Motorräder mit Kardanantrieb: Modelle, Funktionsweise und mehr

Motorräder mögen auf den ersten Blick simpel erscheinen, doch ihre Antriebssysteme sind wahre Kunstwerke der Technik. In diesem Artikel widmen wir uns dem Kardanantrieb, der aufgrund seiner Robustheit und Wartungsarmut oft bevorzugt wird.

Funktionsweise des Kardanantriebs

Der Kardanantrieb ist ein Antriebssystem, das die Kraft vom Motor auf das Hinterrad überträgt, ohne dabei die Vorteile des Federungskomforts zu hemmen. Dies geschieht durch eine Kombination aus einer Kardanwelle mit einem Winkelgetriebe.

Die Kardanwelle, oft auch als Kardantriebswelle bezeichnet, ist das Herzstück des Kardanantriebs. Sie besteht aus mehreren miteinander verbundenen Rohren und Gelenken, die die Drehbewegung vom Getriebe zum Hinterradantrieb übertragen. Das Kardangelenk ermöglicht die notwendige Winkeländerung, um Unebenheiten in der Straße auszugleichen, während die Kraft gleichmäßig übertragen wird.

Vorteile des Kardanantriebs

Der Kardanantrieb zeichnet sich durch eine direkte Kraftübertragung aus, die ein stabiles und kontrolliertes Fahrverhalten unterstützt. Unmittelbare Beschleunigung und ein präzises Handling werden dadurch ermöglichen. Dies trägt zur Sicherheit und Fahrpräzision bei.

Die ausgeklügelte Konstruktion des Kardanantriebs minimiert den Verschleiß und erfordert nur geringfügige Wartung. Dies erhöht die Zuverlässigkeit und senkt die Unterhaltskosten.

Nachteile des Kardanantriebs

Der Kardanantrieb ist zwar robuster, aber auch komplexer und schwerer als andere Antriebsarten. Dieses zusätzliche Gewicht kann das Handling und die Agilität des Motorrads beeinflussen. Die Wartung kann aufgrund der komplizierten Bauweise zudem anspruchsvoller sein.

Der Kardanantrieb kann zu einer Trägheit in den Bewegungen des Motorrads führen, insbesondere beim Einlenken und Herausbeschleunigen aus Kurven. Der sogenannte „Antriebseinfluss“ kann zu subtilen Veränderungen im Fahrverhalten führen.

Wartung und Pflege des Kardanantriebs

Planen Sie eine regelmäßige Wartung des Kardanantriebs alle 12.000 bis 15.000 Kilometer oder einmal im Jahr ein. Bei aggressiver Fahrweise oder häufigen Langstreckenfahrten kann eine häufigere Inspektion erforderlich sein. Überprüfen Sie bei der Wartung die Ausrichtung der Kardanwelle, den Zustand der Gelenke und die Schmierung.

Verwenden Sie hochwertige Schmiermittel wie vollsynthetische Getriebeöle mit geeigneter Viskosität (z. B. SAE 85W-140). Solche Schmiermittel bieten eine verbesserte Temperaturbeständigkeit und Schutz vor Verschleiß. Beachten Sie die empfohlenen Schmierintervalle und halten Sie die Antriebskomponenten sauber und gut geschmiert.

Eine grobe Schätzung für den Kardanwechsel könnte in einer Spanne von 300 bis 1000 Euro liegen.

Performance und Fahrerfahrung des Kardanantriebs

Der Kardanantrieb sorgt für eine direkte Übertragung der Motorleistung auf das Hinterrad, was eine sofortige Beschleunigung und eine ausgewogene Fahrdynamik gewährleistet. Dies führt zu einer stabilen Performance in verschiedenen Fahrsituationen.

Im Vergleich zu Ketten- und Riemenantrieben bietet der Kardanantrieb den Vorteil einer geringeren Wartungsintensität. Dies bedeutet weniger Aufwand für die Instandhaltung und mehr Zeit, um die Fahrt zu genießen.

Technologische Entwicklung und Zukunftsaussichten

Die zukünftige Entwicklung des Kardanantriebs könnte auf verbesserten Materialien und leistungsstärkeren Dämpfungssystemen beruhen, um Vibrationen zu minimieren und das Gesamtfahrerlebnis zu optimieren. Leichtbau könnte ebenfalls eine größere Rolle spielen um Gewicht zu sparen.

Der Kardanantrieb wird wohl weiterhin in Touring- und Cruisermotorrädern eine bedeutende Rolle spielen, da er sich als zuverlässiges, wartungsarmes System etabliert hat. Gleichzeitig könnten Innovationen den Kardanantrieb auch für andere Motorradtypen attraktiver machen.

Vergleich mit anderen Antriebsarten

Vergleich der Antriebsarten: Kardanantrieb, Kettenantrieb und Riemenantrieb - finde heraus, welcher für Dich die optimale Wahl darstellt!

  • Kettenantrieb: Im Vergleich zum Kettenantrieb zeichnet sich der Kardanantrieb durch seine geringere Wartungsintensität aus, da er keine regelmäßige Schmierung und Anpassung erfordert. Der Kettenantrieb ermöglicht hohe Leistung, erfordert jedoch regelmäßige Schmierung und Justierung, ist jedoch pflegeintensiver.
  • Riemenantrieb: Der Kardanantrieb besticht durch seine Widerstandsfähigkeit und präzise Kraftübertragung, während der Riemenantrieb mit ruhiger Fahrweise und geringem Wartungsaufwand punktet. Der Riemenantrieb hingegen zeichnet sich durch eine leisere Fahrt und weniger Pflegebedarf aus.

Motorräder mit Kardangetriebe

Viele Hersteller bieten Motorräder mit Kardanantrieb an. Hier sind einige Beispiele:

  • BMW: BMW ist bekannt dafür, Kardanantrieb in vielen seiner Motorradmodelle einzusetzen, insbesondere in den Touren- und Adventure-Bikes wie der BMW R 1250 GS und der BMW K 1600 GT.
  • Ducati: Obwohl Ducati hauptsächlich für seine sportlichen Motorräder bekannt ist, verwenden sie auch in einigen Cruiser-Modellen wie der Ducati XDiavel den Kardanantrieb.
  • Moto Guzzi: Der italienische Hersteller Moto Guzzi ist berühmt für seine Cruiser- und Touring-Modelle, die oft den Kardanantrieb verwenden, wie die Moto Guzzi California oder die Moto Guzzi Audace.
  • Yamaha: Yamaha hat den Kardanantrieb in einigen seiner Touring- und Cruiser-Modelle wie der Yamaha Royal Star Venture und der Yamaha Star Venture eingesetzt.
  • Triumph: Triumph setzt Kardanantrieb in einigen seiner klassischen Modelle ein, darunter die Triumph Bonneville T120 und die Triumph Thruxton.
  • Honda: Während Honda hauptsächlich Kettenantrieb verwendet, haben sie auch in einigen ihrer Modelle wie der Honda Gold Wing den Kardanantrieb eingesetzt.
  • Harley-Davidson: Harley-Davidson verwendet oft Kardanantrieb in seinen Touring-Modellen wie der Harley-Davidson Electra Glide und der Harley-Davidson Road King.

Neue Werkstatt-Vorgaben auch für die BMW R 1300 GS

BMW schreibt nach 100 Jahren, ab 2023, regelmäßige Überprüfungen und Wechsel für den Kardan vor. Das gilt rückwirkend für die R-Modelle mit wassergekühltem Boxer-Motor ab Baujahr 2013. Bei den R 1200- und R 1250-Modellen soll die Gelenkwelle alle 60.000 Kilometer gewechselt werden. Bei der neuen R 1300 GS und den nachfolgenden R 1300-Modellen alle 80.000 Kilometer.

Bei den Modellen R 1250 GS , R 1250 GS Adventure, R 1250 RT, R 1250 RS und R 1250 R sowie bei den R 1200-Modellen mit wassergekühltem Boxer-Motor - ab 2013 - soll der Kardan alle 20.000 Kilometer nachgeschmiert sowie auf Rost, Verschleiß und Schäden untersucht werden.

Falls keine Defekte, Beschädigungen oder starker Rost festgestellt werden, soll bei den 1200er- und 1250er-Modellen mit wassergekühltem Boxer-Motor spätestens alle 60.000 Kilometer die Kardanwelle gewechselt, also erneuert werden.

Bei der BMW R 1300 GS und den weiteren, ab 2024 folgenden R 1300-Modellen sind die regelmäßigen Kardan-Inspektionen alle 20.000 Kilometer bereits von vornherein im Wartungsplan vorgeschrieben. Ebenso die regelmäßigen Kardan-Wechsel - hier jedoch alle 80.000 Kilometer.

Kardan im Vergleich mit Kette oder Riemen

Und selbst dann bleibt der Kardan im Aufwand-Kosten-Vergleich mit anderen Motorrad-Endantrieben vorn. Offen laufende Endantriebsketten müssen bekanntlich in deutlich kürzeren Abständen geschmiert, gereinigt, nachgespannt und komplett mit Ritzel und Kettenrad erneuert werden. Erfahrungsgemäß alle 15.000 bis 30.000 Kilometer, abhängig von Pflege und Fahrstil. Dennoch führen die neu bei BMW eingeführten Maßnahmen zu einer teilweisen Entglorifizierung des Kardan als nahezu wartungsfreie Dauerlösung für den Endantrieb. Zumal es im Vergleich mit dem sauberen und langlebigen Endantrieb per Riemen so immer enger wird.

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