Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Zwischen Politik und Leidenschaft für Motorräder

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (65), FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl, ist nicht nur eine profilierte Verteidigungs- und Sicherheitspolitikerin, sondern auch eine begeisterte Motorradfahrerin. Ihre klare Haltung und ihr Engagement in der Politik werden von einer persönlichen Leidenschaft begleitet, die sie seit vielen Jahren pflegt.

Strack-Zimmermanns Kandidatur für Europa

„Ich stehe bereit“, so die klare Ansage von Marie-Agnes Strack-Zimmermann (65) in Richtung Europa. Am Donnerstagabend wurde sie offiziell als FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl nominiert. „Ich habe mich sehr über die Nominierung des Bundesvorstands gefreut“, so Strack-Zimmermann zu BILD. Ihr Angebot für das Europäische Parlament: „Ich bin Verteidigungs- und Sicherheitspolitikerin, darum würde ich diese Expertise nach Europa mitnehmen.“

Für Strack-Zimmermann ist klar: „Die Zukunft der Sicherheitspolitik ist europäisch“. Die Eindrücke aus der Ukraine, aber auch in den baltischen und nordischen Staaten sind ihr Beweggrund für die Europa-Kandidatur. „Die Grenze zu Russland bereitet den Menschen dort große Sorgen. Hier ist Europa in der Pflicht, um die Sicherheit dieser Staaten zu gewährleisten.“

Bei der letzten EU-Wahl 2019 holte die FDP 5,4 Prozent der Stimmen - mit Strack-Zimmermann als Spitzenkandidatin sollen es mehr werden, das erhofft sich der FDP-Bundesvorstand. Nach ihrer Antrittsrede wurde sie auf dem FDP-Parteitag am Samstag mit Standing Ovations gefeiert.

Fokus auf Verteidigung

Als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses habe sie seit Kriegsbeginn eins gelernt: „Es benötigt in solchen Situationen wie der jetzigen durchdachte und schnelle Entscheidungen - aber auch Partner, die das Vorgehen gemeinsam abstimmen und durchziehen.“

Die Motorrad-Leidenschaft

Das ist aber nicht das Einzige, was sie im Gepäck hätte …„Ich würde möglicherweise mein Motorrad mit nach Brüssel nehmen“, so Strack-Zimmermann zu BILD. „Vorausgesetzt ich finde dort einen Garagenstellplatz. Auf der Straße hat es nur fahrend etwas zu suchen.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (65) hat etwas mit James Bond gemeinsam! In ihrer Garage in Düsseldorf steht eine BMW 1200 C. Mit einer solchen 256 Kilogramm schweren Maschine (61 PS, bis zu 168 km/h) fuhr bereits Pierce Brosnan (70) 1997 in „Der Morgen stirbt nie“.

„Meine Leidenschaft fürs Motorradfahren liegt in weiten Strecken“, sagt Strack-Zimmermann zu BILD. „Zehn Tage durch Italien fahren. Oder zwei Wochen durch die Vereinigten Staaten, was ich schon gemacht habe. Ich habe die Maschine weniger für die Stadt. Da fahre ich einen Motorroller.“

Nicht nur ihr BMW-Motorrad, auch ihr ältester Bruder muss geduldig auf sie warten. „Mit ihm fahre ich seit 25 Jahren durch die Welt.“ Zusammen wollen sie eines Tages nach Argentinien und Chile. „Wir würden uns vor Ort Motorräder mieten.“ Wann sich die Politikerin diesen Traum erfüllen kann, ist jedoch völlig offen.

Ihr geliebter Mann Horst Strack-Zimmermann (82), mit dem sie seit 44 Jahren zusammen ist, teilt ihre Leidenschaft nicht. „Er ist kein Motorradfahrer und demnach auch noch nie mitgefahren.“ Auch nicht als Sozius.

Der Führerschein im Schnellverfahren

An ihre Führerscheinprüfung 1976 kann sich die Düsseldorferin noch gut erinnern. „Ich bin aus dem Fahrschulauto raus, einem Golf, und aufs Motorrad gestiegen. Ich hatte damals schon mein eigenes, eine Honda 200. Jemand fuhr es für mich zur Prüfung.“ „Eine Acht fahren, einmal Vollbremsung, dann sagte die Fahrlehrerin, ‚wir gratulieren Ihnen herzlich‘, und das war’s. Das ist heute unvorstellbar.“ Das sehe sie inzwischen, als Mutter zweier Söhne mit Motorradführerschein, selbst so. „Man muss das Fahren richtig trainieren. Nachtfahrten, Regenfahrten.

Strack-Zimmermann über Feminismus

Frauen würden generell ständig taxiert - sowohl für ihr Aussehen als auch für ihr Auftreten, auch von anderen Frauen. Man werde schnell beschimpft, wenn man laut und pointiert auftrete, was offenbar nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entspreche. Sie betont, ihr entschlossenes Auftreten sei kein zugelegtes, politisches Werkzeug. Sie sei schon immer so gewesen, schon lange bevor die Rollenbilder für Frauen und Männer gesellschaftlich diskutiert wurden. So fahre sie etwa seit 48 Jahren Motorrad, was für Frauen früher ungewöhnlich war.

Anfeindungen und Reaktionen

Die Europaspitzenkandidatin ist erstaunt über die Gewaltfantasien und die Wut mancher Leute - im Internet sei es besonders schlimm, da dort zudem gezielt Trolle unterwegs seien. Solche Kommentare lösche sie und sperre die Accounts. Und sie erstatte auch Anzeige, „im Monat bestimmt gegen 200 Leute“, sagte sie in einem Interview mit dem „Spiegel“. Darunter seien „oft grobe Gewaltandrohungen, Nazisprache ist auch häufig dabei“. Diese Anfeindungen erhalte sie „im Netz und per Brief, jeden Tag“.

Die Entgleisungen einzelner Leute verletzten die Europaspitzenkandidatin aber nicht persönlich, dafür seien sie zu „blöd“. Sie versuche, der allgemeinen schlechten Stimmung entgegenzuwirken, manchmal auch mit Humor. So nutze sie beispielsweise eine abfällige Bemerkung, die von einem außenpolitischen Berater des Bundeskanzlers über sie gemacht wurde, für ihren Europawahlkampfspot. Dort reagiert sie auf die Bemerkung „Boah, die Alte nervt“ mit „Ja, stimmt, ich bin alt und ja, ich nerve, weil mir Politik eben nicht egal ist.“ Man dürfe nicht einfach das Recht des Stärkeren akzeptieren. Sie nerve bewusst die Richtigen - Bedenkenträger, Autokraten, Bürokraten und die Bequemen.

Seit ihrem Wahlkampfstart am 6. Januar muss sie nicht nur mit verbalen Attacken rechnen. Deshalb begleiteten sie mehrere Personenschützer bei ihren Reisen. „Das ist ungewohnt, aber so ist es nun mal.“ Sie sei angesichts der Drohungen sensibler geworden und treffe Vorsichtsmaßnahmen: „Mit meiner Familie zeige ich mich so gut wie gar nicht in der Öffentlichkeit. Ich möchte nicht, dass sie fotografiert wird.“ Trotz allem betont die FDP-Spitzenkandidatin, dass sie sehr gerne Politikerin sei, weil sie die Möglichkeit habe, Dinge zum Guten zu verändern.

Engagement für den Kinderhospizdienst

Statt Rednergeschenke wie Pralinen und Blumen bittet sie auf ihrer Wahlkampftour um Spenden für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Düsseldorf, dessen Schirmherrin Sie ist. Wenn Kinder mit Leben verkürzenden Erkrankungen auf die Welt kommen, sind die Familien extrem belastet und es entstehen viele Beziehungsprobleme. Sie setzt sich dafür ein, dass die Kinder in ihrem Umfeld bleiben können, bis zum letzten Tag.

Biker4Kids

Bereits seit 2007 unterstützen die Biker4Kids die Kinderhospizarbeit in Düsseldorf und speziell den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst. Seit dem ersten Korso im Jahre 2009 findet diese Veranstaltung einmal jährlich in der Landeshauptstadt Düsseldorf statt und hat sich bis heute zu einer der größten Motorrad-Benefizveranstaltungen in Deutschland entwickelt. Neben der Ausfahrt, an der zwischenzeitlich mehr als 2.000 Biker teilnehmen, findet den ganzen Tag über ein buntes Rahmenprogramm - nicht nur für Motorradfahrer/-innen statt.

Insgesamt über 30 Verkaufs- und Infostände warteten auf die Gäste, auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Das Startgeld betrug unverändert einen Euro, welches am Einlass in die Startgeldtonne geworfen wurde. Im Gegenzug erhielten die Teilnehmer ein grünes Bändchen vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst für den Spiegel.

Thema Details
Politische Karriere FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses
Motorrad-Leidenschaft Besitzt eine BMW 1200 C, fährt seit 48 Jahren Motorrad
Engagement Schirmherrin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes, unterstützt Biker4Kids
Anfeindungen Erhält Drohungen und Beleidigungen, geht juristisch dagegen vor

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