Rennradfahren im Winter: Bekleidungstipps für Komfort und Sicherheit

Lass nicht das Wetter für dich entscheiden! Mit der richtigen Fahrrad Winterbekleidung kannst du auch im Winter dein Training durchziehen und die atemberaubende Natur entdecken. Jeder hat ein anderes Kälteempfinden. Finde die Kombination, die für dich persönlich am besten geeignet ist.

Die richtige Kleidung wählen

Bereits im Spätsommer oder zu Beginn des Herbstes kann es frischer werden. Im Winter kann es richtig kalt werden. Wäge ab, wie du dich anziehst und was du brauchst. Oftmals trügt der Eindruck. Es ist ratsam, sich nicht zu warm einzupacken. Du solltest aber immer für wechselnde Wetterverhältnisse etwas in deiner Trikottasche dabei haben.

Das Zwiebelprinzip

Bei kaltem Wetter ist das Zwiebelprinzip empfehlenswert. Beim Zwiebelprinzip trägst du mehrere Schichten übereinander. So kannst du flexibel auf Temperaturänderungen reagieren, indem du Teile an- bzw. ausziehst.

Die Schichten im Detail

Die Basis: Baselayer

Starte mit einem Unterhemd. Dieses liegt nah am Körper an und sollte sich wie eine zweite Haut anfühlen. Baselayer bilden die Grundlage für weitere Schichten und haben feuchtigkeitstransportierende und temperaturregulierende Eigenschaften.

Midlayer

Anschließend folgt die Midlayer. Die zweite Lage dient der Isolierung und transportiert zudem den entstandenen Schweiß ab. Dafür kannst du beispielsweise eine lange Radhose mit einem langarm Fahrradtrikot kombinieren.

Toplayer

Abgerundet wird das Layer-Prinzip durch die Toplayer. Die äußere Schicht schützt dich vor den Elementen und du kannst je nach Wetterlage zwischen winddichten oder windabweisenden und wasserdichten oder wasserabweisenden Membranen wählen.

Spezielle Kleidungsstücke und Accessoires

Unterwäsche

Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen will, der findet günstigere Produkte zum Unterziehen.

Radhosen

Die Beine bieten viel Angriffsfläche für Wind und Kälte. Entsprechend wichtig ist eine warme Radhose an kalten Tagen. Die lange Bib verspricht eine “hochfunktionale” Radhose mit wasserabweisender Oberflächenbehandlung.

Socken

Kalte Zehen und Füße mag niemand. Im Winter können die schicken dünnen Radsocken gegen wärmere getauscht werden. Die Ultraz Winter Socks Evo versprechen hohe Isolierungskraft und gutes Feuchtigkeitsmanagement.

Winterschuhe oder Überschuhe

Ob Überschuhe oder ein Winterschuh, da scheiden sich die Geister. Richtige Winterschuhe halten oftmals wärmer als Überschuhe und die Kältebrücke Pedal-Cleat-Fuß ist isoliert, so dass weniger Kälte in den Schuh kriechen kann. Wer nur selten bei Minusgraden aufs Rad steigt, hat mit Überschuhen die richtige Wahl getroffen und muss nicht so tief in die Tasche greifen. Wer jedem Wetter und jeder Temperatur trotzt, greift besser zum Winterschuh. Die Investition lohnt sich.

Damit Kälte und Nässe nicht in den Schuh kriechen, braucht es gute Überschuhe. Die Sleet-Insulated von Gorewear bieten guten Wetterschutz, Reißverschluss, Reflexmaterial und sind schön warm.

Handschuhe

Es gibt wohl kaum etwas Unangenehmeres als schmerzende oder taube Zehen und Fingerspitzen bei eisiger Kälte. Zuhause angekommen, dauert es eine Weile, bis Hände und Füße wieder aufgetaut sind. Oft spürt man die Auswirkungen der Kälte noch Stunden später.

Die Gore-Tex Infinium Thermo Split waren Teil eines großen Winterhandschuhtests. Fäustling mit separatem Fach für Zeige- und Mittelfinger, das etwas weiter sein dürfte; leicht schwammiges Griffgefühl, Schalten und Bremsen geht dennoch gut; sehr gut ­ausgestattet und verarbeitet, am Nasen­wischer perlt Nässe schlechter ab als am Oberstoff.

Mützen und Helme

Ein Multifunktionstuch und eine Cap schützen dich vor dem Wind. Unter dem Helm zieht es bei kühlen Temperaturen im Winter schnell. Abhilfe schafft eine Unterziehmütze, wie die Bike Windproof Cap III von Vaude. Die Helmmütze von Gore Wear bietet Rundum-Wetterschutz in Stirnbandform, oben dampfdurchlässig, hoher Tragekomfort, Allround-Passform, in zwei Größen erhältlich, auch in Signalfarbe, macht Windgeräusche.

Profis nutzen Aero-Helme auch deshalb gern bei den kühlen Klassiker-Rennen, aber auch für Hobbyfahrer verbessern sie das Kopfklima enorm. Mit geschlossenen Helmen kann die Mütze bei der Fahrrad-Winterkleidung deutlich dünner ausfallen, das ist angenehmer zu tragen und trocknet auch schneller wieder.

Brillen

Im Winter kannst du eine Sportbrille tragen, was bei Reflektionen durch Schnee vorteilhaft ist und zudem die Augen vor Fahrtwind schützt. Für den Winter eignen sich helle oder kontrastverstärkende Gläser, die meist gelb oder orange eingefärbt sind.

Jacken und Westen

Um am Oberkörper nicht zu frieren, sollte eine Fahrradjacke übergezogen werden, wie die Vaude Posta IV, die es im Shop zu Kaufen gibt. Wir attestierten ihr in unserem Softshelkombi-Test sehr gute Isolationseigenschaften.

Bei etwas milderen Temperaturen, wie sie auch an manchen Tagen hierzulande im Winter anzutreffen sind, kommen Westen wieder zum Einsatz. Die Assos Mille Wind Vest lässt sich mit einem Gewicht von lediglich 75 Gramm (Größe M) perfekt bei jeder Ausfahrt mitnehmen und schützt bei Bedarf auf langen Abfahrten oder bei starkem Wind vor dem Auskühlen.

Sicherheit geht vor

Sichtbarkeit

Wähle eine Signalfarbe aus. Diese solltest du immer dabei haben, auch wenn es beim Losfahren im Winter noch hell ist. Ein Rücklicht am Fahrrad ist unerlässlich. Besonders auf viel befahrenen Straßen ebenfalls.

An Tagen mit schlechter Sicht ist eine Brille mit oranger Scheibe die beste Wahl. Grünes und rotes Licht lässt sie gewähren und schluckt dafür einen Großteil der blauen Strahlen. Kontraste erscheinen heller, Kanten schärfer. Ausgestattet mit solch orangenen Gläsern ist beispielsweise die Uvex Sportstyle 204, die es schon für 25,95 Euro gibt.

Beleuchtung

Unabdingbar für die Fahrt bei Dunkelheit im Winter ist die richtige Beleuchtung.

Weitere Tipps für das Wintertraining

  • Für die Übergangszeit ist beispielsweise eine kurze Thermo Bib mit einem Langarm Fahrradtrikot ausreichend.
  • Beinlinge oder Knielinge kombinieren.
  • eine Fahrradweste drüber zu ziehen.
  • Merinowolle hat die Eigenschaft, Feuchtigkeit besonders schnell vom Körper wegzuleiten.
  • Bremswege sind länger bei winterlichen Elementen.
  • Wenn es regnet ist ein Helmüberzug sehr praktisch.
  • Es ist ratsam, sich nicht zu warm einzupacken.

Die richtige Ausrüstung

Neben der speziellen Bekleidung ist auch ein spezielles Material am Rennrad im Winter sinnvoll. Aufgrund der besonders häufig auftretenden Verschmutzungen der Straßen können besonders pannensichere Reifen sinnvoll sein. Breitere Reifen, etwa 30 Millimeter breite Modelle, die mit einem geringeren Luftdruck gefahren werden können, „rollen“ leichter über spitze Steinchen oder ähnliches hinweg.

Da auf den oftmals besonders feuchten Straßen zudem viel Streusalz und andere Verschmutzung liegt, kann eine intensivere Pflege des Materials sinnvoll sein.

Interview mit Experten

Worauf kommt es beim Rennradfahren im Winter besonders an? Maike Frye und Ingo Engelhardt von den Hamburger Radsport-Teams Grl.Pck und Canyon Rad Pack im Interview.

Maike: Ob ich auf der Straße fahre, hängt kaum von den Temperaturen ab. Mit der richtigen Bekleidung kann man sehr gut auch bei Minustemperaturen auf der Straße fahren.

Ingo: Wir fahren bei allen Temperaturen. Alle Hamburger oder Nordlichter wie wir können das sicherlich nachvollziehen: Wir haben viele Regentage und vor allem jeden Tag Wind. Eine gute Trainingsgruppe hilft enorm. Wenn man weiß, dass am Treffpunkt fünf Leute warten, dann muss man auch da sein.

Maike: Ich persönlich fahre im Winter am liebsten ohne Stopps, da ich sonst zu sehr auskühle. Zudem ist es für mich wichtig, dass vor allem meine Finger und mein Brustkorb warm sind.

Ingo: Wir haben mittlerweile die Regel, dass wir bei Drei-Stunden-Ausfahrten keine langen Pausen machen. Wenn man einmal stehen bleibt, dauert es einfach zu lange, bis man wieder warm gefahren ist. Die Finger und die Füße müssen warm sein. Sonst strahlt die Kälte direkt in die Arme und Beine. Die Gore-Wear-Shield-Thermo-Überschuhe und -Handschuhe sind mein Tipp, dazu dicke Socken. Viele ziehen zwei Paar Socken übereinander an.

Maike: Für mich persönlich ist die Temperatur der Faktor, auf den man am besten reagieren kann. Wenn die Bekleidung besonders leicht, dünn und atmungsaktiv ist, kann man mit mehreren Schichten sehr flexibel sein.

Maike: Prinzipiell trainiere ich im Winter vor allem meine Grundausdauer, mit dem Beginn der Saison werden die Einheiten dann wieder intensiver. Dazu fahre ich unter der Woche trotzdem kürzere, etwas härtere Einheiten, da ich keine Zeit für lange Ausfahrten habe. Die längeren, weniger intensiven Ausfahrten verlege ich dann auf das Wochenende und wenn möglich in die Tageslichtstunden.

Ingo: Wichtig ist, dass man auch beim Rennradfahren im Winter genügend trinkt. Man verspürt bei der Kälte oft weniger Durst, der Körper benötigt aber dennoch Flüssigkeit. Iso-Trinkflaschen mit warmem Tee sind optimal. Das wichtigste bleibt aber, vorher ausreichend gegessen zu haben. Ein Hungerast ist im Winter besonders unangenehm.

Ingo: Mein Geheimtipp: bei langen Ausfahrten, ein zweites Unterhemd mitnehmen! Das passt immer noch in die Rückentasche. Während einer längeren Pause kann ich mir so ein trockenes Unterhemd anziehen und friere nicht. Ansonsten, grundsätzlich: Lieber einmal in die richtige Bekleidung investieren, als fünfmal die falschen Sachen zu kaufen, nur weil die im ersten Moment günstiger erscheinen.

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