Sitzbeschwerden gehören zu den Hauptproblemen bei Radsportlern, egal ob Profi oder Jedermann. 60 % aller Radfahrer klagen darüber, der Rest ignoriert den Schmerz meist weg. Kritisch wird es, wenn sich aus den Sitzproblemen mehr entwickelt. Insbesondere zum Saisonende sollte man die Bike-freie Zeit nutzen, um sich mit dem Hintergrund der persönlichen Sitzbeschwerden in Ruhe zu beschäftigen.
Ursachen für einen wunden Po beim Radfahren
Das Gesäß muss einen Großteil des Gewichts tragen. Die wenigen Quadratzentimeter, die als Sitzfläche dienen, werden somit einer hohen Druckbelastung ausgesetzt - Probleme sind vorprogrammiert. Wie kommt es nun zu dem besagten Schmerzen an der Sitzfläche? Besonders bei langen Fahrrad-Ausfahrten und MTB-Touren werden die Haut, die Sitzknochen und der Dammbereich gereizt. Wenn dann auch noch bei schlechtem Wetter Feuchtigkeit und Dreck hinzukommen, reibt es die Haut buchstäblich auf, wunde Stellen sind die Folge.
Wundscheuern - im Volksmund auch „sich einen Wolf laufen“ - genannt, ist der Zustand der Haut, bei dem zwei separate Hautpartien gegeneinander reiben oder die Haut gegen Stoff reibt. Hautrötungen, Jucken, Entzündungen, Überempfindlichkeit, Schmerzen und Anschwellen der jeweiligen Stelle sind Anzeichen für dieses Problem. Diese Symptome können sich noch verschlimmern, wenn die betroffene Hautpartie mit Wasser in Berührung kommt.
Wundscheuern entsteht beim Radfahren meistens an den Oberschenkeln - wo die Nähte der Hosenpolster liegen -, am Po oder in der Leistengegend, weil hier der Sattel durch die Kleidung einen enormen Druck auf die Haut ausübt.
Der Schmerz bei den ersten Ausfahrten nach der Winterpause ist weitestgehend unproblematisch. Die Knochenhäute der Sitzknochen müssen sich erst wieder an das Sitzen im Sattel gewöhnen - hat man auch noch einen neuen Sattel drauf, so ist das alles völlig normal. Nach einigen Ausfahrten hat man sich an den Sattel gewöhnt, nach vier bis fünf Wochen sollte man hier keine Probleme mehr haben. Tipp: Zu Beginn nach jeder Ausfahrt zwei Tage pausieren, damit der Hintern ausreichend Regeneration hat, bevor man die nächste Einheit setzt.
Unangenehm sind dagegen die ständigen Taubheitsgefühle im Genitalbereich, welche aus zu hohem Druck im Dammbereich resultieren. Hat man diese Probleme, so sollte man seine Sattelstellung überprüfen. Vielleicht im Rahmen eines Bike-Fittings. Hier bekommt man dann auch schnell Feedback, ob der Sattel, den man benutzt zu einem passt, oder nicht. Wichtig ist hier die richtige Sattelneigung (Grundposition ist die Waagerechte), sowie die Sattelbreite passend zum individuellen Sitzknochenabstand. Experten wie der Ergonomie-Berater Dr. Kim Tofaute bieten Assessment Center für die genannten Sitzbeschwerden. Gerade in der Übergangszeit bieten sich diese Untersuchungen an, damit man mit der optimierten Position in die neue Saison starten kann.
Nach der Taubheit kommt die Wunde: Nichts geht mehr! Das ist der Fall, wenn man eine wunde Stelle am Gesäß hat. Durch die ersten langen Einheiten zu Hause oder im Trainingslager, vielleicht noch im Regen oder bei Dreck, entstehen schnell wunde Stellen. Auch bei großer Hitze kann die Geißel zuschlagen: Schweiß reizt die Haut durch die enthaltenden Salze, welche dann wie kleine Rasierklingen Mikroverletzungen verursachen. Richtig schlimm wird es, wenn man diese erst ignoriert und dann eine Entzündung entsteht. Diese Entzündung kann sich dann zu einem sogenannten Abszess entwickeln.
Weitere Faktoren, die zu wundem Po führen können:
- Falsche Kleidung: Kleidung mit Nähten oder aus nicht-atmungsaktiven Materialien kann Reibung und Hautreizungen verursachen.
- Übergewicht: Hautfalten durch Übergewicht können zu wunden Stellen führen.
- Falsche Sitzposition: Eine falsche Sitzposition kann zu erhöhtem Druck auf bestimmte Bereiche des Gesäßes führen.
Vorbeugung von wundem Po beim Radfahren
Erstens sollte man durch die richtige Wahl des Sattels und der Bikehose vermeiden, dass es zu Beschwerden durch Wundsitzen kommt. Hier ist es wichtig, dass Sattel und Polster gut zusammenpassen. Im Falle von wund-gefahrenen Stellen gilt es, möglichen Entzündungen vorzubeugen. Hier bieten sich Sitz-Salben an, die antibakterielle, desinfizierende Eigenschaften haben. Dann natürlich auch das regelmäßige Waschen der Bikebekleidung. Leider korreliert eine mangelhafte Hygiene oft mit großem Trainingsumfang - Thema Trainingscamp, keine entsprechenden Möglichkeiten die teuren Trikots täglich zu waschen - hier liegt das größte Risikopotential.
Ein Schritt in die richtige Richtung ist, die richtige Kleidung zu tragen, die z.B. deine Haut trocken hält und Feuchtigkeit vom Körper weg transportiert und möglichst keine oder nur kleine Nähte hat. Unterwäsche und BHs mit Nähten oder auch anderen aufgenähten Teilen, die auf der Haut reiben, sollten ausgewechselt werden. Man sollte hier stattdessen lieber synthetische Materialien und Kleidungsstücke wählen, die nicht so unangenehm zu tragen sind und keine Reibung erzeugen. Kompressionskleidung - z.B. aus Elasthan - kann hier auch hilfreich sein. Wenn du meist wunde innere Oberschenkel hast, dann sollten auch die Hosen und/oder Shorts aus diesem Material bestehen. Feuchte Kleidung sollte man nach dem Training schnellstmöglich ausziehen.
Tipps zur Vorbeugung:
- Richtige Radfahrkleidung: Eng anliegende, atmungsaktive Radtrikots und -hosen verwenden, die Feuchtigkeit ableiten.
- Passender Sattel: Einen Sattel wählen, der auf den Körper abgestimmt ist und eine gute Polsterung im Sitzbereich hat.
- Gutes Trainingspensum: Nach längeren Radtrainingspausen langsam beginnen und das Trainingspensum kontinuierlich steigern.
- Schutzcremes: Schutzcremes wie Linola Schutz-Balsam vor dem Training auf die gefährdeten Stellen auftragen, um Reibung zu verhindern.
- Sitzcreme verwenden: Sitzcreme auf die vermeintlichen Druckstellen und Sitzpolster auftragen, um die Reibung zu reduzieren.
- Richtige Sitzhaltung: Vermeiden, das gesamte Gewicht in den Sattel beziehungsweise auf den Po zu legen.
Behandlung von wundem Po beim Radfahren
Wenn alles nichts gebracht hat, oder du diesen Blogeintrag gerade liest, weil Du noch kein Gel zur Hand hattest, um wunde Stellen zu vermeiden, heißt es vor allem: Abwarten, sich gesund und ausgewogen ernähren und die Stelle mit ein wenig Kamillensalbe versorgen. Das Öl der Kamille (auch Calendula genannt) hilft bei der Heilung und ist antibakteriell, antimykotisch und entzündungshemmend. Bevor Du die Salbe aufträgst, solltest Du die wunde Stelle mit lauwarmem Wasser vorsichtig reinigen, auch wenn es anfänglich brennt. Damit verhinderst Du Entzündungen.
Entzündungshemmende Salben können wunde Stellen lindern: Waschen Sie die betroffenen Stellen mit warmem Wasser und tragen Sie eine geeignete Salbe aus der Apotheke auf. Sorgen Sie dafür, dass die wunde Hautpartie genügend Luft bekommt, damit die Irritation schnell abklingen kann. Vorsicht ist geboten, wenn die wunde Stelle zu einer offenen, nässenden Wunde wird. Bis die Haut sich wieder erholt hat, sollten Sie auf das Radtraining verzichten.
Empfehlungen für Sitzcremes und Salben:
- Assos Chamois Creme (antibakteriell, reduziert Reibung)
- Ilon Protect Salbe (schützt vor Wundliegen und Wundreiben)
- Xenofit Second Skin (feste Creme auf Hirschtalg-Basis)
- Sixtus Gesäßcreme (mit natürlichen Ölen und Fetten)
- Penaten Wundcreme für Babys
Wichtig: Vor dem Auftragen der Sitzcreme oder Salbe unbedingt die Hände waschen. Zuerst streichst Du die Nähte des Sitzpolsters ein, denn dort gibt es die meiste Reibung.
Zusätzlich sollte man rein präventiv eine hochwertige Sitz-Salbe verwenden, um entzündlichen Prozessen vorzubeugen. Wenn man das Gefühl hat, dass diesbezüglich etwas nicht stimmt, lieber direkt zum Arzt gehen, bevor man die Beschwerden unterdrückt und verschleppt, bis dann eventuell nur noch ein operativer Eingriff hilft. Im Trainingslager oder im Bike-Urlaub empfehle ich, jeden Tag eine saubere Hose anzuziehen.
Auch Profi-Sportler und Sportlerinnen machen immer wieder den Fehler, dass sie nach einer längeren Pause gleich Vollgas geben möchten - und anschließend Schmerzen beklagen. Also ruhig Blut und einfach mehrere kürzere Strecken fahren, das wird langfristig helfen, Probleme zu vermeiden.
Der richtige Sattel
So wie die richtige Pfanne für den Koch, ist der richtige Sattel ein wichtiges Werkzeug für Radfahrende. Das beste Rad taugt nichts, wenn der falsche Sattel drauf ist. Und dabei kann viel schief laufen: zu weich, zu hart, zu breit, zu dünn, zu groß, zu klein. Viele kommen zu dem Trugschluss, ein weicher Sattel führt automatisch zu mehr Komfort. Doch hier liegt die Krux: Je weicher, desto größer die Chance, dass der Sattel Falten wirft. Diese erzeugen Druckstellen und Reibung und damit eben auch Verletzungen an der Haut und schließlich einen wunden Po. Außerdem besteht bei einem weichen Sattel das Risiko, dass das Schambein direkt durch das weiche Material auf die harte Sitzschale drückt. Ein zu harter Sattel ist aber auch nichts. Was also tun? Probieren geht über Studieren. Tatsächlich sollte man mehrere Sitze ausprobieren, bis der optimale Sitz gefunden ist. Alternativ kann man sich den Sitz aber auch anpassen lassen. Eine gute Beratung ist dabei Gold wert. Die Faustregel ist: Je aufrechter die Fahrposition, desto breiter sollte der Sattel sein.
Es gibt auch die Möglichkeit die idealen Sattel „auszumessen“. Auch dadurch lässt sich ein wunder Po beim Fahrrad fahren verhindern. Wichtig ist nämlich der Abstand zwischen den Sitzbeinhöckern. Dieser ist je nach Person und Geschlecht individuell. Ihr könnt ihn beispielsweise im Fachhandel bestimmen lassen oder selbst ausmessen.
PS: Es soll gute 3-4 Wochen dauern, bis sich der Po an den neuen Sattel gewöhnt. Also habt etwas Geduld, aber lasst die Spucke weg.
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