Motorradhelmtest: Sicherheit, Komfort und Leistung im Fokus

Motorradhelme sind essenziell für die Sicherheit von Motorradfahrern. Sie schützen den Kopf und das Gehirn vor schweren Verletzungen im Falle eines Unfalls. Ein guter Helm muss richtig und bequem auf dem Kopf sitzen, viel Komfort bieten, sich intuitiv bedienen lassen.

Im Jahr 2024 wurden verschiedene Motorradhelme von Fachzeitschriften und Organisationen wie dem ADAC getestet. Diese Tests umfassen Laboruntersuchungen, Prüfstandversuche und Fahrversuche, um die Leistung der Helme in verschiedenen Kategorien zu bewerten.

Testkriterien im Detail

Die Testkriterien umfassen eine Vielzahl von Aspekten, die für die Sicherheit und den Komfort eines Motorradhelms entscheidend sind:

  • Passform und Tragekomfort: Wie gut sitzt der Helm auf dem Kopf? Gibt es Druckstellen?
  • Aerodynamik: Wie verhält sich der Helm bei hohen Geschwindigkeiten? Gibt es Windgeräusche oder Vibrationen?
  • Akustik: Wie laut ist der Helm während der Fahrt?
  • Belüftung: Ist eine ausreichende Belüftung vorhanden, um Hitzestau zu vermeiden?
  • Handhabung: Wie einfach lassen sich Visier, Kinnriemen und andere Bedienelemente bedienen?
  • Ausstattung und Verarbeitung: Welche zusätzlichen Funktionen bietet der Helm (z.B. Sonnenblende, Pinlock-Visier)? Wie hochwertig ist die Verarbeitung?
  • Gewicht: Wie schwer ist der Helm? Ein leichter Helm reduziert die Belastung der Nackenmuskulatur.
  • Schlagdämpfung und Rotation: Wie gut schützt der Helm bei einem Aufprall? Werden Rotationskräfte reduziert?

Klapphelmtest im Fokus

Klapphelme erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie den Komfort eines Jethelms mit dem Schutz eines Integralhelms verbinden. Im MOTORRAD-Klapphelm-Test 2024 gab es für jeden Testteilnehmer gute Kaufgründe. Die Zeitschrift "Motorrad" testete zwölf aktuelle Klapphelme (Heft 11/2024). Im Labor, auf dem Prüfstand und bei Fahrversuchen wurden zwölf Helme unterschiedlicher Preiskategorien in diesen Testkriterien untersucht:

  • Passform und Tragekomfort
  • Aerodynamik
  • Akustik
  • Belüftung
  • Handhabung
  • Ausstattung und Verarbeitung
  • Gewicht
  • Schlagdämpfung und Rotation

Testablauf

Fünf Exemplare eines jeden Helmmodells traten zum Test an: zwei in Größe M, je eines in Größe S, L und XL. Die M-Exemplare wurden unter verschärften Bedingungen auf dem Schlagdämpfungs- und Rotations-Prüfstand des TÜV Rheinland in Köln geopfert. Die XL-Testmuster verschlug es für Fahrversuche gen Norden. Konkret: forciertes Landstraßen- und Autobahntempo auf der geschwindigkeitsmäßig weitgehend unlimitierten A 23 zwischen Itzehoe (Steinburg) und Heide (Dithmarschen) und parallel verlaufenden Landstraßen. Als Untersatz diente dabei eine Kawasaki Versys 1000 SE (Windschild in unterster Position, Helm direkt angeströmt), die auf der Autobahn in der Spitze bis 200 km/h, meist aber mit 160 bis 180 km/h bewegt wurde.

Gemächlicher ging es bei den "Jethelm-Tests", also mit geöffneten Klapphelmen zu, und zwar auf einer unverschalten BMW R nineT Scrambler, die mit maximal 80 km/h auf kleinen Landstraßen und noch langsamer bei Ortsdurchfahrten erfolgten.

Nächste Station der Test-Tour: Magdeburg und die Firma Schuberth. Dort ging es mit den L-Testhelmen ins hauseigene "Air & Acoustic Lab", einen (Akustik-)Windkanal, und anschließend in den Klima-Prüfstand, in dem unter anderem heftigste Regengüsse simuliert werden können. Soundfiles und Fotografien dokumentieren neben der Computer-Auswertung die Arbeit im Windkanal, bei der in 4 verschiedenen Sitzpositionen (Touring, Sport, Supersport, Cruising) für je 10 Sekunden bei 100 km/h Windgeschwindigkeit, die am Fahrerohr ankommende Lautstärke gemessen wurde.

Bei der Dichtigkeitsprüfung im Klima-Prüfstand ging es darum, 3 Minuten bei einer Windgeschwindigkeit von 80 km/h und sehr viel Wasser (etwas über zwei Liter pro Minute) ohne Wassereinbruch zu überstehen.

Ergebnisse des Klapphelmtests

Testsieger im Klapphelmtest der Zeitschrift "Motorrad" wurde der Schuberth C5. Dieser Helm überzeugte vor allem durch seine sehr gute Brillentauglichkeit, die komfortable Passform und die einfache Bedienung. Auch die Schlagdämpfungswerte und die Aerodynamik wurden positiv hervorgehoben.

Weitere gut bewertete Klapphelme im Test waren:

  • Shoei Neotec 3
  • Nolan N100-6
  • LS2 FF901 Advant X Carbon
  • HJC RPHA 91 Carbon

Einige Modelle schnitten im Test weniger gut ab. In Sachen Schlagdämpfung bieten jedoch auch die beiden letztplatzierten Helme noch ordentlichen bis sehr guten Schutz.

Die Favoriten der Retter

Drei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Eddelak in Dithmarschen/Schleswig-Holstein probierten, wie leicht das bei den Testkandidaten fällt. Das Öffnen der Visiere bereitete keinem der Gasttester Schwierigkeiten. Bei den beiden anderen Handgriffen gab es aber durchaus Kritik.

Die Favoriten der Retter: Schuberth und Shoei. Auch bei den Verlierern sind sich alle einig: Nolan und Airoh. Zusatz-Test: Helmabnahme im geschlossenen Zustand: Bei Airoh, Germot, Harley-D., HJC, LS2, MTR, Nolan, Rocc und Shoei möglich; bei AGV, BMW und Schuberth eher nicht.

Die Anmerkungen der Feuerwehrmänner:

  • AGV: Kinnteilhebel (KTH) gut zu erkennen, Bewegungsrichtung (Ziehen) aber nicht selbsterklärend; Kinnriemen (KR) sehr einfach zu öffnen.
  • Airoh: KTH für Laien nicht und auch für Profis nur schwer zu finden, hinter schwarzem Windabweiser versteckt; KR einfach zu öffnen.
  • BMW: Alles klar zu erkennen und gut zu bedienen, KTH dürfte aber noch etwas größer sein.
  • Germot: KTH hinter Windabweiser etwas versteckt, aber auch mit dem (roten!) Stoff davor relativ gut zu bedienen; KR sehr einfach zu öffnen.
  • Harley-Davidson: Alles gut zu erkennen, KTH sehr leichtgängig; Doppel-D-KR für Laien ggf. etwas komplizierter zu öffnen als Ratsche.
  • HJC: Einseitige Visier-Öffnungslasche ggf. versteckt, wenn Unfallopfer auf der "falschen" Seite liegt; KTH gut zu erkennen, Griffmulde aber etwas klein.
  • LS2: KTH nicht zu erkennen, da nicht rot markiert und sehr klein - kann leicht mit dem deutlich größeren Belüftungsschieber verwechselt werden; KR-Öffnen einfach.
  • MTR: Alles klar erkennbar und selbsterklärend, Öffnung des KTH aber etwas klein; KR sehr einfach zu öffnen.
  • Nolan: KTH (Doppelhebel) nicht selbsterklärend und auch für Profis nicht auf Anhieb zu bedienen; KR-Hebel nur fummelig zu bedienen.
  • Rocc: KTH erfordert viel Kraft; KR einfach zu öffnen.
  • Schuberth: KTH auch von vorn gut zu erkennen, alles perfekt.
  • Shoei: KTH auch von vorn zu erkennen, alles perfekt.

Integralhelme im Überblick

Neben Klapphelmen sind Integralhelme eine beliebte Wahl für Motorradfahrer. Sie bieten einen hohen Schutz, da die Außenschale den gesamten Kopf umschließt. Integralhelme in der Übersicht:

  • X-Lite X803 RS Carbon: Der X-Lite X803 besteht aus Carbon und ist mit rund 1,5 kg Gewicht besonders leicht.
  • Shoei X-Spirit 3: Helmspezialist Shoei verkauft mit dem X-Spirit III einen Rennhelm vor allem für Besitzer:innen von Superbikes.
  • HJC C70N: Eine vergleichsweise günstige Variante des namhaften Herstellers HJC ist der C70N.
  • HJC RPHA71: Etwas hochwertiger und teurer ist der HJC RPHA71, den der Hersteller als Sporttouring-Helm deklariert.
  • Shark Ridill 2: Der Polycarbonat-Helm ist nach der ECE-Norm 22.06 zertifiziert und verfügt über ein integriertes Sonnenvisier mit UV-Schutz. Zudem soll er auch für Brillenträger:innen geeignet sein.

Wichtige Normen und Prüfzeichen

Beim Kauf eines Motorradhelms sollte unbedingt auf die Einhaltung der aktuellen Prüfnormen geachtet werden. Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit Juni 2022 geprüft wird. Seit Juni 2023 dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden. Nach ECE 22.05 geprüfte Helme dürfen natürlich weiterverwendet werden. Hier gibt es keine Austauschpflicht. Bei einer Neuanschaffung sollte man aber auf die aktuellste Prüfnorm achten.

Die ECE-Normen gewährleisten, dass der Helm bestimmte Sicherheitsstandards erfüllt. Die Kennzeichnung mit dem E in dem Kreis und der Prüfnummer verweist ausreichend auf die Anwendung der Prüfnorm ECE-R 22.

Materialien und Bauarten

Motorradhelme werden aus verschiedenen Materialien hergestellt, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Grob unterscheiden sich zwei Arten von Materialien: Duroplast und Thermoplast.

Duroplaste bestehen aus Werkstoffen wie Aramidfaser, Glasfaser oder Kohlefaser. Die Oberfläche hält großen Belastungen stand und weist eine hohe Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Lösungsmitteln auf.

Thermoplast-Helme bestehen unter anderem aus ABS oder Polycarbonat und werden unter Hitzeeinwirkung im Spritzgussverfahren hergestellt - sie sind einfacher zu produzieren und daher meist günstiger. Deshalb sollte eine zusätzliche schützende spezielle Lackschicht aufgetragen sein.

Tipps für den Helmkauf

Bei der Auswahl des richtigen Motorradhelms sollten folgende Tipps beachtet werden:

  • Planen Sie genügend Zeit für den Kauf ein.
  • Suchen Sie Fachhändler auf, die eine große Auswahl an Helmen anbieten.
  • Messen Sie Ihren Kopfumfang, um die passende Helmgröße zu ermitteln.
  • Probieren Sie den Helm an und achten Sie auf einen festen, aber bequemen Sitz.
  • Berücksichtigen Sie Ihre individuellen Bedürfnisse (z.B. Brille, Kommunikationssystem).
  • Führen Sie eine Probefahrt durch, um den Helm unter realen Bedingungen zu testen.
  • Achten Sie auf die Einhaltung der aktuellen Prüfnormen (ECE 22.06).

Lärmschutz beim Motorradfahren

Die akustische Belastung durch Lärm beim Motorradfahren kann zu Langzeitschäden führen. Daher sollten Motorrad- und Rollerfahrer unter ihrem Helm einen Gehörschutz tragen. Eine Untersuchung der niederländischen Motorradpolizei hat gezeigt, dass bei der Nutzung eines normalen Motorradhelms schon 90 Sekunden bei Tempo 160 genügen können, um bleibende Schäden zu verursachen.

Für den Motorradfahrer bieten sich zwei Ausführungen an: Gehörschutzstöpsel aus Schaumstoff und sogenannte "Otoplastiken", die an das eigene Ohr angepasst werden.

Zusätzliche Informationen

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Motorradhelmtests und wichtige Aspekte beim Helmkauf. Es ist jedoch ratsam, sich vor dem Kauf auch von einem Fachhändler beraten zu lassen, um den optimalen Helm für die eigenen Bedürfnisse zu finden.

Testergebnisse im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse verschiedener Motorradhelmtests zusammen:

Modell Preis in Euro Urteil Motorrad
Schuberth C5 ab 699,00 Sehr gut
Shoei Neotec 3 ab 669,00 Sehr gut
Nolan N100-6 ab 399,99 Sehr gut
LS2 FF901 Advant X Carbon ab 469,00 Sehr gut
HJC RPHA 91 Carbon 699,90 Sehr gut
BMW System 7 Carbon Evo ab 710,00 Gut
AGV Tourmodular ab 549,95 Gut
Germot GM 970 59,90 Gut
Airoh Specktre ab 259,99 Gut
MTR K-4 Evo ab 99,99 Gut
Rocc 810 ab 189,95 Befriedigend
Harley-D. Evo X17 Sunshield Modular 383,00 Befriedigend

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