit weg, sonst verlierst du den Windschatteneffekt.

Das Fahren in der Gruppe kann ziemlich beängstigend sein, vor allem für Anfänger. Lass das deine Fahrerkollegen aber wissen, damit sie dir mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Wenn du zu nervös bist und dem Vorderen nicht so nah auffahren willst, halte etwas mehr Abstand. Versuche aber dennoch, den Windschatten nicht abreißen zu lassen. Verlierst Du den Windschatten, hilft ein Hinweis an Vordermann wie bspw.

Stelle sicher, dass dein Fahrrad in gutem Zustand ist und du das nötige Werkzeug und Ersatzteile dabeihast, falls du unterwegs Reparaturen durchführen musst.

Fahrtechniken im Windschatten

Wer im Training in einer Gruppe oder im Rennen im Peloton mitfahren möchte, sollte bestimmte Formationen sicher beherrschen. Die Doppelreihe ist die klassische Technik beim Fahren in der Gruppe. Die beiden nebeneinander fahrenden „Spitzenreiter“ spenden den Nachfolgenden so optimal Windschatten. Je nach Windstärke und Geschwindigkeit bedeutet dies eine Energieersparnis von bis zu 40 Prozent.

Die Duos fahren hintereinander mit minimalem Abstand, was von allen Beteiligten höchste Konzentration verlangt. Einen Führungswechsel deuten die beiden im Wind fahrenden Piloten kurz an, indem sie sich umblicken, ein Handzeichen geben beziehungsweise die Ablösung ansagen und kurz beschleunigen. Danach scheren sie aus - nach links sowie rechts - und gleiten an der Gruppe vorbei, um dann ganz hinten wieder die letzte Position einzunehmen.

Der Nachteil der klassischen Zweierreihe ist, dass beim Wechsel kurzfristig vier Fahrer nebeneinander auf der Straße fahren. Gerade auf verkehrsreichen oder schmaleren Straßen ein nicht zu unterschätzendes Risiko!

Als Alternative kann bei der Doppelreihe auch wie folgt gewechselt werden: Der dem Wind abgewandte oder der links fahrende Führende des Duos beschleunigt zwei, drei Tritte und setzt sich nach rechts vor seinen früheren Nebenmann, sein Hintermann schließt auf und fährt neben ihm.

Wenn eine steife Brise von schräg vorne bläst, staffeln sich die Fahrer seitlich zum Führenden an der dem Wind abgewandten Seite, um sich gegenseitig Windschatten geben können. Dabei sollten sich diese so positionieren, dass sich die Vorderradnabe des nachfolgenden Renners auf Höhe der Hinterradnabe des Führenden befindet. Beim Wechsel lässt sich der führende Pilot auf der dem Wind zugewandten Seite zurückfallen, um seinen Mitfahrern so noch etwas Windschatten zu spenden. Im Optimalfall schließt er sich direkt hinten wieder an. Wenn aber zu viele Fahrer um eine gute Position kämpfen, muss er darauf hoffen, dass ihm ein nachfolgender Pilot eine Lücke aufmacht. Diese Formationsfahrt erfordert etwas Übung.

Ab fünf Personen macht es erst so richtig Sinn, belgisch zu kreiseln. Aus der Vogelperspektive sieht es aus, als würden zwei unterschiedliche schnelle Einzelreihen nebeneinander fahren. Um zu kreiseln, rotieren die Fahrer dabei um eine gedachte Mitte gegen den Wind. Der Vorteil im Gegensatz zur Zweierreihe ist, dass der Führende nur so nur sehr kurz im Wind ist und sich dann zurückfallen lässt. Auf der anderen Seite hat er natürlich weniger Zeit, sich wieder zu erholen, eher das nächste Mal wieder seine Nase in den Wind steckt. Um den belgischen Kreisel richtig gut zu fahren, muss die Leistung hier sehr homogen abgegeben werden. Wenn es funktioniert, sind damit aber hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Am besten mal bei den Frühjahrsklassiker anschauen, wenn Fluchtgruppen unterwegs sind.

Kommt der Wind seitlich von vorne, dann reihen sich die Fahrer in der sogenannten Windstaffel auf, bei der sie schräg versetzt voneinander fahren. Bei Seitenwind ist zudem häufig eine Doppelreihung zu beobachten, bei der die Fahrer auf der vom Wind abgewandten Seite den geringeren Windwiderstand zu überwinden haben.

Verbesserung der Fahrtechnik

Durch Übung lässt sich das Windschattenfahren verbessern. Als Anfänger mag es zunächst herausfordernd erscheinen, aber mit regelmäßigem Training wirst du schnell Fortschritte machen.

  • Starte in kleinen Gruppen: Beginne mit weniger komplexen Gruppenfahrten, um ein Gefühl für das Windschattenfahren zu bekommen.
  • Setze dir kleine Ziele: Arbeite schrittweise daran, näher an andere Fahrer heranzufahren.
  • Nutze jede Fahrt zur Übung: Je mehr du übst, desto sicherer wirst du.

Um sich umringt von anderen Fahrern sicher zu fühlen, ist ein gutes Bikehandling unerlässlich. Einfache Übungen und Fahrweisen helfen hierbei, ein gutes Verhältnis zu seinem Rad aufzubauen. Eine Möglichkeit sind Geschicklichkeitsübungen wie Slalomfahren, das Aufheben einer Flasche bei langsamer Fahrt oder der Versuch, eine Strecke so langsam wie möglich zurückzulegen.

Eine weitere Möglichkeit sind Trainingsreize im Bereich des Cyclocross- oder Bahnradsports. Beim Cyclocross sind die Balance und die Technik wichtige Faktoren, um die Hindernisse oder die teils schlammigen oder technischen Passagen so schnell wie möglich zu überwinden.

Gruppentraining und Rennsimulation

Ein Peloton bedingt die Anwesenheit anderer Radsportler - ebenso wie das Training in einer Gruppe. Im Rahmen der StVZO kann man eine Trainingsgruppe als Simulationsraum für Rennen nutzen. Die Inhalte: das korrekte enge Fahren am Hinterrad, Ablösungen und anschließendes Wiedereinscheren und eine höhere Grundgeschwindigkeit.

Ein effizienter Spezialfall des Gruppentrainings ist die Rennsimulation beziehungsweise das Fahrtspiel. Ein Trainingsbeispiel: 2,5 Stunden mit einer Stunde Fartlek auf einem Rundkurs - pro Runde eine Wertung, etwa an einem Schild oder einer Markierung.

Intervalltraining

Ein Rennen besteht immer aus Phasen mit über- und unterschwelliger Belastung. Je nach dem Typ des anstehenden Rennens beziehungsweise Radmarathons - bergig oder flach - sollte das Training rennsimulative Wechsel zwischen Be- und Entlastungen enthalten. Über die Zeit verschiebt sich das Verhältnis zugunsten der Belastung. Wichtig: Man sollte genug Zeit zum Ein- und Ausfahren vor und nach den Intervallen einplanen.

Einflussfaktoren auf den Windschatten-Effekt

Einflussfaktoren auf Windschatten-Effekte: Dies sind unter anderem das Profil der Strecke, der Wind und die Geschwindigkeit. So muss ein 75 Kilogramm schwerer Fahrer auf einer flachen Strecke und bei Windstille rund 420 Watt treten, um eine Geschwindigkeit von 45 km/h aufrechtzuerhalten. Der gleiche Fahrer, der an dessen Hinterrad klebt, also an der zweiten Position fährt, benötigt für dieselbe Geschwindigkeit nur rund 260 Watt.

Professor Bert Blocken und sein Forscherteam von der Universität Eindhoven veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zum Windwiderstand an unterschiedlichen Positionen im Peloton. Die Fahrer in den äußeren Reihen müssen im Wind noch gegen etwa 60 bis 80 Prozent des Windwiderstands ankämpfen. Die Fahrer in der Mitte des Pelotons profitieren erheblich stärker vom Windschatten ihrer Kollegen. Der Fahrer in der Mitte der dritten Reihe muss lediglich 35 Prozent des Luftwiderstandes überwinden, dem ein isolierter Fahrer bei gleicher Geschwindigkeit ausgesetzt ist. Je weiter hinten die Fahrer im Feld positioniert sind, desto weniger Wind bekommen sie ab.

Steigt die Straße an, dann nimmt der Anteil des Luftwiderstandes am Gesamtwiderstand ab. Einerseits, weil mit abnehmender Geschwindigkeit der Windwiderstand geringer wird, andererseits, weil mit zunehmender Steigung der Steigungswiderstand rapide zunimmt.

Klar ist: Auf dem Rennrad ist der Fahrer zu rund 75 Prozent für den Windwiderstand verantwortlich - das Material „nur“ zu rund 25 Prozent.

Die richtige Position im Feld

Die eine „richtige“ Position gibt es nicht. Das ist das, was den Radsport so spannend macht. Zwei Dinge beeinflussen eine richtige Position jedoch immer und grundlegend: das Sturzrisiko und der Faktor Windschatten. Ersteres lässt sich recht einfach reduzieren. Je weiter vorne man im Feld fährt, desto geringer ist die Zahl an vorausfahrenden Fahrern, die bei einem Sturz das ganze Feld zu Boden reißen könnten. Jedoch greift hier der Punkt zwei: der Faktor Windschatten. Er ist speziell auf Flachetappen der „Scharfrichter“ über Sieg und Niederlage.

Doch hier steigt zum einen das Sturzrisiko - und zum anderen leiden die Fahrer an hinteren Positionen zusätzlich unter dem Nachteil des sogenannten „Ziehharmonikaeffekts“, denn gerade vor Kurven staut sich das Feld oftmals und zieht sich danach extrem in die Länge. Während die Fahrer an der Spitze in normaler bis hoher Geschwindigkeit um die Kurven fahren können, werden jene im hinteren Drittel an Engstellen teilweise bis zum Stillstand aufgehalten.

Um energiesparend durch das Feld nach vorne zu gelangen, ist der Weg durch die Mitte in der Regel die beste Variante. Seitlich am Peloton nach vorne zu fahren, erfordert meist einen erheblichen Kraftaufwand. Auch hierbei sollte man den Windschatten anderer Fahrer nutzen, die sich ebenfalls in der Vorwärtsbewegung befinden.

Für das effiziente Bewegen im Feld und das Halten der Position braucht es oft jahrelange Rennerfahrung. Wer diese nicht besitzt, könnte kaum in einem Profi-Peloton mithalten, - auch wenn die Leistung in windgeschützter Position in Flach-Passagen oft ausreichen würde.

Windschatteneffekt im Peloton

Das Peloton: Rot steht für einen hohen, grün für einen niedrigen Windwiderstand. Idealposition: zentral und weit hinten.

In diesem Abschnitt wird der Windschatteneffekt im Peloton durch eine Grafik veranschaulicht. Die Grafik zeigt, dass Fahrer in der Mitte und im hinteren Bereich des Pelotons den geringsten Windwiderstand haben, während Fahrer an den äußeren Reihen einem höheren Windwiderstand ausgesetzt sind.

Tabelle: Reduzierung des Luftwiderstands im Windschatten

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich der Luftwiderstand in Abhängigkeit von der Position im Peloton reduziert:

Position im Peloton Reduzierung des Luftwiderstands
Fahrer an der Spitze 0%
Fahrer in den äußeren Reihen 20-40%
Fahrer in der Mitte des Pelotons 65%
Fahrer in den hinteren Reihen 80-86%

Fazit

Windschattenfahren ist eine super Technik, um deine Radtouren effizienter zu gestalten. Es spart nicht nur Energie, sondern macht auch das Fahren in der Gruppe zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis, das richtig Spaß macht. Also, schnapp dir dein Rad, such dir ein paar Freunde und probiert es zusammen aus. Du wirst überrascht sein, wie viel leichter die Kilometer vergehen, wenn ihr zusammenfahrt.

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