Der Frühling ist da und mit ihm die neue Fahrradsaison. Es ist also an der Zeit, sich den eigenen Drahtesel mal genauer anzusehen. Fahrradteile verschleißen über die Jahre und müssen ausgetauscht werden. Doch wohin damit?
Wohin mit alten Fahrradreifen?
Die Luft ist raus, der platte Reifen muss ersetzt werden. Grundsätzlich können alte Fahrradreifen einfach in den Müll geworfen werden. In den meisten Fällen wird das wohl auch so gehandhabt - es ist die einfache und preisgünstige Lösung. Allerdings gibt es in einigen Landkreisen spezielle Vorschriften, die eine Entsorgung von Fahrradreifen in der Restmülltonne untersagen und den Gang zum Wertstoffhof verbindlich vorschreiben.
Fahrradreifen sind sogenannter Mischabfall. Das heißt, es kommen dabei mehrere Komponenten zusammen, die eigentlich eine unterschiedliche Behandlung erfordern. Diverse Chemikalien, Gummimischungen, Kautschuk, Kevlar und sogar Metall - das alles ist schwer unter einen Hut zu bekommen. Viele Materialien sind aber noch sinnvoll verwertbar, weshalb sich die Abgabe der alten Fahrradreifen bei einem Wertstoffhof lohnt.
Eine weitere, oft nicht bekannte Möglichkeit zur Entsorgung von Fahrradreifen ist die Abgabe bei einem Fahrradhändler. Zwar besteht dazu keine gesetzliche Pflicht, aber viele Händler nehmen alte Reifen trotzdem zurück. Das ist in der Regel gar keine schlechte Sache, weil die gut vernetzten Händler die teils schwer zu recycelnden Gummi-Elemente sinnvoller Weiterverarbeitung zuführen können und über entsprechende Kontakte zu Herstellern verfügen. Fahrradreifen für den nächsten Sperrmüll zu sammeln, ist ebenfalls eine praktikable Lösung.
Recycling von Fahrradreifen
Defekte Fahrradreifen müssen bald nicht mehr verbrannt werden: Die TH Köln hat ein neues Recycling-Verfahren entwickelt. Ein platter Reifen am Rad landet hierzulande im Restmüll und kommt zur Müllverbrennungsanlage. „Dieses Verfahren ist aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll“, sagt Danka Katrakova-Krüger vom Institut für Allgemeinen Maschinenbau der TH Köln. Gemeinsam mit Partnern hat sie ein Verfahren für Recycling von Fahrrad-Altreifen entwickelt. Zu den Partnern der Technischen Hochschule Köln gehören im Projekt „Innovatives rohstoffliches Verwertungskonzept für Fahrrad-Altreifen im Sinne einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft“ die Ralf Bohle GmbH und Pyrum Innovations AG. Zu Ralf Bohle gehört unter anderem die Fahrradreifen-Marke „Schwalbe“.
Die Firma Schwalbe bietet ein Recycling-Konzept an, bei dem alle Radfahrer und Radfahrerinnen ihre kaputten Schläuche und neuerdings auch Reifen einfach und kostenfrei im nächsten Bike-Shop abgeben können. Ab sofort werden jedoch auch die Mäntel recycelt. Aus dem gewonnenen Gummigranulat, Stahl und Gewebe werden neue Fahrradreifen produziert.
Das Schwalbe Recycling System
Als erster Fahrradreifenhersteller weltweit kümmern wir uns um die Rückführung und das Recycling von gebrauchten Fahrradreifen aller Marken. Das vollständig geschlossene Kreislaufsystem trägt proaktiv zur Energie- und Ressourcenschonung bei und spart 80% CO2 ein.
Kunden können die Fahrradreifen bei allen Händlern, die sich an dem Programm beteiligen, abgeben. Das Logistikunternehmen Emona bringt die Sammelcontainer zum Reifen-Recycling-Stützpunkt von Pyrum. Dort werden die Bestandteile der Reifen in einem patentierten, thermischen Verfahren voneinander getrennt. Danach werden die wiedergewonnenen Rohstoffe für die Produktion neuer Reifen einsetzt. Knapp 80 Prozent CO2 werden laut Schwalbe so gespart.
Auf der Schwalbe-Webseite finden sich mittlerweile über 1300 teilnehmende Händler. Dort können alte Fahrradreifen abgegeben werden. Es wird jeder Fahrradreifen angenommen und recycelt. Und man kann natürlich auch Reifen abgeben, wenn man keinen neuen kauft.
Die Abgabe alter Reifen im Rahmen des Schwalbe Recycling Systems bei deiner Fachhändlerin oder deinem Fachhändler ist in der Regel mit einer kleinen Gebühr verbunden. Bitte erkundige dich vorab direkt vor Ort.
Pyrolyse-Verfahren
Mittels Pyrolyse werden chemische Verbindungen durch Hitzebehandlung unter Luftausschluss gespalten. Da hohe Temperaturen zum Einsatz kommen, werden die Bindungen innerhalb der Moleküle gespalten. Aufgrund des Sauerstoffausschlusses bedarf es keiner Verbrennung mehr.
Das Projektteam behandelt in einer Pyrolyse-Anlage Altreifen bei Temperaturen zwischen 550 und 750 Grad unter Sauerstoffabschluss thermisch. Das Ergebnis: Der Fahrradreifen zersetzt sich in drei Teile - und zwar Pyrolysegas, -öl und -koks.
- Pyrolysegas ist brennbares Gas, das in erster Linie durch Pyrolyse von Biomasse bei Temperaturen von unter 500 bis zu 1.500 °C aus den flüchtigen Bestandteilen gewonnen wird.
- Pyrolyseöl wird auch „Bio-Öl“ genannt und besteht aus einer dunkelbraunen Flüssigkeit. Es lässt sich zu wertvollen Feinchemikalien für die chemische Industrie weiterverarbeiten.
- Das Pyrolysekoks nennt sich auch Recycling-Ruß und soll wieder in die neuen Fahrradreifenmischungen eingebracht werden.
Das Verfahren ist so umweltschonend, da sich die Anlage vollkommen energieautark betreiben lässt.
Weitere Möglichkeiten der Fahrradteile-Entsorgung
Fahrradkette
Ein weiteres Verschleißteil ist die Fahrradkette. Ketten aus Stahl werden als Altmetall bei der Wertstoffsammelstelle angenommen. Alternativ darf die Fahrradkette -sofern sie rein aus Metall besteht- in die Wertstofftonne. Mehr und mehr etabliert sich als nachhaltige Alternative zur Kette der Riemenantrieb. Ein Riemen hält bis zu dreimal länger als eine handelsübliche Fahrradkette. So entsteht weniger Müll. Jedoch ist der Riemen, wenn er dann einmal ausgedient hat, aufgrund seines Carbonanteils als Problemabfall anzusehen.
E-Bike-Akkus
Batterien/Akkus in E-Bikes gelten als Industriebatterien und unterliegen demnach dem Batteriegesetz (BattG). Aufgrund der 🔥 Brandgefahr dürfen sie unter keinen Umständen im Restmüll entsorgt werden sondern müssen bei ausgewiesenen Rücknahmestellen abgegeben werden. Nach § 8 BattG sind Händler und Hersteller von E-Bikes und E-Bike-Akkus zur kostenfreien Rücknahme von Industriebatterien verpflichtet, sofern sie diese in ihrem Sortiment führen.
Komplettes Fahrrad
Soll gleich das komplette Fahrrad entsorgt werden, bieten sich Fahrradbörsen vor Ort, ein Inserat bei Kleinanzeigenportalen oder in der Zeitung an. Außerdem nehmen alle Wertstoffsammelstellen Fahrräder an. Kette und Kurbel - Gemeinnütziges Fahrradrecycling holt die Fahrräder von den Wertstoffhöfen in Bobingen, Diedorf, Königsbrunn, Leitershofen, Meitingen, Neusäß, Schwabmünchen, Diedorf und Untermeitingen ab und setzt sie wieder instand oder verbaut noch brauchbare Teile in andere Gebrauchträder.
Ein klassischer Entsorgungsweg ist der lokale Wertstoffhof. Dort kannst Du Dein Fahrrad problemlos abgeben - für Privatpersonen ist dieser Service häufig kostenlos. Die gewerbliche Entsorgung von Fährrädern ist beim Wertstoffhof wiederum fast immer mit Kosten verbunden. Wenn die Zeit nicht drängt, ist eine einfache Möglichkeit, das Fahrrad im Rahmen der nächsten Sperrmüllabholung zu entsorgen. Diese wird von Städten und Gemeinden in der Regel kostenlos angeboten, allerdings nur zu bestimmten Zeiten bzw. auf Nachfrage.
Zügiger klappt das Ganze mit der Miete eines Sperrmüllcontainers. In diesem Fall stellt Dir ein privates Entsorgungsunternehmen einen Container für die Entsorgung Deines Fahrrads zur Verfügung. In dem Container dürfen neben dem Rad auch weiterer Sperrmüll wie Matratze, Möbel, Spiegel und Co. landen. Achtung: ein E-Bike zählt nicht als Sperrmüll, sondern Elektro-Altgerät.
Die wohl bequemste Entsorgungsoption ist die Abholung des alten Fahrrads. Zuletzt besteht die Möglichkeit, ein Fahrrad beim Schrotthändler zu entsorgen. Hier sei angemerkt, dass nicht alle Schrotthändler Fahrräder annehmen. Um erfolglose Versuche zu vermeiden, solltest Du den jeweiligen Anbieter vorab kontaktieren.
Alternativen zur Entsorgung
Das Fahrrad als Abfall zu entsorgen, sollte der letzte Weg sein. Denn Fahrräder sind in der Regel sehr robust und defekte Einzelteile können noch ausgetauscht bzw. repariert werden. Viele Fahrradhändler oder Fahrradwerkstätte nehmen gerne alte Räder an, die sie anschließend reparieren und neu verkaufen. Bei gut erhaltenen Modellen kannst Du für Dein Rad sogar noch etwas Geld heraushandeln. Apropos Fahrradwerkstatt: die Reparatur eines Fahrrads ist oft günstig möglich und bringt es wieder in Schwung. Mache mit Deinem geliebten Drahtesel doch einem anderen eine Freude und spende es zum Beispiel einer sozialen Organisation. Für kreative Köpfe kann die Fahrradentsorgung auch zur Inspiration für eine neue Deko in Haus oder Garten werden.
Alte Reifen können noch zu vielerlei Zwecken dienen. Zum Beispiel können Reifenstücke als Transportsicherung für empfindliche Gegenstände verwendet werden. In kleine Stücke geschnitten, können sie auch als Gummipuffer für Schraubverbindungen dienen. Das sogenannte „Upcycling“, also die Zuführung einer neuen Verwendung, kann eine interessante Alternative zur Entsorgung darstellen. Zu diesem Zweck können gebrauchte Reifen zum Beispiel bei Ebay, auf Flohmärkten oder in Kleinanzeigen veräußert oder verschenkt werden.
Kosten der Entsorgung
In vielen Fällen ist die Entsorgung eines Fahrrads kostenlos möglich: ob Wertstoffhof, Sperrmüllabholung oder Schrotthändler, hier wirst Du das Rad mit kleiner Münze los. Bei der Abgabe beim Fahrradhändler, in der Werkstatt oder beim Verkauf an Privatpersonen kannst Du mitunter auch noch etwas Geld bekommen. Bei einer Abholung bzw. Entrümpelung sind die Kosten von Faktoren wie zum Beispiel dem Transport- und Personalaufwand abhängig. Wenn Du einen Sperrmüllcontainer mieten möchtest, ist vor allem der Standort sowie die Containergröße ausschlaggebend für den Preis. Beachte allerdings, dass in einem Container neben einem Fahrrad zahlreiche weitere Gegenstände Platz finden.
Wann sollte ein Reifen gewechselt werden?
Wenn ein Fahrradreifen abgenutzt, rissig oder beschädigt ist, sollte er allerdings aus Gründen der Fahrsicherheit ausgetauscht werden. Abgefahrene und spröde Reifen haben bei Nässe und Glätte eine deutlich verringerte Bodenhaftung. Der Bremsweg wird dann übermäßig lang und das Fahrrad kann bei Bremsmanövern und in Kurvenfahrten viel schneller außer Kontrolle geraten. Unfälle mit dem Fahrrad sind keine Lappalie, sondern können zu schweren Verletzungen führen und andere Verkehrsteilnehmer in Mitleidenschaft ziehen. Daher gilt auch beim Fahrrad wie beim Auto, dass mit ordentlicher Bereifung gefahren werden sollte, um kein Sicherheitsrisiko einzugehen.
Zusammenfassung der Entsorgungsmöglichkeiten
Hier eine Übersicht der verschiedenen Entsorgungswege für Fahrradreifen und andere Fahrradteile:
- Restmüll: Fahrradreifen, Fahrradschläuche, Fahrradhelme
- Wertstoffhof: Altmetall (Fahrradkette), Elektroschrott (Fahrradlicht, Tacho, smarte Helme), E-Bikes, Fahrräder
- Fahrradhändler: Alte Reifen im Rahmen des Schwalbe Recycling Systems
- Sperrmüll: Fahrräder (in den meisten Gemeinden)
- Schrotthändler: Fahrräder
Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein
Fahrradfahren liegt im Trend: Es ist gesünder und umweltfreundlicher als die tägliche Spritztour mit dem Auto. Außerdem ist es günstiger - denn der ständige Weg zur Tankstelle entfällt. Wenn nur der lästige Reifenwechsel nicht wäre!
Durch das Recycling von Fahrradreifen werden wertvolle Rohstoffe wiederverwertet und die Umwelt geschont. Achten Sie daher auf eine fachgerechte Entsorgung oder nutzen Sie die Recyclingangebote von Herstellern wie Schwalbe.
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