Zwickauer Mulde Radweg: Informationen für Ihre Tour

Wenn Sie noch nach einem Geheimtipp für Ihren nächsten Urlaub suchen, wie wäre es dann mit einer Tour auf dem Mulderadweg? Insgesamt 400 Kilometer beinahe unberührte Natur, romantische Flusslandschaften und stolze Zeugnisse der Vergangenheit erwarten Sie im Städtedreieck Leipzig-Chemnitz-Dresden. Egal ob ambitionierte Tour oder gemütliche Entdeckungsreise mit Kulturhighlights - der Mulderadweg bietet abwechslungsreiche Touren für alle Radbegeisterten und zeigt, dass sich in der Region Leipzig Aktivurlaub, Naturgenuss und Kulturerlebnis wunderbar verbinden lassen.

Für Radtourer, die ihre Auszeit vom Alltag in einem großartigen Flussgebiet verbringen möchten, bietet sich die Region rund um die Mulde an. So bezeichnet man den Nebenfluss der Elbe, dessen Quellflüsse die Freiberger und die Zwickauer Mulde sind. Beide Zuflüsse werden von schönen Radwegen gesäumt.

Eine besondere Eigenschaft des rund 400 Kilometer langen Fernradweges ist seine Vielfalt an landschaftlichen Schönheiten und kulturellen Höhepunkten. Von malerischen Flusstälern über historische Städte bis hin zu idyllischen Auenlandschaften bietet der Mulderadweg eine abwechslungsreiche und inspirierende Reise durch die sächsische Region.

Die Strecken des Mulderadweges

Genau genommen, verläuft der Mulderadweg nicht nur entlang eines Flusses, sondern gleich dreien. Denn die Mulde besitzt die Form eines Y und führt durch ganz unterschiedliche Regionen und Landstriche.

  • Freiberger Mulderadweg: ca. 120 km Länge von Moldava nach Sermuth
  • Zwickauer Mulderadweg: ca. 156 km Länge von Schöneck bis Sermuth
  • Vereinigte Mulde-Radweg: ca. 123 km Länger von Sermuth bis Dessau

Die Mulde mündet zwar in der wohlbekannten Elbe, aber beginnt als kleine Quelle an zwei Standorten. Ihr westlicher Arm entspringt in Schöneck, der höchstgelegenen Stadt des Vogtlandes. Die Freiberger Mulde, die im Osterzgebirge in Tschechien ihren Ursprung hat, bildet den östlichen Muldearm. Schließlich fließen Zwickauer und Freiberger Mulde zusammen und führen als Vereinigte Mulde weiter bis nach Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt.

Jede dieser drei Teilstrecken kann einzeln befahren oder als mehrtägige Tour mit Übernachtungen in den idyllischen Hotels der Region erschlossen werden.

Zwickauer Mulde: Von Schöneck nach Sermuth

Wenn Sie sich für den Radweg Zwickauer Mulde entscheiden, starten Sie an der Quelle bei Schöneck und lassen sich über etwa 167 Kilometer durch das Flusstal nach Sermuth leiten. Hier bilden Zwickauer und Freiberger Mulde den Hauptfluss, die Vereinte Mulde.

Die Tour auf dem Mulderadweg entlang der Zwickauer Mulde startet direkt am Quellengebiet in Schöneck, der höchstgelegenen Stadt des Vogtlandes. Die Quelle der Roten Mulde am Östlichen Stadtrand von Schöneck ist ein idyllisches Plätzchen und Startpunkt der Radtour.

Schöneck - die mit über 700 m ü. NN höchstgelegene Stadt des Vogtlandes - ist der ideale Ausgangspunkt für Ihre Radtour entlang der Zwickauer Mulde. Starten Sie Ihre Tour unweit des Bahnhofes an der Quelle der Roten Mulde. An der Trinkwassertalsperre im Grünbacher Ortsteil Muldenberg werden die Rote Mulde, die Weiße Mulde und der Saubach gestaut. Sie hat rund 100 Jahre auf dem Buckel und wurde aus Bruchsteinen gesetzt. Heute ist sie zur Wasserseite hin mit Beton verstärkt und man kann diese Mauer betreten.

Auf gut ausgebauten Forstwegen und teils asphaltierten Teilstücken radeln Sie durch idyllische Wald- und Wiesenlandschaften dem Erzgebirge entgegen; vorbei an der Talsperre Muldenberg gelangen Sie in das Flößerdorf Muldenberg und weiter nach Morgenröthe-Rautenkranz, dem Geburtsort des 1. deutschen Kosmonauten.

In Morgenröthe-Rautenkranz befindet sich das Raumfahrtmuseum mit vielen interessanten Exponaten, welche dem ersten Deutschen im Weltall zu verdanken sind. Sigmund Jähn flog im August 1978 in der sowjetischen Raumkapsel Sojus 31 zusammen mit einem russischen Kollegen ins All. Desweiteren befindet sich hier ein historischer Hochofen - die Besonderheit: es wurden Glocken aus Eisen gegossen, nicht wie sonst üblich aus Bronze.

Ab hier gelangen Sie auf ausschließlich asphaltierten Wegen in die Berg- und Stickereistadt Eibenstock mit ihrem breiten touristischen Angebot. Bei Schönheide kann man vom Sattel absteigen und in die Bimmelbahn von Schönheide nach Stützengrün einsteigen. Der 34 m hohe Aussichtsturm „Glück auf“ steht auf dem 600 m hohen Berg „Bühl“ am Rande des Städtchens Eibenstock, inmitten des Nationalparks Erzgebirge/Vogtland, ehemals Miriqidi genannt, dies bedeutet Dunkel oder auch Finsterwald. Eibenstock hat ein hübsches Rathaus, Museen und viel Sehenswertes zu entdecken so auch eine riesige Zinngraupe auf dem Marktplatz.

Besucht werden sollte der Blauenthaler Wasserfall, Sachsens größten Wasserfall, der Eibenstocker Bergbau- und Seifenlehrpfad und das Stickereimuseum. Durch Bockau führt der ca. 5 km messende Dorferlebnispfad und ein Laborantenlehrpfad - wo viele wissenswerte Dinge über Kräuter-, Heil- und Laborantenpflanzen vermittelt werden.

Vorbei am Blauenthaler Wasserfall geht es anschließend auf einer zum Radweg ausgebauten ehemaligen Bahntrasse entlang der Mulde bis nach Aue. Die Etappe endet in Aue. Die Stadt entstand aus einer Klostergründung um 1173 und gilt somit als eine der ältesten Ansiedelungen in Sachsen. Geprägt ist die Stadt durch den Bergbau. Sehenswert sind die alten Bürgerhäuser und Villen mit Jugendstilelementen, die Klosterkirche, das Herrenhaus Auerhammer.

Über Aue fürht die Tour meistens durch schattige Wälder nach Zwickau und ist durch ein stetiges Auf und Ab geprägt. Entspannter fährt es sich zwischen Zwickau und Glauchau durch ebene Muldeauen. Zwei Anstiege vor den Städten Penig und Wechselburg sind bis Rochlitz zu überwinden. Unterwegs wird das beeindruckende Göhrener Viadukt unterquert.

Der erste Abschnitt bis Zwickau ist ausschließlich sportlich ambitionierten Radfahrern zu empfehlen, die zudem keine Angst vor dem Fahren auf relativ stark befahrenen Straßen haben oder mit einem Mountainbike ggf. auf flussnahe Pfade ausweichen können. Allen anderen sei der Start in Zwickau empfohlen.

Die Route verläuft im Wechsel auf separaten Wegen oder wenig befahrenen Straßen, der Belag ist von unterschiedlicher Qualität, die Beschilderung ist weitestgehend vorhanden. Dramatische Steigungen sind noch einmal zwischen Penig und Wechselburg zu meistern.

Sehenswertes: Prinzenhöhle, Zwickau, Waldenburg, Rochsburg, Göhrener Viadukt, Wechselburg, Colditz, Muldenvereinigung

Freiberger Mulde: Von Rechenberg-Bienenmühle nach Sermuth

Bis etwa Siebenlehn gilt es, so einige Steigungen zu meistern, danach beginnt der gemütliche Teil der Reise, zudem sehr oft sehr flussnah und auf separaten Wegen. Einige Abschnitte mit Straßennutzung sind unter der Woche wegen der vielen LKW (Altleisnig - Marschwitz) bzw. wegen des Ausflugsverkehrs am Wochenende (Schergrund - Klosterbuch - Leisnig) unangenehm zu befahren.

Sehenswertes: Freiberg, Döbeln, Klosterbuch, Leisnig, Schloss Pdelwitz

Vereinigte Mulde: Von Sermuth nach Löbnitz (- Dessau)

Die Vereinigte Mulde ist dann endlich etwas für jedermann. Es gibt keine Steigungen mehr und die Beschilderung ist die vollständigste an der gesamten Mulde. Die Qualität der Wege ist jedoch recht unterschiedlich.

Zwischen Grimma und Wurzen führt der Mulderadweg über einen ehemaligen Bahndamm, der leicht zu fahren ist und sich abseits großer Straßen durch die Landschaft zieht. An schönen Wochenenden kann es hier aber eng werden.

Achtung! Mit Gepäck, Anhänger oder Spezialrad sollte die westliche Variante über Nepperwitz - Canitz gemieden werden, da es eine Brücke mit steiler schmaler Treppe zu überwinden gilt. Wenn die Fähre in Gruna nicht fährt, muss man eine bislang noch nicht beschilderte Route entlang der Staatsstraße nach Bad Düben nutzen.

Highlights entlang der Zwickauer Mulde

Zwickau

Es lohnt sich auf jeden Fall einen Abstecher in die Zwickauer Altstadt zu machen, bevor es auf den Radweg an die Mulde geht. Neben dem Dom St. Marien ist nämlich auch der Marktplatz mit seinem Rathaus und dem Renaissance Gewandhaus aus dem 16. Jahrhundert recht sehenswert.

Glauchau

In Glauchau entschloss ich mich, einen kurzen Abstecher in die Stadt zu machen, um mir die Doppelschlossanlage Forderglauchau und Hinterglauchau etwas genauer anzuschauen. Die Stadt bietet außerdem ein sehenswertes Villenviertel aus der Gründerzeit und den Glauchauer Bismarckturm.

Im unteren Teil der Stadt (die Burg steht auf dem Berg in der Oberstadt) befanden sich einige alte Industriegebäude aus den Zeiten, als die Textilindustrie hier stark florierte. Fasziniert radelte ich vorbei und bemerkte auch auf den kommenden Kilometern auf dem Mulderadweg viele Industrieruinen am Wegrand.

Burgen und Schlösser

Die Landschaft veränderte sich, es ging immer mal wieder etwas rauf und runter und es wurde waldiger. Zahlreiche imposante Burgen lagen am Mulderadweg. Kein Wunder, dass die Gegend auch als Mittelsächsisches Hügelland, bzw. Sächsisches Burgen- und Heideland bezeichnet wird: Schloss Glauchau, Waldenburg (tolle Schlossanlage und schöne mittelalterliche Stadt), Wolkenburg, Rochsburg, Rochlitz und so weiter.

Göhrener Viadukt

Ein absolutes Tages-Highlight war ganz klar der Göhrener Viadukt. Ich hatte bereits bei der Vorab-Recherche Bilder gesehen und freute mich sehr darauf, dort vorbei zu fahren. Dennoch ist es schwer in Worte zu fassen, wie dieses imposante Bauwerk bei traumhaftem Wetter und im perfekten Abendlicht auf mich wirkte, nachdem ich es schon von weitem sehen konnte. Die Eisenbahnbrücke ist die drittgrößte Brücke in Sachsen und nach zwei Jahren Bauzeit 1871 eröffnet worden. Noch heute fahren Züge der Leipzig- Chemnitz Linie über dieses einmalige Viadukt, das in den 1980ern von 512 auf 381 m Länge verkürzt wurde.

Rochlitz

Das über tausend Jahre alte Schloss Rochlitz ist schon von Weitem zu sehen und macht neugierig auf die Stadt an der Mulde. Stolz thront sie über der Zwickauer Mulde, malerisch auf einem schmalen, steil abfallenden Felssporn des Rochlitzer Berges errichtet. Geheimnisvoll und auch ein wenig düster ragen die beiden mächtigen, 50 Meter hohen Türme, genannt „Jupen“, empor. Das Schloss hat sich ursprünglich aus einer Befestigungsanlage entwickelt und wurde 995 erstmals als Reichsburg urkundlich erwähnt.

Das Schloss Rochlitz zum Beispiel ist auf einem Teil des geologisch einmaligen Rochlitzer Berges errichtet worden. Sein Ursprung liegt ca. 290 Millionen Jahre zurück, als eruptierte Vulkanerde mit ihren ausgestoßenen Glutaschen die Entstehungsgeschichte des Berges bestimmte. Durch Verkieselung entstand der in seiner Farbe und Ausprägung einzigartige Rochlitzer Porphyrtuff. Dieses in Europa einmalige rote Vulkangestein wird bis heute als Baumaterial verwendet. Der Porphyr wurde besonders beim Bau von Schlössern, Burgen und Kirchen verwendet.

Planung Ihrer Reise

Anreise

Einige Orte am Mulderadweg verfügen über einen Bahnhof, was die Anreise ungemein erleichtert. Wie fast immer bin auch ich mit dem Zug angereist. Von Berlin aus ging es mit dem ICE mit Fahrradabteil an einem Mittwochmorgen zunächst nach Leipzig, wo ich in die S-Bahn (die eigentlich eher einer Regionalbahn gleicht) nach Zwickau wechselte. Knapp eine Stunde später stieg in an der Endstation der Linie aus und meine Reise auf dem Zwickauer Mulderadweg konnte beginnen. Insgesamt dauerte die Anfahrt mit Zug von Berlin knapp 3:20h.

Navigation

Zur Navigation empfiehlt es sich entweder ein Navigationsgerät dabei zu haben und die Strecken vorher zu importieren via komoot (es gibt dort eine Mulderadweg-Collection) oder Seiten wie Outdooractive. Oder man nutzt ganz klassisch Papierkarten, was ich allein aus praktischen und Platzgründen nicht mehr mache.

Vom Mulderadweg gibt es aber dennoch ein nettes klassisches Bikeline Spiralbuch mit praktischen Tipps für Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Außerdem sind auf dem gesamten Radweg Hinweisschilder und das kleine Mulderadweg-Logo weist den Weg. Dies betrifft jedoch nicht alle Abschnitte gleichermaßen und so manches Mal hätte ich mich etwas verloren gefühlt, wäre da nicht meine digitale Karte immer dabei gewesen.

Im Großen und ganzen ist der Weg aber gut ausgeschildert. Um möglichst viele sehenswerte und spannende Orte entlang des Mulderadwegs sehen zu können, nutze ich zur Planungsvorbereitung die komoot Highlights, aber auch die Seiten des Mulderadwegs selbst und die von Leipzig Travel. Dort findet ihr nicht nur ausführliche Informationen zu den einzelnen Radweg-Abschnitten, sondern u.a. auch zu Anreise, Übernachtung und Fähren.

Wegqualität

Die Wegqualität des Mulderadwegs ist ganz unterschiedlich, aber an diesem ersten Tag auf jeden Fall am abwechslungsreichsten. So habe ich das ja gern. Neben asphaltierten Radwegen gibt es auch unbefestigte Wegstücke, Schotterwege und Waldpfade! Also achtet auf eure Bereifung! Der Abschnitt des Mulderadwegs spätestens zwischen Glauchau und Lunzenau ist definitiv nicht mehr Rennrad-tauglich. Auch wenn es viele Asphaltstrecken in Summe gab, freute ich mich auf jeden Fall über meine 40mm Schwalbe G-One Bite/Ultrabite. Damit waren die wirklich schönen Wegabschnitte hier problemlos fahrbar.

Zusammenfassung der Streckenprofile

Die Höhenprofile des Mulderadweges für die Zwickauer, die Freiberger und die Vereinigte Mulde verdeutlichen den Landschaftswandel zwischen Vogtland bzw. Osterzgebirge und der Elbtalaue bei Dessau. Diese Vielfalt ist einerseits äußerst reizvoll, andererseits nicht in allen Abschnitten für Jedermann geeignet. Deswegen sollte man sich vor einer Tour auf dem Mulderadweg etwas genauer informieren...

Zwickauer Mulde: Schöneck (ca. 800 m NN) - Sermuth (ca. 200 m NN), 151 km

Freiberger Mulde: Rechenberg-Bienenmühle (ca. 600 m NN) - Sermuth, 88 km

Vereinigte Mulde: Sermuth - Löbnitz (- Dessau), 127 km

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