Schneller Radfahren mit der gleichen Leistung - das ist das, was die meisten Radprofis und Hobbysportler wollen. Mit die beliebtesten „Tuningteile“ sind in diesem Zusammenhang: die Laufräder. Es kann sich aus mehreren Gründen lohnen, ein serienmäßig ausgestattetes Gravel-Bike mit einem neuen Laufradsatz auszurüsten und in den meisten Fällen aufzuwerten.
Noch vor einigen Jahren waren an den ersten Gravel-Rädern in der Regel stabile Rennrad-Laufradsätze mit Innenmaulweiten von 19 bis 21 Millimetern verbaut. Aktuelle Modelle weisen oft höhere Felgen im Bereich von 40 bis 45 Millimetern auf. Einige Hersteller wie DT Swiss und Scope haben inzwischen Laufräder mit 50 Millimetern Felgenhöhe und mehr im Portfolio. Als „aerodynamisch“ erachten wir Felgen ab 30 Millimetern Höhe.
Wir haben zehn verschiedene Laufradsätze im Labor und in der Praxis getestet. Wir wollten wissen: Machen hohe Felgen auch Gravel-Bikes klar schneller? Um den Trend zu schnellen, aerodynamischen Hochprofil-Laufrädern abzubilden, haben wir alle Modelle im Windkanal unter realen Fahrbedingungen untersucht.
Testmethoden und -parameter
Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Bei einer alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus, das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht. So ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen - dies entspricht auch den üblichen Testverfahren.
Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein. Straßen-Laufräder werden mit 45 km/h gemessen, die Werte sind somit nicht direkt vergleichbar.
Die Auswertungs-Software von GST berechnet abschließend die jeweils „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit der Anströmwinkel. Das heißt: Jeder einzelne Winkel wird mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet, wie er im Fahreinsatz unter realen Bedingungen vorkommt. Ausgewiesen wird auch die benötigte Leistung bei der Frontalanströmung, also bei null Grad.
Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Seitensteifigkeit der Laufräder. Wir belasteten die Felgen im Labor je seitlich mit einem Fünf-Kilogramm-Gewicht - dies entspricht rund 50 Newton. Wir nahmen die Nachgiebigkeit beziehungsweise Elastizität mit einer mechanischen Messuhr auf und verrechneten die Werte zur Seitensteifigkeit. Sie gibt an, welche Kraft nötig ist, um die Felge seitlich einen Millimeter zu bewegen. Gute Werte liegen zwischen 30 und 35 Newton pro Millimeter, sehr gute darüber. Wir belasteten die Laufräder zur rechten und zur linken Seite und bildeten daraus den Mittelwert.
Auch das maximal zugelassene Gewicht ist für schwere Fahrer und Bikepacker ein zentraler Punkt. Das Fahrergewicht ist selbsterklärend, das Systemgewicht beinhaltet Fahrer, Fahrrad, Trinkflaschen und Gepäck.
Ergebnisse im Windkanal
Für unsere zehn Testlaufräder ergaben sich bei 35 km/h gewichtete Leistungen von 15,6 bis 19,4 Watt. Niedrige Werte sind besser, da weniger Leistung benötigt wird, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten. Die niedrigsten und damit besten Werte erzielen die 40 Millimeter hohen Leeze CC40 Allroad Evo Waso. Ihre gewichtete Leistung: 15,6 Watt. Es folgen, knapp dahinter, mit jeweils 16,3 Watt gewichteter Leistung, die Laufradsätze von DT Swiss und Swiss Side - beide sind 42 Millimeter hoch.
Grundsätzlich erzeugen breitere Reifen einen höheren Luftwiderstand, da sie dem Wind eine größere Anströmfläche bieten. Je höher die Felgen sind, desto „empfindlicher“ sind sie auch für Seitenwind. Dieser Effekt ist messbar.
Die niedrigsten und damit besten Werte erzielten die Modelle von DT Swiss und SwissSide - mit je 42 Millimetern Felgenhöhe sind sie die höchsten Modelle im Test. Sie stehen damit stellvertretend für einen Trend im Gravel-Race-Sektor zu höheren und damit aerodynamisch günstigeren Laufrädern.
In der Grafik weisen die Laufräder von DT Swiss und Swiss Side mit ihren 42 Millimeter hohen Felgen das geringste Lenkmoment auf. Auch Leeze liegt mit seinen CC-40-Allroad-Laufrädern bezogen auf die Felgenhöhe von 40 Millimetern noch voll im grünen Bereich. Den Maximalwert von 0,007 erzielt das Roval-Terra-CLX-II-Vorderrad.
Bei einer Frontalanströmung, also bei einem Winkel von null Grad, ist die benötigte Leistung am geringsten, weil dort die angeströmte Stirnfläche am kleinsten ist. Mit zunehmenden Winkelgraden nimmt die Stirnfläche zu und der Leistungsbedarf steigt.
Tabelle: Ergebnisse der Windkanaltests
| Laufradmodell | Felgenhöhe (mm) | Gewichtete Leistung bei 35 km/h (Watt) |
|---|---|---|
| Leeze CC40 Allroad Evo Waso | 40 | 15.6 |
| DT Swiss | 42 | 16.3 |
| Swiss Side | 42 | 16.3 |
Weitere wichtige Aspekte
Auch für Gravel-Bikes gilt: Ab einer Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Stunde ist der Luftwiderstand der größte Fahrwiderstand, gefolgt vom Rollwiderstand der Reifen. Beinhaltet eine Tour viele Höhenmeter, so gewinnt auch das Gewicht an Bedeutung.
Weiter nehmen die Laufräder beim Beschleunigen eine Sonderstellung ein, da sie zwei Mal beschleunigt werden müssen: Erstens in die Vorwärtsbewegung des Systems aus Rennrad und Fahrer. Zweitens als Beschleunigung bei der Drehbewegung des Laufrades selbst. Auch gerade deshalb sind Laufräder besonders effektive „Tuningobjekte“.
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