Eine sehr verbreitete und sehr unangenehme Laufverletzung ist die Achillessehnenreizung. Oft kann diese Verletzung sogar dazu führen, dass passionierte Läufer das Laufen an den Nagel hängen. Die Achillessehne ist die dickste und stärkste Sehne im menschlichen Körper und schon die frühen Griechen waren sich ihrer Bedeutung bewusst.
Sie verbindet die drei Muskeln der Wade mit den knöchernen Strukturen am Fuß. Sie macht eine laufende oder gehende Fortbewegung erst möglich. Ohne die Achillessehne wären wir nicht in der Lage, uns vom Boden abzudrücken. Auch beim Fußaufsatz spielt die Achillessehne eine entscheidende Rolle. Durch die Kontraktionskraft der Wadenmuskulatur wird ein stabiles Aufsetzen und Abdrücken ermöglicht.
Die Achillessehne fungiert als natürliches Dämpfungssystem, welches die Aufprallenergie beim Fußaufsatz speichern und wieder abgeben kann - ähnlich einer Bogensehne.
Ursachen von Achillessehnenschmerzen beim Radfahren
Die Reizung der Achillessehne kann auf mannigfache Ursachen zurückzuführen sein. Oft ist eine simple Überlastung des Körpers der Auslöser. Eine andere weitverbreitete Ursache der Achillessehnenreizung ist eine unflexible und steife Muskulatur.
Wenn die Muskulatur der Wade einseitig belastet wird, zum Beispiel durch viel Radfahren mit Klick-Pedalen, kann sich die Achillessehne bei fehlender Gymnastik verkürzen. So steht die Sehne auch im Ruhezustand auf Spannung, was sehr belastend ist. Kommen jetzt noch andere Belastungen hinzu, ist die Achillessehne sofort überbeansprucht und entzündet sich.
- Pedalstellung: Je weiter vorne die Pedale unter dem Radschuh liegen, vor allem die Click-Pedale der Rennräder oder Mountainbikes, desto größer die Hebelkräfte auf die Achillessehne, desto größer die Gefahr von Achillessehnenschmerzen.
- Sattelhöhe: Eine Entzündung der Achillessehne äußert sich durch Schmerzen und Steifheit im Bereich der Sehne, die sich beim Radfahren verstärken. Die Ursache dafür kann ein zu hoch eingestellter Sattel sein. Streckst du den Fuß zu stark, wenn du den tiefsten Punkt der Kurbelumdrehung erreichst, sind die Waden ständig kontrahiert und die Sehne überdehnt sich.
Weitere mögliche Ursachen
- Überlastung durch zu viel Sport
- Fehlbelastungen
- Inkonsistentes Dehnen und Aufwärmen
- Beinachsenprobleme
- Unpassende Laufschuhe
Symptome einer Achillessehnenreizung
Die Symptome einer ausgewachsenen Achillessehnenreizung sind meist ein diffuser, stumpfer und stechender Schmerz im unteren Wadenbereich sowie am Fersenansatz. Besonders schmerzhaft ist morgens das erste Aufstehen oder die ersten Schritte nach einer längeren Ruhephase. Der Bereich um die Achillessehne ist dann extrem druckempfindlich und kann anschwellen oder erröten.
Bei einer stark ausgeprägten Achillessehnenreizung kann die Beweglichkeit im Sprunggelenk extrem eingeschränkt sein.
Typische Symptome
- Schmerzen: Entlang der entzündeten Achillessehne, die sich verstärken, wenn die Sehne belastet wird, beispielsweise beim Gehen, Laufen oder Springen.
- Anlaufschmerz: Nach dem Aufstehen oder einer längeren Ruhepause bereitet die Achillessehne beim ersten Gehen Schmerzen.
- Belastungsschmerz: Bei sportlicher Aktivität spürt man den Schmerz meist verstärkt während des Trainings oder danach.
- Schwellungen: Nach intensiver Beanspruchung kann der Bereich um die Achillessehne anschwellen und sich warm anfühlen.
- Knirschen oder Reibegeräusche: Ein Reiben oder Knirschen könnte entstehen, wenn das umliegende Gewebe entzündet ist oder Vernarbungen den Gleitvorgang behindern.
Behandlung von Achillessehnenschmerzen
Bleibt die Achillessehnenreizung über einen längeren Zeitraum unbehandelt, kann die Sehne vernarben, was weitere Reizungen und Entzündungen mit sich bringt. Daher sollte mit dieser Laufverletzung keinesfalls leichtfertig umgegangen werden. Eine unbehandelte Achillessehnenreizung kann zu bleibenden Schäden führen.
Die Therapie der Achillodynie zielt darauf ab, die Schmerzen an der Achillessehne zu lindern und die Heilung zu fördern - gleichzeitig können Entzündungen reduziert und Rückfälle verhindert werden. Sie erfolgt zunächst konservativ, also ohne Operation. Der Arzt stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie. Bei Notwendigkeit kann er eine Bandage verordnen.
Konservative Behandlungsmethoden
- Dehnübungen: Helfen, die Wadenmuskulatur wieder frei zu bekommen. Hierzu stellt man sich mit dem Vorfuß auf eine Treppenstufe und lässt die Ferse vorsichtig nach unten durchsacken. Anschließend langsam nach oben drücken, bis man nur noch auf den Zehenspitzen steht.
- Kühlen: Hilft, die Achillessehne zu kühlen, da so die entzündeten Bereiche abschwellen können.
- Wärmen: Hilft zusätzlich das Wärmen. Stoffwechselabbauprodukte können so besser abtransportiert werden und die körpereigene Regeneration beschleunigt sich.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Belastung der entzündeten Achillessehne zu reduzieren und die Heilung zu fördern.
- Physikalische Maßnahmen: Bei medizinischer Notwendigkeit können physikalische Maßnahmen wie Ultraschallbehandlungen, Elektrotherapie (TENS), Querfriktionen (spezielle Massagen der betroffenen Muskel- oder Sehnenfasern), Stoßwellentherapie oder Akupunktur verordnet werden.
- Bandagen: Bandagen können stabilisieren und entlasten. In der akuten Entzündungsphase können Patient:innen mit Hilfe von beiliegenden Fersenkeilen, die sie beidseitig in die Schuhe legen, die Achillessehne zusätzlich entlasten.
- Einlagen: Spezielle orthopädische Einlagen sowie Fersenkissen können helfen, die Achillessehne zu entlasten und die Fußstellung zu verbessern.
- Kühlen: Bei akuten Schmerzen oder Beschwerden können milde Kälteanwendungen mit Kühlkompressen bei Kühlschranktemperatur (circa 7 Grad) Schmerzen und Schwellungen lindern.
- Wärmen: Bei chronischen Verläufen können ein Heizkissen, eine Wärmflasche oder eine Massage mit einer heißen Rolle (in warmes Wasser getauchtes Frotteetuch) Linderung bringen und die Durchblutung des Sehnenansatzes fördern.
- Medikamente: Je nach Bedarf und ärztlicher Entscheidung können Betroffene für ein bis zwei Wochen schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen.
- Salben: Die betroffene Stelle kann mehrmals täglich mit entzündungshemmenden Cremes oder Salben massiert werden.
Weitere Behandlungsmethoden
- Plantarfaszie behandeln: Ebenso wie die Wadenmuskulatur "zieht" die Plantarfaszie an der Achillessehne. Um die Verklebung der Plantarfaszie zu lösen, hilft es, eine Blackroll-Kugel auf den Boden zu legen und mit dem Mittelfußbereich diese hin und her zu rollen.
- Laufschuhe: Da die Achillessehnenreizung oft durch extreme Stoßbewegungen, Muskelvibration und Druck verstärkt wird, können spezielle Laufschuhe helfen.
- Kompressionssocken: Verstärken die Integrität der Muskelstruktur und unterdrücken eine zu starke Muskelvibration.
- ACP (autologes konditioniertes Plasma): Ein Eigenblutprodukt, das die Heilung von Muskelverletzungen, Sehnen- und Knorpelproblemen signifikant beschleunigen und verbessern kann.
- REPULS-Tiefenstrahler: Eine neue, besonders schonend und schnell wirkende Methode, um das Abklingen von Entzündungen deutlich zu beschleunigen.
- Stoßwellentherapie: Eine neuere Methode zur Schmerzlinderung. Stosswellen scheinen die Selbstheilung einer Zelle zu aktivieren.
Operative Eingriffe
In schweren Fällen, in denen konservative Behandlungsmethoden nicht erfolgreich sind, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Dabei werden geschädigtes Gewebe entfernt oder eventuell bestehende Risse in der Sehne genäht. Operationen sind jedoch nur in Ausnahmefällen notwendig, wenn alle anderen Behandlungsansätze ausgeschöpft wurden.
Methoden:
- Endoskopische Achillessehnendekompression: Eine minimal-invasive Operationsmethode, die bei der chronischen Achillodynie und der Haglund-Deformität meist zu einem sehr guten Therapieerfolg führt.
- Offene Operation: Bei sehr ausgeprägten Fällen ist ein größerer Hautschnitt erforderlich. Die Achillessehne wird längsgespalten und die abgestorbenen, zentral gelegenen Sehnenanteile werden entfernt.
Vorbeugung von Achillessehnenproblemen
Grundsätzlich führt Inaktivität zu einer vorzeitigen Alterung der Sehne. Deshalb wirkt sich eine moderate Mobilisierung positiv auf eine gesunde Achillessehne aus. Ein ausgeglichenes Muskelsystem kann die Belastung der Achillessehne verringern und das Verletzungsrisiko senken.
Weitere Möglichkeiten zur Vorbeugung
- Planen Sie vor körperlicher Aktivität eine Aufwärmphase ein, um die Durchblutung zu steigern und die Muskeln sowie Sehnen auf die Belastung vorzubereiten.
- Dehnen Sie die Wadenmuskulatur regelmäßig, um die Beweglichkeit zu verbessern und die Belastung der Achillessehne zu verringern.
- Vermeiden Sie beim Sport eine übermäßige Steigerung des Trainingsumfangs oder der Intensität. Die Trainingsbelastung sollte allmählich gesteigert werden, um die Achillessehne langsam daran zu gewöhnen.
- Geben Sie der Achillessehne auch genügend Zeit zur Regeneration.
- Vermeiden Sie Übergewicht, da es die Achillessehne zusätzlich belasten kann. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können das Risiko einer Achillodynie verringern.
Radfahren als schonende Alternative
Wenn die Achillessehne beim Laufen/Joggen, Fußball oder Tennis Beschwerden macht, ist das Radfahren, ob sportlich oder locker, eine gute und Achillessehnen schonende Sportart. Die ständige Zugbelastung der Achillessehne beim Radfahren ist - wenn alles richtig eingestellt ist (richtiges bike fitting) - kein Problem, denn es wirkt hier das Phänomen der sogenannten Stress-Relaxation: Eine Belastung der Achillessehne durch Fahrradfahren wird dann geringer, wenn sie lange genug einwirkt.
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