Motorradfahren zu zweit: Tipps für eine sichere und angenehme Fahrt

Es gibt Dinge, die machen zu zweit einfach mehr Spaß: Reisen, Konzerte, Kaffeetrinken - und auch Motorradfahren. Viele Fahrer und Fahrerinnen genießen es daher, einen Beifahrer dabei zu haben. Den sogenannten Sozius.

Voraussetzungen und Vorbereitung

Geeignetes Motorrad und Ausrüstung

Zum einen muss Ihr Motorrad für das Mitnehmen einer weiteren Person geeignet sein: Ein Beifahrersitz, zwei Fußstützen und entsprechende Haltegriffe sind ein Muss. Generell gilt, dass ein Motorrad oder Motorroller über einen Soziussitz, Fußrasten und eine Haltevorrichtung verfügen müssen, damit eine zweite Person mitgenommen werden darf.

Ein bequemes Motorrad für den Sozius ist im Idealfall mit zusätzlichen Haltegriffen und Abstützmöglichkeiten ausgestattet. Es gibt auf dem Markt verschiedene Soziussitz-Modelle fürs Motorrad. Eine Maschine mit Soziusbetrieb ist explizit darauf ausgelegt, auf dem Bike einen Beifahrer oder eine Beifahrerin mitzunehmen. Die Sitze sind etwas breiter gestaltet, die Polster sind etwas größer und ergonomisch geformt. Zudem ist die Bewegungsfreiheit besser, da die Fußrasten asymmetrisch angeordnet sind.

Ohne die passende Schutzkleidung sollte Ihr Soziusfahrer keinesfalls aufsteigen. Nicht zuletzt gilt auch für den Beifahrer auf dem Motorrad: Sicherheit ist oberste Priorität! Ein Helm ist dabei Vorschrift, selbst, wenn die Strecke noch so kurz ist. Ein Motorrad-Schutzhelm ist auch für den Sozius vom Gesetz vorgeschrieben. Der Helm muss perfekt passen und sollte über die aktuelle Prüfnorm verfügen, nur dann bietet er optimalen Schutz. Tragen Sie auf keinen Fall einen womöglich ausgemusterten oder zu großen Ersatz-Helm, denn der schützt nur vor einem Bußgeld, aber nicht bei einem Unfall. Sozia/Sozius haben dieselbe Schutzkleidung zu tragen wie der Fahrer vorne.

Anpassung des Motorrads

Mit einem Motorrad-Beifahrer ändert sich das Fahrverhalten mit dem Bike wesentlich - setzen Sie sich deshalb zuvor mit den entsprechenden Anpassungen von Bremsen, Reifendruck und Dämpfung auseinander. Sind Sie mit einem Sozius auf dem Motorrad unterwegs, sollten Sie außerdem den Reifendruck um mindestens 0,2 bar erhöhen. Dadurch verhindern Sie höheren Abrieb.

Je nach Typ verlangen Hersteller die Vorspannung der hinteren Feder und eventuell eine Erhöhung des Luftdrucks. Genaue Daten und Anweisungen finden sich im Handbuch des Motorrads - auch das zulässige Gesamtgewicht darf nicht überschritten werden.

Vor allem im Heck müssen Federvorspannung und - sofern einstellbar - die Dämpfung erhöht werden. Eine Erhöhung des Reifendrucks ist ebenfalls nötig. Mindestens 0,2 bar mehr als im Solobetrieb sind angebracht, der maximale Reifenluftdruck (siehe Betriebsanleitung) ist allerdings zu beachten.

Kommunikation und Vertrauen

Sich auf einem Motorrad mitnehmen zu lassen, erfordert beiderseitiges Vertrauen. Sie müssen sich auf den Fahrer verlassen können und er sich auf Sie. Vertrauen ist wichtig - nicht nur in einer Partnerschaft, sondern auch bei der Beifahrer-Beziehung. Ihr Motorrad-Sozius verlässt sich darauf, dass Sie das Motorrad unter Kontrolle haben und keine riskanten Manöver fahren.

Da beim Motorradfahren die Balance die Hauptrolle spielt, sollten Fahrer und Sozius sich gut aufeinander abstimmen und auf dem Bike eine Einheit bilden. Konkret heißt das: Absprachen über die Kommunikation und Fahrweise sind im Vorhinein zu treffen. Aber auch die Frage, wo Sie sich als Motorrad-Beifahrer festhalten können, wird vor der Fahrt geklärt.

Vor der Fahrt einige Notfallzeichen zu klären, ist sehr hilfreich. „Du fährst mir zu schnell!“ oder „Können wir hier mal anhalten?“ sind Nachrichten, die sich gut in Klopfzeichen an Taille, Arm, Schulter oder Helm klopfen lassen.

Das richtige Verhalten während der Fahrt

Körperhaltung und Bewegung

In der Regel sitzen Sie als Sozius sehr nah am Fahrer und legen die Arme um dessen Hüfte bzw. Taille. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten können Sie sich durchaus an den hinteren Haltegriffen festhalten, um für kurze Zeit die Sitzposition zu verändern. In den Kurven bewegen Sie sich bestenfalls mit dem Fahrer mit - das geht am leichtesten, wenn Sie mit dem Kopf über die kurveninnere Seite des Fahrers schauen.

Ihre Füße stehen während der gesamten Fahrt auf den Fußstützen und Ihre Knie liegen am Motorrad an. Übrigens: Sich am Fahrer festzuhalten hat noch einen weiteren Vorteil - bei einer plötzlichen Bremsung können Sie sich mit einer Hand direkt auf dem Benzintank des Motorrads abstützen.

Überraschen Sie den Fahrer deshalb nicht mit plötzlichen Bewegungen oder einer ruckartigen Gewichtsverlagerung. Sie verändern als Motorrad-Beifahrer das Fahrverhalten bereits mit Ihrem bloßen Gewicht maßgeblich, plötzliche Bewegungen bedeuten eine erhöhte Unfallgefahr.

Es bietet sich natürlich an, die Verkehrssituation über die Schulter der fahrenden Person zu beobachten. Reagieren Sie jedoch erst mit dem Motorradfahrer und nicht vor ihm. Soll heißen: Selbst, wenn Sie eine Kurve vor sich sehen, legen Sie sich nicht bereits hinein, bevor der Fahrer es tut. Nicht gegenlenken: Gerade als Frischling kann das Mitfahren als Sozius sehr aufregend sein. Trotz möglicher Skepsis sollte sich ein Motorrad-Beifahrer jedoch niemals aus der Kurve lehnen, bzw. sich entgegen der Neigung des Fahrers bewegen. Auf diese Weise kann dieser nämlich die Kontrolle über das Bike verlieren.

Sitzen bleiben: Das Motorradfahren bringt den meisten Bikern ein wunderbares Freiheitsgefühl - unabgesprochenes Aufstehen während der Fahrt ist trotz aller Begeisterung jedoch generell keine gute Idee.

Anpassung des Fahrstils

Wie auch beim Pkw verändert sich das Fahrverhalten eines Motorrads unter größerer Last. Doch nicht nur der Bremsweg wird länger, auch das generelle Fahrgefühl ist ein anderes. Mit einem Sozius zu fahren ist auf einem Zweirad eine größere Umstellung, da Balance hier eine gänzlich andere Rolle spielt als bei einem Auto. Allein das beliebte „in-die-Kurve-legen“ muss mit dem Soziusfahrer auf dem Motorrad geübt werden.

Vermeiden Sie zudem ruckartige Beschleunigungs- und Bremsaktionen. Umsichtige Piloten beginnen die Tour langsam und mit möglichst wenig Schräglage, Beschleunigungsorgien und Bremsmanövern.

Auch die Person am Lenker muss sich umstellen: "Wegen des höheren Gewichtes ändert sich das Fahrverhalten. Beschleunigung und Bremsweg dauern länger. Außerdem benötigt der Pilot mehr Druck für den Bremshebel", erklärt Bente.

Besondere Aspekte

Kinder als Sozius

Das Mitnehmen von Kindern auf dem Kraftrad ist durchaus möglich - hier gilt es jedoch, weitere Voraussetzungen zu erfüllen. In der Regel beginnen die meisten motorradbegeisterten Eltern ihre Kinder ab dem Grundschulalter auf das Mitfahren vorzubereiten. Ein Mindestalter für Kinder als Motorradbeifahrer gibt es nicht. Theoretisch kann man also auch ein Kleinkind auf dem Motorrad mitnehmen - wenn genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Auch Kinder dürfen nur hinter dem Fahrer sitzen und müssen ebenfalls über einen Helm und die passende Motorradkleidung im Miniformat verfügen. Erreicht das Kind mit seinen Füßen noch nicht die Fußstützen, kann man sich notfalls mit einem Kinder-Soziussitz behelfen. Damit die kleinen Beifahrer mit ihren Füßen nicht in die Speichen gelangen, sollte man zudem unbedingt Radverkleidungen am Hinterrad des Bikes anbringen.

Während Absprachen mit einem Teenager oder erwachsenen Sozius leichter zu treffen sind, muss ein Kind auf eine besondere Art und Weise über die Verhaltensweisen als Beifahrer informiert werden.

Alkohol

Explizite Vorgaben gibt es nicht, was den Alkoholkonsum des Beifahrers betrifft.

Versicherung

Inwieweit Ihr Sozius bei Ihnen im Falle eines Falles mitversichert ist, sollten Sie vor Ihrem Ausflug prüfen. In der Regel greift Ihre Versicherung für Ihren Sozius nur dann, wenn alle Sicherheitsanforderungen erfüllt sind.

Checkliste für Fahrer und Sozius

  • Richtige Vorbereitung: Alle technischen und mechanischen Sicherheitsvorkehrungen sollten getroffen werden.
  • Vertrauen schaffen: Fahrer und Sozius sollten umsichtig und vorausschauend agieren.
  • Ego zuhause lassen: Hohe Geschwindigkeiten, eine besondere Schräglage in der Kurve und dann noch ein Wheelie - das mag für Adrenalinfans und eingefleischte Biker vielleicht spannend sein.
  • Einheit bilden: Die größte Freude am Fahren haben Sozius und Fahrer als eingeschworenes Team und bei direktem (Körper-)Kontakt.
  • Nicht gegenlenken: Gerade als Frischling kann das Mitfahren als Sozius sehr aufregend sein. Trotz möglicher Skepsis sollte sich ein Motorrad-Beifahrer jedoch niemals aus der Kurve lehnen, bzw. sich entgegen der Neigung des Fahrers bewegen. Auf diese Weise kann dieser nämlich die Kontrolle über das Bike verlieren.
  • Sitzen bleiben: Das Motorradfahren bringt den meisten Bikern ein wunderbares Freiheitsgefühl - unabgesprochenes Aufstehen während der Fahrt ist trotz aller Begeisterung jedoch generell keine gute Idee.
  • Zeichen vereinbaren: Vor der Fahrt einige Notfallzeichen zu klären, ist sehr hilfreich.
  • Grenzen respektieren: Egal, ob bei der Geschwindigkeit, dem generellen Fahrverhalten oder der Fahrdauer - äußert der Sozius Überforderung, Anstrengung oder Sorge, sind diese ernst zu nehmen.
  • Übung macht die Meister: Mit Sozius auf dem Motorrad unterwegs zu sein, will gelernt werden! Kurze Strecken eignen sich hervorragend, um ein Gefühl für das Miteinander und das Bike zu bekommen.

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