Airbag für Radfahrer: Funktion und Alternativen

Einen Airbag kennt jeder aus dem Auto. Er soll den Fahrer bei einem Aufprall schützen und die Kräfte, die auf den Körper wirken, abdämpfen. Nach einem ähnlichen Prinzip hat Minerva-AS aus Erding jetzt ein Fahrrad-Airbag geschaffen, der Fahrradfahrerinnen und Biker bei einem Unfall besser vor schweren Verletzungen an Schultern, Brust oder Kopf schützen soll.

Funktionsweise von Fahrrad-Airbags

Der Airbag registriert plötzliche Beschleunigungen und soll sich beim Sturz in Sekundenbruchteilen aufblasen. Das Herzstück des Fahrrad-Airbags sind Sensoren in der Halskrause, die den Fahrenden überwachen. Pro Sekunde checken die Sensoren 200 Mal, wie sicher der Fahrradfahrer oder die Fahrerin gerade unterwegs ist. Kommen die Fahrenden aus dem Gleichgewicht und fallen, soll der Airbag innerhalb von 80 Millisekunden auslösen. Das ist so schnell, dass der Airbag bei vielen Unfällen tatsächlich rechtzeitig reagieren kann, behauptet der Hersteller auf seiner Webseite.

Kommt es zum Sturz, soll sich der Fahrradairbag in nur 150 Millisekunden aufblasen - das kann in Notfällen entscheidend sein. Die Sensoren des AirRide-Rucksacks messen 300-mal pro Sekunde die Position, Beschleunigung und Bewegungen des Fahrradfahrers. Ein speziell entwickelter Algorithmus analysiert diese Daten kontinuierlich und erkennt potenzielle Stürze, so der Hersteller. Im Falle eines Unfalls soll der Airbag automatisch ausgelöst werden und so vor Verletzungen schützen.

Der AirRide Airbag-Rucksack ist auch für längere Touren gerüstet: Minerva-AS gibt die Akkulaufzeit des Fahrrad-Airbags mit 30 Stunden nach Schließen der Aktivierungsschnalle an.

Beispiele für Fahrrad-Airbags

Hövding

„Der sicherste Fahrradhelm der Welt ist kein Helm.“ So und als „unsichtbaren Helm“ bewarb die schwedische Firma Hövding ihren Airbag für Radler. Aufgeblasen legt sich der Hövding wie eine Friseurhaube um den Kopf. Durch den Rundumschutz erzielte der aufgeblasene Airbag bessere Sicherheitsnoten als die Helme des Tests. Er schützt den Kopf sehr gut und verringert das Risiko für Hirnverletzungen deutlich.

In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen. Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten. Im Flug hat mit einem lauten Knall der Hövding ausgelöst, umschließt und schützt seinen Kopf - optisch erinnert der entfaltete Airbag an eine Trockenhaube für den privaten Gebrauch. Auf den Aufnahmen der Spezialkamera erkennt man im Zeitraffer, dass sich der Airbag komplett geöffnet hat, als Stuntman Wilk etwa drei Viertel seines Saltos hinter sich hat.

Nach der Insolvenz Ende Dezember 2023 gehört Hövding inzwischen zum Technologieunternehmen iSi mit Hauptsitz in Österreich. Auf seiner Homepage kündigt das Unternehmen an, dass Mitte 2026 der Hövding 4 auf den Markt kommen soll.

Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm. Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss. Der Helm ist immer da, bietet sozusagen ab Millisekunde 0 vollen Schutz.

Minerva-AS AirRide

Das neueste Modell in der MASE Airding-Serie soll fortschrittliche Technologie mit angenehmen Tragekomfort und hohem Schutz bei Stürzen auf dem Fahrrad vereinen. Der AirRide Fahrrad-Airbag wiegt laut Hersteller 1200 Gramm, zu dem noch ein austauschbarer Inflator hinzukommt. Nach einer Auslösung lässt sich der Airbag zusammenfalten und der Inflator kann ausgetauscht werden. Dieses wiederverwendbare Sicherheitskonzept ist ideal für umweltbewusste Radfahrer/innen.

Der wesentliche Unterschied zwischen dem AirTour und dem AirRide besteht im zusätzlichen Schulterschutz des AirRide. Für Fahrradfahrer und Bikerinnen mit einem besonderen Schutzbedürfnis ist der AirRide ideal, während solche, die auf ein möglichst geringes Gewicht achten, eher der AirTour gemacht ist.

Er soll den nötigen Schutz sowohl in städtischen Umgebungen als auch bei Triathlons oder langen Radtouren bieten. Auch Mountainbiker aus den Disziplinen Cross-Country, All-Mountain oder Marathon profitieren vom Einsatz des AirRide.

Der Fahrrad-Airbag AirRide ist im Online-Shop von Minerva-AS oder im Fachhandel erhältlich und kostet 799 Euro.

Vor- und Nachteile von Fahrrad-Airbags

Vorteile

  • Besserer Schutz als herkömmliche Fahrradhelme, wenn er sich öffnet.
  • Guter Schutz vor Kopfverletzungen.
  • Schutz des Nackens und der Wirbelsäule.

Nachteile

  • Funktioniert nicht, wenn der Akku leer ist.
  • Öffnet sich nicht in allen Situationen rechtzeitig.
  • Benötigt eine gewisse Zeit zum Auslösen (80-150 Millisekunden).
  • Kann bei plötzlichen Zusammenstößen zu spät kommen.
  • Eingeschränkter Tragekomfort im Vergleich zu Helmen.
  • Kann bei harmlosen Stürzen auslösen und muss dann ausgetauscht werden.
  • Hoher Preis.

Alternativen und Ergänzungen

Neben Fahrrad-Airbags gibt es auch andere Möglichkeiten, die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen:

  • Fahrradhelme: Bieten sofortigen Schutz von der ersten Millisekunde an.
  • Airbagwesten: Schützen zusätzlich den Nacken-, Schulter-, Rücken- und Brustbereich.

Tabelle: Vergleich von Fahrrad-Airbags und Helmen

Merkmal Fahrrad-Airbag Fahrradhelm
Schutzwirkung Sehr guter Schutz bei Auslösung Guter Grundschutz
Auslösezeit 80-150 Millisekunden Sofort
Schutzbereich Kopf, Nacken, teilweise Schultern Kopf
Tragekomfort Eingeschränkt Höher
Preis Hoch Niedriger bis mittel

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