Die Frage, ob Wölfe für Radfahrer eine Gefahr darstellen, ist ein viel diskutiertes Thema. In der Regel meiden Wölfe den Menschen eher. Für ihren Revieranspruch sind wir ihnen wohl eher egal. Dass Wölfe einem Menschen gefährlich werden, passiert nur in ganz seltenen Sondersituationen.
Risikoeinschätzung und Verhaltensempfehlungen
Von einem wildlebenden Wolf geht in der Regel keine Gefahr für Menschen aus. Wölfe sind von Natur aus vorsichtige Tiere, die normalerweise Begegnungen mit Menschen meiden. Diese Scheu vor dem Menschen ist auch der jahrhundertelangen intensiven Bejagung geschuldet.
Spaziergänger, Radfahrer und Jogger werden Wölfe in der Regel nicht zu Gesicht bekommen. Die Wölfe bemerken den Menschen frühzeitig und suchen das Weite. Sie sehen ihn nicht als Beute an. Pilz- oder Beerensammler, die tief in Dickichte eindringen, können dagegen schon einmal auf einen ruhenden Wolf stoßen. Sie sollten sich ruhig verhalten und dem Wolf die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen.
Einzelne Jungwölfe, zumeist Rüden unternehmen weite Wanderungen um ein neues Rudel zu gründen. Diese Tiere sind neugierig und ausserdem sind sie als Einzeljäger darauf angewiesen, leichte Beute zu machen. Sie können entsprechend auch immer wieder in der Nähe von Gehöften oder menschlichen Siedlungen angetroffen werden, wo sie gelegentlich auch Haustieren nachstellen. Auch von diesen Wölfen geht in der Regel keine Gefahr für den Menschen aus.
Meine Reaktion (wenn ich mich bedroht fühlen würde) wäre anhalten, Rad zwischen mich und den Wolf bringen, ihm böse direkt in die Augen schauen und knurren. Wenn er dichter kommt: anschreien, in die Hände klatschen.
Pfefferspray als Option
Tip: zwei Dosen Pfefferspray kaufen (eine zum üben). Tip zum Tip: Kein PfefferSPRAY kaufen, sondern PfefferSCHAUM. Bei Spray besteht die große (und oftmals unterschätze) Gefahr, dass der Wind doof steht und man selber eine ordentliche Ladung abbekommt. Bei Schaum ist dem nicht so.
Der/die Wolfsbeauftragte würde sich auch sehr für einen zu neugierigen Wolf interessieren!
Statistiken und Fakten zu Wolfsangriffen
Eine wissenschaftliche, sehr umfassende Recherche (Nina Institut Norwegen 2001) fasste Angriffe von Wölfen auf Menschen weltweit zusammen. Von 1950 bis 2000 wurden in Europa 59 Zwischenfälle festgestellt. In 38 Fällen war die Ursache die Tollwut, fünf dieser Angriffe endeten tödlich. In 21 Fällen war Tollwut nicht ursächlich, davon endeten vier tödlich, alle in Spanien.
Eine Gesamtschau des Berichts zeigt, dass die meisten nicht tollwutbedingten Unfälle auf angefütterte, provozierte oder wie in Lettland und Litauen auf entlaufene und halbzahme Wölfe oder Hybriden (Mischlinge) von Wolf und Hund zurückzuführen sind.
Inzwischen spielt die Tollwut in Deutschland wie auch in den meisten angrenzenden Ländern keine Rolle mehr. Trotz Zunahme der Wolfspopulation in Europa in den letzten 30 Jahren hat die Zahl der Unfälle mit Wölfen abgenommen.
In Rumänien, dem Land mit der stärksten Wolfspopulation (circa 3000 Tiere), gibt es nur einige wenige Berichte von Bissverletzungen, wenn Schäfer versucht haben, einen Wolf zu erschlagen. Dabei durchstreifen Wölfe in Rumänien wie in allen anderen Wolfsregionen regelmäßig Siedlungen.
Auch wenn Vergleiche immer problematisch sind, wenn es um Menschenleben geht, sei angemerkt, dass sich in Deutschland laut ADAC allein im Jahr 2009 an die 2800 Autofahrer bei Wildunfällen verletzten. 13 Menschen starben dabei - ohne dass jemand auf die Idee käme, Rehen und Wildschweinen ihr Lebensrecht abzusprechen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden in Deutschland wesentlich mehr Menschen durch den "besten Freund des Menschen" getötet: Haushunde haben in Deutschland jährlich 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen und drei bis vier getötete Menschen zur Folge.
Wolfsverhalten und Jagdinstinkte
Wölfe sind wie unsere Hunde vor allem Fleischfresser. Sie sind auf keine bestimmten Tierarten spezialisiert, sondern jagen, was in ihrem Revier lebt. Sie greifen daher auch Nutz- und Haustiere an. Doch hierfür können Lösungen gefunden werden. In anderen "Wolfsländern" hat sich eine umsichtige Kombination aus Schutzzäunen, Herdenschutztieren und Ausgleichszahlungen für Nutztierhalter bewährt.
Eines fressen Wölfe ganz sicher nicht: Menschen, egal welchen Alters. Der Mensch gehört nicht ins Beuteschema des Wolfes. Trotzdem wird immer wieder die Angst vor dem Wolf geschürt. Sogar einen Namen gibt es für diese Polemik: das „Rotkäppchen-Syndrom“, abgeleitet vom gleichnamigen Märchen, in dem der Wolf nicht nur die Großmutter, sondern die Enkelin gleich mit frisst.
Aktuelle Wolfsrisse und Beobachtungen
Aus mehreren Regionen Deutschlands werden wieder neue Wolfsrisse von Nutztieren gemeldet. Zugeschlagen hat der Räuber u.a. in Uckermark und Barnim. In Klein Ziethen sind zwei Sika-Hirsche im Gehege tot. Auch in Hille bei Minden hat sich ein Wolf an Weihnachten drei Schafe geholt. Der Schäfer brachte seine Herde dann an den Feiertagen noch in Sicherheit.
Schafrisse werden auch aus dem Osterzgebirge, und hier erstmals aus Schellerhau, gemeldet. Für Aufregung sorgen Wolfsbeobachtungen am Niederrhein in der Nähe von Anholt bei Isselburg (NRW). Am 4. Januar war es bereits zu einem mutmaßlichen Wolfsriss gekommen, bei dem ein Schaf getötet wurde. Nun berichten auch Jogger und Radfahrer von Wolfssichtungen auf den umliegenden Wirtschaftswegen.
Die Rolle von Medien und Interessengruppen
Auffallend ist es, dass die schlimmsten Hassatacken und Äußerungen nicht von Schäfern oder Nutztierhaltern verfasst werden, sondern von Reiterinnen. Dabei trauen viele oft gerade Frauen nicht zu, dass sie dermaßen drastisch reagieren könnten. Fakt ist allerdings, dass die Reiterszene tatsächlich wenig bis gar nicht von Wolfsrissen betroffen ist. Viel mehr Pferde kommen durch Übergriffe von Pferderippern oder Fehlschüssen durch Jäger zu Tode oder zu Schaden, als durch Übergriffe von Wölfen.
Es ist kein einziger Artikel bei der WELT zu finden, der neutral oder gar pro Wolf berichtet. Schon 2016 hieß es „Die Rückkehr der Wölfe ins Land der Ahnungslosen.“ 2023 wird im Sender der WELT sogar mit Kriegsrhetorik getitelt: „Kriege alle paar Tage Videos, worin Wölfe über Schafe, Rinder, Pferde hergefallen sind“.
Verhalten von Wölfen in der Nähe von Siedlungen
Wilde Wölfe sind sehr scheue Tiere und meiden den Kontakt zu Menschen - auch bei der nächtlichen Suche nach leicht erreichbarer Nahrung in der Nähe menschlicher Siedlungen.
In den vergangenen 14 Tagen kamen mehrfach Meldungen in den Massenmedien, in oder in der Nähe von Städten seien Wölfe gesichtet worden. Waren Wolfsmeldungen vor einigen Jahren noch „ganz toll und ganz weit weg“, kommen die Wölfe gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW gefühlt näher und damit werden sie bedrohlicher.
Wandernde Wölfe wählen häufig Wege „des geringsten Widerstands“. Wozu sollen sie sich durch Unterholz zwängen, wenn 10 m nebenan ein Waldweg verläuft? Das Problem bei Waldwegen ist, dass sie irgendwann an Straßen enden, die wiederum in Dörfer oder gar Städte führen. Gelegentlich, nicht oft, verirren sich die Wölfe dann in Städte oder nehmen die langsam zunehmende Bebauung nicht als bedrohlich wahr, bis sie in der Stadt stehen.
Verhaltensregeln bei Begegnungen mit Wölfen
Die Wahrscheinlichkeit, dass einem ein streunender Hund über den Weg läuft, ist um ein vielfaches größer, als bei einem Wolf. Dennoch sollte man zusehen, dass man das Tier fotografiert, Ort notiert und ggf. der Polizei oder der Umweltbehörde meldet. Wie bei jedem anderen Wildtier dieser Größe ist Vorsicht angesagt. Keine gute Idee ist, den Wolf anzulocken oder zu verfolgen. Dort, wo viel Verkehr ist, sollte man auch nicht versuchen, ihn wegzujagen. Zu leicht rennt er in den Verkehr, ein Unfall mit einem über 25 Kilo schweren Tier ist kein Pappenstil und kann durchaus zu Verletzten führen.
Es gab vereinzelt Berichte, nachdem ein Wolf neben Fahrradfahrern her gerannt ist oder Jogger verfolgt haben soll. In jedem dieser Fälle war dies Spiel- oder Neugierverhalten. Wölfe können längere Strecken mit über 50 km/h rennen, im Sprint sogar noch schneller.
Sinnvoll ist, den Hund anzuleinen und dicht zu sich zu holen. Trotzdem kann es Schwierigkeiten geben: Wölfe kommunizieren deutlich über Körpersprache, die sie im Rudel erlernen. Hunde könnten das genauso, sind aber häufig mit Menschen und nicht mit anderen Hunden oder Wölfen sozialisiert (insbesondere kleine Hunde scheinen eher gar nicht sozialisiert zu sein). Es ist also leider zu erwarten, dass es zu Missverständnissen kommen kann, wenn sich Hund und Wolf begegnen und es zu einer Rangelei oder gar einem Kampf kommt. In der Regel genügt es, wenn der Hund dem Wolf Unterwürfigkeit demonstriert, was er leider in den seltensten Fällen tun wird. Die fehlende Unterwürfigkeitshaltung wird vom Wolf als Herausforderung interpretiert. Mit etwas Glück (für den Hund) reicht dem Wolf ein symbolischer Sieg, dann muss der Hund aber mitspielen.
Wölfe sind groß, kräftig, haben große Zähne und sind in der kulturellen Erinnerung immer ein Feind gewesen. Doch seit wir davon ab sind, Kinder als Hüter von Kleinvieh in die Wälder zu schicken, scheint keine echte Gefahr mehr zu bestehen. Der letzte Angriff eines freilebenden Wolfes in Deutschland stammt aus dem Jahr 1674, damals wurde eine Frau von einem tollwütigen Wolf getötet (wobei keineswegs sicher ist, ob der Wolf oder die Tollwut die Frau umbrachte). Ein Fall von 1977 steht noch in der Statistik, als ein siebenjähriger Junge von einem Wolf totgebissen wurde, der beim Transport zwischen zwei Wildparks ausgebrochen war.
Bitte rote Kleidung vermeiden.
Zusammenfassende Tabelle: Wolfsangriffe und Risikofaktoren
| Faktor | Beschreibung | Risiko |
|---|---|---|
| Tollwut | Infektion, die das Verhalten von Wölfen verändert | Hoch (falls vorhanden) |
| Anfüttern/Provozieren | Wölfe werden an Menschen gewöhnt oder gereizt | Mittel |
| Hybride (Wolf-Hund-Mischlinge) | Verlieren möglicherweise ihre natürliche Scheu | Mittel |
| Nähe zu Siedlungen | Wölfe suchen nach Nahrung in der Nähe von Menschen | Gering |
| Direkte Begegnung im Wald | Überraschende Begegnung in dichtem Gebiet | Sehr gering |
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